Die Schinkel-Kirche von Schäpe (Potsdam-Mittelmark)

 
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Das 1342 erstmalig erwähnte Dorf Schäpe liegt am Rande der Zauche zwischen den Städten Beelitz und Brück. 2001 wurde der Ort nach Beelitz eingemeindet, das durch seinen Spargelanbau weit über die Grenzen Brandenburgs hinaus bekannt ist. Und so hat auch Schäpe neben einem neu errichteten Pferdehof und zwei Pensionen seit einigen Jahren einen Spargelhof, der im Frühjahr zahlreiche Besucher aus der Umgebung und aus Berlin in das Dorf zieht.

Mittelpunkt des Ortes jedoch ist die Schinkel-Kirche. Ein erst 1770 erbautes sechseckiges Kirchengebäude aus Fachwerk war im Jahr 1824 einem Brand zum Opfer gefallen. Die Pläne für den Neubau lieferte der Geheime Oberbaurat und spätere Leiter der preußischen Oberbaudeputation Karl Friedrich Schinkel. Es entstand ein klassizistischer verputzter Saalbau mit großen Rundbogenfenstern, der 1827 geweiht wurde und vorerst turmlos blieb. "Ein Thurm sei nicht nötig, da das Dorf nur klein ist, und ganz entfernt von der Treuenbrietzener Chaussee liegt." schrieb Schinkel in einer Erläuterung zu seinen Entwürfen. So wurde vorerst ein einfacher, frei stehender Glockenschauer neben der Kirche gebaut, in dem zwei Glocken ihren Platz fanden. 1861 erhielt die Schäper Kirche dann doch noch einen massiven Turm, der zudem auch auf einen früheren Entwurf Schinkels zurückgeht. Ebenso wie in dem nahe Werder gelegenen Dorf Petzow wurde dem Kirchenschiff ein durch eine offene Bogenhalle angebundener quadratischer Kirchturm hinzugefügt. Der Innenraum der Kirche mit seiner schlichten bauzeitlichen Ausstattung ist durch den Einbau quadratischer Holzpfeiler dreischiffig gestaltet.

Bereits seit etlichen Jahren waren erhebliche Bauschäden an dem Kirchengebäude sichtbar; eine umfassende Instandsetzung wurde lange geplant, Anträge gestellt, abgelehnt und neu gestellt. Schließlich war das Dach des Turmes so marode, dass das Gelände rund um die Kirche gesperrt werden musste, damit Besucher des Kirchhofes nicht von herab segelnden Schieferplatten verletzt werden konnten. Eine bauaufsichtliche Schließung des Kirchengebäudes schien unabwendbar, als im vergangenen Jahr schließlich doch genügend Mittel vorhanden waren, um den Kirchturm zu sanieren. Die arg geschädigte Holzkonstruktion des Turmhelms wurde erneuert und das Dach neu mit Schiefer eingedeckt. Auf den 32 Meter hohen Kirchturm wurde am 14. September eine 2,50 Meter hohe vergoldete Bekrönung aus Kreuz, Kugel und Turmhelm aufgesetzt, nachdem zuvor Dokumente und Münzen in einer wasserfesten Schatulle eingefügt wurden. An der Finanzierung der Arbeiten beteiligten sich die Landeskirche, der Kirchenkreis, die Kirchengemeinde, die Stadt Beelitz, der Förderkreis Alte Kirchen und der Förderverein Schinkel-Kirche Schäpe e.V.

Der im Dezember 2010 gegründete Förderverein in dem 150-Einwohner-Dorf zählt inzwischen etwa 50 Mitglieder. Er kümmert sich nicht nur um die Sanierung des Gotteshauses, sondern organisiert auch Konzerte und andere Kulturveranstaltungen. Im Frühjahr dieses Jahres weihten Vereinsmitglieder einen historischen Rundweg durch das Dorf ein; auf acht Infotafeln werden den Besuchern die wichtigsten historischen Gebäude des Ortes vorgestellt.

Ein Schild an der Dorfkirche von Schäpe informiert nicht nur über die Geschichte des Gebäudes, sondern auch über den Stand der Restaurierung und die weiteren Bauvorhaben. Die Instandsetzung des Kirchturms war nur ein erster Schritt auf dem Wege zur geplanten Gesamtsanierung. In vier weiteren Bauabschnitten sollen nacheinander das Dach des Kirchenschiffes, die Fassaden von Turm und Schiff sowie der historische Innenraum erneuert werden.

Durch einen kuriosen Fund entstand zusätzlich der Wunsch nach einer weiteren, vergleichsweise kleinen, Bauaufgabe: Als bei einer Aufräumaktion auf dem Kirchhof zwei ungepflegte Blumenkübel vor dem Kirchenportal entfernt werden sollten, stellten die erstaunten Helfer fest, dass es sich hierbei um die zwei verschollen geglaubten Glocken aus der Schinkel-Zeit handelte. Für sie soll im kommenden Jahr der ursprüngliche, frei stehende Glockenturm, dessen Pläne noch vorhanden sind, wieder entstehen.

Weitere Informationen: Förderverein Schinkel-Kirche Schäpe e.V.; Hartwig Remy; Schäpe 1 B; 14547 Beelitz / OT Schäpe; Tel.: (03 32 04) 3 42 18


Zum Weiterlesen:
Märkische Allgemeine vom 16. Februar 2013: Fördergelder für Schäper Kirche passé
Kirche des Monats März 2013 der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland
Märkische Allgemeine vom 18. März 2013: Kur für märkische Kirchen
Märkische Allgemeine vom 25. April 2013: Glocken von Schäpe wieder schön
Potsdamer Neueste Nachrichten vom 21. August 2013: Neues Dach für Schäper Schinkel-Kirche
Mitteilungsblatt vom Dezember 2013: Ein neues Dach für die Schinkelkirche
Potsdamer Neueste Nachrichten vom 09. Dezember 2013: Vergessene Glocken ausgegraben
Mitteilungsblatt September 2015: Schäpe setzt auf Gemeinsamkeit
Märkische Allgemeine vom 06. März 2016: Ein Mini-Museum für die Rettung der Kirche
Märkische Allgemeine vom 12. Dezember 2016: Kirche bekommt zu Weihnachten neues Kleid


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