Die Feldsteinkirche von Königsberg (Ostprignitz)

Dorfkirche Königsberg 
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Taufengel
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Als Pfarrer in der Ostprignitz hat Berthold Schirge inzwischen dreizehn Dörfer mit zwölf Predigtstellen zu betreuen. Neben seiner seelsorgerischen Arbeit bedeutet dies, dass er, gemeinsam mit seinen Gemeindekirchenräten, auch Bauherr für zwölf historische Kirchengebäude ist. In fünf Fällen konnten seit 1990 umfangreiche Instandsetzungsarbeiten abgeschlossen werden, anderswo in Fretzdorf, Jabel und Teetz ist die Sanierung, unterstützt durch die Arbeit von Fördervereinen, im Gange und wird je nach Finanzlage auch noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Seit einigen Wochen hat Berthold Schirge jedoch wieder einen echten Problemfall in seinem Sprengel: Seit Dienstag nach Ostern ist die malerisch auf einer kleinen Anhöhe gelegene Dorfkirche in Königsberg weiträumig mit rot-weißem Flatterband abgesperrt, Hinweisschilder verbieten den Zugang zum Gelände. Auf Grund einer Anordnung der Bauaufsicht des Landkreises wurde das Kirchengebäude bis auf weiteres gesperrt.

 Feldsteinkirche Königsberg - Altar
Königsberger AltarGroßbildansicht
Altar aus der Dorfkirche Teetz
Teetzer AltarGroßbildansicht

Der Innenraum der vom Einsturz bedrohten Kirche birgt Überraschungen: Ein hoher Altaraufbau in den Formen der Spätrenaissance mit vier übereinander angeordneten Gemälden und die reich geschmückte Kanzel stammen aus dem Jahr 1631. Bei der Restaurierung des kleinen barocken, pausbäckigen Taufengels wurde vielleicht etwas zu viel Farbe verwendet. An den Feldern der Patronatsempore künden 16 Geschlechterwappen von der weitschweifigen Verwandtschaft der ehemaligen Patronatsfamilie. Und die noch gut spielbare Orgel von 1844 ist immerhin das Opus 1 des Wittstocker Instrumentenbauers Friedrich Hermann Lütkemüller!

Bis vor kurzem befand sich in Königsberg noch der Teetzer Altar, ein prächtiges Werk von ca. 1520 mit Schnitzfiguren sowie beeindruckenden Gemälden aus der Cranach-Schule, der vor einigen Jahren aus der dortigen Kirche ausgelagert werden musste, als diese baufällig war. Vorsorglich hat man das Kunstwerk jetzt wieder auf die Reise geschickt; der Teetzer Altar steht jetzt in der Kapelle des Nachbardorfes Ganz...

Die schweren Bauschäden sieht man der mächtigen Feldsteinkirche in Königsberg auf den ersten Blick nicht an. Gemeindegliedern war jedoch aufgefallen, dass die seit längerem bekannten Risse an der Südwand breiter wurden. Mit Rissmonitoren wurden die Bewegungen gemessen. Die Ergebnisse waren alarmierend. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass die drei Stützpfeiler der Ostwand keine Verbindung mehr zum Mauerwerk haben und die Sicherheit der Dachkonstruktion nicht mehr gewährleistet ist, da tragende Hölzer gebrochen und statische Verbindungen durch Verformung der Bauteile unterbrochen sind.

Die Königsberger Gemeinde, etwa 100 Gemeindeglieder bei 270 Einwohnern, gehört nach Auskunft von Pfarrer Schirge, zu den aktivsten seines Pfarrsprengels. Bisher wurde in der Dorfkirche alle 14 Tage Gottesdienst gefeiert, was auch durch das Engagement von Lektoren sowie eines der Gemeinde verbundenen Berliner Pfarrers möglich wurde. In Zukunft wird sich die Gemeinde im ehemaligen Pfarrhaus versammeln; damit abfinden will sie sich jedoch nicht. Einig ist man sich darin, dass alles unternommen werden soll, um das Kirchengebäude sowie seine wertvolle Ausstattung zu retten.

Informationen über: Pfarrer Berthold Schirge; Tel.: (0 33 94) 72 13 22


Nachträge:
Märkische Allgemeine vom 06.September 2005: Kirche in Königsberg ist fit für die Besichtigung
Märkische Allgemeine vom 17. November 2005: Weg zur Notsicherung der Königsberger Kirche frei
Märkische Allgemeine vom 09. Januar 2006: Die Arbeit geht weiter
Schreiben des Förderkreises Dorfkirche Königsberg an den Förderkreis Alte Kirchen vom Januar 2006
Märkische Allgemeine vom 25. April 2006: Im Alltag bewährt
Märkische Allgemeine vom 22. Dezember 2006: Königsberger Raritäten
Märkische Allgemeine vom 17. März 2007: Königsberger Kirche wieder im Fokus
Märkische Allgemeine vom 26. Juni 2007: Erneute Eröffnung in Sicht
Märkische Allgemeine vom 02. September 2009: Form- und Feldsteine werden in Königsberger Kirche verbaut
Märkische Allgemeine vom 30. Juli 2013: Gottesdienst im Haus des Dorfes
Märkische Allgemeine vom 18. November 2013: Wandmalerei in Königsberg entdeckt

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