Lichterfelde

Richtfest für den Lichterfelder Kirchturm

Das seit den 70er Jahren als Problemfall geltende Gotteshaus in Lichterfelde wird Stück für Stück wieder ansehnlich. Mit der Sanierung des Turms ist nun die nächste, große Etappe geschafft.

Zimmerer-Meister Markus Schmelzer aus Potsdam (l.) und sein Geselle Hermann Degener beim Einfügen der letzten Turmbalken.
Quelle: Uwe Klemens

Lichterfelde „Der neue Turm sieht super aus“, lobt Frederik van der Kooi in höchsten Tönen. Grund für das Hohelied auf die Handwerkskunst der Zimmerer hat der Niederländer, der seit 2007 in Lichterfelde zu Hause ist, gleich doppelt. Denn der ehemalige Opernsänger ist Chef des 2009 gegründeten Fördervereins „Sanierung Lichterfelder Dorfkirche“. Mit der Einweihung des neuen Fachwerk-Kirchturms, die am Sonnabend um 15 Uhr mit einem Richtfest gefeiert wird, ist eine weitere große Hürde genommen.

Problemfall seit vier Jahrzehnten

„Die Kirche und vor allem der Turm sind schon seit den 70er Jahren ein Problemfall“, berichtet Pfarrer Joachim Boekels. „Die Einweihung des neuen Turms ist von allen heiß erwartet, denn die Kirche ist von allen 13 Gotteshäusern des Petkuser Pfarrsprengels die älteste.“ In seiner Amtszeit sei es das erste Richtfest überhaupt. „Zum Glück spielt auch das Wetter mit, damit wir unseren Plan, die Sanierung des Turms noch in diesem Jahr abzuschließen, halten können“, sagt der Pfarrer.

Der wegen seines schlechten Zustandes vor Jahrzehnten mit Asbestplatten verblendete Turm war das, wenn auch schlechte, Markenzeichen des aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts stammenden Gotteshauses. Im neuen Gewand aus Schiefer und Ziegeln ist die 56.000 Euro teure Sanierung die sichtbarste Etappe. Der Löwenanteil von gut 31.000 stammt dabei aus der Rücklage der Kirchgemeinde, 10.000 Euro kamen von der Stiftung Preußisches Kulturerbe, 9000 Euro vom Förderkreis Alte Kirche Berlin-Brandenburg und dessen Kiba-Stiftung.

Das Geld kommt aus vielen Töpfen

Die Pilgertour, zu der sich Vereins-Vize Andreas Lust im vergangenen Jahr mit seinem Sohn, zwei Eseln und einem Eselführer aufmachte, sorgte nicht nur für Aufsehen, sondern spülte auch Geld in die Vereinskasse. Insgesamt 7000 Euro flossen daraus ebenfalls in die Turmsanierung. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beteiligte sich ebenfalls und organisierte eine so genannte Jugendbauhütte mit Freiwilligen, die beim Abriss des morschen Turms halfen.

„Der Zustand des Turms war wirklich sehr schlecht“, beschreibt Zimmerer-Meister Markus Schmelzer die Ausgangslage. Maximal zehn Prozent des alten Eichen- und Kiefernholzes konnte für die Sanierung der zwölf Meter hohen, etwa drei mal drei Meter breiten Konstruktion wiederverwendet werden. „Aber es hat unglaublich Spaß gemacht“, sagt der Potsdamer, der froh ist, nach der Zeugung eines Sohnes und dem Pflanzen eines Baumes auch die dritte, wichtige Lebensaufgabe eines Zimmermanns erfüllt zu haben. „Denn einen Kirchturm habe ich bisher noch nicht gebaut“, sagt Schmelzer.

Richtspruch und Orgelspiel

Gespannt sein dürfen die Gäste am Sonnabend schon deshalb auf seinen Richtspruch. Im Anschluss lädt Frederik van der Kooi in der Kirche zum Orgelspiel. Auch hungern soll an diesem Tag niemand. In der kommenden Woche werden erneut Jugendliche beim Einschiefern der Fachwerkkonstruktion helfen.

Von Uwe Klemens

Märkische Allgemeine vom 05. Dezember 2018

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