Was uns bewegt - der Vorstand berichtet

Auch Schnitzfiguren, Leuchter und Orgeln gehören zum Gesamtkunstwerk Kirche

In den vergangenen Jahren konnte der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg im Rahmen der Spendenaktion "Menschen helfen Engeln" die Restaurierung von etwa 20 Taufengeln finanziell unterstützen. Im vergangenen Jahr starteten wir eine erfolgreiche Spendenaktion für den wunderschönen Altar der Dorfkirche in Laubst (Spree-Neiße). Und dieser Ausgabe unseres Mitteilungsblattes liegen ein Faltblatt und sechs Postkarten bei, die dazu aufrufen, die Restaurierung der Ausstattung der Kirche in Dedelow (Uckermark) zu unterstützen.

Die jeweiligen Spendenaktionen starteten wir in enger Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege.

Immer wieder konnte der Förderkreis Alte Kirchen Geld für die Instandsetzung von Orgeln, Altarretabeln, Kanzeln oder anderen Kunstwerken aus Kirchengebäuden ausreichen. Und doch gibt es, wenn der Vorstand über die Vergabe unserer – zugegebenermaßen beschränkten – Finanzmittel zu entscheiden hat, immer wieder Diskussionen: Ist die Sicherung eines defekten Daches nicht wichtiger als die Reparatur einer seit mehreren Jahrzehnten nicht gespielten Orgel? Sollen wir die Spenden unserer Mitglieder und Unterstützer für die Restaurierung eines barocken Kanzelaltars bewilligen oder für die Instandsetzung des Mauerwerks am Kirchturm?

In den vergangenen mehr als zwei Jahrzehnten unseres Bestehens hatten bei derlei Abwägungen oftmals Sanierungsarbeiten am äußeren Baukörper der Kirchengebäude Vorrang vor der Beschäftigung mit ihrem Inventar. Zu groß war der bauliche Nachholbedarf, um die jahrzehntelang vernachlässigten Gotteshäuser wieder unter "Dach und Fach" zu bekommen.

Wir dürfen jedoch langfristig nicht aus dem Blick verlieren, dass unsere Dorfkirchen "Gesamtkunstwerke" sind und dass ihre gewachsenen Ausstattungen zum Denkmal dazu gehören. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich oftmals mehrere Zeitschichten übereinander gelegt und unverwechselbare Ensembles in den Kirchenräumen geschaffen. Selbst aus der Zeit vor der Reformation haben sich Wandmalereien, Altaraufsätze mit Tafelbildern und Schnitzfiguren oder steinerne Tauffünten erhalten. Renaissanceretabel, barocke Leuchter, romantische Orgeln des Historismus oder das vielfältige Patronats-, Pfarrer- und Gemeindegestühl – all dies sind keine Gegenstände, die isoliert vom Kirchenraum betrachtet werden können. Zu ihrer Entstehungszeit entsprachen sie dem liturgischen Bedürfnis der Kirchengemeinde (und natürlich auch dem Zeitgeschmack). Sie hatten in der Regel einen rituellen Zweck zu erfüllen und tragen die gottesdienstlichen Gebrauchsspuren von Generationen von Kirchenbesuchern.

Bei weitem nicht in allen Fällen sind uns die Namen der Bildhauer und Schnitzer, Kirchen- und Fassmaler, Kunstschmiede, Tischler, Zimmerleute oder Glasgestalter überliefert, die in den Gotteshäusern tätig waren. Nicht alle Dinge, die erhalten blieben, würden wir vermutlich als große Kunstwerke klassifizieren. Oft waren es örtliche Handwerker, die mit viel Liebe und zum Lobe Gottes im wahrsten Sinne des Wortes Gebrauchsgegenstände schufen, die für den sonntäglichen Gottesdienst benötigt wurden, zugleich aber vom Stolz der Auftrag gebenden Kirchengemeinde oder des Patronatsherrn berichten. Auch wenn der kunstgeschichtliche Wert vielleicht auf den ersten Blick nicht immer ersichtlich ist, bleibt das kirchliche Inventar doch in jedem Fall ein wichtiges Zeugnis der lokalen und regionalen Glaubens- und Sozialgeschichte und ist schon deshalb bewahrenswert.

Zahlreiche Kirchengebäude konnten in den vergangenen zwei Jahrzehnten im Bestand gesichert und zum Teil vorbildlich instand gesetzt werden. Für die Kunstwerke und Ausstattungsgegenstände war und ist es ungleich schwerer, Fördermittel oder finanzielle Zuschüsse zu bekommen. Dabei droht auch in diesem Falle wertvolle Substanz verloren zu gehen, wenn nicht bald gehandelt wird. Fehlende Gelder haben auch hier über Jahrzehnte hinweg nötige Sicherungs- und Instandsetzungsarbeiten verhindert, so dass manches Kunstwerk tatsächlich durch fachkundige Arbeit eines Restaurators vor dem endgültigen Verlust bewahrt werden muss.

Besucher sind oftmals erstaunt, welcher Reichtum sich hinter den auf den ersten Blick manchmal doch bescheidenen Mauern unserer Dorfkirchen erhalten hat. Und so ist es auch zu begrüßen, dass die Stiftung kirchliches Kulturerbe unserer Landeskirche (endlich!) begonnen hat, eine flächendeckende Inventarisierung des beweglichen Kunstgutes in den Kirchen durchzuführen. Auf die Notwendigkeit hatte auch der Förderkreis Alte Kirchen in der Vergangenheit immer wieder hingewiesen.

Auch weiterhin betrachten wir es als wichtigste Aufgabe des FAK, die Kirchengebäude zu erhalten und instand zu setzen. Ihre reichhaltige und vielfältige historische Ausstattung sehen wir dabei als unverzichtbaren Bestandteil des jeweiligen Gesamtdenkmals Kirche.

Bernd Janowski

 
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Hohe Auszeichnung für unseren Förderkreis

Festliche Veranstaltung in der Hauptstadt

Mit dem vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz gestifteten "Deutschen Preis für Denkmalschutz" erhielt 2013 der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg die auf diesem Gebiet höchste Auszeichnung in der Bundesrepublik Deutschland. Der originalgetreu rekonstruierte Lichthof des Museums für Kommunikation in Berlin gab den festlichen Rahmen für die feierliche Verleihung des Preises. In der Laudatio wurde vor allem das ehrenamtliche Engagement der Mitglieder gewürdigt, durch die eine Vielzahl denkmalgeschützter Kirchen vor dem Verfall gerettet und mehr als eine Million Euro für Bau- und Restaurierungsprojekte durch Spenden zusammengetragen wurden. Für seine Leistungen erhielt der Förderkreis Alte Kirchen die "Silberne Halbkugel". Sie wird seit 1979 an Personen oder Personengruppen vergeben, die einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung und Rettung von Gebäuden, Ensembles, Altstadtkernen, Dörfern und archäologischen Denkmalen geleistet haben.

Mit den Zeugen unserer Geschichte liegt viel Schönes in unserer Hand

ÜBERGABE DES PREISES an den Förderkreis Alte Kirchen, entgegengenommen von Geschäftsführer Bernd Janowski und Vorstandsmitglied Dr. Hans Krag (v. l.).
Foto: Kurt Glöckler
 
Die massive Silberne Halbkugel von Professor Fritz Koenig, Landshut, zeigt auf der Schnittfläche einen Kranz von abstrahierten Sakral– und Profanbauten, die das umfassende Aufgabengebiet des Denkmalschutzes versinnbildlichen. Die Halbkugel selbst trägt die Aufschrift "Deutscher Preis für Denkmalschutz" mit der jeweiligen Jahreszahl.
Foto: DNK

Es war ein Zeichen der öffentlichen Anerkennung, das sicher vielen gut tat. Nicht nur den zehn Auserwählten, die in diesem Jahr mit Preisen geehrt und deren Leistungen ausdrücklich gewürdigt wurden. In jeder Festrede spielte das beispielhafte Engagement der vielen Tausend, die sich in Stadt und Land ehrenamtlich für die Bewahrung unseres reichen Denkmalschatzes engagieren, eine zentrale Rolle.

Prof. Dr. Sabine Kunst, Präsidentin des Nationalkomitees und Brandenburger Kulturministerin, betonte, dass Denkmalpflege nicht allein dem Staat überlassen bleiben könne, sondern dass auch künftig ehrenamtliches Wirken unverzichtbar sein werde.

Dass in unserer schnelllebigen Zeit auch der Denkmalschutz unter einem Veränderungsdruck steht, belegte Dr. Dagmar Tille, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin, an Beispielen. Ihr besonderes Anliegen: "Wir sollten den Faden der Tradition weiter spinnen." Wichtig sei, dass ihn die nachfolgende Generation aufnimmt und die Verantwortung für die uns anvertrauten Schätze freudig übernimmt. "Freudig, denn viele schöne Dinge liegen in unserer Hand."

Im Namen der Preisträger dankte Prof. Dr. Michael Petzet, München, der für sein langjähriges denkmalpflegerisches Wirken auf nationaler und internationaler Ebene mit dem Karl-Friedrich-Schinkel-Ring ausgezeichnet worden war. Er appellierte, gerade in dieser Umbruchzeit alles Identitätsstiftende zu bewahren. Dem stünden Kürzungen öffentlicher Mittel wie u. a. in Nordrhein-Westfalen oder Versuche, bestehende Gesetze zum Schutz von Denkmalen zu determinieren unter dem Vorwand der "Verbesserung", entschieden entgegen.

Eva Gonda

"Der Förderkreis Alte Kirchen verleiht Flüüügel"

Jury-Vorsitzende Dagmar Reim, Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg, hielt die Laudationes.
Die Würdigung für den Förderkreis Alte Kirchen:

Ein Heidengeld kann es kosten, Kirchengebäude zu renovieren.

Um den großen Reichtum an sakraler, künstlerischer und geschichtlicher Tradition der Dorfkirchen in Brandenburg dennoch zu bewahren, hat dieser Verein sich seit der Gründung 1990 eine Menge einfallen lassen. Von 35 auf 500 ist die Zahl der Mitglieder inzwischen gewachsen. Mehr als eine Million Euro sind für Bau- und Restaurierungsprojekte zusammengekommen. In Buckow oder Malchow, Küstrinchen oder Sternhagen – eine Vielzahl denkmalgeschützter Kirchen hat der "Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V." vor dem Verfall gerettet: Als Dachverband und Initiator eines jährlichen Wettbewerbs für Kirchen-Fördervereine. Mit einer Wanderausstellung zur "Gefährdeten Schönheit" der Altäre, Orgeln und Fachwerkkonstruktionen. Oder mit Lesungen und Theateraufführungen in den Kirchenräumen.

"Menschen helfen Engeln", diese Aktion hat Taufengel in vielen Kirchen vor dem Verfall bewahrt.

Es gilt in Sachen Denkmalschutz: Der "Förderkreis Alte Kirchen" verleiht Flüüügel – und das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz ihm deshalb die Silberne Halbkugel.

Aus Glückwunschschreiben anlässlich unserer Auszeichnung mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz 2013

Engagement und Beharrlichkeit

Besonders gern nutze ich die Gelegenheit, allen Mitstreiterinnen und Mitstreitern des Förderkreises zur Zuerkennung der "Silbernen Halbkugel" des "Deutschen Preises für Denkmalschutz" von Herzen zu gratulieren. Wenn eine Institution diese Auszeichnung schon längst verdient hat, dann der Förderkreis mit seinen seit vielen Jahren in jeder Hinsicht vorbildlichen und ausdauernden Aktivitäten.

Mit schmalen Mitteln, großem, oft innovativem Engagement (Fördervereins-Preis, Kulturaktivitäten, Stiftung …) und bewundernswerter Beharrlichkeit ist der Förderkreis ein Vorbild, das viel öfter nachgeahmt werden sollte; weite Regionen der ganzen Republik hätten es nötig und könnten davon enorm profitieren.

Besonderen Glückwunsch und: Weiter so!

Martin Ammon,
Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland KiBa,
Leiter des Stiftungsbüros,
Kirchenamt der EKD

Maßgebliche Rolle als Brückenfunktion

Herzliche Glückwünsche an den Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg. Die Begründung nennt mehr als 500 Initiativen des FAK BB zum Schutz des brandenburgischen Kulturerbes und die maßgebliche Rolle des FAK als Brückenfunktion in der Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, um seine Ziele zu erreichen. Sein Enthusiasmus, seine engagierte Arbeit und erfolgreiche Mitteleinwerbung für die Bewahrung der bebauten Umwelt ist vorbildlich.

Europäischer Dachverband "Future for Religious Heritage" (FRH)

Brandenburg sähe ohne den Förderkreis anders aus

Herzlichen Glückwunsch zur verdienten hohen Auszeichnung durch das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz. Es ist einfach fantastisch, was Sie und Ihre Mitstreiter seit 1990 geleistet haben. Die schöne und vielseitige Landschaft in Brandenburg mit ihren unzähligen Dorfkirchen sähe ohne Sie und Ihren unermüdlichen Einsatz heute gewiss anders aus.

Dass nicht nur der Staat und die Amtskirchen sich um die Erhaltung des hochgefährdeten kirchlichen Baubestandes bemüht haben, sondern allenthalben Bürgerinnen und Bürger wie Sie aus christlicher Verantwortung und politischer Einsicht heraus gehandelt haben, ist ein viel zu selten gewürdigtes Ruhmesblatt der "friedlichen Revolution", welche uns die deutsche Einheit gebracht hat.

Dass Sie immer noch mit Erfolg das Konzept der Verleihung von "Startkapital" an Fördervereine pflegen, hat mich ganz besonders gefreut.

Bitte übermitteln Sie unsere herzlichen Glückwünsche aus dem Süden allen, denen die Auszeichnung mit der "Silbernen Halbkugel" gilt.

Dr. Ulrich Bopp, Stuttgart

Dr. Ulrich Bopp ist dem Förderkreis seit seiner ehemaligen Tätigkeit als Geschäftsführer der Robert Bosch Stiftung eng verbunden. Auf Anregung der Stiftung und mit ihrer Unterstützung wurde u. a. die jährliche "Startkapital"-Verleihung des FAK ins Leben gerufen. (Die Redaktion)

So gute Erfahrungen sollten weitergegeben werden

Als einer der ersten Träger des Deutschen Preises für Denkmalschutz (1979) beglückwünscht der bereits 1973 gegründete Förderkreis Alte Kirchen e.V. (Marburg) sein "Ziehkind", den Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, herzlich zur Auszeichnung.

Diesen Preis hat der FAK BB zu Recht verdient, denn er hat durch seine langjährige Arbeit und seine verschiedenen Projekte sehr vieles zur Rettung von gefährdeten Kirchen und ihrer Ausstattung in Brandenburg bewegt und selbst beigetragen. Schön wäre es deshalb, wenn in Zukunft der FAK seine reichen Erfahrungen bei Gründung, Aufbau, Entwicklung und Förderung von zahlreichen Fördervereinen und hilfreichen Projekten weiterreichen könnte, wie er selbst 1990 und danach auch Starthilfe aus Marburg erhalten hatte. Das wäre vor allem wichtig für Länder, in denen keine solche Tradition von Fördervereinen zur Rettung gefährdeter Kirchen besteht. In vielen Ländern Europas, zum Beispiel in den Niederlanden und in Belgien, wo jetzt viele Kirchen geschlossen werden, gibt es kaum oder nur sehr wenig Widerstand gegen die Aufgabe von Kirchen. Die Bevölkerung ist gar nicht darauf vorbereitet, mit der Gründung von Fördervereinen oder Initiativgruppen Widerstand zu leisten. Hier könnte die Weitergabe guter Erfahrungen sehr nützlich sein.

Angus Fowler, Vorstandsmitglied in Marburg, ehemals Vorsitzender und heute Ehrenmitglied des FAK BB

Ein starker Partner an der Seite der Vereine vor Ort

Wir freuen uns und sind stolz, Mitglied des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg zu sein. Der Förderkreis hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem starken Partner an der Seite derjenigen entwickelt, die sich für den Erhalt und die sinnhafte Nutzung alter Kirchen im Land Brandenburg einsetzen. Unermüdlich sind Sie auf allen dazu relevanten Ebenen unterwegs, um Netzwerke zu gründen und bestehende zu erweitern. Das langfristige Vorausdenken zeigt sich auch im Selbstverständnis des Vereins – von einem tatkräftig anpackenden Starter hin zu einem nachhaltigen Planer mit einer außerordentlich erfolgreichen Stiftung im Gefolge. Allein der Internetauftritt bietet eine schier unerschöpfliche Fülle an hilfreichen Informationen für die Vereine und Initiativen vor Ort.

Wir wünschen dem Förderkreis Alte Kirchen weiterhin eine erfolgreiche Entwicklung, engagierte Mitstreiter und die entsprechende Anerkennung in unserer Gesellschaft.

Andreas Flender, Förderverein Dorfkirche Pessin e.V.

 
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Sonnenblumen trotzten dem Regen und strahlten Freude aus

Das Fest der Verleihung von "Startkapital 2013" fiel nicht ins Wasser

DIE GEWINNER der diesjährigen Ausschreibung präsentierten sich stolz in der Klosterkirche von Altfriedland
Fotos: Hans Krag
 
BEGRÜSSUNG der Gäste durch den Vorsitzenden des Förderkreises Altfriedland Carl-August von Oppen

Die nun schon zwölfte Preisverleihung an Fördervereine, die sich für die Sanierung und Nutzung ihrer Dorfkirche engagieren, fand am 20. September in der Klosterkirche Altfriedland statt, deren Förderverein zu den vorjährigen Gewinnern gehörte und in diesem Jahr als Gastgeber fungierte.

Die Veranstalter hatten so sehr darauf gehofft, bei freundlichem Wetter unter offenen Zelten Gespräche zu führen und das Begleitprogramm im Freien genießen zu können. Mit Regen und unangenehmer Kühle machte das Wetter einen Strich durch diese Rechnung – es tat aber der Freude bei den Siegern der diesjährigen Startkapitalverleihung über die gewonnenen Preise und dem Lob der Teilnehmer für die freundlichen Gastgeber keinen Abbruch.

Zunächst begann der Tag aber mit einem Begleitprogramm für Interessierte in der Kunersdorfer Kirche. Erdmute Rudolf erstaunte die Zuhörer mit großer Detailkenntnis über die Historie des Dorfes und der Kirche, die allen Widerständen zum Trotz in DDR-Zeiten zwischen 1952 und 1955 erbaut worden war. Auch die Erläuterungen zur klassizistischen Grabanlage der früher hier ansässigen Adelsfamilien und der Besuch des "Musenhofes" mit der Chamisso-Ausstellung fanden großes Interesse.

Bei einem anschließenden Imbiss im Café neben der Altfriedländer Klosterruine konnte man sich stärken und vor dem Regen Schutz finden. Letzteres war ebenso möglich in der Klosterkirche, wo Herr Arndt Sachkundiges über Geschichte, Bauzustand und Sanierungsbedarf der Kirche vortrug.

Die eigentliche Preisverleihung eröffnete – nicht programmgemäß – Carl-August von Oppen, der Vorsitzende des Fördervereins Klosterkirche Altfriedland. Denn zunächst sollte die Orgel erklingen. Die setzte dann aber nach der Begrüßungsansprache mit Macht ein, so dass der schon am Rednerpult stehende Landrat keine Chance hatte. Das versäumte Orgelvorspiel wurde nachgeholt und alle stimmten bei "Geh` aus mein Herz…." fröhlich mit ein. Danach ging es programmgemäß weiter. Gernot Schmidt, Landrat Märkisch-Oderland, dankte in seiner Ansprache dem Förderkreis Alte Kirchen für seine langjährigen Initiativen zur Erhaltung der Dorfkirchen und wies auf die beträchtliche finanzielle Unterstützung für Kirchbauten durch den Landkreis hin. Als Vertreter des FAK begrüßte Uwe Donath die Anwesenden und gratulierte den sechs Preisträgern. Für die Ausrichtung der Veranstaltung dankte er dem gastgebenden Förderverein sowie Dorothea Blache an der Orgel und Sieglinde Schlenker als Flötistin, die der Veranstaltung mit ihrer Musik einen festlichen Rahmen gaben.

Die auszuzeichnenden Fördervereine Dorfkirche Peter & Paul Berge (Havelland), Dorfkirche Gantikow (Ostprignitz-Ruppin), Freundeskreis der Garreyer Kirche (Potsdam-Mittelmark), Dorfkirche Rüdnitz (Barnim), Dranser Kirche (Ostprignitz-Ruppin) sowie Kirche und Pfarrhaus Friesack (Havelland) wurden für ihr Engagement in kurzen Ansprachen gewürdigt. Eine Sonnenblume symbolisierte die Preisübergabe. Den anschließenden Dank der Preisträger übermittelte im Namen der Ausgezeichneten Ellen Prill vom Gantikower Förderverein.

Die Veranstaltung endete mit der Erteilung des Reisesegens durch Pfarrer Arno Leye aus Neutrebbin.

Uwe Donath

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Wo ist unser Geld geblieben? – Eine Antwort aus Pessin (Havelland)

Einstürze und Aufbruch

Wie sich ein Startkapital mehr als verzehnfachte

Advent vor vier Jahren: Kaum war das Weihnachtskonzert in der alten Dorfkirche verklungen, da brach ein Stück Fußboden ein. Gott sei Dank kam niemand zu Schaden. Aber die Kirchenpforte musste wieder einmal – nach der bauaufsichtlichen Sperrung 1990 – für jegliche Nutzung geschlossen werden.

In den Jahren zuvor war die Pessiner Dorfkirche bereits mit einer sehr aufwändigen neuen Dachkonstruktion vor dem Verfall gerettet worden. Mit fast einer Million DM Baukosten waren jegliche finanziellen Reserven der 250-Seelen-Gemeinde aufgebraucht. Aber durch den fehlenden Putz und desolate Fenster drang Feuchtigkeit ein, der Echte Hausschwamm breitete sich aus.

2009 hatten auf Initiative unseres Pfarrers interessierte Bürger des Ortes eine Projektgruppe gegründet, um über die Zukunft der Kirche nachzudenken. Das Schlüsselerlebnis vor Weihnachten, aber auch die Beratung durch den Förderkreis Alte Kirchen waren nun Auslöser dafür, dass sich Anfang 2010 zwölf engagierte Bürger zu einem Förderverein zusammenschlossen. Seitdem hat eine unerwartete Erfolgsgeschichte die Arbeit unserer inzwischen 45 Mitglieder begleitet:

Schon im April 2010 wurde unser Gotteshaus zur Dorfkirche des Monats erklärt, im Mai hatten wir Lokalpolitiker eingeladen und im Juni stellten wir einen ersten Förderantrag, dem bis heute viele gefolgt sind. Da wir finanziell bei null anfingen, wurde zunächst "nur" gemeinsam aufgeräumt, wurden mit einem Flyer, Veranstaltungen und vielen Gesprächen Aufmerksamkeit erzeugt und Spendengelder akquiriert. Ganz wichtig war die Erarbeitung eines Nutzungs- und Sanierungskonzepts.

Das Startkapital, mit dem uns der FAK 2011 auszeichnete, war unsere erste größere Einnahme. Wir kauften davon Baumaterial und in über 700 Stunden Eigenleistung wurden die schlimmsten Schäden im Innenraum beseitigt. Das war die Voraussetzung dafür, dass wir unser erstes "Pessiner Kirchenkulturjahr" starten konnten – mit fünf größeren Benefiz-Veranstaltungen und jeweils vollbesetzter Kirche.

Und dann brach wieder etwas ein, jetzt war es eine Treppe an der Südseite; darunter entdeckten wir ebenfalls Hausschwamm. Auch hier wurde niemand verletzt, jedoch war damit die nächste Baustelle eröffnet. Diesmal mit bezahlten Fachfirmen, aber wo immer möglich mit Eigenleistungen. Das Kirchenschiff sah aus wie ein Acker (oberes Bild). In diese Situation hinein erreichte die Kirchengemeinde der Fördermittelbescheid des Landes Brandenburg für die Hüllensanierung. Damit war auch die dafür zugesagte Fördersumme durch unseren Verein fällig. Mit einer finanziellen "Soforthilfe" des Förderkreises Alte Kirchen konnten wir gerade noch die letzten Bänke des Gestühls reparieren und wieder einbauen, bevor es draußen los ging.

In wenigen Monaten wurde eine barocke Fassade rekonstruiert, die nach Jahren des Verfalls selbst im Ort kaum noch jemandem bekannt war. Demgegenüber blieb der Backsteinturm unverputzt, hier wurden Erhaltungsmaß-nahmen durchgeführt. Leider war die Landesförderung auf die Fassade beschränkt und so mussten wir den letzten großen Bauabschnitt ohne öffentliche Förderung bewerkstelligen. Dank vielfältiger Unterstützung durch Spendenaufrufe, Öffentlichkeitsarbeit – u. a Sonntagsöffnung – und durch Stiftungen wird die derzeit laufende Innenraumsanierung allein durch den Förderverein und einen Anteil der Kirchengemeinde finanziert.

Jetzt entsteht eine der schönsten barocken Stuckdecken in unserer Region. Für die Stuckreliefs (Bild rechts) fanden sich Spender, aber dafür muss die Decke komplett verputzt werden. Noch einmal konnten uns der Förderkreis Alte Kirchen und dessen Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen finanziell unterstützen, mit inzwischen insgesamt 11.500 Euro ein ganz entscheidender Erfolgsfaktor unseres Projektes. Nicht in erster Linie die Höhe der Förderung war dabei entscheidend, sondern die gezielte Hilfe in der jeweiligen Situation und die stets begleitende Beratung sowie die wertvollen Informationen (zum Beispiel über neue Sponsoren) aus dem Internetportal zeichnet aus unserer Sicht den FAK besonders aus.

Fünf Jahre später, mit einer Bilanz von 300.000 Euro Baukosten und 1.500 ehrenamtlichen Arbeitsstunden könnten zur Konfirmation 2014 die Sanierung und ein Großteil der Rekonstruktion der 525 Jahre alten Kirche abgeschlossen werden. Das hätten uns damals selbst hochrangige Fachleute nicht zugetraut.

Andreas Flender, Vorsitzender des Fördervereins Dorfkirche Pessin

 
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Neues von unserer Stiftung

Auf dem Weg zur halben Million

360.000 Euro Stiftungsvermögen

IN ALTER SCHÖNHEIT: die Kirche in Märkisch-Wilmersdorf. Im vergangenen Jahr hatte die Stiftung aus den Zinserträgen von 2011 unter anderem für die Rettung dieser Kirche 3.000 Euro zur Verfügung gestellt.
Foto: Hans Krag

Am 1. Juli 2008 hatten wir unsere Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen mit einem Grundstock von 58.500 Euro gegründet. Schon darauf waren wir ziemlich stolz. Inzwischen übersteigt das Stiftungskapital bereits 360.000 Euro, und tatsächlich trägt nun jede weitere kleinere oder größere Zustiftung dazu bei, das nächste Teilziel erreichbarer werden zu lassen: 500.000 Euro!

Wichtiger als der aktuelle Stand unseres Kapitals ist zweifellos, wie viel Zinsen uns daraus laufend zufließen. Und wie sich diese voraussichtlich entwickeln werden. Lässt sich dazu etwas sagen? Für 2012 gab es noch ca. 3,5 Prozent Zinsen (= 9.108,95 Euro). Wie hoch sie für das laufende Jahr 2013 ausfallen, werden wir erst Anfang 2014 erfahren. Ohne Zweifel müssen jedoch auch wir uns auf sinkende Zinserträge einstellen.

Der Stiftungsvorstand geht allerdings davon aus, dass unsere Einkünfte dank des gestiegenen Kapitals im kommenden Jahr weiterhin durchaus 10.000 Euro jährlich erreichen und damit das sinkende Zinsniveau kompensieren werden. Das hätten wir uns vor fünf Jahren noch keineswegs vorstellen mögen.

Gleichwohl: Zwar können wir für die Projekte des FAK inzwischen beachtliche Beträge erwirtschaften; wir sind aber noch längst nicht imstande, ein größeres Projekt anzuregen und zu finanzieren.

Insofern bin ich im Blick auf die weitere Entwicklung der Stiftung etwas besorgt: Wenn unsere Stifter den Eindruck gewinnen, dass die Stiftung nunmehr – weil bereits so erfolgreich – keine weitere Unterstützung mehr braucht, dann wird sie natürlich auch nicht weiter wachsen und zusätzliche Kapitalerträge abwerfen können. Die brauchen wir aber unbedingt auf dem Weg zu einem kraftvollen Werk für Kirchenrettungen. Darum bitte ich an dieser Stelle herzlich darum, neben den aktuellen, durch Spenden zu finanzierenden Förderprojekten des FAK auch seine Stiftung weiterhin zu unterstützen. So werden wir – langsam, aber sicher – die halbe Million Euro gewiss zusammenbringen können.

Erst recht bitte ich diejenigen unter uns, die sich über ein Testament oder die Regelung ihres Nachlasses Gedanken machen, dabei doch auch die Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen mit zu bedenken. Einige haben bereits so gehandelt und damit dem FAK einen großen Dienst erwiesen. Andere überlegten, ob sie der Stiftung mit (jederzeit rückzahlbaren) Darlehen behilflich sein könnten. Auch dazu gibt es Erfahrungen und Vereinbarungen.

Jedenfalls: Wer zu solchen Themen Fragen hat, dem geben wir gern Auskunft. Und für alle Fälle und für jegliche Beträge hier nochmals unsere Kontoverbindung:

Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen, Konto 30 000 55 50, bei der EKK, BLZ 520 604 10.
Bitte notieren Sie immer "Zustiftung"!

Vielen Dank.

Für den Vorstand
Arnulf Kraft

 
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Auf einen Blick: Unser Förderkreis hat sich rausgemacht

Zahlen belegen stetes Wachstum – Entwicklungen seit 2000 bis Mitte dieses Jahres

<--  Die Zahl der Mitglieder wuchs um ein Vielfaches.

 

Spenden flossen in den Jahren unterschiedlich, insgesamt aber steigerte sich auch dieses Aufkommen erfreulich.

Obere Balken: Summe von projektbezogenen Spenden

Untere Balken: Summe von allgemeinen Spenden
  -->

 

<--  Förderung von Projekten 2000 bis 2012

 

Allen Mitgliedern und Freunden, die mit ihren Beiträgen und Spenden, mit ihrem Engagement diese gute Bilanz möglich machten, sagen wir herzlichen Dank.

Übersicht als pdf-Datei

 

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Erinnern Sie sich?

Dass auch zu DDR-Zeiten engagierte Bürger ihre vom Verfall bedrohten Kirchen zu retten versuchten, führte oft zu gefährlichen, aber auch kuriosen Situationen. Hier die Geschichte des ideenreichen Gerüstebauers Rüdiger Schwesig.

Suche Baugerüst – biete Urlaubsplatz

Wie unter strengem Regime mit viel Mut Unmögliches möglich gemacht wurde

 
HOCH ÜBERM KIRCHTURM war Rüdiger Schwesig oft zu Gange. Heute im "Unruhestand", ist sein guter Rat immer noch gefragt, wenn es um Tipps aus der Praxis geht.
Fotos: Schwesig (li.). von Wedel

Es waren Menschen wie Rüdiger Schwesig, die gegen behördlichen Widerstand und mit Mut, Beharrlichkeit und Phantasie die Rettung vieler Dorfkirchen in Brandenburg möglich gemacht haben.

"Meine Mutter ist schuld", sagt der 1943 geborene Gerüstebauer, und man merkt seinem Ton den liebevollen Respekt und die Zuneigung an. Zwei Söhne hatte sie allein großgezogen, ihr Mann war im Krieg gefallen. Sie entschied sich für die theologische Laufbahn, wirkte als engagierte Pfarrerin in Rädel bei Kloster Lehnin.

Sohn Rüdiger hat von klein an den Sinn fürs Praktische, packt zu, probiert aus. Kaum hat er den Meister als Büromaschinenmechaniker in der Tasche, übernimmt er mit 21 Jahren eine Firma, baut seiner jungen Frau ein Haus, "schwarz" und solide, wie er noch heute nicht ohne ein bisschen Stolz berichtet. Im Zuge der Enteignung der mittelständischen Betriebe 1970 muss er die Firma aufgeben, gründet umgehend mit zwei Kollegen eine Schlosserei, eine PGH mit etwa 50 Mitarbeitern. Und wird zusätzlich als Gerüstebauer tätig.

"Du, mein Kirchturm ist kaputt", hatte die Mutter ihm mitgeteilt, zuversichtlich, dass er das Problem anpacken wird. Und so war es auch. Rüdiger Schwesiger gründet dafür eine Feierabendbrigade, damals in der DDR als steuerfreier Zuverdienst zugelassen und nur für kleine Reparaturen gedacht, weil Handwerker rar sind. Zusammen mit ein paar Kollegen organisiert er unkonventionell Material, so etwa Gerüste aus Dresden gegen Urlaubsplätze auf dem Lande; über Annoncen in der Zeitung "Neue Zeit" findet er Gerüstknoten, Schellen und was sonst noch benötigt wird; tauscht und sammelt, Warenhortung für eine gute Sache.

Dieser Kirchturm wird renoviert und danach noch unzählige andere: Rietz, Ernsttal, Damelang, Mädewitz, Brück, Osterburg, Burgturm, Lenzen und noch viele mehr.

Die Einsätze auf dem Land haben einen bestimmten Ablauf: Für die Verköstigung der Helfer wird ein Schwein geschlachtet, das pfiffig organisierte Material wird geliefert und von jungen Freiwilligen ausgeladen; die Feierabendbrigade, etwa sechs Männer, rüstet den Turm ein. Und wenn sich keine anderen Handwerker finden, richtet sie auch Dächer her und repariert nach Bedarf. "Wenn wir nicht wussten, wie es geht, haben wir es halt ausprobiert. Und eine ganze Menge Lehrgeld dabei bezahlt", erinnert sich Rüdiger Schwesiger. Meist ist der Einsatz an wenigen Wochenenden erledigt. Die Brigadisten werden dabei von Familie zu Familie weitergereicht und auf das Beste verköstigt.

Gut ein Jahrzehnt lang ist die Feierabendbrigade im Einsatz. Und wächst und wächst. Längst werden auch Gerüste in anderen nicht kirchlichen Bereichen gesetzt. Sie wird sozusagen der größte Gerüstebauer in der Umgebung. Schwesiger ist inzwischen aus der PGH ausgeschieden und hat durch Vermittlung der Mutter vom Kloster Lehnin einen ordentlichen Arbeitsvertrag erhalten. Sogar die Kreisplankommission hat ihn in ihren Kreis aufgenommen.

Dann wird ihm der Neid anderer Betriebsleiter auf seinen beruflichen Erfolg zum Verhängnis. Aus nächster Umgebung erfolgt der Verrat. Schwesiger wird u .a. wegen Missbrauchs von Arbeitsmaterial, Warenhortung und als so genannter Schädling der Gesellschaft angeklagt und zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. In der JVA Bützow versucht die Stasi, ihn anzuwerben. Auf seine strikteste Ablehnung folgt die Verlegung ins Gefängnis Hohenschönhausen. Zweieinhalb Jahre später wird er auf Bewährung entlassen, muss für drei Jahre in eine Nähmaschinenfabrik. Und dazu 200.000 Mark vom Gericht nachträglich festgesetzte Steuer zahlen.

Aber auch hier verlässt ihn seine Fähigkeit zum Improvisieren nicht. 15 Tonnen Schlangengurken zieht er neben seiner Fabrikarbeit als steuerfreies Frühgemüse in Folienzelten auf seinem Grundstück. In den Neubaugebieten von Stendal wird ihm das Gemüse aus den Händen gerissen – bis die Wende kommt. 1989 will keiner mehr seine Gurken!

Heute lebt Rüdiger Schwesig zusammen mit seiner Lebensgefährtin am Altarm der Elbe bei Wittenberge, inmitten von Rosen, Kamelien, Rhododendron und vielen anderen Blumen, kämpft mit den Folgen der Flut in diesem Sommer, kümmert sich um die romanische Dorfkirche Beuster und ist mit fröhlichem Optimismus den lieben langen Tag geschäftig unterwegs.

Theda von Wedel

 

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SCHÖNBORN (Elbe-Elster)

Ein prachtvoller Altar feiert sein 500-jähriges Jubiläum

IM ZENTRUM des Altars: Maria zwischen Petrus und Paulus

Nach dem 500. Geburtstag des Altars der Prenzlauer Marienkirche im Jahr 2012 begeht nun ein weiteres hochrangiges Retabel sein Jubiläum. Eine eingeschnitzte Inschrift besagt, dass der ausgezeichnet erhaltene Flügelaltar in der Dorfkirche zu Schönborn unweit von Luckau im Jahr 1513 geschaffen worden ist.

Der prächtige Altar zeigt im Zentrum Maria zwischen Petrus und Paulus; in den Flügeln, im Gesprenge und in der Predella werden Heilige dargestellt.

Das Stück stammt aus einer sehr produktiven, schlesisch beeinflussten Werkstatt, die für zahlreiche Kirchen in der Niederlausitz Schnitzaltäre lieferte, darunter in Riedebeck, Betten und Goßmar, um nur drei besonders schöne Beispiele zu nennen.

Hier schon ein Hinweis: Die Jubiläen gehen weiter. Auch aus dem Jahr 1514 besitzt Brandenburg ein besonders schönes Kunstwerk: den Altar in Mittenwalde.

Und noch ein Tipp: Ende dieses Jahres erscheint in der Reihe des BLDAM ein Buch über den Prenzlauer Altar.

Text und Foto: Peter Knüvener

 

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Regionalbetreuer des Förderkreises Alte Kirchen berichten

REHFELD (Ostprignitz-Ruppin)

Ein guter Ort der Begegnung entsteht

Seit Sommer 2012 wurde an der Rehfelder Kirche (Dorfkirche des Monats Mai 2007) gearbeitet, um sie vor dem Verfall zu bewahren. Nach der Genehmigung der Fördergelder aus dem ILE/LEADER-Topf des Landes Brandenburg begannen zusammen mit dem Architekturbüro PEHT die Vorbereitungen, um einen ersten Bauabschnitt realisieren zu können.

Im August konnten die ersten Handwerker vor Ort beginnen. Schnell waren die alten Gefache entleert, gab es Ausschachtungen rund um die Kirche unter Begleitung zweier beauftragter Archäologen. Danach begann die Unterfangung des Bauwerkes, die nun Sicherheit für hoffentlich Jahrhunderte verspricht. Parallel dazu liefen die Vorbereitungen der Zimmerer, die sämtliche Schwellen erneuerten sowie viele weitere Hölzer des Fachwerks auszuwechseln hatten. Nach Beendigung dieser Arbeiten wurden die unteren Gefache neu ausgemauert, bevor die Winterpause begann. Damit war etwa ein Viertel der Finanzmittel verbraucht.

Im Frühjahr dieses Jahres begann der zweite Bauabschnitt. Der Dachstuhl und die Dacheindeckung wurden erneuert, der Turm erhielt eine neue Verschalung aus Lärchenholz. Nach Schließung der Gefache begannen die Innenarbeiten, die Mitte September abgeschlossen wurden. Insbesondere die neuen farbigen Glasfenster in der Ostwand geben dem Kirchenraum ein neues Bild.

Der Abschluss der Arbeiten an der alten Fachwerkkirche wurde am 28. September im 400. Jahr ihres Bestehens mit einem Festgottesdienst gefeiert. In einem dritten Bauabschnitt soll direkt neben der Kirche für den Pilgerweg Berlin - Bad Wilsnack eine Herberge entstehen, doch dazu fehlen noch die Finanzmittel.

Die Hoffnung ist gewachsen, dass diese Kirche nun zu einem guten Ort der Begegnung und der Feier, der Stille und des Gesprächs wird.

Wolf-Dietrich Meyer-Rath

NIEDERJESAR (Märkisch-Oderland)

Karlsruher Orgel erklingt nun im Oderbruch

Mit einem Festgottesdienst und einem Konzert wurde im September die neue, alte Orgel in der Kirche von Niederjesar (Dorfkirche des Monats Februar 2008) eingeweiht. Die Kirchengemeinde hatte die Orgel von der Jakobusgemeinde Karlsruhe kaufen können, die nach dem Zusammengehen mit der Petrusgemeinde das Instrument nicht mehr benötigte. Entstanden ist die Orgel 1973 in der Werkstatt des Orgelbaumeisters Peter Vier in Friesenheim im Schwarzwald.

Die Orgelweihe in Niederjesar gestaltete sich zu einem Festtag nicht nur für die Kirchenmitglieder des Mallnower Pfarrsprengels. Pfarrer Martin Müller hatte Mühe, alle Besucher im Gotteshaus unterzubringen.

Die Orgel komplettiert die Ausstattung dieses Gotteshauses, das nach Kriegszerstörung als multifunktionales Zentrum wiederaufgebaut wurde und in seiner Gestaltung und ästhetischen Architektur jeden Besucher in Erstaunen versetzt.

Uwe Donath

HIRSCHFELDE (Barnim)

Eine Richtkrone signalisiert mutigen Neubeginn

Nach mehr als 60 Jahren erhält die Dorfkirche Hirschfelde (Dorfkirche des Monats Januar 2009) wieder ein Dach – lange Zeit hatte niemand mehr daran glauben können. Der Feldsteinbau aus dem 13. Jahrhundert hatte nur wenige Kriegsschäden davongetragen, wurde jedoch zu DDR-Zeiten zur Gewinnung von Baumaterial genutzt; für den geplanten Wiederaufbau gab es keine Genehmigung. Erst in den Siebzigerjahren gelang es, im Chorraum eine Notkirche zu installieren. Seit 2001 verfolgt der örtliche Förderverein das Ziel, den Bau wiederherzustellen, seine langfristige Unterhaltung zu sichern und ihn einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit Spendengeldern unterstützt wurde er u. a. durch den FAK. Auch die ersten Zinseinnahmen aus unserer Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen gingen nach Hirschfelde.

Ende Oktober konnte der Förderverein Hirschfelde nun voller Stolz zum Richtfest laden, der an die 50 Interessierte gefolgt waren. In Anwesenheit des Gemeindepfarres Johannes Menard sowie des Vereinsvorsitzenden Hans-Jürgen Albrecht wurde unter der Richtkrone die Fertigstellung des neuen Dachstuhls feierlich begangen.

Wir werden den Fortgang weiter begleiten und wünschen viel Erfolg bei den noch ausstehenden großen Baumaßnahmen.

Carsten Lange / Foto: Bernd Janowski

SCHÄPE (Potsdam-Mittelmark)

Ein neues Dach für die Schinkelkirche

Mit einer kleinen Feierstunde würdigte der Gemeindekirchenrat den Beginn des zweiten Bauabschnitts an der Schäper Schinkelkirche (Dorfkirche des Monats Oktober 2012). Nachdem im vorigen Jahr die Turmhaube erneuert worden ist, soll jetzt das Dach saniert werden.

An der Kirche, einem nach Plänen Schinkels errichteten klassizistischen Saalbau, zeigten sich schon seit Jahren erhebliche Bauschäden. Der im Dezember 2010 gegründete Förderverein setzt sich mit viel Engagement und Ideenreichtum für die Rettung des sakralen Bauwerkes ein und koordiniert die Initiativen der Dorfbewohner zur Sanierung.

Inzwischen sind die Bibersteine der Daches bereits abgenommen und durch eine Folie ersetzt worden. Unter der flachen Innendecke steht eine Raumrüstung.

Über die weiteren Baupläne informierte in der Feierstunde Architekt Jürgen Götz. Den jetzt begonnenen Dacharbeiten wird die Sanierung der Fassaden und des Innenraums folgen. Man hofft, bis 2016 mit der Instandsetzung der Kirche fertig zu sein. Der Vertreter des Förderkreises Alte Kirchen, der sich bereits an der Finanzierung der Turmsanierung beteiligt hatte, sagte in seinem Grußwort weitere Unterstützung zu.

Theda von Wedel

BLANKENSEE (Potsdam-Mittelmark)

Bild sucht Sponsoren

Dem Berliner Restaurator Martin Ottma ist es zu verdanken, dass die Predella am Altar der Dorfkirche Blankensee heute wieder mit dem ursprünglichen Bild ausgestattet ist. Seit der letzten Renovierung der Kirche gleich nach der Wende hing das Bild in der Patronatsloge, ramponiert und dringend renovierungsbedürftig. An die Finanzierung einer Restaurierung war gar nicht zu denken, erzählt Hella Strüber vom Gemeindekirchenrat. Da kam das Angebot von Martin Ottma gerade recht, das Bild auf eigene Kosten herzurichten.

Signiert ist das Bild 1706 von Georg Kresser, damals Pfarrer in Blankensee. Dargestellt wird eine Szene aus dem Alten Testament. Im Domarchiv will man nach näheren Hinweisen forschen.

Von Pfarrer Kresser hängen noch drei weitere Bilder in der Kirche, zum Teil dringend restaurierungsbedürftig. Aber jetzt wird erst einmal für die angemessene Rahmung des Bildes der Predella gesammelt.

Theda von Wedel

 

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IN AKUTER NOT

Diesmal erbitten wir Ihre Spende für die

DORFKIRCHE LANGENNAUNDORF
(Elbe-Elster)
 

Ein Schatzkästlein steht im Regen

Großbildansicht

Viele Autofahrer kennen die Langennaundorfer Kirche; ihr Fachwerkturm ist weithin sichtbar. Der Ort liegt am Kreuzungspunkt zweier wichtiger Straßen: Die historische Fernstraße von Berlin nach Dresden, heute weitgehend identisch mit der B 101, schneidet sich hier mit einer der alten Salzstraßen, die von Halle an der Saale über Leipzig und Torgau bis nach Breslau führte. Erstmals urkundlich erwähnt wird das Dorf 1303 als "Nuwendorf". Um es von anderen Siedlungen ähnlichen Namens zu unterscheiden, bekam es spätestens im 17. Jahrhundert den Zusatz "Langen-". Die Langennaundorfer Kirche, ein Bau aus dem 14. Jahrhundert, liegt exponiert auf dem Anger und ist direkt an der Bundesstraße selbst für Durchreisende gut wahrnehmbar. Das Schiff besteht aus unregelmäßigem Feldsteinmauerwerk. Während der Saalbau im Norden keine Fenster hat, wurden die Fenster auf der Süd- und Ostseite bei einem Umbau korbbogig vergrößert. Nach Bauinschriften erfolgte der Umbau 1715 "nach Plänen des Baumeisters Andreas Kröpper durch den Maurermeister Johann Rothe". Damals entstand auch der imposante Fachwerkturm, der über einem quadratischen Turmstumpf ein achteckiges Glockengeschoss trägt und von einer barocken Schweifhaube mit Laterne gekrönt ist.

Unerwartet eindrucksvoll ist der einheitliche barocke Innenraum, der seine Ausstattung ebenfalls bei der Umgestaltung von 1715 erhielt. Durch illusionistisch gemalte Emporen mit Butzenscheiben und drapierten Vorhängen auf der Holztonnendecke wird der Raum künstlich nach oben erweitert. Im Scheitelpunkt der Kirchendecke befinden sich drei gerahmte Bildfelder mit einer Trinitätsdarstellung sowie Engelfiguren. Das Altarretabel zeigt in der Mittelachse Gemälde des Abendmahls, der Kreuzigung und der Geburt Christi. Gerahmt wird der Altaraufsatz von Säulen und in den seitlichen Wangen von Putten, die auf der linken Seite die Gesetzestafeln und auf der rechten Seite das Evangelium präsentieren. Zwei Posaunenengel und als Bekrönung der triumphierende Auferstandene vervollständigen das Retabel. Auf der Kanzel, in deren Brüstungsfeldern die Evangelisten dargestellt sind, blieb eine vierfache Sanduhr erhalten, die den Prediger daran erinnerte, es mit der Dauer seiner Kanzelrede nicht zu übertreiben.

Die einheitliche Gestaltung der übrigen Ausstattung – eine vorschwingende Orgelempore auf der Westseite, die Nordempore mit gemalten Bibelsprüchen, Gemeindegestühl und ein in der Literatur als "Pfarrerstuhl" bezeichneter evangelischer Beichtstuhl – trägt dazu bei, dem Raum ein erstaunlich geschlossenes, stimmungsvolles barockes Gepräge zu geben. An älterem Inventar sind zusätzlich ein kelchförmiger Taufstein des 15. Jahrhunderts und hinter dem Altar der Ritzgrabstein für einen 1514 verstorbenen Geistlichen erhalten.

Bei genauem Hinsehen fällt jedoch auf, dass die Kirche dringend saniert werden muss. Die Bretter der hölzernen Tonnendecke und mit ihnen die Malereien sind durch Feuchtigkeit bereits stark geschädigt. Bevor jedoch an eine Restaurierung gedacht werden kann, müssen die Dachdeckung und die Dachkonstruktion instand gesetzt werden. Dies wiederum setzt voraus, dass vor dem Abnehmen der alten Dachsteine die Deckenkonstruktion gesichert wird. Mit kleinen Schritten ist es hier also nicht getan; die notwendigen Arbeiten müssen gut aufeinander abgestimmt werden.

Zu den Gottesdiensten in Langennaundorf trifft sich stets eine treue, aktive Gemeinde. Die regelmäßig stattfindenden Konzerte sind gut besucht. Allein jedoch wird es der Kirchengemeinde nicht möglich sein, die Kosten der Sanierung ihres Schatzkästleins zu finanzieren.

Mit Ihrer Spende können Sie dazu beitragen, eine der schönsten Dorfkirchen des Elbe-Elster-Kreises für die Zukunft zu erhalten.

Bernd Janowski / Foto: Hans Krag

Weitere Informationen: Ev. Pfarramt Uebigau; Pfr. Ingolf Walther; Tel.: (03 53 65) 82 91; Mail: pfarramt.uebigau@t-online.de

Spendenkonto: Förderkreis Alte Kirchen; Kto. 51 99 76 70 05; BLZ 100 900 00; Kennwort: Langennaundorf

 

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Musikalisch durch die Prignitz und das Ruppiner Land

Orgeln mit Geschichte und Geschichten

Bei der kunstgeschichtlichen Betrachtung unserer Dorfkirchen wird den in großer Anzahl erhaltenen historischen Orgeln in der Regel wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei haben sich – oft aufgrund fehlender finanzieller Mittel zum Neubau – zahlreiche wertvolle Instrumente erhalten, die vom musikalischen Geschmack der jeweiligen Zeit berichten. Eine schöne Tradition sind inzwischen Exkursionen des Förderkreises Alte Kirchen zur Erkundung der brandenburgischen Orgellandschaft, und so ging es im Juni "Musikalisch durch die Prignitz und das Ruppiner Land".

DIE WAGNER-ORGEL in Wusterhausen ist eines der wertvollsten Instrumente Brandenburgs
 
IN HISTORISCHER TRACHT – das "Empfangskomitee" in Kehrberg

Mit dem Höhepunkt des Tages sollte begonnen werden: In der St.-Peter-und-Pauls-Kirche Wusterhausen hat sich ein Instrument des bedeutendsten märkischen Orgelbauers Joachim Wagner erhalten. Hier hatte der Maestro Originalsubstanz aus Vorgängerorgeln von 1575 und 1713 (David Baumann d. Ä.) übernommen. Das Instrument gehört zu den bedeutendsten und wertvollsten Klangschätzen Brandenburgs.

Wenige Tage vor Antritt der Fahrt war zum Schrecken des Reiseleiters die Nachricht gekommen, dass der Kantor, mit dem ein Orgelvorspiel seit langem verabredet war, erkrankt sei und die Orgel zudem wegen Restaurierung eingehaust werden müsste. Hektik brach aus, doch in die platzte die Kunde, die Restaurierung würde verschoben. So war es uns in Wusterhausen doch noch möglich, den herrlichen barocken Klang der Wagner-Orgel beim morgendlichen Singen eines Chorals und bei einigen kurzen Musikstücken zu genießen. Zudem bot Pfarrer Alexander Bothe eine spannende Führung durch das reich ausgestattete Gotteshaus.

Zweite Station war die St.-Marien-Kirche in Kyritz, für die 1873 die Firma Reubke & Sohn aus Hausneindorf (Harz) eine dreimanualige pneumatische Orgel gebaut hatte. Virtuos und humorvoll ließ Kantor Michael Schulze das Instrument erklingen. Er spielte im wesentlichen Stücke aus der Entstehungszeit der Orgel, so dass der besondere Charakter der romantischen Intonation deutlich wurde. Die Kyritzer Reubke-Orgel verfügt über 40 klingende Register mit gut 2.600 Pfeifen und ist die größte erhaltene romantische Orgel des 19. Jahrhunderts in Brandenburg.

Für den Nachmittag war der Besuch einer Kirche geplant, die der FAK in der Vergangenheit mehrfach finanziell unterstützt hatte. Hier wurde uns - nach vorheriger Zusage einer Besichtigung und einer Kaffeetafel - leider nachträglich abgesagt. So musste kurzfristig umdisponiert werden. Kantor Schulze schlug einen Besuch in der Feldsteinkirche von Blumenthal vor und ließ auch hier die schöne, kleine Dorforgel klingen. Das Instrument war 1805 vom Dresdener Orgelbauer Johann Christian Kayser für die Kirche von Röhrsdorf in Sachsen erbaut worden und wurde 1890 durch Friedrich Hermann Lütkemüller nach Blumenthal umgesetzt.

Hier stimmte Kantor Schulze sein musikalisches Repertoire auf den Beginn des 19. Jahrhunderts ab und schaffte es ob seiner mitreißenden Art, die Orgel nicht nur zu spielen, sondern auch in ihrer Disposition und Funktionsweise zu erläutern, das Publikum erneut zu begeistern.

Den Abschluss bildete ein Besuch in Kehrberg. Die dortige Orgel von Albert Hollenbach (1902) kann derzeit nicht gespielt werden, ihre Reparatur ist für die Kirchengemeinde noch ein ferner Traum.

Empfangen wurden wir vor der mächtigen Feldsteinkirche vom Ehepaar Wilhelm in historischem Aufzug. Die Kostüme stammen aus der jährlich hier stattfindenden Aufführung des Historienspektakels "Der Wunderknabe von Kehrberg". Neben der barocken Ausstattung der Kirche gab es Schachbrettsteine im Feldsteinmauerwerk zu bewundern. Wahre Berge von selbst gebackenem Kuchen erwarteten uns zum Abschied im Gemeinderaum des Dorfes.

Trotz allerlei Unwägbarkeiten war der musikalische Besuch in der Prignitz und im Ruppiner Land ein Erfolg, so dass spätestens auf der Rückfahrt auch beim Reiseleiter langsam Entspannung einsetzte. Weitere Exkursionen zur Erkundung der wundervollen historischen Orgellandschaft Brandenburgs werden mit Sicherheit folgen.

Text und Fotos: Bernd Janowski

 

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DORF ZECHLIN (Ostprignitz-Ruppin)

Und kein bisschen leise ...

Zwei Orgeln in der Dorfkirche – eine wurde jetzt hundert Jahre alt

DIE SCHUKE-ORGEL auf der Empore wurde in diesem Jahr hundert Jahre alt.

Sie erklingt in jedem Gottesdienst, die Schuke-Orgel auf der Empore in der Kirche in Dorf Zechlin (Dorfkirche des Monats Juni 2002). Johanna Domke (auf dem Bild am Spieltisch der Schuke-Orgel) mag den romantischen Klang des Instruments, mit dem sie die Feier begleitet. Natürlich muss sie heute den Calcant nicht mehr betätigen, mit dem nach Fertigstellung der Orgel im Jahre 1913 der Mann am Blasebalg zur Bedienung gerufen wurde, inzwischen gibt ein Motor dem Instrument die nötige Luft. Doch sonst ist sie weitestgehend im Zustand wie damals, als es in einem Zeitungsartikel hieß: "In der uralten (fertig gestellt 1549, Vf.) Kirche zu Dorf Zechlin, wo bis vor 35 Jahren noch die Gemeinde beim Gottesdienst und sonstigen feierlichen Handlungen ohne musikalische Begleitung sang, war seit dieser Zeit ein Harmonium aufgestellt worden, und war der Gottesdienst dadurch schon bedeutend schöner geworden. Doch die Zeit schreitet verbessernd rüstig vorwärts. Auch die Gemeinde Dorf Zechlin ward des alten Harmoniums überdrüssig und beschloss eine richtige Orgel im Gotteshause erbauen zu lassen. ... Erbaut wurde dieses Meisterwerk deutscher Kunst von einem Prignitzer Kind, dem Orgelbauer Alexander Schuke in Potsdam", in dessen Archiv sich dieser Artikel fand.

Vom Spieltisch der Schuke-Orgel aus ist das zweite Instrument zu erkennen. So bietet die alte Dorfkirche in Dorf Zechlin die seltene Möglichkeit, Konzerte für zwei Orgeln zu veranstalten.

Ganz anders hört sich die Sauer-Orgel im Innenraum an, sie klingt klar und nüchtern; aufgestellt im Jahre 1981 spiegelt sie den damaligen Zeitgeist wider. Als die Schuke-Orgel Ende der Siebzigerjahre nicht mehr repariert werden konnte aus Mangel an Ersatzteilen, erreichte Ortspfarrer Hans Faruhn die Anschaffung des Sauer-Instruments. Nun aber sind beide Orgeln spielfähig. Mehr noch: Da sie gleich gestimmt sind, können sogar Konzerte für zwei Orgeln stattfinden, für eine Brandenburger Dorfkirche wohl einmalig.

Im Jubiläumsjahr 2013 gab es deswegen sechs Konzerte, eines im Mai, in dem Lothar Knappe (Kantor der Kirche St. Matthäus in Berlin) und Liana Narubina ausschließlich Werke für zwei Orgeln zu Gehör brachten. Die Gemeinde Zechliner Land aber darf sich weiter über ihre Jubilarin in der Dorfkirche freuen, die auch in den nächsten Jahren in Gottesdiensten und Konzerten erklingen soll.

Text und Fotos: Winfried Müller

 

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FERBITZ (Prignitz)

Klingendes Geschenk aus dem Westharz

Anfang September feierte die kleine Kirchengemeinde ein besonderes Ereignis: Zwei Bronzeglocken – ein Geschenk der katholischen Gemeinde Bornum im Westharz – wurden mit einem Festgottesdienst eingeweiht. Unter den Gästen waren neben Superintendent Tilman Kuhn auch Vertreter des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg.

Wie kam es zu diesem Geschenk?

Die beiden alten Eisenhartgussglocken in Ferbitz hatten Korrosionsschäden. Der Kauf neuer Glocken hätte die 36 Mitglieder zählende Kirchengemeinde überfordert. Da kam durch Vermittlung des Förderkreises Alte Kirchen die Information, dass eine katholische Gemeinde ihre Glocken abgeben muss und sie anderen Gemeinden überlassen würde. Die Ferbitzer meldeten sofort ihr Interesse an. Im Juli 2011 besuchte eine kleine Abordnung die katholische Gemeinde und Kirche in Bornum (Bistum Hildesheim), um Glocken und Gemeinde kennen zu lernen. Sie trafen die Bornumer Gemeindeglieder sichtbar betroffen und traurig an, weil sie ihre Kirche aufgeben mussten; die Gemeinde war zu klein geworden. Im Dezember des gleichen Jahres gingen die Glocken dann auf die Reise nach Ferbitz, aber es sollten noch anderthalb Jahre vergehen, bis alle finanziellen und baulichen Notwendigkeiten geklärt waren und die Glocken endlich ihren neuen Platz im Ferbitzer Kirchturm beziehen konnten.

Pfarrer Wolfgang Nier

Der Förderkreis Alte Kirchen beteiligte sich an der Finanzierung von Reparaturarbeiten am Glockenstuhl der Ferbitzer Kirche im Vorfeld der Aufhängung.

 

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SADENBECK (Prignitz)

Und es gibt noch mehr davon!

Jüngste Entdeckung auf der Empore: 300 Jahre alte Engel

 
 
 

Auf mein Klingeln öffnet die Kirchenälteste die Tür, es duftet nach Kuchen. Ein prüfender Blick in den Backofen erlaubt ihr, rasch mit zur Kirche zu kommen, um sie aufzuschließen. Der spätmittelalterliche Feldsteinbau mit der hübschen Backsteinvorhalle liegt etwas zurückgesetzt in der gegenüberliegenden Zeile des Straßendorfs.

Vor geraumer Zeit hatte Pfarrer Mario Friedrich, mit der Sorge um den Verkauf des Sadenbecker Pfarrhauses bedrückt, erwähnt, dass noch Figuren, wahrscheinlich auch ein Taufengel, in dem mit altem Gerümpel voll gestellten Schuppen des Gehöfts lagern. Unterdessen wurde alles beräumt, das Haus hat neue Besitzer und glücklicherweise konnten die wertvollen Skulpturen gesichert werden.

Nun lagern sie sicher auf der Orgelempore, zwar von Staub und Spinnweben befreit, aber recht mitgenommen. Aus der provisorischen Verpackung gewickelt, offenbart bereits der erste Blick, dass es sich um qualitätvolle Arbeiten handelt. Die hölzernen Körper, beide ohne Kopf und Hände, sind offenkundig von einer Hand geschaffen, wie die Gewänder erkennen lassen.

Die etwas kleinere Skulptur der beiden steht aufrecht, sie war sicherlich in einem festen Zusammenhang aufgestellt, denn die Rückenpartie ist abgeflacht. Ihre weiblich anmutende Gestalt ist in ein tief dekolletiertes fein gefälteltes Gewand gekleidet, dessen Fülle, durch einen Gürtel in der Taille zusammengehalten, bis auf die beschuhten Füße fällt. Die Arme sind angewinkelt, vermutlich um etwas zu tragen.

Die zweite Figur gibt ihre Funktion als Taufengel bei einem Blick auf die Rückenpartie sofort preis. Deutlich sind sowohl die Flügelansätze wie auch das Bohrloch zur Befestigung der Aufhängung zu erkennen.

Der Engel ist im Gegensatz zur stehenden Figur vollplastisch gearbeitet und seine schlanke Gestalt ähnlich gewandet, allerdings ist sein verbliebenes linkes Bein bis zum Knie entblößt. Schwungvoll umweht das Gewand im Flug den Körper. Auch seinen nach vorn ausgestreckten linken Oberarm besitzt der Engel noch, bis zum Ellbogen ist der Ärmel aufgerollt, ebenso wie bei dem stehenden Pendant.

Die Farben, mit denen die Figuren gefasst waren, sind lange verblasst, nur spärliche Reste der Grundierung sind neben zahllosen Spuren der Arbeit von Holzwürmern zu sehen. Aber selbst die großen Risse im Holz, die abgestoßenen Kanten und verlorenen Körperteile vermögen nicht den Eindruck von großer Feierlichkeit zu mindern, den beide Figuren ausstrahlen.

Schon bei der ersten Betrachtung stellen sich mehrere Fragen: Stammen beide Figuren aus Sadenbeck? Welche Funktion hatte die stehende? Aus welcher Kirche, wann und warum sind sie anderenfalls nach Sadenbeck gelangt? Können die Arbeiten einer Schnitzerwerkstatt zugeordnet werden?

Diesen Fragen nachzugehen ist sicherlich eine lohnenswerte Aufgabe. Leider war die jüngst erschienene zweite Auflage des Taufengelbuchs des BLDAM "Taufengel in Brandenburg" bereits in der Endredaktion, so dass der neueste Fund in der Prignitz nicht mehr berücksichtigt werden konnte.

Sorgfältig verpackt und trocken aufbewahrt, warten nun die etwa 300 Jahre alten Engel in der Kirche von Sadenbeck – auf eine Restaurierung, ein neues, altes Tätigkeitsfeld, wer weiß?

Zum Glück hat der Ehemann unterdessen den Backofen abgestellt, so dass der Nachmittagskaffee mit frischem Kuchen gesichert ist...

Susanne Gloger / Fotos: Peter Knüvener

 

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Spontane Hilfe kam gut an

DETAIL des Frankenfelder Altars, dessen Restaurierung nun wieder fortgesetzt werden kann.
Foto: Bernd Janowski

Gleich zwei Hilferufe des Förderkreises Alte Kirchen wurden in den vergangenen Wochen von unseren Mitgliedern und Förderern erhört, so dass wir schnelle und unkomplizierte Hilfe leisten konnten:

Als Dorfkirche des Monats September stellten wir die Kirche in Frankenfelde (Märkisch-Oderland) vor, die zu Beginn des Jahrtausends vorbildlich saniert worden war. Allerdings fehlte damals das Geld, auch die Ausstattung zu restaurieren, und so steht der schöne Renaissance-Altaraufsatz noch immer in der Werkstatt einer Restauratorin. Die Gemeinde möchte nun, dass auch dieses Retabel wieder in die Frankenfelder Kirche zurückkehrt. Auf unseren Spendenaufruf meldete sich ein Mitglied unseres Vereins und überwies die fehlenden 1.500 Euro. Die Restaurierungsarbeiten sind nun wieder aufgenommen worden und im kommenden Jahr soll der Altar in den Kirchenraum zurückkehren.

Ebenfalls im September baten wir in unserem Mitteilungsblatt unter der Rubrik "In akuter Not" um Hilfe für die Sicherung der Kirchenruine in Lossow, einem Ortsteil von Frankfurt (Oder). Im Spätsommer war dort mit der Sanierung der Mauerkrone des am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstörten Kirchengebäudes begonnen worden. Wir wiesen darauf hin, dass trotz des enormen finanziellen Einsatzes engagierter Mitglieder der Kirchengemeinde und des Fördervereins noch Mittel fehlen, um die Arbeiten zu einem guten Ende zu bringen.

Auch dieser Aufruf hatte Erfolg: Über 2.500 Euro für die Instandsetzung der Kirchenruine Lossow konnte der Förderkreis weiterreichen, was vor Ort natürlich große Freude auslöste.

Gemeinsam mit den Kirchengemeinden Frankenfelde und Lossow danken wir herzlich den großherzigen Spendern für ihre spontane und wirkungsvolle Unterstützung.

Über den Fortgang der beiden Projekte werden wir Sie in unserem Mitteilungsblatt "Alte Kirchen" selbstverständlich weiter informieren.

Die Redaktion

 

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Es geht nicht nur um das Loch im Dach, sondern auch um die Schätze darunter

Landeskonservator Thomas Drachenberg in einem Zeitungsinterview

Verglichen mit dem Jahr 2000 wird die Zahl der Mitarbeiter in der Brandenburger Denkmalpflege bis 2018 um gut 40 Prozent schrumpfen. Angesichts dieser Tatsache weist Landeskonservator Thomas Drachenberg in einem Interview mit dem Uckermark Kurier (13. September 2013) darauf hin, dass die denkmalfachliche Beratung für Eigentümer von Denkmalen oder die Unteren Denkmalschutzbehörden künftig zwar weiter flächendeckend, aber nicht mehr so engmaschig wie bisher angeboten werden können.

Ein anderes Problem sei die Tatsache, dass Brandenburg weiterhin das einzige Bundesland ist, das – über die Kofinanzierung des Bundesprogramms zur Förderung national bedeutender Denkmale hinaus – keinen eigenen Etat für Denkmalpflege hat. Seit 2003 werden alle Denkmalschutzmaßnahmen aus anderen Töpfen gefördert. ´

"Das bedeutet aber auch, dass zum Beispiel keine reinen Sicherungen außerhalb der Sanierungsgebiete in den Städten gefördert werden können, obwohl das Denkmal landesweit wichtig und einsturzgefährdet ist. Es muss immer ein anderer Grund parallel dazu existieren." Thomas Drachenberg sagt weiter: "Wir sind sehr froh, dass sich der Kulturausschuss des Brandenburger Landtags für die Schaffung eines Denkmalfonds ausgesprochen hat. Es existiert hier eine kleine Arbeitsgruppe mit dem Kulturministerium. Das ist ein großer Schritt. Aber das Einfachste wäre es, den Nullansatz im Haushalt aufzuheben. Das Land muss schließlich für seine Denkmale sorgen – und bis der Denkmalfonds so stark gefüllt ist, dass dessen Zinsen alleine für den Unterhalt der Denkmale ausreichen, wird wohl noch sehr viel Zeit vergehen."

Thomas Rechenberg betont: "Wir werden uns stärker als bisher um die Innenausstattungen der Baudenkmale kümmern müssen. Wir haben in den letzten 20 Jahren in die Gebäudesubstanz mit unseren Partnern investiert, etwa in den Städten oder bei den Dorfkirchen. Es wird neben der Sicherung zunehmend um die Rettung wertvoller Ausstattung vor allem in den Stadt- und Dorfkirchen, aber auch in den Gutshäusern gehen. Künftig geht es nicht mehr um das Loch im Dach, sondern um das, was sich unter dem Dach befindet."

 

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Gemeinden und Vereine brauchen Unterstützung

Cornelia Behm über die bedrohten Kirchen in Waltersdorf und Halbe

Unser Mitglied Cornelia Behm, die jetzt ihr langjähriges Bundestagsmandat aufgab, hatte sich zuvor auf einer Rundreise über Erreichtes und Probleme in Brandenburg informiert. Die Tatsache, dass die EKBO für die Erhaltung der verfallsbedrohten kunsthistorisch bedeutenden Dorfkirche von Waltersdorf (Teltow-Fläming) keine Mittel zur Verfügung stellt, nahm sie zum Anlass für einen Brief an das Kirchliche Bauamt. "Es gibt eine lebendige Gemeinde, einen engagierten Förderverein. Diese Kirche ist ein außerordentliches Kleinod, doch sie kann ihre Wirkung nicht entfalten, wenn sie weiter dem Verfall preisgegeben wird", schreibt sie. "Dass die Gemeinde im privaten Bereich Förderer findet, die die notwendigen Arbeiten finanzieren, halte ich für nahezu aussichtslos. Ich möchte Sie deshalb dringend bitten, Ihre Entscheidung bezüglich der Förderung zu überdenken und die Kirchengemeinde und den Förderverein mit allen zu Gebote stehenden finanziellen und ideellen Mitteln zu unterstützen." Im gleichen Schreiben bittet sie um Unterstützung für die Sanierung der Dankeskirche Halbe nahe dem Friedhof mit 25 000 Kriegstoten. Für die Trauernden, die hier Trost suchen, sei die marode Kirche unzureichend vorbereitet. Es ist ein großer Wunsch des Fördervereins, die Kirchensanierung bis zum 100jährigen Jubiläum im kommenden Jahr wenigstens in Angriff nehmen zu können. "Ange-sichts dieser Anstrengungen vor Ort kann ich kaum glauben, dass die Evangelische Kirche signalisiert haben soll, dass sie für diese Kirche keine Finanzmittel übrig hat. Vielleicht können Sie mich und die engagierten Menschen in Halbe eines Besseren belehren…"

 

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Mit dem Blick über den Tellerrand

Woanders ist es nicht anders

Europaweiter Gedankenaustausch in Utrecht über die Bewahrung unserer sakralen Schätze / Beispiel des FAK als nachahmenswert gewürdigt

Nicht nur in Deutschland sind Kirchengebäude von der Schließung bedroht. Vor allem die zunehmende Säkularisierung weiter Teile der Bevölkerung und der demographische Wandel in den Industriestaaten sorgen dafür, dass das religiöse Erbe – Sakralbauten aller Religionen und ihre künstlerische und liturgische Ausstattung – europaweit bedroht ist.

Bereits 2010 gründete sich in Canterbury (Großbritannien) die Organisation "Future for Religious Heritage" (FRH) als europäisches Netzwerk für die Bewahrung der zahlreichen Schätze einer Glaubens- und Kulturgeschichte, die in unserer sich schnell wandelnden Gesellschaft zunehmend an Bedeutung verlieren. Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg gehörte (ebenso wie der FAK Marburg) bereits zu den Gründungsmitgliedern des Dachverbandes, der für Anfang November zu seiner bereits dritten Tagung nach Utrecht eingeladen hatte.

Das "bewegliche kulturelle Erbe" stand im Mittelpunkt der Veranstaltung, die von 130 Teilnehmern aus fast 20 Staaten besucht wurde. Was geschieht mit der Ausstattung von Kirchen, die ihre Funktion und Bestimmung verloren haben und nun säkularisiert – verkauft, umgenutzt oder sogar abgebrochen – werden?

Natürlich konnten keine Patentlösungen präsentiert werden. Vorträge und zahlreiche anschließende Diskussionen und Gespräche lieferten jedoch Anregungen für die eigene Arbeit und schärften das Bewusstsein, weder mit dem Problem der Bewahrung von Kunstschätzen noch mit dem Bemühen um Lösungen isoliert tätig zu sein.

Gewarnt wurde durch verschiedene Referenten vor einer reinen Musealisierung von Kirchen und ihrer Ausstattung. Dies würde zu einer Säkularisierung der Objekte führen. Kunstgegenstände können unterschiedliche Geschichten erzählen, abhängig davon, ob sie sich (idealerweise im Gebrauch) an dem Ort befinden, für den sie geschaffen wurden, oder in der Vitrine eines Ausstellungsraumes.

In einem Referat hatte der Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg Bernd Janowski die Möglichkeit, die mehr als zwei Jahrzehnte währende Arbeit des Förderkreises vorzustellen. Er berichtete speziell über das langjährige Projekt "Offene Kirchen" und die Bemühungen des Förderkreises um eine angemessene kulturelle Nutzungserweiterung von Kirchen als Mittel zu deren langfristiger Erhaltung.

Die Reaktionen zeigten, dass unsere Arbeit auch international anerkennend zur Kenntnis genommen und als beispielgebend gewürdigt wird. Vergleichbare überregionale Dachverbände für ein breites bürgerschaftliches Engagement gibt es anderswo nicht; solche gemeinnützigen Initiativen werden jedoch als durchaus wünschenswert angesehen.

Auf Skepsis stießen bei etlichen Teilnehmern die "Richtlinien zum Umgang mit religiösen Objekten", die von niederländischen Experten zusammengestellt worden sind. Es geht dabei darum, die Bewertung und Kategorisierung von Gegenständen zu erleichtern, die bei der Schließung von Sakralbauten nicht mehr benötigt werden. Gerade in den Niederlanden schlossen hunderte Kirchengebäude. Geschuldet ist das auch der historisch bedingten starken Differenzierung der christlichen Religionen und dem dadurch verursachten Bauboom von Gotteshäusern der Konfessionen in der Vergangenheit. Vermutlich ist hier der Umgang mit geschlossenen Kirchen inzwischen Alltag, so dass Diskussionen darüber nicht mehr mit der gleichen Vehemenz geführt werden wie – Gott sei Dank! – noch in Deutschland.

Eine Exkursion zu aufgegebenen Kirchen in Amsterdam bildete den Abschluss der interessanten Tagung, die mit dem immer mal wieder notwendigen Blick über den Tellerrand trotz der Vielfalt der dargestellten Probleme auch Mut machte, beim Bemühen um die Zukunft des kulturellen und religiösen Erbes in der eigenen Region nicht nachzulassen.

 

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Wir begrüßen neue Mitglieder

Seit November des vergangenen Jahres konnte der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg als neue Mitglieder begrüßen:

16 persönliche Mitglieder: Siegfried Brandt (Kleinmachnow), Helga Caesar (Saarbrücken), Sibylla Dittrich (Berlin), Peter Duscha (Münster), Heinz Gralki (Berlin), Christa Huss-Königsfeld (Berlin), Gisula Karger (Berlin), Hans-Peter und Renate Kaula (Schwielowsee OT Geltow), Holger Pötschick (Berlin), Ingrid Ripka (Berlin), Günter Roczycki (Berlin), Brigitte Schöne (Berlin), Michael Seifert (Wahrenbrück), Henning von Dewitz (Berlin), Gerrit Wegener (Berlin);

fünf Vereine: Förderverein Dorfkirche Falkenthal (Oberhavel), Förderverein Baudenkmal Kirche Fürstenwerder e.V. (Uckermark), Förderverein Historisches Stavenow e.V. (Prignitz), Förderverein Dorfkirche Kagel e.V. (Oder-Spree), Förderverein Feldsteinkirche zu Wollenberg e.V. (Märkisch-Oderland) und die Otto-Bartning-Arbeitsgemeinschaft Kirchenbau e.V. (Berlin);

eine Kirchengemeinde: die Evangelische Kirchengemeinde Selbelang (Havelland).

Damit zählt der FAK derzeit 587 eingetragene Mitglieder, davon 424 persönliche, 122 Vereine, 19 Kirchengemeinden sowie neun Firmen.

 

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ANGEBOTE

Ihre Kirche aus der Vogelperspektive

Suchen Sie nach einer besonders originellen Idee für die Gestaltung eines Faltblattes über Ihre Kirche? Wollen Sie die Erfolge Ihrer Bemühungen um die Sanierung einmal aus einer ganz anderen Perspektive vorstellen?

Rainer-Markus Schmitt aus Rauen südöstlich von Fürstenwalde kann etwas Besonderes anbieten: Auf Wunsch macht er Luftaufnahmen Ihrer Kirche, lässt das Gotteshaus und sein Umfeld einmal aus luftiger Höhe betrachten. Seit zwölf Jahren lebt der in Berlin tätige Regisseur in Brandenburg und ist oft mit seinem Multikopter vor allem in den Landkreisen Oder-Spree, Märkisch-Oderland und Dahme-Spreewald unterwegs. Sein Hobby sind Luftaufnahmen historischer Gebäude.

Für Interessenten: kontakt@alte-bauwerke.de, rainer@flug-helden.de, www.alte-bauwerke.de, Mobil: 0172/6243243

Kirchenbänke dauerhaft zu verleihen

Die Kirchengemeinde St. Nikolai in Bad Wilsnack sucht Abnehmer für nicht mehr benötigte Kirchenbänke. Sie würde sie gern an eine andere Kirchengemeinde dauerhaft verleihen. Es handelt sich um neun Bänke mit der Länge von 555 cm, um vier Bänke mit der Länge von 455 cm und weitere vier Bänke mit der Länge von 400 cm.

Wer Interesse an diesem Angebot hat, wende sich an: Förderverein "Wunderblut"-Kirche St. Nikolai Bad Wilsnack e.V.
Jochen Purps; Karl-Liebknecht-Straße 11; 19336 Bad Wilsnack; Telefon: 038791 6200; E-Mail: info@wunderblutkirche.de

 

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BÜCHER

Die "himmlischen Heerscharen" erhielten erfreulichen Zuwachs

Zweite erweiterte Auflage der "Taufengel in Brandenburg" erschienen

Vom Ende des 17. Jahrhunderts an und besonders im darauf folgenden 18. Jahrhundert wurden in zahlreichen lutherischen Kirchen, vor allem im norddeutschen Raum, geschnitzte Taufengel in Gebrauch genommen. Zum einen war dies sicherlich dem Platzmangel geschuldet, der durch eine wachsende Bevölkerung und den Einzug des festen Gestühls in den Kirchenraum verursacht wurde. Hinzu kam jedoch sicher auch das barocke Bedürfnis nach einer theatralischen Inszenierung des Taufaktes.

Für etliche Jahrzehnte reichten nun in zahlreichen (Dorf-) Kirchen von der Decke des Kirchenschiffs herabschwebende Himmelsboten dem Täufling das Taufwasser in einer Schale. Vielerorts mussten die Taufengel jedoch bereits im 19. Jahrhundert dem rationalen Zeitgeist weichen, der mit der Epoche der Aufklärung auch Einzug in das kirchliche Leben hielt. Mancher Taufengel wurde damals sicherlich vernichtet, andere jedoch wanderten in die damals zahlreich entstehenden Heimat- und Regionalmuseen oder wurden auf Dachböden, in Holzschuppen oder Scheunen verbannt.

Erst in den Neunzigerjahren des 20. Jahrhunderts setzt eine Renaissance der Taufengel ein. Zeitgleich zur beginnenden wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Sujet wuchs auch das Interesse der breiten Öffentlichkeit an den barocken Engelsfiguren.

Im Jahr 2006 legte das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege erstmals einen umfassenden Katalog zum Bestand der Taufengel in Brandenburg und Berlin vor, der den vorhandenen Bestand fotografisch dokumentierte, kunstgeschichtliche Beschreibungen und Einordnungen lieferte, aber auch den restauratorischen Zustand beschrieb. Insgesamt 145 bekannte und noch erhaltene Taufengel wurden in dem Band vorgestellt, der aufgrund der interessierten Nachfrage sehr schnell vergriffen war.

In diesen Tagen erscheint nun eine aktualisierte und grundlegend neu bearbeitete zweite Auflage des Buches. So konnten in der Zwischenzeit mehrere Taufengel – in der Dorfkirche Niebendorf (Teltow-Fläming) gleich zwei und einer im Heimatmuseum Mühlberg (Elbe-Elster) – neu entdeckt werden. Mehrere Taufengel konnten aus Museumsdepots in Kirchenräume zurückkehren, zum Beispiel aus Prenzlau in die Dorfkirche Zollchow oder aus Templin in die Dorfkirche Groß Fredenwalde.

Im Rahmen der Aktion "Menschen helfen Engeln" und darüber hinaus konnten mehr als 30 Taufengel im Bestand gesichert und vorbildlich restauriert werden. Zugleich sollte mit dieser zweiten Auflage des Buches die Lesbarkeit und Anschaulichkeit des Katalogs durch möglichst viele neue Abbildungen verbessert werden.

Noch immer sind im Land Brandenburg etwa zwanzig Taufengel, die sich in Kirchen und Museen befinden, akut gefährdet. Bei etwa doppelt so vielen gibt es weiteren Restaurierungsbedarf.

So stellt auch die Neuauflage des Katalogs der brandenburgischen Taufengel eine Momentaufnahme mit dem Kenntnisstand von 2013 dar. Während der Drucklegung wurde in Sadenbeck (Prignitz) der Torso eines bisher unbekannten Taufengels gefunden, der keine Berücksichtigung mehr finden konnte. Dies schmälert jedoch auf keinen Fall den Wert des sehr gut gestalteten Bandes, der wertvolle Ausstattungsstücke unserer Kirchen ansprechend vorstellt und zugleich für ihre Bewahrung und Instandsetzung wirbt.

Bernd Janowski

"Taufengel in Brandenburg", zweite Auflage; ISBN 978-3-7319-0005-4; Preis: 29,95 €

Ein Kirchenführer durch die Prignitz

Die angekündigte Broschüre "KirchenKulturlandschaft Prignitz" ist inzwischen erschienen – eine bau- und kunsthistorische Beschreibung der 270 Kirchen und Kapellen der Prignitz einschließlich Neustadt a. d. Dosse und Wusterhausen, mit ca. 300 Fotos und Schlüsseladressen.

Format DIN A5 in Ringbindung, 180 Seiten, mit zwei Klappkarten, Regionalübersichten, Beiträgen von Fachautoren und Glossar. Herausgeber Kirchenkreis Perleberg-Wittenberge.

ISBN 978-3-00-040260-9, 8,00 € zzgl. Versand
erhältlich im Büro des FAK oder beim Autor Wolf-Dietrich Meyer-Rath, E-Mail: w.d.meyer-rath@t-online.de, Tel. 030 30818487.

Lückenlose Chronik einer Kirchengemeinde

Im Pfarrarchiv Briest (Uckermark) blieb eine umfangreiche Chronik der Kirchengemeinde erhalten. Sie war 1930 von dem damaligen Pfarrer Wilhelm Bartelt erstellt worden. Er wertete für seine Chronik zahlreiche Quellen aus, so dass ein lückenloser geschichtlicher Überblick seit der Reformation entstand. Die von späteren Pastoren handschriftlich bis 1974 fortgeschriebene Chronik wurde nun vom Traditionsverein Wendemark e. V. transkribiert und anlässlich der diesjährigen 725-Jahr-Feier des Dorfes für den Druck aufbereitet.

Chronik der Kirchengemeinde zu Briest (Uckermark); 160 S., 10,00 €
zu beziehen über: Bärbel Würfel; Lindenallee 6; 16306 Passow; Tel.: 033336-55367; Mail: baerbel.wuerfel@yahoo.de

Wissenschaftlicher Wegweiser durch die Kirchengeschichte Brandenburgs

Im Jahr 1743 veröffentlichte der Historiker Georg Gottfried Küster (1695 bis 1776), zu diesem Zeitpunkt Rector des Friedrich-Werderschen Gymnasiums in Berlin, seine "Bibliotheca historica Brandenburgica", mit der er eine Zusammenstellung der damals verfügbaren Literatur zur märkischen Geschichte vorlegte. Und so widmet Uwe Czubatynski denn auch den soeben erschienenen ersten Band seiner Bibliographie zur Kirchengeschichte in Berlin-Brandenburg in memoriam Georg Gottfried Küster als dem "Begründer der brandenburgischen Bibliographie".

In der Tat ist die Zahl der Publikationen zur Kirchengeschichte der Mark kaum noch zu überblicken. Neben Monographien und wissenschaftlichen Abhandlungen erscheinen in Jahrbüchern, Sammelbänden, Heimatkalendern und Zeitschriften zahlreiche Beiträge, die sich mit wesentlichen Teilaspekten beschäftigen. Weder für den interessierten Laienforscher noch für den wissenschaftlich arbeitenden Historiker ist es möglich, den Überblick zu behalten.

Umso verdienstvoller ist die Arbeit von Dr. Uwe Czubatynski, dem Leiter des Brandenburger Domstiftsarchivs, der jetzt den ersten Teil eines Literaturverzeichnisses zum Thema vorlegte. Die Bibliographie bezieht sich in regionaler Hinsicht auf die heutige Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg, schließt jedoch aus historischen Gründen die 1807 von der Mark Brandenburg abgetrennte Altmark mit ein. Nicht berücksichtigt wird dagegen die schlesische Oberlausitz, die aus rein pragmatischen Erwägungen im Jahr 2004 mit der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg fusioniert hat.

Band 2 wird die Landschaften, Kreise und Orte im Land Brandenburg (mit Ausnahme der Altmark) umfassen, Band 3 die Abschnitte über Berlin, Preußen, die Niederlausitz sowie über Personen und Orgeln.

Dem beispielsweise zum Kirchenbau einer Region oder eines Ortes, zur Ausstattung etc. Forschenden wird durch eine thematische und periodische Ordnung die Suche nach einschlägiger Literatur nicht nur erleichtert. Er erhält in der Regel auch gleich den Hinweis darauf, in welcher Bibliothek das entsprechende Werk einzusehen ist.

Mit Spannung ist deshalb der angekündigte zweite Band zu erwarten, der eine zielgerichtete Suche zu den zum heutigen Land Brandenburg gehörenden Orten ermöglichen soll. Da Kirchen- und Kirchbaugeschichte nie losgelöst von der allgemeinen lokalen und regionalen Historie zu betrachten sind, verweist Czubatynski auf die bereits in den Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts erschienenen, bis zu diesem Zeitpunkt jedoch vorbildlichen Bände der "Bibliographie zur Geschichte der Mark Brandenburg" von Hans-Joachim Schreckenbach.

Dem Autor selbst ist bewusst, dass bei der Fülle von Neuerscheinungen eine Bibliographie immer nur eine kurze Momentaufnahme sein kann. Eine ständige Ergänzung und Fortschreibung ist unumgänglich.

Da die zunehmende Bedeutung des Internets für seriöse Recherchen und die wachsende Digitalisierung des Wissens auch die Arbeitsweise des Historikers vor neue Aufgaben stellt, wäre die Überführung kommender Titelaufnahmen in eine entsprechende bibliographische Datenbank wünschenswert. Diese Aufgabe weist der Autor in seiner Einleitung kommenden Generationen zu.

Der nun – in althergebrachter, gedruckter Form – vorliegende erste Band hilft auf jeden Fall großartig, im immer dichter werdenden Dschungel der Publikationen zu Aspekten der märkischen Kirchengeschichte Orientierung zu finden.

Bernd Janowski

Uwe Czubatynski: Bibliographie zur Kirchengeschichte in Berlin-Brandenburg. Band 1: Allgemeines und Altmark.
Verlag Traugott Bautz, Nordhausen 2013; ISBN 978-3-88309-806-7; 251 Seiten; 30, - €

Eine Fundgrube für jeden Historiker

Ein Nachschlagwerk besonderer Art ist das "Historische Ortslexikon für Brandenburg". Dieses insgesamt dreizehnbändige Werk enthält umfangreiche Angaben zu sämtlichen Ortschaften und Wohnplätzen Brandenburgs mit eigenem Namen, einschließlich zum Beispiel der Vorwerke, Mühlen, Kolonien, die jemals seit dem hochmittelalterlichen Landausbau existiert haben. Meist umfassen die Artikel ein bis drei, bei Städten auch deutlich mehr Seiten. Zu jeder Region Brandenburgs sind je ein oder zwei Bände erschienen.

Die Daten und Fakten beruhen auf einer intensiven Auswertung der wesentlichen in Frage kommenden ungedruckten und gedruckten Überlieferungen bis einschließlich der DDR-Zeit. In allen Bänden werden die Daten nach dem gleichen Schema aufgeführt, so dass jeder Regionalband separat zu nutzen ist.

Mit dieser für Brandenburg in den Außengrenzen von 1952 und der Binnengliederung von 1900 (Zeitraum der Provinzzeit) vorliegenden Bestandsaufnahme der ausgewiesenen Historikerin Lieselott Enders haben Fachleute und Laien eine profunde Grundlage für jede ortsgeschichtliche Arbeit.

Der Verlag Klaus-D. Becker in Potsdam hat dieses Historische Ortslexikon als Nachdruck in einer preiswerten Paperback-Ausgabe zu einem Preis von 38 bis 45 Euro je Band im Jahr 2012 herausgebracht.

Wolf-Dietrich Meyer-Rath

Zu beziehen sind die einzelnen Bände direkt beim Verlag unter: www.verlag-becker.de, info@verlag-becker.de oder Tel.: 0331 5825305.

 

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