Die Kirchenruine von Heinsdorf (Landkreis Teltow-Fläming)

Kirchenruine Heinsdorf 
 Großbildansicht

Die ehemals mächtige Feldsteinkirche in Heinsdorf bietet zur Zeit einen traurigen Anblick. Als ungesicherte Ruine auf dem Dorfanger ist sie nicht gerade eine Zierde für das ansonsten hübsche Dorf. Dies stört die Heinsdorfer seit langem. Außerdem vermissen sie das regelmäßige Läuten der Kirchenglocken, das aus statischen Gründen bereits vor Jahren eingestellt werden musste.

Bereits 1960 berichten die Bauunterlagen der Kirchengemeinde vom maroden Kirchendach. Die Pfarrstelle im Dorf war seit zwanzig Jahren nicht mehr besetzt, Geld für umfassende Instandsetzungsarbeiten fehlte und Handwerker waren zu dieser Zeit für Arbeiten an kirchlichen Gebäuden nur schwer zu bekommen. Kurz darauf schätzte ein weiteres Gutachten die Dachkonstruktion als akut vom Einsturz bedroht ein. Anfang 1970 wurde das Dach abgenommen und der Turm auf die Höhe von etwa acht Metern verkürzt. Die Mauern des Kirchenschiffes wurden bis auf eine Höhe von etwa zwei Metern abgetragen und mit Erde aufgefüllt.

Die Ausstattungsstücke der Heinsdorfer Kirche wurden damals in andere Kirchen gegeben oder gingen verloren. Ein laut Inschrift 1717 von Joh. Chr. Schütze geschaffener Barockaltar mit geschnitztem Kruzifix war bereits 1970 durch Wurmfraß weitgehend zerstört, wie in Aufzeichnungen zu lesen ist. Er dürfte ebenso verloren sein, wie eine ebenfalls barocke Kanzel sowie die reich gestaltete Patronatsloge.

Im verkürzten Turm blieben zwei Stahlglocken erhalten, die 1924 als Ersatz für die im Ersten Weltkrieg abgelieferten Bronzeglocken gegossen wurden. Um diese wieder zum Klingen zu bringen, gründete sich vor wenigen Tagen der "Förderverein Sanierung Kirche Heinsdorf" mit immerhin etwa dreißig Mitgliedern. Der Verein möchte den Glockenturm sanieren und die Umfassungsmauern des Kirchenschiffes sichern. Nach der Instandsetzung könnten hier Gottesdienste oder kulturelle Veranstaltungen unter freiem Himmel stattfinden. Im Turm soll eine Ausstellung zur Geschichte des Ortes und seiner Kirche entstehen. Kurz vor der Gründungsversammlung erhielten die Heinsdorfer die schriftliche Nachricht von der Aufnahme ihrer Kirche in die Denkmalliste des Landes Brandenburg. Trotz des derzeit schlechten Bauzustandes wird die geschichtliche und städtebauliche Bedeutung des Denkmals gewürdigt und seine Erhaltung gefordert.

Der Förderkreis Alte Kirchen half bei der Vorbereitung der Vereinsgründung und stellte für ein erstes Baugutachten 1.500 Euro zur Verfügung. Durch ein Ingenieurbüro werden die Bauschäden aufgelistet, Vorschläge für Sicherungsmaßnahmen erarbeitet und eine Kostenschätzung aufgestellt. Es wird sicher noch etwas Zeit vergehen, bis die Heinsdorfer Glocken wieder regelmäßig den Feierabend einläuten können, aber ein Anfang ist erst einmal gemacht.

Weitere Informationen über: Dr. Gerhard Schliebener; Tel.: (03 37 44) 6 04 06



Zum Weiterlesen:
Lausitzer Rundschau vom 05. Februar 2008: Heinsdorfer Förderverein hat bereits 6000 Euro
Märkische Allgemeine vom 08. Februar 2008: Enthusiasten und Experten großer Bahnhof an der Ruine
Lausitzer Rundschau vom 13. Februar 2008: Finanzierung der Heinsdorfer Kirchenruine noch offen
Lausitzer Rundschau vom 29. Juli 2008: Im August erster Spatenstich in Heinsdorf
Lausitzer Rundschau vom 19. August 2008: Aus Heinsdorfer Ruine soll erste Skaterkirche werden
Lausitzer Rundschau vom 18. September 2008: Ein historischer Moment am Heinsdorfer Gotteshaus
Märkische Allgemeine vom 05. März 2009: Heinsdorfer Förderverein setzt Sanierung der Kirchenruine fort
Märkische Allgemeine vom 10. Januar 2009: Förderverein zur Rettung der Heinsdorfer Kirche zieht positive Bilanz
Lausitzer Rundschau vom 20. März 2009: Kirchensicherung in Heinsdorf geht weiter
Märkische Allgemeine vom 18. Juni 2009: 10 000 Euro von der VR-Bank für die Sanierung der Kirche Heinsdorf
Konradsbote vom 09. August 2009: Das Geläut hat die Heinsdorfer geweckt
Lausitzer Rundschau vom 22. Oktober 2009: 2010 sollen Glocken in Heinsdorf wieder läuten
Märkische Allgemeine vom 08. Januar 2010: Innenleben mit Glockengeläut steht in diesem Jahr im Plan des Heinsdorfer Fördervereins
Lausitzer Rundschau vom 22. Juli 2010: Wieder Glockenklang in Heinsdorf nach 15 Jahren
Lausitzer Rundschau vom 25. November 2010: Heinsdorfs Glocken läuten wieder
Lausitzer Rundschau vom 30. November 2010: Glocken der Heinsdorfer Kirche läuten wieder
Märkische Allgemeine vom 30. September 2011: Auf der Kirchenbank mit dem Blick ins Freie
Märkische Allgemeine vom 10. März 2012: Glanzstück entsteht
Lausitzer Rundschau vom 12. Juni 2014: Heinsdorfs Ruine bekommt ein Dach
Lausitzer Rundschau vom 25. März 2015: Glasfront für Heinsdorfs Kirche
Märkische Allgemeine vom 18. August 2015: Alles für den Glockenklang
Märkische Allgemeine vom 03. April 2016: Heinsdorfer bauen eine Kirche aus einer Ruine
Lausitzer Rundschau vom 07. Dezember 2016: Kirchenruine wird zum Hingucker

  zurück