Heinsdorfs Glocken läuten wieder

HEINSDORF Am ersten Advent werden vom sanierten Turm der Heinsdorfer Kirchenruine nach 15 Jahren Pause wieder die Glocken läuten. Fördervereinschef Gerhard Schliebener spricht von einem Meilenstein, um die tot gesagte Dorfkirche mit neuem Leben zu erfüllen.

 
Pfarrer Joachim Boekels zeigt die sanierte Glockenanlage im Kirchturm.
Foto: Carmen Berg

Vor drei Jahren hatten engagierte Dorfbewohner den Förderverein gegründet und sich die Rettung des Gotteshauses auf die Fahne geschrieben. Für Phantasten seien sie gehalten worden, erinnert sich der Vorsitzende.

Von der Kirche waren nur noch marode Reste des Turmes zu sehen. Die bis auf 2,50 Meter abgetragenen Mauern des Kirchenschiffes lagen unter Schutt und Erde. Doch die Sehnsucht der Leute, ihre Glocken noch einmal zu hören, habe alle beflügelt, erzählt Gerhard Schliebener. Dem Verein gelang es, Partner und Förderer von seiner Idee zu überzeugen. In mehreren Etappen wurden ein Großteil des Kirchenschiffes frei geschippt sowie die Seiten- und Turmmauern von außen saniert. Zudem bekam der Turm ein neues Dach. In diesem Jahr setzten Handwerker die Fachwerkkonstruktion im Turm-Inneren sowie die Zwischendecken und Treppen instand. Drei Fenster sowie drei Schall-Luken wurden in leere Höhlen eingebaut. Im Oktober habe dann die Instandsetzung der Glockenanlage begonnen, erklärt der Chef des Fördervereins. Ein Stahlträger gibt dem Gestell mit den beiden 450 und 275 Kilo schweren Glocken Halt. Dämpfplatten sollen die Übertragung der Schwingungen auf das Mauerwerk verhindern. Geläutet werde nicht mehr per Hand, sondern elektrisch, erklärt Gerhard Schliebener. Durch den neuen Bronzebeschlag der Klöppel sei der Klang weicher als früher, ergänzt Pfarrer Joachim Boekels. Die Heinsdorfer, die das Probe-Läuten unlängst gehört hatten, seien begeistert gewesen, erzählt er.

Mehr als 100 000 Euro sind dem Pfarrer zufolge seit Beginn der Bauarbeiten vor reichlich zwei Jahren in die Kirchenruine geflossen. »Noch einmal so viel Geld wird nötig sein, um weitere Träume an dem Gebäude zu realisieren«, schätzt er.

Schwerpunkt im nächsten Jahr werde die Sicherung mittelalterlicher Putzreste an den Innenwänden von Turm und Kirchenschiff sein. Das sei die Voraussetzung, um im Erdgeschoss und im ersten Stock des Turmes ein Kirchenmuseum einzurichten, kündigt Gerhard Schliebener an. Für die Zukunft ist geplant, die Mauern des Kirchenschiffes ringsum mit Glas aufzustocken und ein gewölbtes Holzdach aufzusetzen. Wo jetzt noch ein Erdwall liegt, ist eine Bühne mit Freitreppe aus Feldsteinen geplant. »Dadurch wird die Kirche wieder zu einem Ort, an dem Menschen sich bei verschiedenen Veranstaltungen begegnen können«, so Pfarrer Boekels. Von der Machbarkeit ihrer Ziele sind Seelsorger und Fördervereins-Chef überzeugt. Aus gutem Grund. »Bis heute sind rund 24 000 Euro Spenden zusammengekommen«, sagt Gerhard Schliebener.

Zum Thema:

Die Glocken werden am ersten Advent um 14 Uhr, eingeweiht. Chöre gestalten das Rahmenprogramm. Es findet ein Adventsmarkt statt. Das Gotteshaus aus dem 13. Jahrhundert wurde 1970 wegen Baufälligkeit abgetragen. Der Turm wurde verkürzt und die Glocke auf Schienen gehängt. Es bestand Einsturzgefahr.

Von Carmen Berg

Lausitzer Rundschau vom 25. November 2010

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