Heinsdorfs Ruine bekommt ein Dach

Nächste Vision des Fördervereins ist ein Glasgiebel für das verfallene Gotteshaus

HEINSDORF Die Sanierung der Heinsdorfer Kirchenruine geht weiter. Bauleute überdachen den Veranstaltungsraum im früheren Kirchenschiff. Besucher müssen nicht mehr auf Petrus hoffen. Nächste Vision des Fördervereins ist eine Verglasung der Giebelfront.

Bauleute überdachen den Teil des früheren Kirchenschiffes, der bereits für Veranstaltungen genutzt wird.
Foto: Carmen Berg
 
Günter Ukro zeigt, wo im nächsten Jahr auf der flachen Giebelmauer eine Glasfront und dahinter eine Open-Air-Bühne entstehen sollen.
Foto: Carmen Berg

Wer künftig zu Konzerten oder Gottesdiensten in die Ruine kommt, kann den Schirm bald zu Hause lassen. Ein Dach in halbrunder Form wird vor dem Nass von oben schützen. Fast zwei Jahre hat es gedauert von ersten Spendensammlungen im Herbst 2012 bis zum Baustart dieser Tage, erzählt Günter Ukro, Vorsitzender des Fördervereins zur Rettung der Kirchenruine. 35 000 Euro sind für das Dach veranschlagt. Das Geld kommt von privaten Stiftungen und von der Kirche. 7500 Euro steuert der Förderverein aus eigenen Mitteln bei. Ende vergangenen Jahres lag die Baugenehmigung vor. Strenge Auflagen, beispielsweise zur Statik, kosteten noch einmal mehrere Monate Verzug, so der Vereinschef. Es sei eine harte Geduldsprobe gewesen, doch jetzt schaue er nur noch nach vorn, sagt Günter Ukro.

Auf die Dachkonstruktion im Halbrund legen Bauleute des ortsansässigen Unternehmens Hensel & Stelter zunächst einen provisorischen Regenschutz. Bis zum Sommer bekommt das Tonnendach seine endgültige Abdeckung aus einem wetterfesten Kunststoff. "Der Denkmalschutz hat ein wichtiges Wort mitzureden. Unser Dach wird vergleichbar sein mit dem der Dahmer Schlossruine", erklärt Günter Ukro. Ist dieser Abschnitt abgeschlossen, hat der Verein schon neue Ziele im Visier.

Die offene Giebelfront soll 2015 eine Ziehharmonika-Tür aus einem stabilen Glas bekommen. Zudem soll sich ein lichtdurchflutetes gläsernes Band zwischen Wänden und Dach entlang ziehen. "Wenn die Sonne hereinfällt, entsteht ein unbeschreiblich schöner Lichtschein", gerät Günter Ukro ins Schwärmen. Er ist zuversichtlich, dass der Verein die dafür nötigen 15 000 Euro aufbringen wird. Um Baufreiheit zu schaffen, greifen Vereinsmitglieder und Helfer demnächst schon mal zur Schippe.

Bislang kann nur gut ein Drittel des einstigen Kirchenschiffes genutzt werden. Eine niedrige Klinkermauer trennt diesen Teil vom Rest ab, in dem noch Mengen alter Steine von Erde und Gras überwuchert sind. Die Helfer wollen Erde für eine kleine Open-Air-Bühne begradigen. Von dort sollen ein paar Stufen in den Veranstaltungsraum hinunter führen. "Diese Lösung schafft mehr Platz. Bisher müssen sich Künstler und Zuschauer auf engem Raum drängen", sagt Günter Ukro. Obwohl erst in Teilen saniert, werde die Ruine bereits für Chorkonzerte oder Lesungen genutzt. "Ohne dieses besondere Ambiente würden solche Angebote in Heinsdorf wohl kaum stattfinden", erklärt er.

Bis das Kirchenschiff einmal komplett freigelegt sein wird und alle Arbeiten abgeschlossen sind, werden noch drei bis vier Jahre Jahre vergehen. "Je nachdem, wie das Geld reinkommt", sagt Günter Ukro. Doch er ist optimistisch aus gutem Grund. "Wir sind schon sehr viel weiter gekommen, als wir das jemals gedacht hätten", sagt er. Ursprünglich hätten sich die Heinsdorfer nur den Glockenturm ihrer Kirche zurück gewünscht, die zu DDR-Zeiten wegen Baufälligkeit nahezu komplett abgerissen worden war. Mit der Sicherung und Sanierung des Turmes begann der erste Bauabschnitt. Ein Jahr zuvor hatte sich der Förderverein zur Rettung der Kirchenruine gegründet, der heute 30 Mitglieder zählt.

Carmen Berg

Lausitzer Rundschau vom 12. Juni 2014

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