Zwei Kirchen sind zu viel

Gnewikows Kirche ist überflüssig / Gemeindekirchenrat sucht einen Retter

REYK GRUNOW

GNEWIKOW Horst Rohde sagt es nicht gern, aber als Baubeauftragter der evangelischen Kirche Karwe/Gnewikow muss er den Tatsachen ins Auge sehen: "Wenn man ehrlich ist, brauchen wir die Kirche in Gnewikow nicht mehr." Das kleine Haus aus dem 15. Jahrhundert ist für die Kirchengemeinde eher eine Last, als eine Freude. Sie ist so überflüssig, dass der Gemeindekirchenrat jetzt sogar darüber nachdenkt, die Gnewikower Kirche ganz abzugeben und sie entwidmen zu lassen.

Schon vor Jahren haben sich die evangelischen Christen aus Gnewikow und Karwe zu einer Gemeinde zusammengeschlossen. In Gnewikow gibt es ohnehin kaum noch Kirchenmitgleider, die meisten wohnen im Nachbardorf. Dort, wo in den vergangenen Jahren viel Geld in die Sanierung des Gotteshauses gesteckt wurde. "Wir haben eine Kirche in Karwe und die reicht für uns aus", sagt Horst Rohde, der selbst im Gnewikower Ortsteil Seehof wohnt.

Einfach aufgeben will die Kirchengemeinde das denkmalgeschützte Haus Gnewikow aber auch wieder nicht. "Es wäre schön, wenn sich ein Mäzen findet", sagt Rohde. Das Haus mitten im Dorf wäre für Kulturveranstaltungen ideal, oder auch als idyllisch eingerichteten Ort für Hochzeiten. Und ein oder zwei Gottesdienste im Jahr wären wohl auch möglich.

Vorausgesetzt, irgendjemand bringt das Geld auf, die Kirche zu sanieren. "Sie ist in schlechtem Zustand", sagt Rohde. "Ich kann mich nicht erinnern, dass dort jemals etwas repariert wurde, von einigen Sturmschäden abgesehen", sagt Bauexperte Rohde.

Der Ingenieur Hagen Schmaler hatte im vergangenen Jahr für die Abschlussarbeit seines Aufbaustudiums in Bauerhaltung jeden Winkel des Kircheleins untersucht. Er kommt immerhin zu dem Schluss, dass die Gnewikower Kirche nicht akut bedroht ist. An einigen Stellen ist es feucht, aber es gibt keinen Schwammbefall. Einige Balkenköpfe und andere Dinge müssen aber dringend erneuert werden.

Die Kirchengemeinde hatte bei der Rettung des Gemäuers auf die Hilfe des benachbarten Jugenddorfes gehofft. Der frühere Betreiber Karl Sommer hatte dem Gemeindekirchenrat Unterstützung versprochen. Doch Sommer hat dort nichts mehr zu sagen; die jetzigen Betreiber sollen vor allem versuchen, das angeschlagene Jugenddorf selbst zu retten. "Die haben im Moment ganz andere Sorgen als unsere Kirche", sagt Rohde ein wenig ernüchtert.

Mit einem Rundschreiben will sich der Gemeindekirchenrat jetzt an alle Gnewikower wenden, Christen oder nicht. Er will herausfinden, wer überhaupt Interesse hat, die Kirche zu erhalten und ob es dafür Ideen gibt. Zusammen mit dem Förderverein, der sich seit längerem um das Gebäude kümmert, soll dann entschieden werden, was aus dem Gemäuer wird.

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Märkische Allgemeine vom 22. August 2007

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