Was uns bewegt - der Vorstand berichtet

Reisende in Sachen Dorfkirchen

In der Pionierzeit des FAK, also gleich nach der Wende, gab es sie noch nicht, die Regionalbetreuer. Gearbeitet wurde damals im Wesentlichen auf Zuruf. Vor allem Bernd Janowski, der Geschäftsführer, war ständig unterwegs, kreuz und quer durch Brandenburg. Saaringen, Meßdunk, Wust und viele andere Dorfkirchen konnten vorm Verfall gerettet werden. Aber Hunderte andere Kirchen sollten und wollten folgen. Da wurde rasch klar: Nur mit neuen Strukturen kann der Förderkreis Alte Kirchen die schnelle Ausdehnung und den steigenden Bedarf auffangen. Das neue Modell: Der Geschäftsführer in die Schaltzentrale nach Berlin, die Arbeit vor Ort in den Dörfern an die Regionalbetreuer. Das hat sich bewährt, alle anfänglichen Zweifel widerlegt, die Praxis ist erfolgreich.

Orientiert an den brandenburgischen Landkreisen, sind heute neun Regionalbetreuer unterwegs - Reisende in Sachen Dorfkirchen. Ihre Aufgaben: denkmalpflegerische und organisatorische Beratung und Betreuung von Förderprojekten, Teilnahme an Versammlungen und Veranstaltungen in der Region als Vertreter/in des Vorstandes, gegenseitige Vermittlung von Fachinformationen, regelmäßige Berichterstattung an den Vorstand, Öffentlichkeitsarbeit, Unterstützung bei der Organisation regionaler Veranstaltungen, Feinverteilung und Unterstützung des Verkaufs des Heftes "Offene Kirchen" und vieles mehr. Ansonsten hat jeder seinen eigenen Stil, eigene Schwerpunkte, seine eigenen Erfahrungen.

Uwe Donath (Oder-Spree): "Schön ist natürlich, bei den Fahrten immer wieder Neues zu entdecken, die reizvolle Brandenburger Landschaft, Dörfer, Kirchen und besonders immer wieder neue Menschen. In den Jahrzehnten vor dem FAK habe ich nicht so viel von Brandenburg gesehen wie in den letzten zehn Jahren.

Höhepunkte der Tätigkeit sind mit unserer Unterstützung neu gegründete Fördervereine, die weiter die Verbindung mit uns aufrechterhalten. Beispiel bei mir ist Wollenberg, vor zwei Jahren als Verein zur Sanierung der Kirche gegründet mit dem Erfolg, dass durch viele Veranstaltungen das Gemeinschaftsgefühl im Dorf beträchtlich gestärkt wurde. Höhepunkte sind natürlich die Gemeindefeste rund um die ehemals ruinösen, jetzt sanierten Kirchen, so erlebt in Prötzel, Neulietzegöricke, Wegendorf und Steinhöfel.

Weitere positive Erlebnisse sind die Einladungen zu Festen und zu Mitgliederversammlungen, Problem nur, dass sich solche Anlässe im Frühjahr oft terminlich überschneiden. Das trifft auch auf die Sommerfeste und kulturellen Veranstaltungen zu. Man kann nicht alles wahrnehmen, und die Vertretung durch andere Regionalbetreuer ist auch schwierig, weil sie mit den gleichen Problemen zu tun haben.

Problematisch: wenn sich nach Abschluss der Kirchen-Sanierung der örtliche Förderverein auflöst, die Kirche dann vielleicht nicht mehr öffentlich zugänglich ist. Wie können wir da gegensteuern?

Schwierig ist es in den Dörfern, wo sich Kirchengemeinde und Förderverein über ein gemeinsames Vorgehen nicht einigen können. Nicht kirchlich gebundene Unterstützer sehen manchmal nicht ein, dass trotz ihres finanziellen Engagements letztlich die Kirchengemeinde ihre Zustimmung zu den einzelnen Maßnahmen und auch zu den einzelnen Nutzungen geben muss. Oder es gibt Pfarrer, die an bestimmten Kirchen nicht interessiert sind, weil es in dem Dorf kaum noch Kirchenmitglieder gibt und sie dort keinen Gottesdienst mehr halten. Manche Pfarrer haben Vorbehalte gegenüber Fördervereinen, weil sie meinen, dadurch bestimmte Vorrechte abzugeben.

Jede Kirche ist verschieden, und auch die nicht so prächtigen haben ihre eigene Geschichte, die oft sehr interessant ist und wo sich Volksbräuche zeigen, die kennenzulernen sich lohnt.

Konrad Mrusek (Oberhavel): "Mit einem Schmunzeln bekenne ich als passionierter Radfahrer, dass dies für mich keine ,Arbeit' ist, sondern oft eine Mischung aus Freizeit und Tätigkeit. Ich verbinde also die Rad-Tour an die obere Havel mit Gesprächen vor Ort mit jenen Menschen, die sich zwar ,bloß' um eine Kirche kümmern, sich aber letztlich aktiv gegen die Vergreisung und Vereinsamung ihrer Region wehren. Sie sind die Hefe, die vielleicht irgendwann doch einen Teig erzeugt, mit dem die Mark als Lebens-Ort überleben kann.

Zugleich ist es für einen Regionalbetreuer stets ein Ankommen in der Realität, wenn er aus dem infrastrukturell überversorgten und über Luxus-Probleme jammernden Berlin nach draußen fährt - das erdet mich als verstädterten Menschen.

Aber nun folgt das Wichtigste, was mich zum Einsatz motiviert: Unsere kapitalistische Kommerz-Unkultur wird in baulicher Hinsicht nicht viel mehr hinterlassen als Banken und andere Geschäftsbauten (die wieder aufgebauten Schlösser und Altstädte sind Ablass-Handlungen). Da wäre es nicht nur für die Christen, sondern für alle Bürger eine Kulturschande, wenn sie das Erbe der christlichen Ära verrotten ließen. Schärfer formuliert: Es wäre eine Barbarei, wenn man Dorfkirchen aus Desinteresse oder Geiz verkommen ließe. Das wirkt nicht so verwerflich, wie das Wüten des IS in Syrien und Irak, aber das Resultat dessen ist doch ähnlich."

Bernd Janowski ist dankbar, dass er als Regionalbetreuer für die Uckermark doch immer mal wieder den Schreibtisch verlassen kann. "Wir sind nicht die Klugen, die Besserwisser, aber wir wissen, wen wir fragen können."

Für mich, Regionalbetreuerin in Potsdam-Mittelmark, ist die lebendige Entwicklung der Dörfer entscheidend. Und fast immer wird die Mühe um den Erhalt der Dorfkirche Motor für das gesamte Dorf. Hier zu beraten, zu vermitteln, anzuregen - das ist eine wunderbare Aufgabe. Die Dorfkirche bestens hergerichtet, aber abgeschlossen und eifersüchtig "bewahrt" von den vermeintlichen Besitzern - ein Horror.

Übrigens, wir suchen noch mehr Menschen, die mitarbeiten möchten. Brandenburg ist groß. Und es dürfen gerne auch Frauen sein.

Theda von Wedel

 
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Festveranstaltung 25 Jahre Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg

Vom Senfkorn und von guter Ernte, Erfolgen und Herausforderungen

 
Viel Bewegung im großen Kirchenschiff bei den Führungen durch das Gotteshaus.Bischof Dr. Markus Dröge während seiner Predigt im Gottesdienst.

"Es tut gut zu sehen, wie viele wir sind", sagte ein Teilnehmer mit Blick auf all die Menschen, die in der Bernauer Marienkirche zusammen gekommen waren. Bischof Dr. Markus Dröge hatte sie auf Anregung des Förderkreises Alte Kirchen eingeladen, um ihnen für ihr großes Engagement zur Bewahrung brandenburgischer Dorfkirchen zu danken. Und dieser Dank kam bei allen gut an als eine Anerkennung jahrelanger mühevoller, ergebnisreicher, aber oft auch gegen mancherlei Widerstand errungener Erfolge.

"Dass Menschen bereit sind - so viele Menschen! - sich mit dieser Kraft für die Kirchen einzusetzen, das ist für mich das eigentliche Wunder und Wunderbare an der Bewegung der Kirchbauvereine. Dafür bin ich dankbar - bin ich Ihnen ganz persönlich dankbar", sagte Bischof Dröge und würdigte besonders das 25-jährige Wirken des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg und der vom FAK begleiteten mehr als 300 lokalen Fördervereine, die sich ehrenamtlich für den Erhalt ihrer jeweiligen Dorfkirche einsetzen.

Wie das in der Praxis vor Ort aussieht, über welche Unterstützung sich die Menschen dort freuen, welche Fragen und Probleme sie haben - darüber sprachen FAK-Geschäftsführer Bernd Janowski und Annegret Gehrmann als Vertreterin des Förderkreises Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz. Beide hatten von Erfolgen, Erfahrungen guter Zusammenarbeit mit Kirchengemeinden und kirchlichen Institutionen zu berichten, wünschten sich aber gelegentlich ein engeres Vertrauensverhältnis und ein mehr Aufeinanderzugehen in der gemeinsamen Sache.

Der festliche Tag war mit einem Gottesdienst begonnen worden, der in seiner Liturgie Bezug nahm auf die Verantwortung unserer Generation für die Bewahrung von Kirchen als Häusern Gottes für die Menschen. Sie sind Orte gelebten Glaubens unserer Vorfahren, mit ihrer oft reichen, kulturgeschichtlich wertvollen Ausstattung bergen sie unermessliche Schätze.

Von diesem Reichtum, der sich in großer Vielfalt und Dichte in der Bernauer Marienkirche erhalten hat, konnten sich die Besucher im Anschluss an den Gottesdienst bei sachkundigen Führungen überzeugen. Dieses kirchen- und kulturhistorisch interessante Ensemble soll nun im Zuge der Reformationsdekade wissenschaftlich umfassend untersucht und aufgearbeitet werden. Wenig beachtet wurden bisher unter anderen kostbare Schnitzfiguren aus dem Prospekt der Hans-Scherer-Orgel. Einige von ihnen sind inzwischen bei Restauratoren in guten Händen, andere präsentieren ihre Wunden in einer kleinen Ausstellung. Unter dem Motto "Vergessene Kunstwerke brauchen Hilfe" bittet der Förderkreis Alte Kirchen um Unterstützung der Rettungsaktion, der auch die Kollekte des Gottesdienstes zugutekommt.

Gelegenheit zum Gedankenaustausch zwischen Gastgebern und Gästen bot sich schließlich bei Kaffee und Kuchen. Die Mitglieder örtlicher Kirchenfördervereine aus allen Regionen Brandenburgs machten immer wieder deutlich, dass die oft viel Gottvertrauen und Beharrlichkeit verlangenden Vorhaben nur gelingen können, wenn alle einvernehmlich zusammenwirken, denen unsere Kirchen am Herzen liegen.

Bischof Dröge hatte die in den vergangenen Jahren begonnene Bewegung der Kirchbauvereine mit dem anfangs kleinen Senfkorn verglichen, das - in die Erde gelegt - ein großer Baum wird. Der hat inzwischen reiche Frucht getragen, wie es sich in Bernau so deutlich widerspiegelte. Aber auch ein starker Baum braucht weiterhin unsere Pflege und unsere Aufmerksamkeit. Veranstaltungen und Gespräche wie die in Bernau gehören dazu.

Eva Gonda

Aus Ansprachen auf der Festveranstaltung "Die Kirche dankt" in Bernau

Bischof Dr. Markus Dröge: Aktiv aus Verantwortung

Sie alle, liebe Kirchenfreunde, sind in einem der Dörfer, einer der Städte oder Großstädte beheimatet, zu deren Erscheinungsbild eine oder mehrere Kirchen gehören. Einige von Ihnen mussten erleben, wie Kirchen verfielen, wie die Ortsplanung sie gezielt ausgrenzte, ja, wie sie in Einzelfällen sogar abgebrochen wurden. Sie haben gespürt, welch großer Schaden dadurch im Ortsbild entsteht, eine Wunde im Gemeinwesen, oft auch eine tiefe Verunsicherung.

Viele unter Ihnen kommen aus den örtlichen Kirchengemeinden. Sie sehen die Probleme vor Ort. Sie müssen erkennen, dass die geringe Kraft der Kirchengemeinde oft kaum für den kirchlichen Kernauftrag ausreicht, für die Verkündigung und die Sorge um den Nächsten. Sie haben verstanden, dass es aus Ihrer Verantwortung angezeigt ist, zu helfen, wo wichtige Aufgaben brachliegen. So sind zahlreiche Fördervereine entstanden.

Ich empfinde es als eine der großen wunderbaren Erfahrungen der vergangenen 25 Jahre, dass Sie alle, die Sie sich aus so unterschiedlicher persönlicher Motivation uneigennützig für die Erhaltung und Belebung "unserer" Kirchen einsetzen, mit ansteckender Begeisterung, gemeinschaftsstiftender Kraft und großartigen Erfolgen daran wirken, was lange Zeit verloren zu sein schien: das Bewusstsein dafür, dass Kirchengebäude und ihre Kunstwerke, errichtet und gestiftet als "Häuser Gottes für die Menschen", Bauwerke und Kulturgüter sind, die all denjenigen Menschen gewidmet sind, die sich von ihnen anrühren lassen…

Ich kann heute nicht die Vielfalt Ihrer Aktivitäten umreißen. Aber dass es dieses vielfältige Engagement gibt, das macht mich zutiefst dankbar. Was wäre unsere Kirche, was wären unsere Kirchen ohne solches Engagement?

Bernd Janowski: Kirchengebäude verkörpern Heimat

Noch ist die Zahl der aufgegebenen Kirchengebäude gering. Zu befürchten ist nur, dass dies nicht so bleiben wird.

Schon jetzt gibt es Kirchengebäude, die nahezu ungenutzt sind, nicht wegen gravierender Bauschäden, sondern weil kaum noch eine nennenswerte Gemeinde existiert oder weil die Gottesdienste auf einige Hauptorte des Pfarrsprengels konzentriert werden. Wir alle sollten über langfristige Konzepte nachdenken, wie wir - speziell in den dünn besiedelten Regionen unseres Landes - mit einem Erbe umgehen wollen, das für viele Jahrhunderte von Glaubens- und Kulturgeschichte steht. Gerade im ländlichen Raum hängt die Zukunft der Kirche auch sehr von der Zukunft der Kirchengebäude ab. Leider ist festzustellen, dass sich mit der Thematik der Bewahrung von Kirchenbauten weniger die Theologen beschäftigen, sondern hauptsächlich Denkmalpfleger, Historiker und Architekten.

Das heute vorherrschende Nützlichkeitsdenken macht es schwer, mit Vorläufigem zu leben. Trotzdem wünsche ich mir im Umgang mit unseren Kirchengebäuden mehr Gelassenheit, Geduld und Zuversicht. Wo die regelmäßige Nutzung einer Kirche derzeit nicht möglich ist, plädiere ich dafür, wenigstens einmal im Jahr einen Sprengel-Gottesdienst zusammen mit den Nachbargemeinden zu feiern, um zu zeigen, dass dieser Kirchenraum seine ursprüngliche Bestimmung behält.

Unsere Kirchengebäude verkörpern Heimat. Diese Heimat wird umso wichtiger, wenn sie in einer immer unübersichtlicher werdenden Welt verlustig zu gehen droht. Es tut gut zu wissen, dass es heute so viele Menschen gibt, die dafür sorgen, dass ihre Kirche im Dorf bleibt.

Annegret Gehrmann: Den Menschen vor Ort etwas zutrauen

In meinen Funktionen als Vorsitzende des Förderkreises Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz und Beauftragte für das Kunst- und Kulturgut des Kirchenkreises Niederlausitz erlebe ich viele Menschen, die sich unermüdlich für ihre Kirchen einsetzen. Doch leider gibt es immer wieder die Diskussion, woran sich Gemeinde eigentlich festmachen lässt. Ist das noch ein Gottesdienst, wenn da nur fünf Besucher sitzen? Ich finde, eine Kirche als geistlicher Ort darf nicht davon abhängig sein, wie viele Menschen sie zu den Gottesdiensten, zur stillen Einkehr oder als Kunst-Interessierte besuchen.

"Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind…" - vielleicht sollten wir diesen Satz aus dem Matthäus-Evangelium gerade heute wieder ganz ernst nehmen. Denn in manchen Regionen unserer Landeskirche steht das wirtschaftliche Denken im Vordergrund, und es wird ganz offen gefragt: Wollen wir uns diese oder jene Dorfkirche noch leisten? Wäre es nicht viel besser, es gäbe jeden Sonntag einen zentralen Gottesdienst in der nächsten Kleinstadt, und da fahren alle hin? Das funktioniert nicht oder selten, denn die Meisten bleiben trotz Fahrdienstangebot und Einladung zu Hause. Mit der Zentralisierung ziehen wir uns als Kirche ohne Not aus den ländlichen Gebieten zurück. Unser Hauptaugenmerk muss auf der kontinuierlichen Fortführung der kirchgemeindlichen Arbeit liegen. Sie ist die eigentliche Bestimmung unserer Kirche und hat Vorrang vor allen anderen Möglichkeiten. Dabei brauchen wir aber die Unterstützung durch die Landeskirche, die den Menschen vor Ort etwas zutraut und ihnen auch Verantwortung überträgt.

Wer sich eine lebensfähige Kirche wünscht, wird bei der Dorfgemeinde anfangen müssen.

 
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Auf den Spuren der ersten Exkursion des Förderkreises vor 25 Jahren

 Man sollte unterwegs immer mal zu den Wetterfahnen auf den Kirchturmspitzen hinaufschauen. Oft erzählen Jahreszahlen von der Geschichte des Hauses. So in Gortz, wo ein aktiver Förderverein, bei dessen Gründung 2001 der FAK Pate stand, die 1619 erbaute Kirche nach der Wende liebevoll instand gesetzt hat. Auf der ersten Exkursion gleich nach Gründung des FAK vor 25 Jahren hatte man vor vielen verfallenen und gefährdeten Kirchen gestanden. Erste Hilfsprojekte wurden angeschoben. Was ist aus den damaligen "Sorgenkindern" geworden? - Spurensuche auf unserer Exkursion in den Landkreis Potsdam-Mittelmark:

Gerettet. Gesichert. Gebraucht.

 
EIN KLEINOD ist die Bagower Kirche, ein Bau des Architekten Georg Büttner. Das Gebäude war akut vom Abriss bedroht und konnte in letzter Minute gerettet werden.  Fotos: Bernd Janowski

Mutlose hätten damals angesichts der Ruine in Bagow gleich aufgegeben. Die 1907 von dem Architekten Georg Büttner im Heimatstil entworfene Kirche schien rettungslos verloren, 1985 war sie zum Abriss freigegeben worden. Doch der gerade gegründete Förderkreis Alte Kirchen ließ sich nicht entmutigen. Er machte die Rettung des Gebäudes zu einem seiner ersten Förderobjekte und steuerte 1992 aus eigenen Mitteln 5.500 DM bei. Dazu kam ein namhafter Betrag eines FAK-Mitgliedes. Der geborene Bagower hatte nach dem Fall der Mauer jahrelang den Wiederaufbau seiner Heimatkirche vielfältig begleitet. Das ganze Dorf konnte er damals dafür begeistern und motivieren.

Begeistert sind nun, 25 Jahre später, auch die Exkursionsteilnehmer über das gerettete Kleinod. Im Inneren bezeugen restaurierte Ausstattungsstücke aus der Vorgängerkirche und aus der Büttner-Zeit die Mühen der Wiederherstellung. Nur auf der prächtigen Empore klafft eine Lücke. Die immensen Kosten für eine neue Orgel will man sparen und Spendengelder in die Erhaltung des Gebäudes stecken. Bei den regelmäßigen Regional-Gottesdiensten wird trotzdem kräftig gesungen.

SCHLICHT und hell - der Kirchenraum in Wust
Foto: Eva Gonda

Strahlend hell und freundlich empfängt uns das hohe Kirchenschiff in Wust. Da erscheinen die bösen Erinnerungen an frühere Besuche geradezu unwirklich: herab gefallener Putz und Taubenkot auf zerbröselndem Gestühl, schadhafte blinde Fenster, Bauschutt und Kalkstaub überall. Die Kirche drohte damals zu verfallen. Der Förderkreis Alte Kirchen hatte Anfang der Neunzigerjahre mit etwa 272.000 DM eingeworbener Fördermittel einen großen Beitrag zur Instandsetzung der Kirche leisten können. Heute steht die Pforte nicht nur für gelegentliche Gottesdienste, sondern auch für Kunst- und Kulturveranstaltungen offen.

Überraschung in Meßdunk. Seit der Rettung der kleinen Kirche - der FAK hatte damals vehement gegen den Abriss gekämpft und rund 235.000 DM für die Sicherung der äußeren Hülle eingeworben und weitergereicht - hat sich baulich nicht mehr viel getan. Innen blieben die Narben langjähriger Vernachlässigung der entwidmeten Kirche erhalten und geben nun vielfältigen Veranstaltungen ein besonderes Flair. Und das ist die Überraschung: Der Verein JUST Kultur, der die abseits gelegene Kirche in einem 22-Seelen-Dorf seit 1994 für eine vielseitige Jugend- und Kulturarbeit nutzt, ist heute noch so lebendig wie vor über zwanzig Jahren. Künstler und Besucher kommen oft von weither. Vor dem gerade anstehende Abendkonzert gewähren uns die drei jungen Musiker der St.-Beaufort-Band eine kleine Hörprobe ihres originellen Programms.

Und ich war damals doch so fest davon überzeugt, dass dieses Projekt nicht funktionieren kann. Man sollte eben Mut haben. Auch heute.

Eva Gonda

Seit seiner Gründung 1990 konnte der FAK mehr als 1,3 Millionen Euro an Zuschüssen für die Bewahrung von Kirchenbauten ausreichen. Dafür dankt der Vorstand allen Mitgliedern und Unterstützern herzlich.

 
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Landpartie für Unentwegte

FAK lud aus Anlass seines 25-jährigen Bestehens besonders aktive Mitstreiter zu einer Busexkursion nach Südbrandenburg ein

Diesmal sollte der Dank mehr sein als ein warmer Händedruck. So lud der Förderkreis Alte Kirchen aus Anlass seines 25-jährigen Bestehens Mitglieder, die zum "harten Kern" der aktiven Helfer gehören, zu einer Jubiläumsfahrt ein.

Die Organisation lag in den Händen von Dr. Hans Krag. Er ist Vorstandsmitglied und Regionalbetreuer von Südbrandenburg, ein anspruchsvolles Ehrenamt. Unsere neun Regionalbetreuer besuchen immer wieder Kirchen, Pfarrer und Gemeinden des Gebietes, für das sie zuständig sind. Sie informieren sich über den baulichen Zustand der Gotteshäuser, leisten Hilfe bei ihrer Erhaltung und initiieren dafür nicht selten die Gründung örtlicher Fördervereine, die sie dann über Jahre hinweg begleiten. Dr. Krag hatte zudem mit seinem Pkw gerade 2.000 Kilometer in Südbrandenburg zurückgelegt, um das publizistische Flaggschiff des FAK, die Jahreszeitschrift "Offene Kirchen", an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Ohne ihn und die anderen Verteiler wäre der Vertrieb der Publikation für den Verein mit erheblichen Kosten verbunden.

Mit von der Reisepartie waren auch Geschäftsführer Bernd Janowski und Susanne Gloger, die gute Seele unserer Geschäftsstelle. Beide sind beim Verein angestellt, aber aus Kostengründen nur halbtags. Weshalb sie regelmäßig ehrenamtlich manche Stunde "drauflegen", sonst wäre die Arbeit nicht zu schaffen. Doch Susanne Gloger erklärte, dass sie trotzdem verloren wären ohne Unterstützer wie Edmund Köhn, der einmal wöchentlich im Büro Unterlagen archiviert, Rainer Marx, der die Homepage betreut, Günter Baude, der zur Stelle ist, wenn der Computer einmal streikt, oder die Helfer, die dreimal im Jahr beim Eintüten von 1.500 Exemplaren unseres Mitteilungsblattes mit Hand anlegen.

Womit beispielhaft ersichtlich wird, wer warum an der Jubiläumsfahrt teilnahm. In allen Kirchen, die dabei besucht wurden, hat der Verein Unterstützung für die Erhaltung geleistet.

ERSTE STATION war die Bornsdorfer Kirche in der Nähe von Luckau
Foto: G. Baude

Die Kirche von Bornsdorf bei Luckau, ein Feldsteinbau aus dem 15. Jahrhundert mit prachtvoller barocker Innenausstattung, hatte in DDR-Zeit durch die Tagebau-Grundwasserabsenkung schwere Schäden erlitten, die Südloge war einsturzgefährdet. Seit 1997 wird das Gotteshaus außen und innen umfassend saniert, wozu der FAK sowie sein Mitglied, der Lions Club Seeheim, Mittel beigesteuert haben. Zu den letzten Arbeiten gehörten, wie Kirchenführerin Annegret Gehrmann erzählte, die Rekonstruktion von Altar und Kanzel; im Sommer soll den Feuchteschäden der Apsis zu Leibe gerückt werden.

Im nahen Riedebeck steht eine für das nur 100 Einwohner zählende Dorf geradezu riesige spätromanische Feldsteinkirche. 1959 wurden dort große Flächen mittelalterlicher Wandmalereien freigelegt. Leider "vergaß'" man, auch das Dach zu sanieren, woraufhin eindringendes Wasser große Teile der Wandmalereien unwiederbringlich zerstörte. Die durch das kirchliche Bauamt 1995 gesperrte Kirche wurde inzwischen umfangreich saniert (der FAK stellte 4.500 Euro für die Restaurierung der Wandmalereien zur Verfügung) und ist wieder zugänglich.

In Heinsdorf wurde zu DDR-Zeiten gleich Tabula rasa gemacht und die baufällig gewordene Kirche 1970 zum Abriss freigegeben. Sie verwandelte sich daraufhin innerhalb kürzester Zeit in einen Steinhaufen. Erst jetzt wurde den Heinsdorfern bewusst, dass ihnen etwas fehlte, nämlich Dorfmitte und Identifikationspunkt. So gründeten sie 2008 einen Förderverein und fingen an, ihre Kirche wieder aufzubauen. Damit sind sie bereits so weit vorangekommen, dass wieder Gottesdienste und Veranstaltungen in dem Gotteshaus stattfinden können. Auch der FAK hat einen guten Anteil daran. Er übergab 8.000 Euro, die für die Sicherung der Ruine und ihren teilweisen Wiederaufbau genutzt wurden.

Die äußerlich schlichte Feldsteinkirche von Niebendorf befindet sich dank einer aktiven Dorfgemeinschaft in gutem Zustand und ist innen von einer überwältigenden barocken Formen- und Bilderpracht. Mit der Sanierung von Taufengel, Kanzel und Patronatsloge haben dazu auch unser Verein und der bereits erwähnte Lions Club Seeheim beigetragen. (Siehe auch Ein Schatzkästlein lüftet sein Geheimnis)

Leider ist die Niebendorfer Schwesterkirche in Waltersdorf derzeit vor allem äußerlich nicht unbedingt eine Augenweide: Der Putz bröckelt von den Wänden, ein Notdach wehrt mühsam Wind und Wetter. Aber es tut sich etwas, ebenfalls mit Hilfe des FAK, der 8.700 Euro bereitstellte, des Lions Clubs Seeheim und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. 2016 wird das Dach neu gedeckt, auch innen laufen Instandsetzungsarbeiten.

Frohgemut ob diesen positiven Ausblicks und der vielen interessanten Eindrücke und Begegnungen begaben sich die 30 Teilnehmer wieder auf den Heimweg nach ihrer kleinen Reise, die allen deutlich machte, dass die Mühen des Förderkreises Früchte tragen.

Elke Kreischer

 
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Neues von unserer Stiftung

Der FAK in 25 Jahren? - Unsere Stiftung wird immer wichtiger

 
GLEICH ZWEI KIRCHEN wurden 2014 mit Zuschüssen bedacht (v.l.n.r.): Rogäsen (Potsdam-Mittelmark) und Joachimsthal (Barnim).

Im Mai, als wir in Potsdam das 25-jährige Bestehen des Förderkreises Alte Kirchen feierten, gab es etliche Gratulanten, die sehr aufrichtig dem FAK "für die nächsten 25 Jahre" seines Wirkens alles Gute und weiterhin viel Erfolg in seinem Mühen um die Bewahrung unserer Kirchen wünschten. Kaum jemand wird dabei jedoch versucht haben, sich die Situation im Jahre 2040 konkret vorzustellen.

Wird es denn in zwei bis drei Jahrzehnten noch wirklich nötig sein, sich um die 1500 alten Kirchen dieses Landes zu mühen? Die sehen doch inzwischen zumeist ganz manierlich aus, auch dank des zurückliegenden Wirkens des FAK.

Aber da ist der noch nicht annähernd erledigte Sanierungsrückstand. Da sind die weiter zunehmenden Hilfs-An-fragen für Baumaßnahmen aus immer schwächer werdenden Gemeinden und Vereinen an den FAK. Da ist vor allem die völlig offene Frage der zukünftigen Nutzungen der alten Gotteshäuser.

All das lässt nur eine Antwort zu: Die Erhaltung der brandenburgischen Dorfkirchen im immer dünner besiedelten Land wird weiterhin viel Einsatz und sehr viel Geld fordern, und für beides wird der Förderkreis auf Dauer gebraucht werden.

AUCH WUSCHEWIER (Märkisch-Oderland) mit seinem Schul- und Bethaus profitiert in diesem Jahr von den Erträgen aus der Stiftung.

Zwar wird es die meisten von uns, die heute für den FAK aktiv sind - sei es im Vorstand, als Regionalbetreuer oder an anderer Stelle - im Jahr 2040 nicht mehr geben (das Durchschnittsalter im Vorstand liegt jetzt bei 70 Jahren!); aber dass noch in 25 Jahren Menschen ehrenamtlich für den Förderkreis Alte Kirchen arbeiten werden - davon kann man ausgehen. Mit neuen Ideen und Techniken werden andere sich dafür engagieren, die Kirche im Dorf zu erhalten.

Allerdings wird es in den nächsten Jahrzehnten mühsamer werden, Spenden im bisherigen Umfang - etwa 100.000 Euro pro Jahr - einzuwerben. Denn die Spenden, die uns erreichen, kommen inzwischen überwiegend von Rentnern und Pensionären. Auch diese Gruppe und deren Vermögen wird kleiner.

Umso bedeutsamer wird sein, dass der Förderkreis Alte Kirchen einen sehr wichtigen Schritt in die nächsten 25 Jahre bereits erfolgreich hinter sich hat: die Gründung der eigenen Stiftung. 2008 haben wir - gemeinsam mit der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (Stiftung KiBa) - unsere Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen eingerichtet. Deren Kapitalvermögen beträgt nun bereits 427.000 Euro, und rund 40.000 Euro aus Erträgen sind damit von den Finanzverantwortlichen der EKD schon für uns erwirtschaftet worden. Diese Erträge machen bereits 10% der Zuwendungsmittel des FAK aus, mit steigender Tendenz. Wenn es in den nächsten Jahren gelingt, das Stiftungsvermögen auf zunächst 500.000 Euro und dann - langfristig - auf eine Million Euro zu steigern, wird eine wichtige Teilaufgabe des FAK, die Bereitstellung von Zuschüssen zur Erhaltung unserer Dorfkirchen, über viele Jahrzehnte hin nachhaltig gesichert sein.

Dann mag, wenn wir Heutigen nicht mehr unter den Lebenden sind, gelten, was Theodor Fontane seinerzeit über Herrn Ribbeck von Ribbeck im Havelland geschrieben hat: "So spendet Segen noch immer die Hand …"

Fragen zu unserer Stiftung beantworten wir gern.

Arnulf Kraft
Tel. (030) 375 22 44

 
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Wir gratulieren den Gewinnern unseres Startkapitals 2015


Text und Foto: Hans Krag
Oft zerstört und von Wasser bedroht

Das Dorf ist über 1000 Jahre alt, hat seit seinem Bestehen viele Kriege und Überschwemmungen überstehen müssen. 1813 wurde die Kirche zum letzten Male zerstört und danach auf dem 700-jährigen Fundament wieder aufgebaut. Nach der Sanierung von 1933 wird es nun wieder Zeit für eine Erneuerung: Der Sandsteinsockel muss trockengelegt werden, das Strohgeflecht an der Decke, das den Putz hält, ist brüchig, die Fensterrahmen sind morsch...

In diesem Frühjahr fanden sich 15 Einwohner des 60-Seelen-Dorfes zusammen, um einen Förderverein zu gründen, der Kirche und Dorf neues "Leben einhauchen" will. Das Konzept dazu: eine "Offene Kirche", Mitgliedschaft im Verbund "Kirchenstraße Elbe-Elster", monatliche Gottesdienste, Kulturveranstaltungen, eine Partnerschaft mit dem sächsischen Belgern und Erforschung der Dorf- und Kirchengeschichte. Bislang fehlt noch ein umfassender Sanierungsplan für die Kirche; auch er kostet ja Geld. Allein die Putz- und Fensterarbeiten würden schon 20.000 Euro erfordern.

Das Startkapital ist jedenfalls ein willkommener Grundstock für die Zukunftsplanung.

  Förderverein Kirche zu Altbelgern e.V.
 
Elbe-Elster
 
VERSCHNAUFPAUSE
Foto: Gerd Pohl
Langer Atem wird gebraucht

Der Förderverein hat Erfahrung mit dem Restaurieren alter Dorfkirchen. In Lübnitz, einem Dorf nahe Bad Belzig, wurde in Jahren intensiver Arbeit die kleine Kirche hergerichtet, heute ein echter Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen. Jetzt wagt sich das Team an eine völlig andere neue Aufgabe, die Restaurierung und Wiederbelebung der zum Ensemble Burg Eisenhardt gehörenden Briccius-Kirche. Dafür braucht es einen langen Atem. Dachboden und Erdgeschoss der Kirche mussten zunächst wegen eines giftigen Holzschutzmittels dekontaminiert werden. Der um die kleine Kirche angelegten Friedhof wurde gesäubert und hergerichtet, unterstützt vom Stadtteil Sandberg, zu dem die Briccius-Kirche gehört. Regelmäßige Andachten, Konzerte, Lesungen, immer mehr Hochzeiten, monatliche Jugendtreffen, positive Rückmeldung von der Bürgermeisterei und vieles mehr, all das macht Hoffnung und beflügelt die Arbeit.

Theda von Wedel

  Förderverein Bonte-Friedheim-Lochow e. V.
 
Briccius-Kirche Bad Belzig
Potsdam-Mittelmark
 
Text und Foto: Uwe Donath
Auf den ersten Blick nett anzusehen...

Das Kolonistendorf aus dem 18. Jahrhundert besitzt eine Fachwerkkirche, die anstelle des vorangegangenen Schul- und Bethauses 1803 errichtet wurde. Von weitem ein freundlicher Anblick, sind beim Näherkommen aufsteigende Nässe und Schäden an Turm und Balken nicht zu übersehen. Ein seit Jahren vorliegendes Sanierungskonzept geht von einem Finanzierungsbedarf von etwa 400.000 Euro aus. Im Sommer finden hier Gottesdienste statt, und auch für kulturelle Veranstaltungen wird die Kirche genutzt.

Der Anfang des Jahres gegründete Freundeskreis hat sich die Sanierung und Erhaltung der Kirche nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten und ihre Nutzung für kirchliche und kulturelle Zwecke zum Ziel gesetzt. Durch zahlreiche Veranstaltungen will man weitere Einwohner für diese Aufgaben gewinnen und so die Dorfgemeinschaft stärken. Zugleich sollen Geldmittel für die dringend notwendige Sanierung beschafft werden.

Anträge an wichtige Geldgeber sind in Vorbereitung, die Auszeichnung mit dem Startkapital des FAK ist für den Freundeskreis und die kleine Gemeinde eine willkommene Unterstützung bei ihrem Vorhaben.

  Freundeskreis Fachwerkkirche Sietzing
 
Märkisch-Oderland
 
Foto: Werner Fräßdorf
Mit Musik und anderen guten Ideen

Dieses Gollwitz liegt einsam ganz im Westen des Landes Brandenburg. Das im Mittelalter aus gespaltenen Feldsteinen errichtete Kirchlein bildet die Mitte des kleinen Dorfes. Die Kirche wird gottesdienstlich genutzt, aber ihr baulicher Unterhalt ist lange vernachlässigt worden. Um der Kirchengemeinde zu helfen, gründete sich im Frühjahr 2014 der Förderverein Gollwitzer Dorfkirche und sicherte zunächst das Gebäude. Mit einem schönen Faltblatt wurden bereits die ersten Sponsoren gewonnen. Ein ausverkauftes Konzert mit einem bekannten Sänger und Gitarristen (unser Bild) hat kürzlich die Eignung des Kirchleins für kulturelle Höhepunkte bewiesen. Gegenwärtig werden die finanziellen Mittel für den ersten Bauabschnitt eingeworben. Gollwitz liegt an dem "Bunte-Dörfer-Radweg". Nach der Sanierung soll die Dorfkirche auch Radtouristen zur Einkehr offen stehen.

Hans Tödtmann

  Förderverein Gollwitzer Dorfkirche e. V.
 
Potsdam-Mittelmark
 
Foto: Fritz Moritz
Auch Nachbars Rat wurde eingeholt

In Lühnsdorf fassen alle mit an, und das schon seit Jahren. In unendlich vielen freiwillig geleisteten Stunden haben sie das Nachtwächterhäuschen und das Kriegerdenkmal saniert, die Friedhofsmauer neu aufgebaut, die Totenhalle restauriert, den Dorf- und Spielplatz neu gestaltet und dabei auch noch für das nötige Geld gesorgt. Für das neueste Projekt, die Rettung der einsturzgefährdeten Dorfkirche, bildete sich in dem kleinen Dorf im Fläming ein engagierter Förderkreis. Der hat sich Rat im Nachbarort und anderswo geholt und die knapp hundert Bewohner auf das ehrgeizige Ziel eingeschworen. Übrigens nicht nur die Männer sind hier aktiv, wie das Bild von der Ausschachtung an der maroden Friedhofsmauer glauben machen könnte. Die unterschiedlichsten Fähigkeiten und Begabungen werden kreativ in das Vorhaben eingebunden. Einheimische und Zugezogene, mit oder ohne kirchliche Zugehörigkeit, alle wollen den Verfall ihrer Dorfkirche nicht hinnehmen.

Theda von Wedel

  Förderkreis Sanierung der evangelischen Kirche zu Lühnsdorf
 
Potsdam-Mittelmark
 

 

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Was wird aus unseren Pfarrhäusern?

Diese Frage steht heute in vielen Regionen Brandenburgs im Raum. Wo die Kirche das Netz der hauptamtlichen Mitarbeiter weiter ausdünnt, verlieren Pfarrhäuser ihren eigentlichen Sinn. Wie soll man damit umgehen? Auf der Suche nach einer Antwort fanden wir in Blankensee (Potsdam-Mittelmark) eine gelungene Lösung.
 

Ein Haus mit vielen willkommenen Angeboten

Das alte Pfarrhaus in Blankensee südlich Berlins ist kaum wiederzuerkennen. Aus dem stark verfallenen ebenerdigen Gebäude auf der Warft hinter der Dorfkirche ist ein schmuckes Haus mit zwei Etagen und hohen Gauben mit Blick auf den Blankensee und die anliegenden Ungeheuerwiesen geworden. Allerdings gehört der evangelischen Gemeinde seit kurzem auch nur noch ein Viertel des Hauses. Letztlich eine verständliche Entscheidung, wenn man sich mit den konkreten Hintergründen beschäftigt.

Im Jahr 2000 beendete die letzte im dortigen Sprengel amtierende Pastorin ihren Dienst und zog aus dem Pfarrhaus aus. Seitdem stand das Haus im Wesentlichen leer und verfiel, das Grundstück verwilderte.

Ohne Neubesetzung der bisherigen Pfarrstelle wurde Blankensee zusammen mit den zum Sprengel gehörenden Dörfern Stangenhagen, Glau, Mietgendorf, Schiaß, Schönhagen und Priedel dem Pfarrsprengel Stücken zugeschlagen - Konzentration, die organisatorische Antwort der Evangelischen Kirche auf demographischen Wandel und Mitgliederschwund. Das Ergebnis: eine Pfarrerin, zwölf Dörfer, davon sechs mit Dorfkirchen und Friedhöfen, drei Pfarrhäuser. Dazu eine Kita mit sieben Angestellten. Allerorts marode Bausubstanz und sinkende Einnahmen bei immer niedriger werdenden Mitgliederzahlen der Gemeinden. Von den Einnahmen der verpachteten Wälder und Ackerflächen geht ein wesentlicher Anteil an den Kirchenkreis, ein anderer ist für die Kosten der Gemeinde vorgesehen.

Woher also das Geld fürs Renovieren nehmen? Gebäude abreißen, Kirchenland verkaufen? Angesichts der steigenden Bodenpreise in Brandenburg sicher eine Verlockung.

Für das Blankenseer Pfarrhaus kam nach vielen Jahren des Abwartens, der vergeblichen Hoffnung auf Hilfe von irgendwo die zündende Idee von Architekt Detlef Grüneke: Verkauf des Pfarrhauses an eine Bauherrengemeinschaft, bestehend aus der evangelischen Kirchengemeinde und zwei Privatpersonen. Teilung des Hauses in vier Wohnungen, von denen eine der Gemeinde verbleibt. Vergabe des Grundstücks in Erbpacht an die Baugemeinschaft.

Das alte, um 1900 erbaute Pfarrhaus wurde nun grundsaniert unter dem Aspekt, das Gebäudeensemble mit der benachbarten Dorfkirche zu bewahren. Entstanden sind im Erdgeschoss ein Gemeinderaum, Büroraum und Teeküche, Bad und WC sowie eine großzügige Wohnung mit Terrasse. Zwei Wohnungen im ersten Obergeschoss, die mit bodentiefen Fenstern in den Gauben ausgestattet sind, und lichtdurchflutete Wohnräume mit schönem Ausblick in die Natur. Außerdem wird gerade die an ein Musikerehepaar verkaufte Remise ansprechend hergerichtet. Im Blankenseer Gemeinderaum treffen sich regelmäßig verschiedene Gruppen: Senioren, Gemeindekirchenrat, Christenlehre, Mitarbeiter des Archivs, Konzertbetreuer, Jugendliche des Christlichen Vereins Junger Menschen; dazu sind Lesungen, kleine Konzerte und private Familienfeiern vorgesehen.

Etwa 90.000 Euro hat die Kirchengemeinde aufbringen müssen, zum Teil aus dem Verkaufserlös des Pfarrhauses, zum Teil aus kirchlichen Krediten und nicht zuletzt aus Spenden. Und unerlässlich war die tatkräftige Mithilfe des örtlichen Gemeindekirchenrates und vieler engagierter Gemeindemitglieder.

"Das hat die Erfahrung von Gemeinschaft gebracht", sagt Pfarrerin Beate Koschny-Lemke, die seit 30 Jahren dem Sprengel Stücken vorsteht und einen Gesprächskreis für alle zwölf Dörfer eingerichtet hat. Und Gemeinschaft über das einzelne Dorf hinaus, die wird dringend gebraucht.

Herzenswunsch der Pfarrerin für die Zeit nach ihrem Dienstende 2016: dass der Pfarrsprengel Stücken komplett erhalten bleibt; dass anders als vor 15 Jahren in Blankensee ihre Pfarrstelle wieder neu besetzt wird und dass die nächste Pfarrfamilie im Stückener Pfarrhaus, dem nunmehr einzigen Pfarrhaus im Sprengel, ihr gutes Zuhause findet.

Text und Foto: Theda von Wedel

 

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Viermal Heimatstil vom Feinsten

Wir besuchten Kirchen von Georg Büttner in der Prignitz

Bereits zum dritten Mal war der Förderkreis Alte Kirchen auf den Spuren des Architekten Georg Büttner (1858 -1914) im Lande unterwegs. Der Vertreter des Heimatstils und der Dorfkirchenbewegung hatte für Brandenburg mehr als zwanzig Kirchen entworfen. Vier davon waren Ziel der Exkursion in die Prignitz unter Leitung des Büttner-Experten Christian Ritter.

Büttner wollte, dass sich seine Kirchen der jeweiligen Kulturlandschaft harmonisch einfügen, er bevorzugte traditionelle Bauformen und regionaltypische Materialien, arbeitete möglichst mit Handwerkern aus der Umgebung und ließ Anregungen der Einwohner in seine Pläne einfließen. Das hat damals - vor gut hundert Jahren - eine ganz eigene Verbundenheit der Dorfgemeinschaft mit ihrem Gotteshaus geschmiedet. Und die ist auch heute zu spüren. Die Älteren in den Prignitzdörfern haben noch die Erzählungen der Großeltern vom Kirchenbau im Ohr, manche sind Enkel jener Handwerker, die einst dabei waren. Das klingt immer mit, wenn es um die Bewahrung ihrer Kirchen geht und wenn sie heute Besuchern ihr Gotteshaus vorstellen.

Jutta Röder vom Gemeindekirchenrat in Helle lenkt die Aufmerksamkeit vor allem auf die reiche Ornamentik, die so typisch für Büttner-Kirchen ist. Kein Motiv in den Kassetten der hohen Tonnendecke - Markenzeichen des Architekten - gleicht dem anderen. Der gotische Flügelaltar (1485) an der Nordseite stammt aus der Vorgängerkirche und weist Büttner auch als obersten Denkmalpfleger seiner Zeit in Brandenburg aus. Überkommene Ausstattungsstücke werden in seinen Kirchen wieder "in Dienst" genommen, auf jeden Fall aber bewahrt.

Restaurierte Turmuhr in Bälow

In Bälow sind es der Altar und die Kanzel aus dem 17. Jahrhundert, die schon in der ehemaligen Fachwerkkirche standen. Sie sind mit ihrem Umzug in die neue Kirche allerdings etwas bunter geworden, schmücken sich mit Blütenkränzen und haben sich der farbenfroh bemalten Taufe angepasst, die ein Tischler nach Büttners Vorstellungen geschaffen hat. Büttner hat die Fertigstellung der Kirche nicht mehr erlebt, also auch nicht ihre Wunden im Zweiten Weltkrieg. Durch Beschuss waren Turm und Kirchendach beschädigt worden. Jürgen Herper erzählt von den jährlichen "Kirchenbautagen" zu DDR-Zeiten, an denen sich alle im Ort beteiligten, bis man 1997/98 in Gemeinschaftsarbeit das Dach ganz neu eindecken konnte. Ers-tes Signal der neuen Zeit: die restaurierte Turmuhr.

Kirche in Lennewitz

Jahrelang hat man nach der Wende in Lennewitz restauriert. Das Gebäude war baufällig. Sponsoren konnten gewonnen werden; nach der Sicherung des Gebäudes ging es an die Restaurierung der vollständig erhaltenen Innenausstattung und der Wandmalereien aus der Bauzeit. Einen besonderen Schatz besitzt die Kirche in ihren Fenstern mit einzigartigen Glasmalereien aus der Werkstatt Linnemann in Frankfurt am Main. Dass sich die Kirche nun wieder mit all ihren liebenswerten Details präsentieren kann, daran haben die Lennewitzer fleißig mitgearbeitet, weiß GKR-Vorsitzender Andreas Haufe zu berichten. Und ebenso kümmere sich die Kirchen- und die gesamte Dorfgemeinde heute um die Erhaltung und Pflege, den umgebenden Friedhof einbezogen. Dafür brauche es keine verfassten Ordnungen.

Dekorationsmalerei in der Dorfkirche Bork

Bernhard Bosecker gehört nicht zu den Alteingesessenen von Bork. Das merkt man nicht, wenn er erzählt. Das "Prignitzfieber" muss ihn schon erfasst haben, als er Ende der Achtzigerjahre zum ersten Mal nach Bork kam. Da sollte aus der Dorfkirche gerade ein Feuerwehrhaus gemacht werden. Wenig später kam die Wende. Der Musiker der "abgewickelten" Brandenburger Philharmonie Potsdam hatte mit ehemaligen Kollegen ein eigenes Ensemble gegründet und dafür suchte Bosecker einen Probenraum. Der stand mit dem kleinen Kirchengebäude gerade gegenüber seinem Borker Wochenenddomizil. Bernhard Bosecker fand Verbündete, tat Geldquellen auf, machte den Enkel des einstigen Malers ausfindig, der die Dekorationsmalerei restaurierte. 1993 war die Kirche ganz im Stil Büttners wieder hergestellt. Mit einer Ausnahme: Auf einer der Kabinettscheiben in den Fenstern - die aus dem 17. Jahrhundert zeigen Stifter oder Handwerker - sind Musikinstrumente zu sehen: eine Hommage der Borker an den Musiker und Kirchenretter Bosecker. Heute wird dort nicht nur Musik gemacht, sondern auch wieder Gottesdienst gefeiert.

Vier Büttner-Kirchen hatten wir auf unserer Bus-Tour besucht, hatten ihre Retter und Hüter kennen gelernt. Und auch die Prignitz abseits der Tourismus-Favoriten. Da sich jetzt offenbar auch "Navis" der Streikwelle anschließen, entdeckten wir unfreiwillig wild-romantische, holprige Feldwege, herrliche Alleen und hübsche Dörfer. Irrwege und Umwege, dennoch lohnend.

Text und Fotos: Eva Gonda

 

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Berauscht vom "rauschenden Bach"

Mit dem FAK musikalisch durch die Niederlausitz

Eigentlich ist Rudolf Bönisch Geologe und für die Erschließung der Braunkohle in der Niederlausitz zuständig. Aber er gräbt in seiner Heimatregion seit Jahren auch noch andere Schätze aus, nämlich historische Orgeln. Meistens gemeinsam mit seinem Sohn Albrecht, von dem er die Leidenschaft für alte Orgeln "geerbt" hat. Und weil es das schlimmste Gift für eine Orgel ist, wenn sie nicht gespielt wird, sorgt Rudolf Bönisch ehrenamtlich dafür, dass die historischen Instrumente zum Klingen gebracht werden. Deshalb rief er vor 25 Jahren die "Großräschener Orgelkonzerte" ins Leben, die er seit dieser Zeit auch leitet. Vor zwölf Jahren gründete er zudem die "Mixtur im Bass", in deren Rahmen an den Sommerwochenenden Führungen zu Dorfkirchen und ihren Orgeln stattfinden, die in einem Orgelkonzert mit Organisten aus aller Welt münden. Schließlich und letztlich initiierte er vor drei Jahren auch noch die Niederlausitzer Orgelakademie, bei der 20 Studenten von vier Professoren Orgelunterricht erhalten und am Schluss ihre Künste bei einem Konzert demonstrieren. Wir konnten uns also für unsere FAK-Exkursion "Musikalisch durch die Niederlausitz - Preußische Orgeln im Unterspreewald" keinen kundigeren Cicerone wünschen.

Teil des Krausnicker Kanzelaltars

Unser erstes Ziel war die Dorfkirche in Krausnick. Die 1726 entstandene Fachwerkkirche thront auf einem Hügel über dem kleinen Ort. Es fällt sofort ins Auge, dass sie eine besondere Form hat, ihr Grundriss ist einem griechischen Kreuz nachempfunden. Zu DDR-Zeiten erlebte die Kirche traurige Jahre des Verfalls. Davon ist heute kaum noch etwas spürbar. Der Altarraum mit seiner Holzverkleidung ist in Hellgrau und Weiß gehalten. Die Orgel wurde erst 1884 eingebaut, sie ist ein Werk des Berliner Orgelbaumeisters Albert Lang. Der Organist Slawomir Kaminski, Professor an der Hochschule für Musik in Poznan, brachte sie für uns zum Klingen. Das Instrument ist der Frühromantik verpflichtet und blieb bis auf den heutigen Tag unverändert. Selbst die Prospektpfeifen aus Zinn haben sich erhalten und fielen nicht, wie die meisten ihrer Art, dem Ersten Weltkrieg zum Opfer.

Blick in die Kirche von Schlepzig
Fotos: Kreischer, Janowski

Solchermaßen eingestimmt machten wir uns auf nach Schlepzig, wo uns ebenfalls eine Fachwerkkirche erwartete. Sie ist typisch für diese Gegend, denn der sandig-morastige Boden hätte eine schwere Steinkirche kaum getragen. Das Gotteshaus wurde 1782 gebaut, weil sein Vorgänger einem Brand zum Opfer gefallen war. Nur das Altarbild, eine Abendmahldarstellung, hat sich aus der zerstörten Kirche erhalten. Das Gebäude befindet sich in gutem Zustand, was u. a. Kunststudenten aus Ostberlin zu verdanken ist, die 1980 für Kost und Logis die Deckenbemalung restaurierten. Und der Firma Holz-Possling, deren Inhaber aus Schlepzig stammt und das Holz für die Turmerneuerung spendierte.

1812 erhielt die Kirche eine Orgel, die 1910 durch eine neue ersetzt wurde, weil die alte marode war und ihr barocker Klang als unmodern empfunden wurde. Kein Geringerer als Wilhelm Sauer aus Frankfurt (Oder) baute das neue Instrument, das wiederum Slawomir Kaminski für uns spielte.

Die Dorfkirche von Groß Leine macht äußerlich einen etwas traurigen Eindruck. Der Putz bröckelt von den Wänden und lässt sie wenig einladend erscheinen. Wie Kirchenältester Ronald Schenker berichtete, sollte sie eigentlich 2004 im Zuge der Dorfsanierung restauriert werden, wurde aber schließlich aus unerfindlichen Gründen aus dem Sanierungsprogramm gestrichen.

Umso mehr überrascht das Innere der Kirche, das mit barocker Pracht und einer Dinse-Orgel von 1909 aufwartet, die allerdings in einem prächtigen alten Gehäuse steckt und damit ein Alter vortäuscht, das sie nicht hat. Dafür bietet sie sämtliche klanglichen Möglichkeiten der symphonischen Orchesterorgel, was von Organist Slawomir Kaminski mit zwei Stücken von Brahms aufs Schönste demonstriert wurde.

Unsere kleine Orgelrundreise fand ihren Höhepunkt und Abschluss mit Führung und Konzert in der Paul-Gerhardt-Kirche in Lübben. Im Rahmen der Reihe "Mixtur im Bass" brachten Jaroslav Tuma aus Prag (Orgel) und Yoshimi Oshima aus Kyoto (Flöte) einen "rauschenden Bach" zu Gehör. Das war nicht zu viel versprochen, denn die gewaltige Schuke-Orgel aus dem Jahr 1906 erfüllte das Kirchenschiff mühelos mit ihrem raumgreifenden Klang und machte einmal mehr deutlich, dass sie kaum bestreitbar die Königin aller Instrumente ist.

Elke Kreischer

 

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Große Kunst in kleinen Dörfern und Rosen aus aller Welt

Entdeckungen auf einer Fahrt zu Dorfkirchen in der Uckermark

Altar der Dorfkirche Hetzdorf
Foto: Frank Fischer

Ein Holzkirchturm mit Alterszertifikat; Kirchen mit atemberaubend schönen Renaissancealtären; ein Rosengarten mit Internetauftritt; ein stimmungsvolles Konzert mit internationaler Besetzung - all das bot die FAK-Exkursion zu Dorfkirchen in der Uckermark.

Der aus Brettern bestehende Turm mit Spitzhelm lehnt sich an die kleine Fachwerkkirche in Ellingen. Seine hölzerne Innenkonstruktion stammt aus dem Jahr 1456 und weist ihn als ältesten Holzturm in der Uckermark aus. Turm und Kirchengebäude wurden Ende der Neunzigerjahre umfassend restauriert. "Nur unser kostbarer Altar braucht noch dringend Hilfe", sagen Magret Mandelkow und Heidemarie Matuschak vom Gemeindekirchenrat fast entschuldigend. "Aber der muss noch warten, weil wir die finanziellen Mittel unseres Pfarrsprengels erst einmal konzentriert für die Restaurierungen in Dedelow einsetzen."

Bewährt sich solche Loyalität über die eigene Kirchturmspitze hinaus? Gleich nebenan in Dedelow, wo GKR-Mitglied Margit Lemke in der Kirchentür auf uns wartet, können wir uns davon überzeugen. Den Besucher, der den trutzig wirkenden Feldsteinbau betritt, empfängt ein vielfarbiges Miteinander von bedeutenden Ausstattungsstücken des 16. bis 18. Jahrhunderts: das im 17. Jahrhundert errichtete Patronats- und Ältestengestühl mit seinem Gemäldezyklus, das dekorativ bemalte Gemeindegestühl, die prächtige Patronatsloge des 18. Jahrhunderts und die Kanzel, deren Füllungen mit qualitätvollen, auf Papier gedruckten Ornamentholzschnitten des 16. Jahrhunderts beklebt sind. Blickfang aber ist der Altaraufsatz, der um 1600 in einer Prenzlauer Werkstatt entstand und in dem ein Flügelretabel aus der Zeit um 1520 wieder verwendet wurde. Im Mittelschrein steht eine Mondsichelmadonna. Wenn auch hier noch manches zu tun bleibt, so konnte doch vieles für die nachfolgenden Generationen bewahrt werden. Für die Restaurierungen hatte der Förderkreis Alte Kirchen 2013 unter dem Motto "Vergessene Kunstwerke" zu einer Aktion aufgerufen, die rund 7.000 Euro an Spenden einbrachte.

Der größte und am reichsten ausgestattete der Altäre, die wir auf dieser Fahrt besuchen, aber steht in der Feldsteinkirche von Hetzdorf. Das dreigeschossige Retabel enthält qualitätsvolle Schnitzreliefs und Figurengruppen. Dargestellt sind das Abendmahl in der Predella, die Kreuzigung im Hauptfeld und im Obergeschoss die Auferstehung Christi. Und als Besonderheit obendrauf Jesu Himmelfahrt. Man sieht gerade noch die Beine unter der Kirchendecke entschwinden. Um 1889 wurde der Altar in seinen leuchtenden Farben restauriert.

Pfarrer Ulrich Kasparick versteht es, anhand der einzelnen Szenen die Botschaft dieses Altars zu vermitteln, erläutert am Beispiel der Baugeschichte der Kirche, wie Gedankengut und Wissen von einer Generation zu anderen auch über Grenzen hinweg weiter gegeben wurden bis in unsere Zeit.

Ein Projekt, das viele Menschen unterschiedlicher Kultur und Religion miteinander verbindet, schuf er mit dem Internet-Rosengarten hinterm Pfarrhaus. Im März 2012 hatte er über facebook einen Aufruf gestartet, Rosen zu stiften. Schon zwei Tage danach trafen die ersten Pflanzen ein. Heute blühen dort Schönheiten aus Texas, Georgien, Finnland und aus vielen anderen Ländern wie auch aus den unterschiedlichen Regionen Deutschlands. Mittlerweile verfolgen im Internet über 35.000 Menschen in 35 Ländern die weitere Entwicklung des Projektes. Oft halten jetzt Busse in Hetzdorf. Mit unserem kommt der 5000. Besucher des Rosengartens: Unserem Fahrer Özkan wird mit einem edlen Rosenstock gratuliert, und dass er aus der Türkei stammt, passt ganz besonders gut ins Konzept des Miteinanders über Ländergrenzen hinweg.

Künstler aus verschiedenen Ländern Europas vereint das "ensemble polyharmonique", das schließlich in der mittelalterlichen Dorfkirche von Milow ein ganz besonderes Konzerterlebnis bietet. Sänger und Musiker des Ensembles pflegen vor allem die Musik der Renaissance- und Barockzeit und stellen große Anforderungen an eine hohe Klangkultur. Mit italienischer Renaissancemusik klingt eine Fahrt aus, auf der wir wunderbaren Kunstwerken aus jener Zeit begegneten und Menschen kennen lernten, die sie bewahren.

Eva Gonda

 

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Regionalbetreuer unseres Förderkreises berichten aus ihren Bereichen

Konrad Mrusek aus dem Landkreis Oberhavel:

Gnadenstuhl ist kulturelle Rarität

Die Kirche in Gutengermendorf lohnte schon immer einen Abstecher - zum Beispiel, wenn sich kurz vor Gransee auf der B 96 die Ostsee-Urlauber stauten. Ein Besuch dieser stattlichen Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert ist jetzt noch lohnender, denn sie bietet nun eine kulturelle Rarität: einen so genannten Gnadenstuhl. So nennen Kunsthistoriker eine halbplastische Darstellung der Dreifaltigkeit. Gottvater sitzt auf dem Thron, hält den starren, entseelten Leib seines Sohnes auf dem Schoß und darüber schwebt, an einem Draht aufgehängt, die Taube als Symbol des Heiligen Geistes.

Solche meist aus Holz geschnitzten und bemalten Kunstwerke gibt es seit dem 12. Jahrhundert. Man findet sie heute eher in katholischen Regionen als Sinnbild einer bildfreudig-naiven Volksfrömmigkeit. Wie der ähnlich berührende und aus der Barockzeit stammende Gnadenstuhl nach Gutengermendorf und damit in den märkischen Protestantismus kam, das kann Pfarrer Tobias Ziemann nicht sagen. Vermutlich war er aber früher Teil des Altars. Dann stand er jahrelang in einer Ecke des Pfarrhauses und wurde schließlich auf der Empore der Kirche gelagert.

Mit einem Zuschuss des Förderkreises Alte Kirchen wurde der Gnadenstuhl zusammen mit einer Kreuzigungsgruppe restauriert. Er schmückt nun die Nordwand der Kirche.

In Meseberg bröckelt kein Putz mehr

Die Kirche in Meseberg wurde zu einer Art Mauerblümchen, als vor knapp zehn Jahren das benachbarte Schloss saniert und zum Gästehaus der Bundesregierung erkoren wurde. Seitdem tagten die Politiker in einem geradezu feudal wirkenden Ambiente, während nebenan unter dem barocken Turm der Kirche der Putz bröckelte und der Holzschwamm moderte. Doch nun ist aus dem Mauerblümchen wieder ein prächtiges Gotteshaus geworden, und zwar nicht, wie man vermuten könnte, weil die Politiker in ihren Dienstwagen oder die Messerschmitt-Stiftung als Besitzer des Schlosses den traurigen Anblick ihres kirchlichen Nachbarn nicht mehr ertragen konnten, sondern weil die kleine Schar der 80 Gläubigen in Meseberg aktiv geworden ist. Sie startete vor vier Jahren unter anderem eine Patenaktion und konnte mit ihrem Eigenanteil erhebliche Fördermittel der EU sowie Gelder von kirchlichen und anderen Stiftungen einwerben. Nicht weniger als 750.000 Euro kostete die dreijährige Sanierung, und wer sich jemals gefragt haben mag, ob dieses Geld sinnvoll angelegt sei, dessen Zweifel verflüchtigten sich schnell beim Gottesdienst. Die Kirche war nicht nur gut besucht, am frohen Gesang der Besucher war auch zu spüren, wie sehr ein schönes Gotteshaus den Glauben zu stärken vermag. Ob Altar, Patronatsloge oder die Skulpturen - alles erstrahlt in neuem Glanz. Die Dorfkirche hat sogar einen unschätzbaren Vorteil: Im Gegensatz zum Gästehaus hat sie nicht nur einen Tag der Offenen Tür im Jahr, sondern sie ist täglich für Besucher geöffnet.

Theda von Wedel aus dem Landkreis Potsdam-Mittelmark:

Schäpe setzt auf Gemeinsamkeit

An der Schinkelkirche in Schäpe beginnen 2015/16 der dritte und vierte Bauabschnitt. Für die Sanierung von Fassade, Turm und Kirchenschiff sowie den Neubau eines Sanitärgebäudes werden rund 365.000 Euro benötigt, die die Kirchengemeinde allein nicht aufbringen kann. Deshalb haben sich alle Beteiligten zusammengeschlossen, so der Landkreis Potsdam-Mittelmark, die Stadt Beelitz, der sehr aktive Förderverein zum Erhalt der Schinkelkirche, der Förderkreis Alte Kirchen, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und viele Sponsoren. Die EU-Fördermittel sind auf zwei Jahre aufgeteilt. Für 2015 sind Putzarbeiten am Turm und die Restaurierung der Turmuhr vorgesehen. 2017 soll die Sanierung abgeschlossen sein.

Uwe Donath aus dem Landkreis Märkisch-Oderland:

Schlosskirche mit neuer Nutzung

Nach zweijähriger aufwändiger Sanierung öffnete die Schlosskirche Altlandsberg als soziokulturelles Zentrum ihre Pforten. Das wieder in voller barocker Schönheit erstrahlende Gebäude ist das erste fertig gestellte Bauwerk des Schlossgut-Projektes und wird mit seinem imposanten Konzertsaal neben dem benachbarten Brau- und Brennhaus das Herzstück des Tagungs- und Veranstaltungszentrums sein. Das 1671 für die reformierte Gemeinde errichtete Bauwerk wurde bis 1979 als Kirche genutzt und ist seit 2007 Eigentum der Kommune. Die Sanierungskosten betragen 2,8 Millionen Euro, von denen 1,9 Millionen durch das Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz" gedeckt sind.

 

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Ein Schatzkästlein lüftet sein Geheimnis

 
In Niebendorf
(Teltow-Fläming)
gibt es

VERDECKTES
ZU ENTDECKEN


Aber Eile ist geboten.
Wir bitten um Ihre Spende
für ein wichtiges Projekt.
 

Die Dorfkirche von Niebendorf (Dorfkirche des Monats Dezember 2011) ist ein außergewöhnliches Gesamtkunstwerk, gerühmt vor allem wegen der kostbaren einheitlichen, in der Vergangenheit liebevoll restaurierten Ausstattung. Für den originalen Gesamteindruck aber fehlen noch die bislang übertünchten Wandmalereien in der Apsis. Sie wurden jüngst entdeckt und sollen nun wieder sichtbar gemacht werden. Doch damit hat es Eile…

Niebendorf soll einmal ein Eckpunkt des vom FAK geplanten "Kulturdreiecks" mit der Dorfkirche in Waltersdorf und dem Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf werden. Dazu müssen die laufenden Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten an der Schwesterkirche in Waltersdorf erst einmal beendet werden (2016?); es wäre schade, wenn die Ausstattung in Niebendorf zu diesem Zeitpunkt dann nicht auch auf dem bestmöglichen Stand wäre.

LIEBEVOLL RESTAURIERT: Engelsfiguren in einer bewegten Wolkenlandschaft zieren die tonnengewölbte Decke der Dorfkirche in Niebendorf.
Fotos: Hans Krag

Die kleine Feldsteinkirche stammt ursprünglich aus dem Ende des 13. Jahrhunderts. Als 1717 der damalige Reichshofrat und Professor Johann Heinrich Berger in den Adelsstand erhoben und mit dem Rittergut Nieben- und Waltersdorf betraut wurde, ließ er die Kirchen in Niebendorf und Waltersdorf von denselben Künstlern einheitlich üppig ausgestalten. Sie wurden zu den Schmuckkästchen, die sie heute noch sind. Schnitzereien und Ausmalung ergänzen sich. In Waltersdorf konnte der Maler ermittelt werden: Joseph Gerlach war hier im Jahre 1754 tätig. Wahrscheinlich wirkte er auch im benachbarten Niebendorf. Heute präsentiert sich die Niebendorfer Kirche in gutem Zustand. Sie ist nicht nur Mittelpunkt des Dorfes, sondern auch der Dorfgemeinschaft. Hier war nicht einmal die Bildung eines Fördervereins notwendig - die Dorfbewohner finden immer zusammen, wenn es um die Kirche geht. Nach der Substanzerneuerung wurden die wunderschönen Deckenmalereien aufgefrischt, dann Schritt für Schritt, je nach Finanzlage, einzelne Ausstattungsstücke restauriert. Auch der FAK und sein Mitglied Lions Club Seeheim a.d.B. unterstützten die Arbeiten. Im Rahmen der Aktion "Menschen helfen Engeln" wurde ein auf dem Kirchenboden gefundener Torso wieder in einen kompletten Taufengel verwandelt, dann kamen Altar, Taufe, Kanzel und die Orgelempore an die Reihe, jetzt ist die Patronatsloge in Arbeit. Nächste Aufgabe soll dann die Freilegung der Wandmalereien sein.

Bei einer so diffizilen Arbeit ist mit Eigenleistung nichts zu machen - hier müssen Fachleute ans Werk, und die kosten Geld. Die Niebendorfer haben schon wieder viel gesammelt, aber es gibt ein Problem: Bei manchen Fördermitteln sind Fristen festgelegt, innerhalb derer die Geldmittel abgerufen und zweckgemäß verwendet werden müssen. So hätte man in Niebendorf die Pflicht, das Projekt im Herbst zu beginnen und noch in diesem Jahr weitgehend abzuschließen, sonst gingen Fördermittel verloren. Das bedeutet, dass man Aufträge vergeben müsste, noch ehe die notwendige Gesamtsumme beisammen ist.

Zur Zeit besteht noch eine Finanzierungslücke von 6.000 Euro. Deshalb die Bitte an unsere Mitglieder: Helfen Sie uns mit einer Spende, diese Finanzlücke zu schließen. Und fahren Sie einmal nach Niebendorf, vielleicht auch nach Waltersdorf, um selbst zu sehen, dass Ihr Geld dort gut angelegt ist. Vielen Dank.

Hans Krag

Spendenkonto: Förderkreis Alte Kirchen; Kto.-Nr. 3911390 BLZ: 520 604 10 (Evangelische Bank) IBAN: DE94 5206 0410 0003 9113 90, Kennwort: Niebendorf

 

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Leere Kirchen, verstummte Orgeln stellen Fragen nach der Zukunft

Unterwegs zu Problemfällen in der Uckermark

In der Dorfkirche Flemsdorf (Dorfkirche des Monats April 2012) finden nur noch sehr sporadisch Gottesdienste statt. Wenn es gut läuft, sitzen dann vier Besucher in den Bänken. Dabei verfügt der mittelalterliche Feldsteinbau über eine ungewöhnlich prächtige Ausstattung: Den großartigen, reich geschmückten Kanzelaltar schuf 1736 der Bildschnitzer Heinrich Bernhard Hattenkerell aus dem neumärkischen Mohrin. Davor schwebt ein qualitätsvoll gearbeiteter barocker Taufengel. Und die Orgel, die zwar spielbar ist, der aber schon lange niemand mehr einen Ton zu entlocken versuchte, stammt von keinem geringeren als dem berühmtesten märkischen Orgelbauer Joachim Wagner (1745).

Flemsdorf war die erste Station einer Rundreise durch die Uckermark, an der Ende Juli auf Einladung des Förderkreises Alte Kirchen Dr. Thomas Drachenberg, Landeskonservator, Matthias Hoffmann-Tauschwitz, Leiter des Kirchlichen Bauamtes der Landeskirche, und zwei Vertreter der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Uckermark teilnahmen. Ziel der Exkursion waren durchweg Kirchen, die mangels Gemeinde nicht mehr oder nur noch sehr selten genutzt werden. Immer häufiger stellt sich in den peripheren Regionen unseres Landes die Frage, wie wir langfristig mit Gotteshäusern umgehen sollen, die derzeit anscheinend nicht mehr gebraucht werden.

In Weselitz sollte vor mehr als zehn Jahren die Orgel von Johann Simon Buchholz (1823) für 5.000 Euro verkauft werden, um mit diesem Betrag eine Notsicherung des Kirchendaches finanzieren zu können. Der Förderkreis Alte Kirchen stellte das Geld damals zur Verfügung unter der Bedingung, dass das wertvolle und seltene Instrument in der Kirche verbleibt. Das Dach ist notgesichert, die Orgel kann keinen weiteren Schaden nehmen. Die Kirche jedoch liegt seitdem im Dornröschenschlaf. Auf eventuelle Gottesdienste in den Nachbarorten weist nicht einmal ein Schaukasten hin.

Gleich mehrere Kirchengebäude bereiten in der Stadt Prenzlau arge Probleme. Von ihrer einstigen Bedeutung zeugen noch heute sechs mittelalterliche Kirchenbauten und zwei ehemalige Hospitalkapellen. Gegenwärtig wird die Prenzlauer Jakobikirche zu einem multifunktionalen modernen Gemeindezentrum ausgebaut. In der Marienkirche, einem Juwel der norddeutschen Backsteingotik, werden dank einer großzügigen Zuwendung der Bundesregierung in den nächsten Jahren wieder die im Krieg zerstörten Gewölbe eingezogen. Dafür steht die malerisch am Uckersee gelegene St.-Sabinen-Kirche zur Disposition. Der Gemeindekirchenrat möchte sich lieber heute als morgen von dem geschichtsträchtigen Gebäude trennen; einem Förderverein wird es schwer gemacht, eigene Visionen zu entwickeln. Und in der Dreifaltigkeitskirche - dem ehemaligen Gotteshaus des Prenzlauer Franziskanerklosters, das lange von der heute nicht mehr existierenden französisch-reformierten Gemeinde genutzt wurde - tut sich seit Jahren nichts mehr. Erst vor kurzem finanzierte der FAK Sicherungsarbeiten am Dachreiter. Eine noch vage Idee ist, die Kirche zum Kolumbarium umzubauen. Wenn es gelingt, auch die Kommune für dieses Vorhaben zu interessieren, wäre dies eine gute Möglichkeit, die vermutlich älteste Franziskanerkirche nördlich der Alpen durch eine neue Nutzung für die Nachwelt zu erhalten.

In Sternhagen (Dorfkirche des Monats Juli 2009), einem Dorf mit weniger als 50 Einwohnern, wurden die Teilnehmer der Fahrt durch den Organisten Prof. Klaus Eichhorn empfangen, der im Jahr 2009 ein großartiges Konzert zur Einweihung der durch die Potsdamer Firma Schuke restaurierten Joachim-Wagner-Orgel (1736) gab. Für die Besucher spielte Klaus Eichhorn diesmal ein kleines "Privatkonzert" und wies auf die Qualitäten einer der klangschönsten Dorfkirchenorgeln in Brandenburg hin. Leider wird das Instrument, dessen Wiederherstellung der FAK maßgeblich gefördert hatte, derzeit nur sporadisch gespielt. Gemeindegottesdienste finden in der schon am Ende der Neunzigerjahre umfänglich sanierten Sternhagener Kirche nicht mehr statt. Gelegentlich nutzen Gruppen aus dem benachbarten Rüstzeitenheim die Kirche für kleine Andachten.

Auch die Dorfkirche im benachbarten Lindenhagen wurde über viele Jahre hinweg nicht genutzt. Vor wenigen Wochen bot die seit einem halben Jahr hier amtierende, äußerst aktive Pfarrerin Katja Schmiedeke erstmals wieder einen Gottesdienst an. Auch wenn dieser nur mäßig besucht wurde, ist dies vielleicht ein kleines Zeichen der Hoffnung. Doch wird es ausreichen, der Lindenhagener Kirche eine langfristige Zukunft zu geben?

In zahlreichen Orten bestehen Kirchengemeinden und Fördervereine, die sich rührend um ihre Gotteshäuser bemühen. Wir können jedoch nicht ignorieren, dass es Problemfälle gibt, für die wir, ebenso wie die Landeskirche und die Denkmalpflege, derzeit keine Lösung wissen. Es erscheint uns wichtig - und darin waren sich alle Teilnehmer einig -, auch den derzeit nicht oder nur sehr sporadisch genutzten Kirchengebäuden eine Chance auf eine bessere Zukunft zu geben.

Ziel der Besichtigungsfahrt war es nicht, schnelle Antworten zu finden. Wichtig ist es vielmehr, sich erst einmal der Realität zu stellen, Fragen zum Umgang mit unserem christlichen und kulturellen Erbe zu formulieren und eine Diskussion anzustoßen, an der sich hoffentlich Viele beteiligen. Die Debatte ist eröffnet. Der Förderkreis Alte Kirchen wird sich darum bemühen, dass sie weitergeführt wird.

In Flemsdorf muss übrigens dringend eine Notsicherung des Kirchturmes durchgeführt werden. Schon jetzt bedrohen herabfallende Steine die Besucher des umliegenden Friedhofs. Auch die Statik der Turmkonstruktion ist stark gefährdet. Auf seiner Sitzung im August beschloss der Vorstand des FAK, die Arbeiten mit einem Zuschuss in Höhe von 3.000 Euro zu unterstützen. Bernd Janowski

 

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Wie einzigartige Kunst für die Nachwelt erschlossen und bewahrt wird

Mittelalterliche Wandmalereien in Brandenburg und in Nachbarregionen
Eine Fachtagung des FAK in Demerthin (Prignitz)

VOR DEM SCHLOSSPORTAL: die Initiatoren der Tagung Friedrich von Klitzing (r.) und Wolf-Dietrich Meyer-Rath
Foto: Carsten Lange

Mit diesem großen Zuspruch hatte wohl keiner gerechnet. Etwa 130 Teilnehmer kamen am 19. Juni nach Demerthin in die Prignitz. Der Förderkreis Alte Kirchen hatte zu einer zweitägigen Fachtagung über mittelalterliche Wandmalereien in der Mark Brandenburg und in den Nachbarregionen geladen. Exemplarisch ausgehend von den noch weitgehend erhaltenen Wandmalereien in der Dorfkirche zu Demerthin, wurden von den Referenten größtenteils noch unbekannte Wandmalereien vorgestellt.

Demerthin war wie viele Dörfer in der Mark bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs von der Gutsherrschaft geprägt. Das in direkter Nachbarschaft zur Patronatskirche gelegene einzigartige Renaissance-Schloss lag seit 1438 in der Hand der Familie von Klitzing, die weit verzweigt nicht nur in der Prignitz, sondern auch in Pommern ansässig war, aber 1945 vertrieben wurde. Die Außenhülle des Schlosses, das inzwischen in das Eigentum der Gemeinde Gumtow übergegangen war, wurde zwar nach der Wende vor allem mit Fördermitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz umfassend saniert, aber eine angemessene Nutzung wurde für das Schloss wegen des original erhaltenen, verwinkelten Grundrisses immer noch nicht gefunden.

In den letzten Jahren waren durch den von-klitzingschen Familienverband bereits zwei Tagungen zu zwei herausragenden Persönlichkeiten der Familie in Demerthin veranstaltet worden. Die Idee zu einer Fachtagung über spätmittelalterliche Wandmalereien jedoch war bei der Erstellung einer Dokumentation zu Demerthin mit detaillierten Fotoabbildungen und kunsthistorischen und theologischen Erläuterungen zu den einzelnen Bildmotiven entstanden, die 2013 mit Hilfe von zahlreichen Spenden aus dem von-klitzingschen Familienverband und mit Förderung durch die Studienstiftung Dr. Czubatynski und den FAK in der Reihe "Kirchen im ländlichen Raum" des Lukas Verlages erschienen ist.

Nach begrüßenden Worten durch Pfarrer Alexander Bothe, den Landrat des Landkreises Prignitz Torsten Uhe sowie den brandenburgischen Landeskonservator Dr. Thomas Drachenberg konnten sich die Teilnehmer zunächst in der Dorfkirche auf die kunsthistorische, ikonographische und frömmigkeitsgeschichtliche Besonderheit der Malereien von Demerthin einstimmen.

Die Referate wurden in drei auf den Tag verteilten Sektionen im benachbarten Gemeindesaal gehalten, visuell unterstützt durch Powerpoint-Darstellungen. Im Anschluss an jede Vortragsreihe bestand die Möglichkeit zur Diskussion. Für die Veranstalter war wichtig, nicht nur die kunsthistorische Einordnung der Demerthiner Wandmalereien in ihrem überregionalen Kontext aufzuzeigen, sondern auch die Frage einer eventuellen bauphysikalischen Belastung zu erörtern.

Der enormen Vielschichtigkeit des Themas und der kurzen Zeit für die einzelnen Tagungsbeiträge Rechnung tragend, war bereits im Vorfeld der Veranstaltung angeregt worden, die Vorträge in einer für 2015/16 geplanten Dokumentation als Arbeitsheft des Landesdenkmalamtes zu veröffentlichen, für die der Förderkreis Alte Kirchen die Redaktion übernommen hat. Wir sind schon jetzt darauf gespannt.

Wichtig war für den FAK, bei dieser Tagung in der dritten Sektion auch die prekäre Situation des Schlosses in den Fokus zu bringen, wozu die Beiträge von Dr. Wolfgang Illert von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und von Friedrich und Karl von Klitzing aufschlussreiche Denkanstöße gaben.

Am folgenden Tag stand in Bad Wilsnack eine Führung durch die St.-Nikolai-Kirche unter der bewährten Leitung von Bärbel Mann auf dem Programm. Anschließend wurden die beiden dringend zu restaurierenden Epitaphe für Anna von Saldern, geb. von Klitzing, und Jacob von Saldern an der Dorfkirche von Groß Leppin besichtigt.

Für die fachliche Beratung bei der Planung dieser Tagung geht ein besonderer Dank an die Mitarbeiter des Brandenburgischen Landesdenkmalamtes, der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Prignitz und an Dr. Peter Knüvener, für die technische Ausstattung an die Evangelische Kirchengemeinde Demerthin und an Michael Holzrichter als örtlichem Repräsentanten der DSD sowie an die Gemeinde Gumtow für die Organisation vor Ort und die kostenfreie Überlassung des Gemeindesaals, vor allem aber an den von-klitzingschen Familienverband für seine großzügige Spendenbereitschaft, ohne die der FAK diese Veranstaltung nicht hätte durchführen können.

Carsten Lange
Wolf-Dietrich Meyer-Rath

 

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Aus unserer Postmappe:

Die offene Kirchentür wird gern genutzt

Seit 2008 ist die kleine Dorfkirche in Helle (Prignitz) für Besucher fast täglich geöffnet. Ihre Freude darüber erfahre ich bei meiner nun schon 20-jährigen Tätigkeit als Mitglied des Gemeindekirchenrats, in dessen Auftrag ich u. a. als Bewahrerin des Schlüssels fungiere. Bei geführten Besichtigungen erzähle ich von der Geschichte des Kirchengebäudes, verweise auf die farbige Ausmalung und gebe Auskunft über den Architekten Georg Büttner, der als Hauptvertreter des evangelischen Sakralbaus in Berlin und Brandenburg zu Beginn des 20. Jahrhunderts gilt. Ebenso erwähne ich die noch immer regelmäßige gottesdienstliche Nutzung. Fast ein Drittel unserer Einwohner gehört der Kirchengemeinde an.

Großes Interesse findet die kleine Ausstellung in der nunmehr 102-jährigen Kirche. Die Besucher erfreuen sich am frischen Blumenschmuck und sind auch sehr angetan vom Anzünden einer Kerze zu Beginn der Besichtigung. Wer es möchte, darf sie am Ende ausblasen. So verweilte eine Teilnehmerin noch längere Zeit an der Kerze. Im Anschluss las ich im Gästebuch: "Ich widme diesen Besuch meinem kürzlich verstorbenen Mann." Ich stelle immer wieder fest, wie wichtig den Menschen der Aufenthalt in Kirchen ist, nicht nur wegen des kulturhistorischen Hintergrundes. Ich versäume nie, in das Gästebuch zu sehen, und finde oft anerkennende Worte. So heißt es darin: "Wir haben mit großer Begeisterung zugehört und verlassen tief beeindruckt dieses Kleinod in Brandenburg."

Wir haben die Gäste nicht gezählt, aber ihre Spenden sind jährlich steigend. Dafür sind wir sehr dankbar und wissen, dass unsere Kirche Zukunft hat. Jutta Röder

 

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Bei anderen gelesen:

Ein toleranter Begriff von Seelsorge

Dieser Artikel, der das 25-jährige Bestehen des Förderkreises Alte Kirchen würdigt, erschien in "Neue Musikzeitung". Hier ein Auszug mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Der Musiker und Komponist Walter Thomas Heyn ist Mitglied unseres Förderkreises.

Seit 25 Jahren, also seit jener Zeit, die als Wende in den Geschichtsbüchern verzeichnet steht, reise ich musizierend durch Brandenburg. Die Arbeitgeber Medien bekamen damals neue Herren und verschlossen sich fortan für die Einheimischen. Zugänglich hingegen blieben oder wurden die Kirchen. Die kleinen und die großen, die nahe liegenden und die weit entfernten Brandenburger Dorfkirchen, die sanierten und die fast verfallenen, die heizbaren und die erbärmlich kalten Kirchen wurden für mich und nahezu alle meine Kollegen zu einem festen Zufluchtsort für bescheidenen Broterwerb.

Und so lernten wir Landstriche kennen, die wir vielleicht nie gefunden hätten, und trafen auf Menschen, denen wir nie begegnet wären und die uns nie begegnet wären. Und wir erahnten etwas von dem Geist des alten Brandenburg, der viel einfacher, tiefer und klarer ist als das bisschen preußische Patina oben drauf. Wir erfuhren die sanfte Melancholie, die auf diesem Landstrich liegt, bemerkten die Probleme, sahen aber auch immer Zeichen des entschlossenen Neubeginns und entstehende neue Strukturen.

Oft trafen wir auf Spuren des Wirkens des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg. Wir sahen renovierte Türme, neu gemachte Fassaden, aufgerichtete Grabmäler und vieles mehr. Wir sahen das Schild "Musikschulen öffnen Kirchen" und freuten uns. Denn hier kümmerten sich Menschen auch um uns und unsere Basis.

Zum Glück: Fast jedes Dorf in Brandenburg besitzt eine eigene Kirche. Insgesamt sind es 1.400. Der rührige Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. (FAK) hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erhaltung, Instandsetzung und Nutzung dieses kulturellen Schatzes zu fördern. Er wurde 1990 als gemeinnütziger und ehrenamtlich tätiger Verein gegründet. Derzeit hat der FAK 593 Mitglieder, davon 426 persönliche Mitglieder, 129 Vereine, 29 Kirchengemeinden und neun Firmen. Spenden in Millionenhöhe für circa 300 Projekte konnten bisher aufgebracht werden.

Seit 1995 erscheint das Mitteilungsblatt "Alte Kirchen" mit drei Ausgaben jährlich. Seit 2005 können Infobriefe mit aktuellen Informationen bestellt werden. Und seit einigen Jahren gibt es das schöne Projekt "Musikschulen öffnen Kirchen", das auf starke und vielfältige Resonanz stößt. Das Projekt "Offene Kirchen" bildet seit 1999 einen Arbeitsschwerpunkt des Vereins.

Abgesehen davon, dass jede gerettete Kirche eine Heldentat ist, ist es eben auch bitter notwendig, diese Zentren der alten Ansiedlungen zu erhalten. Denn gerade im ländlich geprägten Brandenburg ist die Kirche alles: Treffpunkt, Kulturzentrum, Konzertort, Marktplatz. Nicht zu vergessen die Pfarrerinnen und Pfarrer, die mit erheblichem Aufwand ihre Gemeinden zusammenhalten und immer wieder neue Ideen haben und Angebote entwickeln. Ein sehr toleranter, sehr freier Begriff von Seelsorge liegt dem Ganzen zugrunde, den man nicht anders als wohltuend bezeichnen kann.

Für uns als Musiker stand die Kirche in Saaringen am Anfang unserer Gastspiele, denn dieser winzige Ort, um den herum die Havel sich in einem großen Bogen majestätisch windet, hat für uns eine besondere Bedeutung, weil wir dort auftraten, als der Förderkreis gerade den Abriss verhindert hatte und zum ersten Mal der abenteuerlich abgestützte Turm bestiegen werden konnte. Leider bin ich kein Millionär. Wäre ich es, wüsste ich, wohin ich mein Geld fließen lassen würde.

In diesem Sinne alles Gute für die nächsten 25 Jahre.

Walter Thomas Heyn

 

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Empfehlenswerte Bücher:

Mit den Klassikern auf Landpartie

Durch die dieser Tage in Prenzlau erfolgte 10. Vergabe des Adolf-Stahr-Preises ist neuerlich ein Buch ins Gespräch gelangt, dessen letzte Auflage schon seit Jahren vergriffen ist. Die Aufnahme des Titels in den Frühjahrskatalog 2015 des Husum-Verlages nährt nun nicht nur die Hoffnung auf das baldige Erscheinen einer erneuten, sondern zugleich auch einer ganz besonderen Neuauflage von "Drei Stunden hinter Berlin".

Das Eröffnungskonzert der ersten Brandenburgischen Sommerkonzerte fand am 7. Juli 1991 in der Klosterkirche Neuruppin statt. Einige Gäste kamen mit dem Dampfer "Alter Fritz" von Wustrau aus über den Ruppiner See, viele mit bereitgestellten Bussen aus Berlin, andere mit der Bahn oder dem eigenen Auto. Etliche hatten vor Beginn des Konzertes bereits an geführten Stadtrundgängen teilgenommen. Das hochkarätige Programm bestritt der Trompetenvirtuose Ludwig Güttler gemeinsam mit dem Bariton Egbert Johanns und dem Leipziger Bachkollegium.

Die Idee für die Konzertreihe kam dem Westberliner Rechtsanwalt Dr. Werner Martin bereits im Sommer des Vorjahres - "im Freudentaumel der Wiedervereinigung" - bei zahlreichen Wochenendausflügen in das nach fast 30 Jahren Mauer nun endlich wieder problemlos zugängliche Umland. Die Konzertreihe sollte, so die Vorstellung Werner Martins und seiner bald gefundenen zahlreichen Mitstreiter, Ost und West, aber auch Berlin und das Umland mit Hilfe der Musik wieder näher zueinander führen. In diesem Jahr feiert das inzwischen überaus erfolgreiche Festival nun seine 25. Saison. Aus diesem Anlass wurde kürzlich ein wahrer Prachtband vorgestellt, der die Geschichte der Konzertreihe nachvollzieht, Anekdoten aus den vergangenen Jahren erzählt, in kurzen Exkursen brandenburgische und preußische Geschichte reflektiert und mit wunderbaren Fotos Konzertorte und ihre landschaftliche und kulturhistorische Umgebung vorstellt.

Waren es in den Anfangsjahren hauptsächlich die Westberliner, die neugierig ihr wiedergewonnenes Umfeld erkundeten, kommen inzwischen zahlreiche Einheimische in die anspruchsvollen Konzerte, die zumeist mit Führungen, Lesungen und immer mit einer großzügigen Kaffeetafel verbunden sind. Von Anbeginn stand auch die Denkmalpflege im Fokus der Veranstalter. Werner Martin schreibt dazu: "Um den Gedanken auszudrücken, dass etwas für das und im Land geschehen sollte, wo der Hilfsbedarf offensichtlich war, rückten die Denkmäler in den Fokus unserer Überlegungen. Weil sie gleichzeitig Stolz und Symbol der heimatlichen Traditionen der Bewohner repräsentieren, wollten wir bei ihrer Renovierung helfen. Die Satzung der Brandenburgischen Sommerkonzerte sah deshalb von Anfang an die Denkmalpflege als wichtigen Zweck vor."

Die Konzerte, die in Herrenhäusern und Kirchen, aber auch in anderen denkmalgeschützten Bauwerken stattfinden und mit den Kulturlandschaften Brandenburgs verknüpft sind, führen zu einer gemeinsamen Begegnung von Kultur, Kunst und Natur. Die Einnahmen aus den Kaffeetafeln kommen einem Denkmal in der ausrichtenden Gemeinde zugute oder gehen an spezielle Benefizorte. Über längere Zeit wurden so u.a. die Restaurierung der Silbermann-Orgel in Lebusa (Elbe-Elster) oder die Sanierung des Denkmalensembles in Wolfshagen (Uckermark) unterstützt.

Zu den Autoren des opulenten Jubiläumsbandes gehören neben Werner Martin, dem langjährigen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe und den Festivalmachern von heute auch Landeskonservator a.D. Detlef Karg und der Stadthistoriker Richard Manfred Riedel. Texte u.a. von Günter de Bruyn und Wolf Jobst Siedler aus den Almanachen der Konzertreihe ergänzen die Rückschau. Zudem ist Theodor Fontane mit Zitaten aus den "Wanderungen", aber auch seinen Romanen und Briefen von der ersten bis zur letzten Seite präsent.

Der Leser wünscht den Brandenburgischen Sommerkonzerten mindestens weitere 25 erfolgreiche Jahre und freut sich auf neue musikalische Begegnungen irgendwo im schönen Brandenburg.

Bernd Janowski

Werner Martin, Manfred Stolpe: Geh aus mein Herz. 25 Jahre Brandenburgische Sommerkonzerte. Musikalische Entdeckungsreisen in die Mark. Mit den Klassikern auf Landpartie.
Nicolai Verlag, Berlin 2015;320 Seiten; 29,95 € ISBN 978-3-89479-944-1

Dorfkirchen in Pastell - erweiterte Neuauflage

STOLPE DORF (Haveland)

Die Dorfkirchen-Bände mit den farbigen Pastellen und Texten des Berliner Zeichners und Schriftstellers Franz Ehmke hatten viele Freunde gefunden. Das veranlasste den Verlag zu einer erweiterten Neuauflage "Märkische Dorfkirchen", deren dritter Teil nun vorliegt. Er umfasst die Gebiete Niederlausitz, Teltow, Fläming, Potsdam-Mittelmark und Havelland. "Mit den farbigen Pastellen dieses Buchs soll auf die Schönheit und die vielfältigen Reize der teils jahrhundertealten Bauten eingestimmt und den erfreulichen Ansätzen zur Bewahrung dieses einzigartigen Erbes weiterhin Antrieb und immer neuer Schwung gegeben werden", so der Autor. Diesem Anspruch wird auch der dritte Band in Wort und Bild gerecht. Die Texte informieren über Heutiges und Gestriges in den Regionen, zitieren Dichter wie Kleist und Fontane, lassen auch schmunzeln über strenge Verhaltensregeln in alten Kirchenordnungen. - Ein gelungener Abschluss der Bildband-Reihe.

Eva Gonda

Franz Ehmke: Märkische Dorfkirchen - Niederlausitz, Teltow, Fläming, Potsdam-Mittelmark, Havelland.
Verlag Bock und Kübler, 96 S., 19.90 € ISBN 978-3-86155-124-9

 

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