Ein historischer Moment am Heinsdorfer Gotteshaus

"Das ist ein historischer Moment. Nach 40 Jahren öffnet ein Pfarrer wieder die Kirchentür", sagt Günter Niendorf. Der 69-Jährige engagiert sich im Förderverein zur Sanierung des Heinsdorfer Gotteshauses, das im Jahr 1970 wegen Baufälligkeit abgerissen worden war.

Heinsdorf 

Es stehen nur noch der Turm und Reste der Seitenwände. Vor einem Monat begannen Bauleute des Luckauer Unternehmens Werner, die Ostseite des Turmes zu sichern. Parallel dazu räumen Beschäftigte eines Projektes der Arge Teltow-Fläming Schutt und Erde aus dem Kirchenschiff.

"Etwa drei Meter hoch sind die verbliebenen Außenmauern des Kirchengebäudes. Bis an den oberen Rand war es zugefüllt und mit Gras überwachsen", beschreibt Bauleiter Wolfgang Schwarz vom Ingenieurbüro Seemann den Ausgangszustand. 100 Kubikmeter Aushub seien herausgeschippt worden, beginnend an der Turmseite. "Die Leute haben eine prima Arbeit gemacht", so der Fachmann. "Im übrigen Kirchenraum werden wohl noch einmal rund 350 Kubikmeter Füllmasse liegen", schätzt Schwarz.

Vor dem Turm wird erstmals wieder der originale Fußboden sichtbar. Auch die Tür, die ins Gotteshaus führte, ist freigelegt. "Die Leute betraten die Kirche von der Turmseite her und gingen über einen roten Teppich", erinnert sich Günter Niendorf. Er sei als Baby bei der Taufe durch diese Pforte getragen worden, sei später zur Konfirmation und zur Hochzeit hindurchgegangen, erzählt der 69-Jährige und ist bewegt.

Polier Marian Bernacki berichtet, den Turm hätten die Bauleute abgestützt. "Die Gefahr bestand, dass er nachgibt, wenn das Gegengewicht des aufgefüllten Kirchenschiffes fehlt", erklärt er. Doch alles sei gut gegangen. Die Sicherung sei von oben nach unten erfolgt. "Wir haben die Steine auf der Ostseite komplett neu verfestigt und verfugt", so der Polier. Marode Steine seien ausgetauscht und Feldsteine aus dem Kirchenschutt genutzt worden, erzählt er weiter. In der kommenden Woche sollen Risse in den wackligen Ecken des einstigen Kirchenraumes mit Ankern überbrückt und mit Mörtel verpresst werden. Zudem müsse der Türbogen verfestigt und mit Ziegeln ergänzt werden, kündigt Bernacki nächste Aufgaben an.

Noch stehen die Arbeiten am Heinsdorfer Gotteshaus am Anfang, sagt Fördervereins-Vorsitzender Dr. Gerhard Schliebener. In den ersten Bauabschnitt, der bis Mitte November dauern soll, fließen laut Vereinschef insgesamt rund 25 000 Euro Förderhilfe aus verschiedenen Töpfen sowie Eigenmittel des Vereins.

Noch bleibt viel Arbeit

In weiteren Abschnitten sollen der gesamte Turm vom Fuß bis zum Dach instand gesetzt, die Mauerumfassungen des Schiffes standsicher gemacht und die Mauerkronen abgedeckt werden, erklärt Bauleiter Schwarz. Zudem sei die Installation eines frei stehenden Daches ins Auge gefasst, das den Ruinencharakter bewahre, fügt er an und beziffert die Gesamtinvestition auf rund 135 000 Euro.

Geld, das noch nicht da ist. Doch Gerhard Schliebener ist zuversichtlich. "Die Anteilnahme der Menschen ist groß. Auch von ehemaligen Heinsdorfern und selbst von Touristen bekommen wir Spenden", sagt Schliebener. Wie er erzählt, habe der Verein Einsätze gestartet und mit der Erde aus der Kirche den Kirchhof planiert. Auch Grabsteine seien gefunden worden. Vereinsmitglieder hätten sie gereinigt.

Taufengel gefunden

Im Turm will der Förderverein nach der Restaurierung ein Museum mit Erinnerungsstücken aus dem Gotteshaus einrichten, so der Plan. Pfarrer Dr. Joachim Boekels sagt, die Aussicht auf eine Wieder-Nutzbarmachung der Kirchenruine habe den Forscherdrang in Dorf und Kirchengemeinde angefacht. Mit Erfolg. Auf dem Dachboden des Gotteshauses von Niebendorf seien zwei Taufengel gefunden worden, von denen einer ins Niebendorfer und einer ins Heinsdorfer Gotteshaus gehörte. Beide Figuren seien jetzt im archäologischen Museum in Wünsdorf zwischengelagert, bis Geld für die Restaurierung vorhanden sei. "Ein Glasdach über dem alten Kirchenschiff und darunter der schwebende Engel. Das hätte was", beschreibt Pfarrer Boekels seinen Traum.

Von Carmen Berg

Lausitzer Rundschau vom 18. September 2008

   Zur Artikelübersicht