Fugen der Lichterfelder Dorfkirche werden ausgebessert

Einsatz gegen das Bröckeln

Eine Woche lang haben sich Freiwillige des bundesweiten Projekts Bauhütte an der Rettung der Lichterfelder Kirche beteiligt. Sie sicherten unter anderem Mauerfugen mit frischem, denkmalgerecht zubereitetem Mörtel.

Vereinsvorsitzender Frederik van der Kooi (vorn) machte sich als Bauhelfer nützlich.
Quelle: Uwe Clemens

Lichterfelde. Zentimeter für Zentimeter kommt die Sanierung der Feldsteinkirche in Lichterfelde voran. Tatkräftige Unterstützung erhielt das Projekt nun von Teilnehmern der Jugendbauhütte.

Neun junge Frauen und drei Männer rückten dem Mauerwerk des Bauwerkes aus dem frühen Mittelalter mit Stechbeitel, Maurerkelle, Pinsel und Putzlappen bis zum Wochenende zu Leibe.

Knapp ein Jahr haben die Mitglieder des Fördervereins zum Erhalt des Gotteshauses auf die bereits für Ende 2012 erhoffte Hilfe gewartet. Organisatorische Schwierigkeiten sorgten für ein Verschieben des Arbeitseinsatzes. Anfang August kam endlich die erste Vorhut, deren Aufgabe im Dokumentieren der zahlreichen Schadstellen im Mauergefüge bestand. Das Versprechen, dass noch in diesem Jahr mit dessen Sanierung begonnen werden solle, ließ die Lichterfelder hoffen. Obwohl angekündigt, stellte das Anreisen der Jugendlichen Vereinschef Frederik van der Kooi und seinen Vize Andreas Lust vor ein unerwartetes Problem: Woher so viele Schlafplätze nehmen? Zwölf Matratzen wurden in der Nachbarschaft zusammengeborgt. Der Arbeitseinsatz konnte beginnen.

"Jugendbauhütten gibt es bundesweit als Teil des Bundesfreiwilligendienstes im Bereich Denkmalpflege", erläuterte Bauingenieur, Restaurator und Holzschutzfachmann Wolfgang Voigt, der die Sanierungsarbeiten an der Kirche betreut und diesmal als Fachberater agierte. Gefördert werden die Bauhütten durch die Bundesländer. Initiator ist die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die die Jugendbauhütten auch finanziell maßgeblich unterstützt. Die Teilnehmer sind zwischen 16 und 26 Jahren alt und nutzen das Freiwilligenjahr als Orientierung für ihren Berufsweg. Sechs Seminarwochen zu verschiedenen Themen sind Teil des Freiwilligenjahres. Die denkmalgerechte Sanierung von Feldsteinmauerwerk war diesmal die Aufgabe. Wie aufwendig das ist, zeigte sich im Laufe der zurückliegenden Tage. "Oberstes Ziel ist, das aktuelle Erscheinungsbild zu erhalten, obwohl die Kirche vermutlich bis ins 17. Jahrhundert hinein komplett verputzt war", sagte Voigt. In enger Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises wurden Probeputze mit verschiedenen Sandsorten und Zuschlagstoffen ausprobiert. Die Wahl fiel schließlich auf ein rötlich-ockerfarbenes Gemisch aus Malterhausener Sand, Weiß- und Hydratkalk. Lockere und bröckelnde Fugen wurden vorsichtig mit dem Beitel abgetragen, mit neuem Mörtel ausgebessert und die Reste mit Essig abgewischt. "Rund 90 Prozent haben wir geschafft", sagte Voigt.

Regentage wurden genutzt, um Fenstersimse und Bleiglasfenster zu erneuern und dem wuchernden Efeu im Mauerwerk zu Leibe zu rücken ‒ "der zwar malerisch, aber auch gefährlich ist, da er irgendwann die Dachziegel abhebt und das Mauerwerk sprengt", erklärte Voigt.

Besucher auf der Baustelle fanden sich im Laufe der Woche zahlreich ein. Nicht nur Hiltrud Preuß von der Denkmalschutzbehörde und Pfarrer Joachim Boekels gehörten dazu, sondern auch Anwohner mit lobenden Worten.

Von Uwe Klemens

Märkische Allgemeine vom 10. November 2013

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