2010 sollen Glocken in Heinsdorf wieder läuten

Heinsdorf An der Heinsdorfer Kirchenruine hat der zweite Bauabschnitt begonnen. Wie Dr. Gerhard Schliebener, Vorsitzender des Fördervereins zur Rettung des Bauwerkes, erklärt, werden die Hülle des Turmes instandgesetzt und dessen Dach erneuert.

 
Berge von Schutt, Feldsteinen und Muttererde beräumen Mitarbeiter eines Arge-Projektes aus dem einstigen Kirchenschiff, vom dem nur noch Reste der Wände stehen.
Fotos: Carmen Berg
Marlies Rungweber, Elvira Laumann und Katrin Bischoff (v. l.) bei Arbeiten am Zaun vor der Kirchenruine, deren Konturen inzwischen wieder sichtbar sind.

Vom einstigen Kirchenschiff aus dem 13. Jahrhundert stehen nur noch Mauerreste. Marode ist auch der Turm, der laut Gerhard Schliebener im 16. Jahrhundert angebaut worden war. Wie der Vereinschef erzählt, war das Gotteshaus wegen Baufälligkeit im Jahr 1970 abgetragen worden. Seit dem vergangenen Jahr kämpft ein Förderverein darum, die Ruine zu sichern und begehbar zu machen. "Größter Wunsch der Heinsdorfer ist es, dass von unserem Kirchturm wieder die Glocken läuten", sagt Gerhard Schliebener. Zu Weihnachten des Jahres 2010 soll es soweit sein, nennt er das Ziel.

Bereits im vergangenen Jahr hatte das Bauunternehmen Werner aus Luckau den unteren Teil der am stärksten geschädigten Ostseite des Turmes gesichert und damit die akute Einsturzgefahr abgewendet. Im derzeitigen zweiten Bauabschnitt werden geschädigte Feld- und Ziegelsteine des kompletten Turmes ausgetauscht, Risse mit Stahleinlagen versehen sowie das Dach gedeckt. Die Gesamtkosten beziffert Gerhard Schliebener auf 25 000 Euro. An der Finanzierung seien die Stiftung der Volks- und Raiffeisenbank, der Landkreis Teltow-Fläming, die Stadt Dahme, der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, die Kirchengemeinde sowie Bürger mit ihren Spenden beteiligt. "In der Heinsdorfer Gaststätte steht das Modell des Turmes als Spendenbüchse. Allein darin sind innerhalb eines Jahres mehr als 1000 Euro zusammengekommen", erzählt Gerhard Schliebener.

Die nächste Aufgabe

Bevor die 1,8 und 1,1 Tonnen schweren Glocken wieder erklingen können, müsse jedoch auch die Fachwerkkonstruktion im Turminneren saniert werden. Zudem seien Deckenbalken und Dielen zu erneuern und die Treppe instand zu setzen, nennt der Vereinschef Aufgaben für das nächste Jahr. Förderanträge für das rund 20 000 Euro teure Vorhaben seien vorbereitet.

Geht es bei der Ausbesserung des Turm-Mauerwerkes vor allem um bauliches Fingerspitzengefühl, ist beim Beräumen des von Gras und Erde zugedeckten ehemaligen Kirchenschiffes Muskelkraft gefragt. Zwischen 150 und 200 Kilo wiegen große Feldsteine, die Mitarbeiter eines Projektes der Arge Teltow-Fläming zusammen mit Schutt und Mutterboden aus der Ruine karren. "So einen Stein können wir nur zu dritt heben", erzählt Fred Daute aus Sernow. Er sei schon dabei gewesen, als im vergangenen Jahr der erste Teil des verfallenen Bauwerkes freigeschippt wurde. Für die meisten anderen der insgesamt zehn Helfer sei die Arbeit Neuland. "Alles muss per Hand gemacht werden, das ist eine Auflage des Denkmalschutzes", sagt Daute.

Wie Gerhard Schliebener ergänzt, seien seit August 100 Kubikmeter Aushub geborgen worden, fast die Hälfte davon Feldsteine. "Ohne das Arge-Projekt könnten wir die Sicherung der Kirchenruine nicht realisieren", erklärt der Vereinschef. Allein von den knapp 40 Vereinsmitgliedern, darunter vielen Senioren, sei eine solche Arbeit nicht zu bewältigen, sagt er.

Katrin Bischoff streicht mit ihren Projektkolleginnen Marlies Rungweber und Elvira Laumann den Zaun um das Kirchengelände, den der Förderverein aufgestellt hatte. Sie sei froh, diesen Job zu haben, auch wenn es nur für drei Monate sei, erzählt die Dahmenserin. "Es tut gut, mal wieder unter netten Leuten zu sein und seine Sorgen zu Hause zu lassen. Wir sind ein prima Team", sagt sie.

Gang bleibt vorerst geheim

Freigelegt wurden neben den Konturen des Kirchenschiffes auch die Reste der früheren Patronatsloge, in der die Gutsbesitzer während der Gottesdienste saßen. "Darunter war eine Gruft der Gutsfamilie. Wir haben die Särge als Kinder durch ein vergittertes Fenster stehen sehen", erinnert sich Gerhard Schliebener. Im Dorf erzähle man sich, vom Kanzelraum habe es einen unterirdischen Gang zur Gruft gegeben. Diesem auf die Spur zu kommen, bleibe jedoch eine Aufgabe für spätere Bauetappen, sagt der Vereinschef.

Von Carmen Berg

Lausitzer Rundschau vom 22. Oktober 2009

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