Die Dorfkirche von Lichterfelde (Teltow-Fläming)

Dorfkirche Lichterfelde  
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Der Fläming, ein leichter Höhenzug zwischen Wittenberg und Treuenbrietzen, Dahme und Baruth, verdankt seinen Namen den Siedlern, die sich im Zuge der Ostkolonisation hier niederließen. Unter Markgraf Albrecht dem Bären und Erzbischof Wichmann von Magdeburg waren es hauptsächlich niederländische Bauern - Flamen - die in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts hier planmäßig Dörfer anlegten und begannen, Kirchen aus gleichmäßig behauenen Feldsteinquadern zu errichten.

In dieser Zeit wird auch der Ursprung des 1279 erstmals urkundlich erwähnten Dorfes Lichterfelde liegen, wie auch der Ortsname verrät. Vermutlich brachten ihn die Siedler aus ihrer Heimat mit. Noch heute gibt es in der inzwischen zu Belgien gehörenden Region Flandern eine Kleinstadt namens Lichtervelde.

Das Lichterfelder Kirchengebäude ist eine einfache Chorquadratkirche aus dem frühen 13. Jahrhundert. Dem relativ kurzen Schiff ist nach Osten ein nahezu quadratischer Raum, der Chor, angefügt. Eine ursprünglich vorhandene Apsis wurde später abgebrochen. Der Westgiebel wurde, vielleicht nach Zerstörungen des 30-jährigen Krieges, 1679 in Backstein erneuert. Der bescheidene hölzerne Dachturm erhielt seine jetzige Form erst im 19. Jahrhundert.

Seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Lichterfelder Kirche kaum noch für Gottesdienste genutzt. Reparaturen wurden nicht mehr ausgeführt, der Verfall begann und beschleunigte sich immer mehr. An der Südwestecke des Kirchenschiffes hat sich ein breiter Riss im Mauerwerk gebildet, der sich ständig ausweitet. Eine bauaufsichtliche Sperrung wurde bereits in Aussicht gestellt. Notdürftige Reparaturen wurden von der Gemeinde immer wieder selbst vorgenommen. So erhielt in den siebziger Jahren der Turmaufsatz eine Verkleidung mit Asbestplatten, um die Holzkonstruktion vor Feuchtigkeit zu schützen. Durch Abtragen des Bodens wurde verhindert, dass aufsteigende Nässe weiterhin das Mauerwerk schädigt. Doch eine umfassende Instandsetzung des Kirchengebäudes ist inzwischen unvermeidbar geworden, will man sie nicht dem endgültigen Verfall preisgeben.

Trotz der geringen Einwohnerzahl - nur etwa 75 Menschen leben in Lichterfelde - ist der Ort ein sehr lebendiges Dorf. Ein von einem Förderverein ausgebauter denkmalgeschützter Oberlaubenstall von 1825 ist zu einem Kulturzentrum geworden, das weit in die Region ausstrahlt. Hier finden Sitzungen der Gesamtgemeinde Niederer Fläming statt, hier finden Theater- und Filmvorführungen, Konzerte und Lesungen, Dorffeste und gesellige Veranstaltungen statt. Auch aus touristischer Sicht ist Lichterfelde interessant. Der inzwischen stark frequentierte "Fläming Skate" führt nicht am Dorf vorbei und soll im nächsten Jahr einen Abzweig nach Lichterfelde bekommen.

Nur die Kirche, das älteste Gebäude im Dorf, führt weiterhin ein Schattendasein. Engagierte Bürger hoben deshalb im November 2009 mit immerhin fünfzehn Gründungsmitgliedern den "Förderverein Sanierung Lichterfelder Dorfkirche" aus der Taufe. Ein bereits aus dem Jahr 2004 stammendes Sanierungskonzept liegt vor und sieht drei Bauabschnitte vor. Zuerst muss die Turmkonstruktion instandgesetzt instand gesetzt werden, dann könnte die Sanierung von Langhaus und Chor einschließlich des Kirchendaches folgen. Letzter Schritt wäre eine Sanierung des Innenraumes, der inzwischen ebenfalls arg in Mitleidenschaft gezogen ist.

Der Weg zur völligen Wiederherstellung der Lichterfelder Kirche ist also noch weit. Aber die Ideen der Mitglieder des neuen Vereins sind vielfältig. Mit dem Förderverein des Oberlaubenstalls gibt es bereits konkrete Pläne für eine zukünftige Nutzung der beiden historischen Gebäude innerhalb eines touristischen Gesamtkonzeptes.

Informationen über: Förderverein Sanierung Lichterfelder Dorfkirche e.V.; Frederik van der Kooi; Dorfstr. 9; 14913 Niederer Fläming OT Lichterfelde


Zum Weiterlesen:
Märkische Allgemeine vom 02. September 2010: Lichterfelder Kirchenverein gewinnt brandenburgischen Förderpreis
Märkische Allgemeine vom 16. Februar 2011: Viel Holz für die kleine Dorfkirche
Märkische Allgemeine vom 27. Februar 2012: Förderverein "Sanierung Lichterfelder Dorfkirche" schaut optimistisch in die Zukunft
Märkische Allgemeine vom 23. August 2012: Notsicherung für Mauerecke
Märkische Allgemeine vom 14. März 2013: Altersschwaches Kirchlein
Märkische Allgemeine vom 10. November 2013: Fugen der Lichterfelder Dorfkirche werden ausgebessert
Märkische Allgemeine vom 17. März 2015: Kirchen-Rettung in kleinen Schritten
Märkische Allgemeine vom 19. März 2016: Dachziegel-Streit in Lichterfelde
Märkische Allgemeine vom 11. Juni 2016: Lichterfelder tragen Licht und Saat in die Welt
Berliner Morgenpost vom 29. Juli 2016: Wie dieser Mann für den guten Zweck pilgert
Märkische Allgemeine vom 31. Juli 2016: Erfolgreiche Pilgerreise nach Rangsdorf

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