Außerordentlich gut erhalten

Wandmalerei in Königsberg entdeckt

In der Königsberger Kirche wurde eine ungewöhnlich gut erhaltene Seccomalerei entdeckt. Das Besondere: Es handelt sich um einen Zyklus unter dem Titel "Christi Höllenfahrt", der sich durch die gesamte Kirche zieht.

Marek Fiedorowicz vom Ingenieurbüro IBS an der seltenen Wandmalerei.
Quelle: Madlen Wirtz
 
Steffen Jost, Dirk Rogmann, Elisabeth Lau und Marek Fiedorowicz (v. l.) bei der Bauberatung zur Königsberger Kirche.
Quelle: Madlen Wirtz

Königsberg. Restaurator Thomas Dietenberger ist begeistert: "Das ist eine sehr qualitätsvolle Arbeit", sagt er. Entstanden sei der figürliche Hauptteil dieser seltenen Wand-Malerei vermutlich um 1515, der untere Teil etwa um 1630. Diese biblischen Darstellungen richteten sich damals vor allem an Analphabeten, die die heilige Schrift nicht lesen konnten.

Reste dieser historischen Malerei seien schon in den 1990er Jahren im unteren Wandbereich aufgefallen. Auch habe es Versuche gegeben, sie freizulegen. Doch diese Arbeiten wurden nicht weitergeführt. Den Grund dafür kennt Dietenberger nicht.

Deshalb kam der tatsächliche Umfang des Gesamtwerkes erst jetzt zum Vorschein - und zwar im Zuge der Deckensanierung. Bei den Arbeiten wurden ebenfalls Teile der Malerei sichtbar. Das weckte die Neugier der Fachleute. Das Werk schien beeindruckende Ausmaße zu haben. Es folgten Suchschnitte, die letztlich bewiesen: Die Malerei zieht sich tatsächlich durch die gesamte Kirche.

Bislang wurden aber nur einige Teilbereiche davon wieder ans Tageslicht befördert. "Man wünscht sich natürlich, es könnte alles freigelegt werden", sagt Thomas Dietenberger. Aber er weiß auch, dass das natürlich vor allem eine Frage des Geldes ist. Auf einen Betrag, was ein solches Projekt kosten würde, will er sich nicht festlegen. Denn es sei vorher nicht absehbar, wie umfangreich und aufwändig das Ganze tatsächlich werden würde. "So etwas kann man auch nicht unter Zeitdruck machen. Es braucht einfach so lange, wie es braucht."

Nach der Schlechtwetter-Periode wird nun das Dach gedeckt.
Quelle: Madlen Wirtz

Marek Fiedorowicz, vom Ingenieurbüro für Baustatik und Sanierungsplanung in Hoppegarten geht nicht nur von einem besonderen Fund aus. Er ist überzeugt: "Diese Wand-Malerei ist einzigartig im Land Brandenburg." Daraus würde sich eine weitreichendere überregionale Bedeutung ergeben, als bislang angenommen. Aber die Finanzierung für die Freilegung und die Restauration der Malerei sei schwer. "Die Denkmalstiftung hat bereits abgesagt", so Fiedorowicz. Er habe noch nicht alle Möglichkeiten der Finanzierung ausgeschöpft. Er schlägt daher der Vorsitzenden des Förderkreises Elisabeth Lau vor, Sponsoren für das Vorhaben zu gewinnen. Er geht von Kosten von etwa 200.000 Euro aus. Darin enthalten sei auch der Aufwand für die farbliche Restauration der Kirchenkanzel.

Elisabeth Lau ist derzeit nur froh, dass es nach den vielen Regentagen nun mit dem Eindecken des Daches weitergeht. Die Tage des Rückstandes sind inzwischen fast aufgeholt. Im Inneren der Kirche werden zudem die Deckenschalung und die Elektrik erneuert. Die Aufputzkabel an den Wänden sind gekappt und verschwinden aus dem Blickfeld. Die neuen Elektroleitungen liegen unsichtbar im Fußboden. Die frühere Beleuchtung bleibt erhalten. Die Lampen seien noch gut, heißt es.

Das Ende der Hüllensanierung ist in Sicht: "In der letzten Zeit ist viel passiert. Wenn das so weitergeht, hoffen wir, zu Weihnachten wieder unsere Kirche benutzen zu können", wünscht sich die Vorsitzende des Förderkreises. Die restlichen Arbeiten dauern voraussichtlich noch bis Jahresende.

Info: Das Spendenkonto der evangelischen Kirchengemeinde Königsberg: Konto: 1567056011, BLZ: 35060190, Bank: KD-Bank Dortmund, Zweck: Dorfkirche Königsberg.

Von Madlen Wirtz und Björn Wagener

Märkische Allgemeine vom 18. November 2013

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