Fest für ein Sorgenkind

KIRCHE: Gnewikower sammeln und bangen

GNEWIKOW - Mit oder ohne Talar? Für die Pfarrerin Ute Feuerstack ist das keine Frage. Natürlich hat sie ihre Amtskleidung für die Andacht in der Gnewikower Kirche angezogen. Nur bei Gottesdiensten ist sie dazu wirklich verpflichtet. "Aber hier kommt so selten jemand im Talar vorbei."

Im kleinen Gotteshaus in der Dorfmitte finden kaum noch Gottesdienste statt. Gestern aber sangen die Gnewikower fröhliche Loblieder in ihrem Kirchlein. Der Förderverein der Dorfkirche hatte das sommerliche Miteinander organisiert samt üppigem Grillbüfett und einem Konzert mit der Stöffiner Sängerin Gabriele Becker-Paul.

Seit 1998 setzt sich der Verein für den Erhalt der Kirche ein. Der wichtigste Schritt auf dem Weg zur Sanierung wurde 2009 mit der Trockenlegung der Fundamente getan. Das war die Erste-Hilfe-Maßnahme für die Kirchenmauern, die ständig feucht waren.

Damit von außen nicht neue Nässe eindringt, muss jetzt um die Kirche noch eine Art kleiner Wall angelegt werden. Der abgesenkte Rasenbereich hatte bisher nämlich eher das Gegenteil bewirkt. Das Regenwasser sammelte sich an den Kirchenmauern. Wann die Grünanlage an der Kirche erneuert sein wird, kann Ute Feuerstack nicht sicher sagen. "Es gab einige Unstimmigkeiten zwischen der Firma und den Architekten." Auch die Gesamtkirchengemeinde Protzen-Wustrau-Radensleben selbst, zu der Gnewikow gehört, ist mit den bisherigen Arbeiten noch nicht zufrieden.

Ein nächstes Problem ist bereits da: "Ein Anwohner hat beobachtet, dass sich der ganze Glockenturm bewegt, wenn wir läuten", erzählt Sieglinde Siebmann, die Vorsitzende des Fördervereins. Die Kirchengemeinde hat bereits einen Glockensachverständigen bestellt. Der wird sich demnächst auch den Turm in Lichtenberg ansehen.

Beide Dorfkirchen haben ähnliche Probleme, sagt Ute Feuerstack: "Das Podest vor dem Altar muss erneuert werden, die Fenster sind kaputt. In Gnewikow wurden sie offenbar auch schon mutwillig eingeworfen." Auch die Sakristei ist gesperrt.

Mit seinen nächsten Aktionen will sich der Förderverein aber vor allem auf das Dach konzentrieren. "Neulich haben wir gesehen, dass man da durchgucken kann zum freien Himmel", sagt Sieglinde Siebmann. Um Geld für die Sanierungsarbeiten zu sammeln, plant sie für das Wiesenfest am 27. August eine große Versteigerung. Alles, was andere noch gebrauchen können, ist gewünscht zum Beispiel Fahrräder. In der Neuruppiner Stadtverwaltung versteigert Sieglinde Siebmann regelmäßig Fundstücke. "Da sind alte Fahrräder immer der Renner."

Über die Arbeit des Vereins kann man sich im Internet unter www.dorfkirche-gnewikow.de informieren. (Von Juliane Felsch)

Märkische Allgemeine vom 01. August 2011

   Zur Artikelübersicht