Notsicherung für Mauerecke

Lichterfelder Förderverein zur Kirchensanierung freut sich über eine Geldspende der Sparkasse

LICHTERFELDE - Da staunten selbst die Fachleute: Knapp einen Meter verschwand der Zollstock, den Wolfgang Voigt in Lichterfelde in den Riss an der Südwand der mittelalterlichen Feldsteinkirche steckte. Seit langem schon war das Abreißen der Südwest-Ecke mit dem bloßen Auge erkennbar. Wie weit der Schaden bereits fortgeschritten ist, überraschte den Bauingenieur, Restaurator und Holzschutzfachmann und Zimmerer-Meister Markus Schmelzer dann doch. Zwei Tage lang errichteten die beiden in der vergangenen Woche eine hölzerne Stützkonstruktion, um das weitere Abreißen der Ecke zu stoppen und begannen mit dem Verfüllen des bis zu 17 Zentimeter klaffenden Risses. "Mal sehen, was nun weiter passiert", zeigt sich Wolfgang Voigt gespannt.

"Die Notsicherung war notwendig als erster Schritt, bevor wir mit der Sanierung des Daches beginnen können", erläutert Andreas Lust, der sich als Vize des vor drei Jahren gegründeten Fördervereins "Sanierung Lichterfelder Dorfkirche" vor allem um die technischen Details kümmert. Das geplante Bau-Camp der Jugendbauhütte macht nur Sinn, wenn die Mauer wieder über ausreichend Stabilität verfügt. In zirka zwei Wochen werden die beiden Fachleute deshalb noch einmal nach Lichterfelde kommen und den Riss vollständig verschließen. Erst dann wird entschieden, ob das Camp noch in diesem Jahr stattfinden kann und welche Arbeiten die überaus willkommenen, 16- bis 26-jährigen Bauhelfer übernehmen können. Das letzte Wort haben dabei die Fachleute der Unteren Denkmalschutzbehörde. Schließlich ist die Kirche das älteste erhaltene Gotteshaus im Niederen Fläming, das Anfang des 13. Jahrhunderts als Wehrkirche errichtet wurde.

Wie alles auf Erden, so hat auch die Notsicherung ihren Preis. Umso erfreuter war man im 33 Mitglieder zählenden Förderverein über die Zusage der Sparkasse, sich mit 3000 Euro aus Mitteln des Lotteriesparens zu beteiligen. Im Juni fuhren Vereinsvorsitzender Frederik van der Kooi und Andreas Lust nach Potsdam, um dort das Geld in Empfang zu nehmen. Besonders über die unkomplizierte Umwidmung des ursprünglich fürs Dach geplante Geld freut sich van der Kooi. Einzige Auflage: Das Geld muss bis zum 30. September aufgebraucht sein. Knapp 7000 Euro sind für die Notsicherung insgesamt veranschlagt. Den Rest übernehmen die Kirchgemeinde, der Förderverein und die Einwohner des kleinen Ortes, die nicht nur das Baugerüst, sondern auch Balken, Bretter, Kies und Kalk unentgeltlich zur Verfügung stellen und die Versorgung der Bauleute übernehmen Feierabendbier und Leckeres vom Grill inklusive.

Dass das Abreißen der Ecke schon vor mehreren Generationen begonnen haben dürfte, davon ist Wolfgang Voigt überzeugt. Mühevoll musste er eimerweise ein zweifelhaftes Lehm-Kalk-Gemisch aus dem Riss kratzen. Verfüllt wird nun mit einem hydraulischen Mörtel, der keinen Zement enthalten darf.

Dass der Riss so weit in die Tiefe reicht, liegt an der Bauweise. Die Feldsteinmauern des äußerlich eher unscheinbaren Gotteshauses sind zweischalig und im Bereich der Südwestwand mehr als einen Meter breit. (Von Uwe Klemens)

Märkische Allgemeine vom 23. August 2012

   Zur Artikelübersicht