Heinsdorf

Eine Dekade im Zeichen der Kirchenrettung

Seit 2007 widmet sich ein Heinsdorfer Verein der Rettung der Dorfkirche. Damals war sie längst eine Ruine – größtenteils abgerissen mit einem Rumpf-Turm. Heute ist der Turm saniert und im ehemaligen Kirchenschiff gibt es einen Veranstaltungssaal. Doch auf den Ruinencharakter will man nicht verzichten.

Der Veranstaltungssaal ist zwar neu, betont mit großen Scheiben und offenen Wänden aber den Ruinencharakter der Heinsdorfer Kirche.
Quelle: Isabelle Richter
 
Das Vereinsjubiläum wurde am Sonntag gefeiert.
Quelle: Isabelle Richter

Niebendorf-Heinsdorf. Günter Ukro ist heute noch verblüfft, wenn er in der Heinsdorfer Kirche steht. Obwohl er das Projekt seit seinem Start im Jahr 2007 begleitet, sagt er: „Dass das geklappt hat, ist ein Wunder.“ Auch Skeptiker des Fördervereins „Sanierung Heinsdorfer Kirche“ hätten noch vor zehn Jahren nicht daran geglaubt, dass hinter der bröckelnden Fassade einmal ein Ort der Begegnung entsteht.

Für vier bis fünf Veranstaltungen im Jahr wird die sanierte Kirchenruine heute wieder genutzt. Darunter traditionell zum Weihnachtsgottesdienst, aber auch für kulturelle Programme oder das Laternenfest der örtlichen Kita. Trotz großflächiger Glasfront und modernem Holzfußboden kann man den damaligen Zustand der Kirche noch heute erahnen. Zerfallene Mauerreste ließ der Förderverein bewusst stehen. Günter Ukro berichtet, man plane außerdem noch drei Glaskästen in den Fußboden zu setzen. „Der Ruinencharakter soll erhalten bleiben“, erklärt der Vorsitzende.

Viele Besucher seien von der Veränderung begeistert. „Einigen kommen sogar die Tränen“, berichtet Günter Ukro. Er denkt dabei an ein Ehepaar aus dem Dorf, das vor 66 Jahren in der Kirche heiratete und dort vor dem Verfall unter anderem ihre Goldene Hochzeit feierte. Dass die Ruine nun wieder begehbar ist freut viele im Dorf.

1965 letzte kirchliche Veranstaltung

Vor der Sanierung war die Kirche jahrelang nicht mehr nutzbar. Im Jahr 1965 fand dort die letzte kirchliche Veranstaltung statt. Fünf Jahre später wurde sie mit kirchlicher und staatlicher Genehmigung wegen Baufälligkeit bis auf 2,50 Meter Höhe abgetragen und mit Trümmern und Erde aufgefüllt. Auch der Kirchturm wurde um acht Meter gekürzt und ab 1995 aufgrund von Einsturzgefahr gesperrt – das Ende des Glockenläutens in Heinsdorf.

Nach der Wende zunächst wenig Interesse an der Kirche

Das Interesse der Dorfgemeinschaft, die geschichtsträchtige Kirche zu erhalten, war anfangs gering. „Nach der Wende hatten die Leute erstmal andere Sorgen“, erklärt Günter Ukro. Persönliche Anschaffungen wie ein Auto und das Erkunden neuer Reiseziele zu dieser Zeit Priorität. Etwa zehn Jahre später kam die Kirchenruine unter den Heinsdorfern wieder mehr ins Gespräch. „Viele Dorfbewohner sagten, es wäre schön, wenn hier mal wieder die Glocken läuten“, berichtet Günter Ukro.

Erster Vereinsvorsitzender hat viel bewegt

Dieser Wunsch fand schließlich immer mehr Anhänger, sodass 2007 der Förderverein auf Initiative von Gerhard Schliebener gegründet wurde. Wegen gesundheitlicher Probleme löste Günter Ukro ihn vor Kurzem jedoch als Vereinsvorsitzender ab. „Ohne sein Wissen und seine Kraft hätten wir das nicht geschafft“, lobt Ukro seinen Vorgänger. Anfangs standen dem Förderverein nämlich ein paar bürokratische Hürden bevor. Das Entwerfen einer Satzung, die Eintragung des Vereins beim Amtsgericht oder die Anmeldung beim Finanzamt beispielsweise. Dank Gerhard Schliebener wurde all dies bewältigt.



Historischer Hintergrund

Die spätromanische Kirche in Heinsdorf stammt aus dem 13. Jahrhundert mit einem Westturm aus dem 16. Jahrhundert.
Um sie zu erhalten wurde am 20. September 2007 von 23 Mitgliedern aus Heinsdorf der Förderverein gegründet.
Derzeit hat er 31 Mitglieder, darunter sowohl Heinsdorfer als auch Menschen aus der weiteren Umgebung.
Wer die Arbeit des Fördervereins unterstützen möchte kann sich an ihn wenden unter Tel. 03 37 44/6 00 83 oder per E-mail an info@heinsdorfer-kirche.de


Vielleicht die größte Anstrengung – da sind sich die Mitglieder des Fördervereins ziemlich einig – war es, in den vergangenen Jahren immer wieder neue Sponsoren zu finden, die die Baumaßnahmen an der Kirchenruine finanziell unterstützen. Günter Ukro berichtet: „Wir haben jedes Jahr um die 25 000 Euro verbaut.“ Für die Vereinsmitglieder war das Einholen von Spenden fast wie ein Vollzeit-Job. „Manchmal war es schon fast peinlich herumzuziehen“, sagt Heike Krüger. Doch ans Aufgeben hat in den letzten zehn Jahren keiner der Vereinsmitglieder gedacht.

Nächstes Ziel ist eine Bühne

Selbst beim Bau des neuen Daches für das Kirchenschiff nicht. „Wir haben eineinhalb Jahre auf die Genehmigung vom Denkmalschutz gewartet. Ein Jahr lang war hier Ruhe gewesen“, sagt Ukro. Inzwischen, so sagt er, sehe manr Licht am Ende des Tunnels. Noch drei Jahre soll schätzungsweise an der gesicherten Ruine gebaut werden. Eine Bühne direkt am Kirchenschiff ist das nächste Ziel. Danach geht es nur noch um Erhaltung der Kulturstätte. Dafür versucht der Verein derzeit schon die Kleinsten zu sensibilisieren. „Die Kinder sollen das Projekt später einmal weiterführen“, erklärt der Vereinsvorsitzende.

Von Isabelle Richter

Märkische Allgemeine vom 26. September 2017

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