Im ersten Bauabschnitt wird Ostseite des Kirchturms saniert

Aus Heinsdorfer Ruine soll erste Skaterkirche werden

In dieser Woche beginnen in Heinsdorf Arbeiten zur Sicherung der Kirchenruine und zur Sanierung des Kirchturmes. Damit nimmt ein lang gehegter Wunsch der Bürger Gestalt an. «Unsere Glocken wieder zu hören, darauf freue ich mich» , sagt Einwohnerin Frieda Markwart. Pfarrer Dr. Joachim Boekels verbindet mit dem Baustart eine Vision: das Gotteshaus, das an der Fläming-Skate liegt, soll erste Skater-kirche Deutschlands werden.

Turmsanierung Heinsdorf 
Vor der Turmsanierung sind Berge von Schutt und Erde zu beräumen. Gerhard Schliebener, Günther Niendorf sowie Pfarrer Joachim Boekels (v. l.) zeigen, wieviel Arbeit vor Vereinsmitgliedern und Helfern liegt.
Foto: Harald Friedrich

Vom einstigen Kirchenschiff aus dem 13. Jahrhundert stehen nur noch Reste der Wände. Marode ist auch der Turm, der laut Pfarrer Boekels im 16. Jahrhundert angebaut worden war. Wie Dr. Gerhard Schliebener, Vorsitzender des Fördervereins zur Sanierung der Kirche, erzählt, war das Heinsdorfer Gotteshaus im Jahr 1970 wegen Baufälligkeit abgetragen worden. Pfarrer Boekels ergänzt, das Dach sei stark beschädigt gewesen, seine Last habe die Balken verschoben, das Fundament sei abgesackt. Übereinstimmend berichten ältere Heinsdorfer, der Zeitpunkt zum baulichen Eingreifen sei damals verpasst worden.

Mit dem Rückbau der Kirche, so Gerhard Schliebener, wurde der Turm verkürzt und die Glocke auf Schienen gehängt. «Die Schwingungen durchdrangen den Turm, es bestand Einsturzgefahr» , sagt er. Im Jahr 1995 sei das Läuten deshalb eingestellt worden.

Pfarrer Boekels erzählt, als er vor zwei Jahren in die Gemeinde gekommen sei, habe er schnell gespürt, wie sehr der Zustand des Gotteshauses die Menschen bewegt. Ein Förderverein gründete sich, um dessen weiteren Verfall zu stoppen und einen Neubeginn für das Bauwerk zu wagen. Laut Gerhard Schliebener gehören ihm mittlerweile 35 Mitglieder an.

Es sei in den elf Monaten seit Vereinsgründung gelungen, Partner an die Seite zu holen, die das Projekt materiell und auch ideell unterstützen. Schliebener nennt stellvertretend die Mittelbrandenburgische Sparkasse, den Förderkreis Alte Kirchen Brandenburgs, die Arge Teltow-Fläming und die Stadt Dahme. 6000 Euro, sagt der Vereinschef, seien aus Spenden der Bürger zusammengekommen. «Die knapp 26 000 Euro Kosten für den ersten Bauabschnitt sind gesichert» , verzeichnet Gerhard Schliebener.

Von oben nach unten

Wie Bauleiter Wolfgang Schwarz vom Ingenieurbüro Seemann aus Treuenbrietzen erklärt, geht es dabei um die Sicherung der Ostseite des Turmes, die am stärksten geschädigt sei. Das Problem: Schutt des alten Bauwerkes drücke vom einstigen Fußboden bis in etwa zwei Metern Höhe gegen die Turmwand. «Deshalb muss die Sanierung des Turmmauerwerkes von oben nach unten erfolgen» , sagt der Bauleiter. Stück für Stück, wie der Schutt abgetragen sei, werden sich die Bauleute von oben nach unten vorarbeiten. Ein Anker solle dem Turm zusätzlich Halt geben, beschreibt der Fachmann das Prozedere. Die Arbeiten führe die Firma Werner aus Luckau aus, die bereits bei der Sicherung der Dahmer Schlossruine tätig war.

In der Perspektive sei geplant, den Turm komplett vom Fuß bis zum Dach in Ordnung zu bringen, so dass das Läutewerk wieder installiert werden kann. Die Mauerumfassungen des Kirchenschiffes sollen standsicher gemacht und die Mauerkronen abgedeckt werden. Zudem sei die Installation eines frei stehenden Daches ins Auge gefasst, das den Ruinencharakter bewahre und zugleich das Mauerwerk schütze, sagt Schwarz. Das Gesamtprojekt werde sich auf eine Investition von rund 135 000 Euro belaufen. «Vor uns liegt noch ein großes Stück Arbeit» , sagt Gerhard Schliebener.

Ideen für die Zukunft

Im Turm könne er sich eine Ausstellung mit Gegenständen aus der früheren Kirche vorstellen, so der Vereinschef. Pfarrer Boekels sieht die Kirchenruine nach ihrer Sicherung als Ort der Begegnung und als touristischen Anziehungspunkt. «Sie liegt an der Fläming-Skate und kann Deutschlands erste Skaterkirche werden» , sagt er.

Die Heinsdorfer Elfriede und Arnold Schwarm erinnern sich an ihre Hochzeit im Gotteshaus im Jahr 1951. «Es hatte einen herrlichen Altar» , erzählen sie. Am schönsten aber sei der Klang der Glocken gewesen. Weihnachten vor einem Jahr seien sie probeweise wieder einmal geläutet worden. «Ich stand auf der Straße. Mir sind die Tränen geflossen, so bewegend war das» , erzählt Elfriede Schwarm.

Von Carmen Berg

Lausitzer Rundschau vom 19. August 2008

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