Die Dorfkirche Gnewikow (Landkreis Ostprignitz-Ruppin)

Dorfkirche Gnewikow 
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Auf seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg kam auch Theodor Fontane im Juli 1859 hierher. "Gnewikow, Karwe und Wustrau sind Rittergüter." schreibt er anlässlich eines Spaziergangs um den Ruppiner See.

Während er in Wustrau auf den Spuren des alten Zieten wandelt und in Karwe der Familie Knesebeck gedenkt, kommt Gnewikow nur am Rande vor. Immerhin fällt sein Urteil nicht unfreundlich aus: "Das erstere tritt aus dem Schilf- und Waldufer am deutlichsten hervor und ist mit seinem Kirchturm und seinen Bauernhäusern eine besondere Zierde des Sees." Die Kirche in Gnewikow hat Fontane denn auch in einer flüchtigen Bleistiftskizze festgehalten.

Irgendwie scheint das Gebäude auf dieser Zeichnung etwas hilf- und schutzlos zwischen den Bäumen zu stehen. Und ein ähnlicher Eindruck vermittelt sich auch dem Besucher von heute. Massive Bauprobleme sind auf den ersten Blick nicht auszumachen und doch weiß man sofort: Eine umfassende Sanierung wäre mal wieder dran.

Als der spätgotische Saalbau am Beginn des 16. Jahrhunderts entstand, war die Technik des exakten Feldsteinbaus bereits vergessen. Das Mischmauerwerk der Gnewikower Kirche besteht aus unregelmäßigem Feldsteinmaterial und reichlich Ziegelbruch. An den Resten des barocken Außenputzes ist zu erkennen, dass durch Ritzungen eine regelmäßige Steinquaderung vorgetäuscht wurde, die es so nie gab. Auch beim mehrmaligen Umdecken des Kirchdaches war Sparsamkeit angesagt. Zwischen verschiedenen anderen Dachsteinen blieben etliche der recht großen, zugespitzten Biberschwanzziegel erhalten, die vielleicht sogar noch aus der Bauzeit stammen.

Der Innenraum wirkt ebenso bescheiden, hat dabei aber durchaus etwas Anziehendes. Aus vorreformatorischer Zeit haben sich neben der Sakramentsnische in der Nordwand des Chorraumes auch Reste der ursprünglichen ornamentalen Wandmalerei erhalten. Der zweigeschossige Altaraufbau aus dem 17. Jahrhundert zeigt Ölgemälde des Abendmahls und der Kreuzigung. Links davon steht die Kanzel mit Brüstungsbildern von Christus und den Evangelisten. Einige in der Kirche verbliebene Holzpfeifen lassen ahnen, dass auf der Westempore einst eine Orgel stand. Wann sie verschwunden ist, weiß im Dorf keiner mehr zu sagen.

Nachdem in Gnewikow lange Zeit keine Gottesdienste mehr gefeiert wurden, gibt es nun wieder etwas Hoffnung für die Kirche. Ein Förderverein hat erste Konzerte veranstaltet und hält die Kirche an den Sommerwochenenden für Touristen geöffnet. Auch Pfarrerin Rose Möllhoff-Mylius aus Wustrau, seit etwa einem Jahr für Gnewikow zuständig, möchte das Schattendasein des Gotteshauses beenden.

Der Förderkreis Alte Kirchen konnte jetzt einen Bauingenieur vermitteln, der für sein Zusatzstudium der Bauwerkserhaltung ein Thema für die Masterarbeit suchte. Hagen Schmaler war von der Gnewikower Kirche sofort begeistert. Er wird kostenfrei eine umfassende Schadensanalyse und ein Sanierungskonzept erarbeiten. Danach wird es möglich sein, Einzelschritte für eine langfristige Sanierung festzulegen, damit die Gnewikower Kirche wieder zu einer "Zierde des [Ruppiner] Sees" wird.


Zum Weiterlesen:
Märkische Allgemeine vom 22. August 2007: Zwei Kirchen sind zu viel
Mitteilungsblatt Dezember 2007: Eigeninitiative und Selbstvertrauen oder Hoffnung auf einen Mäzen?
Märkische Allgemeine vom 26. Mai 2008: Gnewikows Kirche ist viel älter
Märkische Allgemeine vom 25. Juli 2009: Gnewikower wollen ihre marode Kirche retten
Märkische Allgemeine vom 14. September 2009: Gnewikower Förderverein will noch in diesem Jahr mit Rettungsmaßnahmen an der Kirche beginnen
Märkische Allgemeine vom 03. November 2009: Der Sockel der Gnewikower Dorfkirche muss dringend repariert werden
Märkische Allgemeine vom 18. Mai 2011: Mehr ins Licht der Öffentlichkeit
Märkische Allgemeine vom 01. August 2011: Fest für ein Sorgenkind
Märkische Allgemeine vom 22. März 2016: Gnewikow: Tauziehen um Kirchensanierung

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