Rettung für den „abgefahrenen Reifen“

Weg zur Notsicherung der Königsberger Kirche frei / Arbeiten beginnen voraussichtlich noch im November

BJÖRN WAGENER

Dorfkirche Königsberg 
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Taufengel
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KÖNIGSBERG Mitglieder des Förderkreises Dorfkirche Königsberg haben jetzt erreicht, wofür sie sich seit der Gründung im Juni 2004 einsetzten: Der Weg für die Notsicherung der örtlichen Kirche ist frei. Die beschränkte Ausschreibung ist gelaufen. Der Gemeindekirchenrat entschied sich für eine Fachfirma aus Neuruppin, „die bereits Erfahrungen mit Arbeiten dieser Art vorzuweisen hat. Es werden vier zusätzliche Druckstreben zum Abstützen des Dachstuhls eingesetzt“, sagt die Vorsitzende des Förderkreises, Elisabeth Lau. Die Arbeiten sollen voraussichtlich in der 48. Kalenderwoche, also ab 28. November, beginnen. Davon geht Bauingenieur Siegfried Ismer aus, der auch das Sanierungskonzept für die Kirche erstellt hat.

Damit wird die Kirche in absehbarer Zeit wieder benutzbar sein. Bislang ist sie wegen der baulichen Mängel gesperrt. Und das schon seit gut anderthalb Jahren (die MAZ berichtete).

Die Kosten für die Notsicherung beziffert Elisabeth Lau auf 9000 bis 10000 Euro. Rund 5000 Euro steuert der Förderkreis bei. Denn der hatte mit einer Reihe von Aktivitäten und Spendensammlungen diesen Betrag zusammenbekommen. Es wurde zum Adventssingen eingeladen, eine Turmbesteigung zum Tag des offenen Denkmals organisiert, ein Dorfkirchen-Sommer veranstaltet oder auch mal ein Familiennachmittag angeboten. Außerdem habe der Förderkreis für die Dorfkirche Unterstützung vom Förderkreis "Alte Kirchen" bekommen. „Die fehlende Summe übernimmt die Kirchengemeinde“ bestätigte Pfarrer Berthold Schirge auf MAZ-Nachfrage.

Doch auch wenn der Förderkreis in Königsberg sein Ziel – die Sicherung der Kirche – nun erreicht hat, so wird es ihn auch weiterhin geben. Denn die um 1500 erbaute große mittelalterliche Feldsteinkirche mit der wertvollen Lütkemüller-Orgel wird nach den Arbeiten zwar wieder gefahrlos begehbar sein. Aber das ist nur ein erster Schritt in die richtige Richtung. Zu den größten Problemen im Mauerwerk zählen weiterhin die vielen Risse, deren Ursprung bisher nicht genau geklärt werden konnte. Um mögliche Veränderungen wahrzunehmen, sind bereits seit einiger Zeit so genannte Riss-Monitore installiert. Auf diese Weise werden die Risse buchstäblich überwacht. „Bisher konnten jedoch keine Veränderungen festgestellt werden“, sagt Siegfried Ismer.

Elisabeth Lau schätzt den Investitionsbedarf nach der Notsicherung auf etwa eine Viertel Million Euro. Ismer geht sogar von einer halben Million aus. Und er muss es wissen. Denn der Architekt und Bauingenieur hat seit 1990 rund 30 Kirchen saniert – darunter auch die Pfarrkirche in Neuruppin. „Zunächst einmal müssten genügend Messdaten gesammelt werden, bevor die Sanierung weitergehen kann“, sagt er. Vor allem tiefer gehende Untersuchungen des Bodens sowie des Mauerwerks seien nötig. Dass die Kirche komplett gesperrt wurde, hält Ismer für richtig. „Die Längssteifigkeit des Dachstuhls ist nicht mehr gegeben. Zudem zog die ausweichende Giebelwand bereits den Dachstuhl ein Stück mit. Es besteht Einsturzgefahr. Das ist vergleichbar mit einem abgefahrenen Reifen. Man kann durchaus noch eine Weile damit fahren, muss aber ständig damit rechnen, dass er platzt.“

Solche Probleme gebe es an vielen Kirchen in Berlin und Brandenburg. „Es ist einfach vernachlässigte Bausubstanz“, so Ismer. Holz sei dabei grundsätzlich anfälliger als Stein. Andererseits neigten Holzkonstruktionen dazu, ihren Halt zu verlagern, sollte die Tragfähigkeit an einer Stelle verloren gehen. „Sie brechen also meist nicht einfach so zusammen“, erklärt der Bauingenieur.

Fakt ist: Die 30 Mitglieder des Förderkreises werden also nach wie vor jeden gespendeten Euro gut gebrauchen können. Deshalb ist die nächste Veranstaltung bereits in Sicht. Am 27. November – dem 1. Advent – lädt er um 14 Uhr zum Adventssingen mit dem Teetzer Chor in die Königsberger Turnhalle ein. In diesem Rahmen werden dann auch Adventsgestecke, Holzspielzeug und Kalender für 2006 angeboten. Bei einer gemütlichen Kaffeerunde will der Förderverein seine Gäste außerdem über den aktuellen Stand zur Wiedereröffnung der Kirche informieren.

„Ich hoffe, dass die Kirche bis Weihnachten fertig wird. Denn die Turnhalle ist als Veranstaltungsort wirklich nur eine Ersatzvariante“, so die Förderkreisvorsitzende.

Der Förderkreis Dorfkirche Königsberg dankt allen bisherigen Spendern und Helfern. Weitere Spenden nimmt die Evangelische Kirchengemeinde Königsberg entgegen. Konto-Nummer: 1567056011, BLZ: 35060190, KD-Bank, Kennwort „Dorfkirche“.

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