Vergessene Glocken ausgegraben

Schäper Dorfkirche hat altes Geläut wieder

Wieder am Tageslicht. Die alten Glocken hängen in einem Holzgestell.
Foto: Remy

Beelitz - Eingegraben schlummerten sie fast ein halbes Jahrhundert in der Erde: Nachdem die Schäper Dorfkirche 1964 ein neues Geläut bekommen hatte, wurden die alten Glocken neben dem Eingangsportal als Pflanzkübel zweckentfremdet. Sie gerieten in Vergessenheit, über ihren Verbleib ist wortwörtlich Gras gewachsen. Jetzt aber hat sie der Förderverein Schinkelkirche Schäpe wieder ans Tageslicht befördert.

Die beiden schweren Kolosse aus Bronze stehen nun vor der Kirche in einem Holzgestell, einem sogenannten Glockenschauer. Aufgearbeitet wurden die vergessenen Glocken von einer Beelitzer Metallbaufirma, das Holzgestell fertigte ein Schlunkendorfer Zimmermann nach Originalentwürfen Karl Friedrich Schinkels an. Denn ursprünglich waren die Glocken nicht im Turm, sondern in dem Glockenschauer so plante es Schinkel 1824 in seinen Entwürfen für die Kirche. Für das Gotteshaus hatte er keinen Turm vorgesehen. Das Dorf sei zu klein, so der lapidare Hinweis. Daher kamen die Glocken in ein einfaches Gestühl, welches neben der Kirche aufgebaut wurde. 1864 wurde nachträglich ein Kirchturm gebaut, dort erklangen die Glocken bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.

Bereits seit dem vergangenen Jahr laufen umfassende Sanierungsarbeiten an dem bis vor Kurzem noch vom Verfall bedrohten Schäper Gotteshaus. Im zweiten Bauabschnitt wird wie berichtet jetzt das marode Dach des Kirchenschiffes saniert. Insgesamt kosten die Dacharbeiten rund 120 000 Euro, davon ist ein Großteil durch Spenden und Fördergelder abgesichert. Die Stadt gibt 36 500 Euro dazu. Im vergangen Jahr wurde bereits die Turmhaube erneuert. Für die künftige Nutzung des Gotteshaus gibt es vielfältige Ideen: Neben Gottesdiensten soll sich der Standort als Trau- und Taufkirche profilieren. Außerdem plant man in Zusammenarbeit mit dem Berliner Schinkel-Verein eine Dauerausstellung zur Dorfgeschichte und den Schinkelschen Kirchenbauten. Auch kulturelle Veranstaltungen, wie Konzerte, könnte es dort in Zukunft geben.

Saniert und ausgebessert hat die Dorfkirche gute Chancen, zur deutschen Kirche des Jahres auserkoren zu werden. Seit einiger Zeit stellt die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler (KiBa) eine Kirche des Monats vor. Aus den zwölf präsentierten Bauten wird die Kirche des Jahres ausgewählt. Die drei Erstplatzierten erhalten von der Stiftung eine Förderung. In diesem Jahr stehen zwei Kirchen aus Brandenburg in Schäpe und ein Gotteshaus aus Teltow-Fläming zur Wahl. Auf der Internetseite www.kirchedesjahres.de kann man sich bis zum 10. Januar 2014 an der Abstimmung beteiligen. es/ako

Potsdamer Neueste Nachrichten vom 09. Dezember 2013

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