DENKMAL: Der Glockenturm ist sicher

Förderverein zur Rettung der Heinsdorfer Kirche zieht positive Bilanz

HEINSDORF - Sein erstes Ziel hat der Förderverein zur Sanierung der Kirche Heinsdorf erreicht. Der Kirchturm konnte vor dem Einsturz bewahrt werden. Der Vereinsvorsitzende Gerhard Schliebener zieht eine positive Bilanz des vergangenen Jahres.

Nachdem der Verein 2007 gegründet, ein Sanierungskonzept erarbeitet, Partner gesucht und Geld gesammelt worden war, begannen mit dem symbolischen ersten Spatenstich im August 2008 die Bauarbeiten. Bis Mitte November waren die Mitarbeiter der Arbeitsförderungsgesellschaft Fläming hier tätig, die Maurerfirma aus Luckau noch etwas länger.

Am Glockenturm sind 16 Quadratmeter Feldstein- sowie etwa fünf Quadratmeter Mischmauerwerk saniert worden. Mit Hilfe von Mauerwerksankern wurden die Risse gesichert. Außerdem wurden auf jeder Seite des ehemaligen Kirchenschiffes siebeneinhalb Meter Mauer instand gesetzt.

"Die MAE-Kräfte der Arbeitsförderungsgesellschaft haben sehr gute Arbeit geleistet", so Gerhard Schliebener. Sie hätten nicht nur "Dienst nach Vorschrift" geleistet, sondern eine Art Entdeckerfreude entwickelt.

Aus dem Inneren des vor knapp 40 Jahren abgerissenen Kirchenschiffs wurden insgesamt 110 Kubikmeter Bauschutt, 25 Kubikmeter Feldsteine und 15 Kubikmeter Mutterboden entfernt die Hälfe ist geräumt. 15 Kubikmeter Erde wurden vom Hang abgetragen. Vereinsmitglieder verteilten den Mutterboden auf dem Kirchhof.

Verschiedene Unternehmen der Region halfen mit schwerer Technik und Geräten aus. Die Mitarbeit der Einwohner, die Initiative der Einzelnen schätzt der Vereinsvorsitzende mindestens genauso hoch ein. An zwei Wochenenden im Dezember musste das Kirchenschiff mit einem Behelfsdach gesichert werden, um den noch erhaltenen Putz über den Winter zu retten, so forderte der Denkmalschutz. Weil der Verein sich das finanziell nicht leisten konnte, packten die Mitglieder mit an. Rückschläge habe es auch gegeben, so Gerhard Schliebener, doch wenn er die Probleme aufzählt, wie zum Beispiel die Bauschuttbeseitigung, kommt er ganz schnell wieder auf die positiven Beispiele zu sprechen. "Günter Niendorf und Bernd Machel haben besonders viel Zeit investiert", so berichtet Gerhard Schliebener über das beispielhafte Engagement der Heinsdorfer, von dem auch Joachim Boekels beeindruckt ist. Der Pfarrer hat die Gründung des Vereins und dessen Ziele von Anfang an unterstützt. "Man merkt, wie die Aktivitäten ausstrahlen, auch überregional", berichtet er. Gruppen von weiter her würden zur Besichtigung extra nach Heinsdorf kommen. Besonders freut ihn, wie junge Leute auf diese Weise eine Beziehung zu ihrem Dorf bekommen. Und er wünscht sich, dass Heinsdorf mit der ersten Skaterkirche zu den "Edelsteinen" der Region gehören wird, so wie der Schafstall in Niebendorf oder das Bad in Buckow.

Bei all dem denkt Joachim Boekels an die Auswirkungen des Projektes. Denn die gedrückte Stimmung, die auf dem Land mit dem demografischen Wandel einhergeht, könnte kippen, wenn die Leute ihre Verantwortung wahrnehmen, davon ist er überzeugt. "Die Leute erfahren hier: Wir können etwas auf die Beine stellen und zeigen, wie wertvoll die Region ist." Bis die Kirchenglocken tatsächlich wieder läuten, müssen sich die Heinsdorfer noch ein wenig gedulden. Aber bis es soweit ist, gibt es noch einiges Spannendes zu entdecken und zu erleben.

So soll Architektur-Studenten in einem Wettbewerb ein an die Ruine angepasstes Dach entwerfen. Die auf dem Kirchhof durch den Einbruch eines Radladers zufällig entdeckte Gruft wird im Frühjahr untersucht. Und die Reste der romanischen Kirchenmauer, die jetzt entdeckt wurden, sind ein Beweis dafür, dass das Dorf schon lange vor der ersten urkundlichen Erwähnung existierte. (Von Martina Burghardt)

Märkische Allgemeine vom 10. Januar 2009

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