Schäpe

Kirche bekommt zu Weihnachten neues Kleid

Schäpes Schinkelkirche bekommt bis Weihnachten ein neues Kleid nach historischem Vorbild. Anhand von Fotos aus alten Zeiten werden dabei Stuckprofile an der Außenfassade nachgestaltet, die verloren gegangen waren. An der Sanierung beteiligt sich finanziell auch der Förderverein, der mit einigen spektakulären Aktionen die Werbetrommel fürs Gotteshaus gerührt hat.

Fördervereinschef Hartwig Remy (r.) und Torsten Zimmermann, dessen Firma DTHW Bau GmbH Borkheide die Fassade des Kirchenschiffs saniert.

Schäpe. Wenn Torsten Zimmermann aus dem Fenster schaut, guckt er direkt auf die Schinkelkirche in Schäpe – seit 48 ahren. Sein Haus, die Zimmermanns leben in der siebten Generation im Dorf und gehören zu den ältesten Familien in Schäpe, steht nur einen Steinwurf entfernt vom Gotteshaus. Der Mann, der schon als Kind auf die Kirche blickte und später – zu DDR-Zeiten – als Lehrling bei der Sanierung der Fenster mithalf, ist jetzt Bauleiter und Inhaber des Unternehmens, das Schäpes Schinkelkirche neuen Glanz verleiht. „Für mich und meine Firma ist es eine Ehre, an der Kirchensanierung mitzuwirken“, sagt Zimmermann, der gelernter Maurer ist. Einer seiner Vorfahren war auch Bürgermeister in Schäpe.

Zimmermann und seine Kollegen arbeiten gerade an der Außenfassade des Kirchenschiffs, die nach historischem Vorbild wiederhergestellt wird. Es ist der vierte Bauabschnitt des Sanierungswerks, das die Schinkelkirche retten soll, um die es noch vor sechs Jahren nicht gut stand. Bis zum Heiligen Abend soll nun das neue Kleid fürs Kirchenschiff fertig sein. „Ziel ist es, bis zum Weihnachtsgottesdienst am 24. Dezember den vierten Bauabschnitt abzuschließen“, sagt Zimmermann. In diesen Tagen gehört es mit dazu, täglich zu schauen, wie das Wetter wird. „Was wir jetzt nicht gebrauchen können, ist Frost“, so der Bauleiter. Am Kirchenschiff wurde in den vergangenen Monaten der alte Putz abgeschlagen und der neue Fassadenputz – häufig bei Regen – aufgebracht. Genau genommen wird das neue Kleid fürs Kirchenschiff den Glanz aus alten Zeiten haben. Die Stuckprofile werden nach historischem Vorbild wiederhergestellt. Um die Details an der Fassade, die verschwunden waren, nachgestalten zu können, wurden Fotos aus der Vergangenheit genutzt, erzählt Zimmermann.

Für den vierten Bauabschnitt stehen gut 61 000 Euro zur Verfügung, weiß Jürgen Götz, der Planer der Kirchensanierung. 30 000 Euro davon gibt die Denkmalpflege des Landkreises Potsdam-Mittelmark, 5000 Euro steuert der umtriebige Förderverein bei, der sich 2010 gegründet hat und damals auf die Fahne schrieb, die Schäper Schinkelkirche zu retten. Den Restbetrag übernimmt die Stadt Beelitz. Laut Hartwig Remy, Vorsitzender des Fördervereins, sind in den ersten drei Bauabschnitten bereits 254 000 Euro geflossen. Mit bislang 32 000 Euro konnte der Verein die Sanierung unterstützen – Geld, das über Spenden eingenommen wurde. Der Verein rührte mit einigen kreativen Aktionen kräftig die Werbetrommel für die Kirche – zuletzt mit einem Schinkel-Wochenende, das Remy gern zu einer Tradition machen würde. Schäpes diesjähriges Schinkelwochenende wurde mit Kirchenführungen, Kaffee und Kuchen, Vortrag und Andacht sowie mit einem großen Brandenburger Buffet auf dem benachbarten Spargelhof von Josef Jakobs gefeiert. Pfarrer Uwe Breithor, der als Gefängnisseelsorger in der Justizvollzugsanstalt in Großbeeren arbeitet, „hielt eine sehr gute Andacht mit vielen Bezügen zu Schinkel“, erzählt Remy. Die Fortsetzung der Aktion im nächsten Jahr ist bereits fest eingeplant. Ausgezahlt haben sich auch die zwei kleinen Spendenboxen, in die Ausflugsgäste Münzen und Scheine zugunsten der Kirchensanierung stecken können. Immerhin knapp 1000 Euro sind über diese Spendenboxen zusammengekommen, sagt Remy.

Wenn das Sanierungswerk ein Marathonlauf wäre, „dann sind wir ungefähr bei Kilometer 28“, schätzt er. Etwas mehr als die Hälfte sind geschafft, sagt auch der Bauleiter. Fertig sind der Helm des Turmes, das Dach des Kirchenschiffes und bis Weihnachten dann auch die Außenfassade am Schiff. Im Inneren des Gotteshauses wurden die Decke saniert und tragende Teile erneuert. „Im nächsten Jahr ist der Sockel dran, der gesamte Turm und der Übergang zwischen Turm und Kirchenschiff“, kündigt Planer Jürgen Götz an. Danach soll die Innensanierung folgen. „So Gott will, werden wir zum Erntedankfest im Oktober 2018 die fertig sanierte Kirche feiern“, sagt Götz und fügt hinzu: „Die Schäper Kirche wird weit und breit die hübscheste sein.“

Das i-Tüpfelchen aufs Sanierungswerk ist die Turmuhr, die dann wieder schlagen soll. Remy schätzt die Kosten für die Kirchturmuhr auf etwa 12 000 Euro. Die alte Uhr soll in den 1960er Jahren aufgehört haben zu schlagen. Das Uhrwerk ist zwar zu großen Teilen noch vorhanden. „Es fehlt aber die Welle, die alle vier Uhren am Turm antreibt.“ Deshalb bekommt Schäpes Kirche eine neue, digitale Uhr, die niemand mehr aufziehen muss, die aber Ziffernblätter wie das historische Vorbild haben wird. „Die Turmuhr wird außen ursprünglich und innen modern sein“, sagt Remy.



Schinkelkirche in Schäpe

Das Gotteshaus in Schäpe ist 1827 nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel (1781 – 1841) gebaut worden.
Weil das Geld nicht reichte, stand die Kirche 34 Jahre ohne Turm da.
Damit die Schäper trotzdem die Glocken läuten konnten, bauten sie einen Glockenschauer, der nach dem Turmbau aber nicht mehr nötig war. Das Geläut fand seinen Platz im Turm.
Die alten Glocken bekamen im Zweiten Weltkrieg einen Treffen ab und wurden 1964 durch neue aus Apolda ersetzt.
Als 2012 die Sanierung der Kirche richtig begann, wurde der Turm eingerüstet. Dafür mussten die Blumenkübel am Turmeingang weichen. Wie sich herausstellte, hatten die alten 1964 ausrangierten Kirchenglocken als Blumenkübel gedient.
Mit Spenden bauten die Schäper kurzerhand wieder einen Glockenschauer – für die alten, ausgegrabenen Glocken. Es wurden dafür auch deutschlandweit Familien mit dem Namen „Schäpe“ angeschrieben und in den Ort eingeladen und um Spenden gebeten.
So steuerten beispielsweise auch Schäpes aus Bochum und Schwedt Geld für den Glockenschauer bei.
Fürs Fundament des Glockenschauers sponserte Torsten Zimmermann 1000 Euro – der Bauleiter, der seit Kindheitstagen mit der Schäper Kirche verbunden ist.


Von Jens Steglich

Märkische Allgemeine vom 12. Dezember 2016

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