Kur für märkische Kirchen

Ohne privates Engagement ist der Kampf um den Erhalt der dorfprägenden Gotteshäuser nicht zu gewinnen

Die Dorfkirche in Schäpe.
Foto: Johanna Bergmann

Ein wenig ist ihr die toskanische Anmutung schon anzusehen: Der Kirchturm der Dorfkirche in Schäpe (Potsdam-Mittelmark) schließt nicht an das Kirchenschiff an, sondern wurde mit einer Art Loggia als Verbindung angehängt. "Schinkel Kirche" nennt der seit 2010 bestehende "Förderverein Schinkel-Kirche Schäpe" das Gotteshaus. König Friedrich Wilhelm III. soll um 1827 Karl-Friedrich Schinkel den Auftrag gegeben haben, die 1824 abgebrannte Kirche des Ortes wieder aufzubauen. Der ließ sich für das schlichte Haus von Entdeckungen auf seinen italienischen Reisen inspirieren. Doch im Jahr 2012 ist vom Stolz Schinkelscher Baukunst nur wenig zu merken.

Eines der romanischen Fenster ist zugemauert, eine Kirchturmuhr gibt es nicht. Innen könnten die mit Holz verkleideten sechs tragenden Säulen zumindest einen frischen Anstrich vertragen, in einer Ecke legt der weggebröckelte Putz die Ziegelsteine frei, auch die Farbe der Wände ist nicht frisch. Nicht sehr anheimelnd, das Ganze. Wäre nicht im vergangenen September für rund 95 000 Euro die Sanierung des Kirchturms abgeschlossen worden, der Bau würde vermutlich noch trostloser ausschauen.

Auf rund 380 000 Euro schätzt der Beelitzer Architekt Jürgen Götz die Kosten für eine Sanierung des Innenschiffs mitsamt Ausbau des Daches und Renovierung der Fassade. Doch die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) kann bei der Fülle des Sanierungsbedarfs im Land die Kosten alleine nicht stemmen.

"Die Kirchengemeinden sind als Körperschaften des öffentlichen Rechts selbst für Erhalt, Pflege und Nutzung ihrer Kirchengebäude verantwortlich", schreibt das kirchliche Bauamt. Dennoch ist dessen Einsatz beträchtlich. Jährlich investiert die EKBO rund 20 Millionen Euro in den Erhalt ihrer Kirchen. Aber vor Ort braucht es Leute wie Hartwig Remy vom Förderverein "Schinkel-Kirche", damit sich etwas bewegt.

Eigentlich hatte der vor 15 Jahren zugezogene gebürtige Berliner mit dem offiziellen Kirchenleben nie etwas am Hut. Aber als der Gemeindekirchenrat den früheren Vertriebsdirektor bei der Allianz-Versicherung vor knapp drei Jahren ansprach, ob er nicht etwas für die Dorfkirche tun könne, sagte der umtriebige Remy nicht nein. Er weiß, dass ein Abwärtstrend nicht aufzuhalten ist, lässt man erst einmal etwas schleifen.

"Natürlich geht es mir um die Kirche auch als Gebäude", sagt Remy. "Aber ich möchte auch, dass das Dorf mehr zusammenkommt." Remy lässt seit Weihnachten 2010 nicht nur persönliche Einladungen an die Gemeindemitglieder zu den Gottesdiensten drucken, er kümmert sich auch eifrig um Sponsoren. Die bisherigen Gelder, die Unternehmen und Stiftungen bislang zu geben bereit waren, sind Kleckerbeträge im Vergleich zu dem, was notwendig wäre. "Ich verstehe das schon", sagt Remy. "Eine Stiftung wie Reemtsma setzt Prioritäten. Da stehen noch 100 andere in der Schlange, die auch Geld wollen."

Unglücklicherweise wurden nun bereits zugesagte 135 000 Euro aus dem Topf Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) wieder gestrichen. Doch Remy ist optimistisch, dass zumindest die Dachsanierung gelingen könnte. Hier fehlten nur noch 35 000 Euro. Remy schließt nicht einmal aus, dass die Dorfkirche in Schäpe schon im Jahre 2015 saniert ist. Auch Architekt Jürgen Götz rechnet damit, dass Schäpe spätestens 2016 wieder einen glänzenden Ortsmittelpunkt hat. "Ich bin frohen Mutes", sagt er. Es gebe schon viele Zusagen, unter anderem von der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (Kiba).

Wie lange eine ambitionierte Kirchensanierung dauern kann, weiß die Pfarrerin der benachbarten Gemeinden, Beate Koschny-Lemke. Bis die einst marode Dorfkirche in Rieben neu in leuchtendem Rosa erstrahlte und wieder ein Zentrum des Ortslebens wurde, vergingen 15 Jahre. Dass es überhaupt klappte, grenze trotzdem an ein Wunder, sagt Koschny Lemke. "Wenn nicht alle alle angetrieben hätten, wäre es nicht fertig geworden."

Erste Pläne für eine Sanierung fasste ein Dutzend Gemeindemitglieder schon im Oktober 1997. Damals hatte es beim Erntedankgottesdienst noch in die Kirche geregnet. Mit der Arbeit begonnen wurde 2002, aber erst im September vergangenen Jahres konnte das sanierte Haus feierlich eingeweiht werden. Dafür hatten die Riebener vor zehn Jahren beim Abdecken des alten Daches sogar selbst mit Hand angelegt. Später besorgte ein ortsansässiger Maler ehrenamtlich die Innenbemalung. Vor allem aber ist die Kirche ein Pilotprojekt. Sie verbindet kirchliches und weltliches Leben. Ein Teil des Kirchenschiffs ist durch eine Glasscheibe vom Rest abgetrennt und dient als Versammlungsraum. Darüber hat der Ortsvorsteher ein Büro. Deshalb flossen viele Mittel aus dem brandenburgischen Programm Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) in den Bau. Insgesamt kostete die Sanierung allein des Schiffes mit Anbau 530 000 Euro.

Der in Babelsberg gebürtige Architekt Götz sieht in solchen Mehrfachnutzungen überhaupt einen guten Weg zur Sanierung märkischer Gotteshäuser. "Man darf aber die Kirche nicht als Kirche aufgeben", betont Götz. Eine Sanierung nur für neuen Wohn- oder Veranstaltungsraum käme für ihn nicht in Frage. Deshalb legte er in Rieben auch großen Wert darauf, dass die Kirche wieder ein Kreuz auf ihre Spitze bekam.

Als Seelsorgerin weiß Pfarrerin Koschny-Lemke aber auch, dass die Menschen auf den Dörfern viel stärker in ihren Traditionen verwurzelt sind, als ihnen manchmal selbst bewusst ist. Sogar weltlich orientierte Riebener verbinden ihre Kirche mit wichtigen Daten wie Hochzeiten oder Beerdigungen. Das habe auch angespornt, sich am Wiederaufbau in Rieben zu beteiligen. Nun genießen die Riebener das Aufleben der Dorfkirche. Heiligabend 2012 feierten 150 Kirchenbesucher in dem kleinen Ort. (Von Rüdiger Braun)

Märkische Allgemeine vom 18. März 2013

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