DORFLEBEN: Vom Gottes- zum Gemeindehaus

Gnewikower wollen ihre marode Kirche retten

GNEWIKOW - Rieben könnte die Lösung sein. Pfarrerin Rose Möllhoff-Mylius aus Wustrau ist ganz angetan von dem, was die Riebener mit ihrer Dorfkirche angestellt haben. In dem kleinen Dorf bei Beelitz (Potsdam-Mittelmark) wird die Kirche gerade aufwändig saniert und umgebaut. Mit Fördermitteln aus dem Topf für die integrierte ländliche Entwicklung. Auch für kleine Kirchen in ihren Gemeinden könnte das vielleicht eine Lösung sein, glaubt Rose Möllhoff-Mylius: "Für Gnewikow könnte ich mir das gut vorstellen."

Die Dorfkirche von Gnewikow ist eines der besonderen Sorgenkinder in ihrem Zuständigkeitsbereich. Eine Dorfkirche, die die Kirchengemeinde eigentlich nicht mehr braucht. Das hatte der Gemeindekirchenrat schon vor Jahren eingeräumt. Noch dazu ist es eine Kirche, die dringend saniert werden müsste.

Zur Kirchengemeinde gehören die beiden Orte Gnewikow und Karwe. In Karwe steht eine Kirche, die in gutem Zustand ist, und für die Belange der evangelischen Gemeinde völlig ausreicht.

Vor einigen Jahren hatte der Gemeindekirchenrat sogar überlegt, das Gotteshaus ans Jugenddorf zu verkaufen. Doch das Geschäft kam nicht zustande. Was also tun mit der Kirche?

Auf jeden Fall retten. Das steht für Sieglinde Siebmann fest. Sie ist Vorsitzende des Fördervereins, der sich zusammen mit der evangelischen Gemeinde um die Rettung des Gebäudes bemüht. Gemeinsam haben sie gerade dafür gesorgt, dass die Aufhängung der Glocke repariert wird. Ein Fachmann hatte Ende 2008 festgestellt, dass die Glocken in Nietwerder und in Gnewikow in so schlechtem Zustand sind, dass sie sofort stillgelegt werden müssen. Ein paar Monate hat es gedauert, das Geld zusammenzubekommen, aber jetzt sind beide Glocken repariert. Zu hören ist die von Gnewikow trotzdem kaum. Sie wird noch von Hand geläutet und das geschieht nur zu den seltenen kirchlichen Veranstaltungen.

Der Förderverein sammelt Geld für eine elektronische Läuteanlage, die die Glocke automatisch schlagen lässt. "Die Leute im Dorf wünschen sich das", sagt Vereinschefin Sieglinde Siebmann. 3200 Euro kostet die Anlage.

Das Läuten allein wird die Kirche allerdings nicht retten. Das Modell aus Rieben könnte genau recht kommen: Dort wird die Dorfkirche von der christlichen Gemeinde nicht aufgegeben, sondern aufgeteilt. Ein Bereich der Kirche bleibt weiterhin für Andachten, Gottesdienste und religiöse Feste reserviert. Zwei Drittel des Gebäudes werden zu einem Gemeindehaus für Vereine, die Feuerwehr und den Ortsbeirat umgebaut. Dafür entstehen Toiletten und ein behindertengerechter Zugang. Rund 400 000 Euro soll der Umbau in Rieben kosten, knapp 300 000 Euro sind Fördermittel. Sieglinde Siebmann will sich das Modell genauer ansehen, vielleicht wäre es ja tatsächlich die Lösung für Gnewikow: "Wir wollen unbedingt die Mitte des Dorfes erhalten."

Der Förderverein lädt für den morgigen Sonntag von 14 bis 16 Uhr zum Sommernachmittag an der Kirche ein. Dirk Thierauf trägt dazu Gedichte vor, Dietmar Bogatzki spielt Klavier. (Von Reyk Grunow)

Märkische Allgemeine vom 25. Juli 2009

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