Was uns bewegt - der Vorstand berichtet

Zehn Jahre Spendenaktion "Vergessene Kunstwerke"

In der Adventszeit des Jahres 2009 baten wir unter dem Motto "Menschen helfen Engeln" erstmals in einer großangelegten Aktion um Spenden für gefährdete Kunstwerke in brandenburgischen Kirchen. Gemeinsam mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und dem Kirchlichen Bauamt der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz starteten wir eine Spendenaktion, um beschädigte, zum Teil auf Kirchenböden oder in Abstellräumen vergessene Taufengel restaurieren und ihrer ursprünglichen Funktion zuführen zu können. Der Erfolg unseres Aufrufes übertraf die kühnsten Erwartungen: Bis heute kamen fast 80.000 Euro für bedürftige Himmelsboten zusammen. Durch Spendensammlungen in den betroffenen Gemeinden und anderweitig eingeworbene Fördergelder war es möglich, insgesamt 25 Taufengel zu konservieren und zu restaurieren. In mehreren Fällen übernahmen großzügige Spender die Patenschaft für einen Engel.

Der Erfolg des Spendenaufrufs verpflichtete uns weiterzumachen. Nach drei Jahren "Menschen helfen Engeln" baten wir - erstmals unter dem Motto "Vergessene Kunstwerke brauchen Hilfe" - um Zuwendungen für die Rettung des Renaissance-Altars in der Dorfkirche Laubst (SPN). Es folgte ein Hilferuf für die barocke Ausstattung der Feldsteinkirche im uckermärkischen Dedelow. Äußerst erfolgreich verlief ab 2014 die Spendensammlung für Schnitzfiguren vom Prospekt einer Orgel, die der berühmte Instrumentenbauer Hans Scherer d.Ä. 1573 für die Bernauer Marienkirche geschaffen hatte. Heute sind die wertvollen Skulpturen in einem extra geschaffenen Rahmen neben der jetzigen Orgel zu besichtigen und vermitteln einen Eindruck von der Pracht der leider nicht mehr existierenden Renaissance-Orgel. In den Folgejahren rückten der Altar in der Stadtkirche Ruhland (OSL) und ein Epitaphgemälde für die 1567 verstorbene Patronatsherrin Anna von Thümen, geborene von Schlabrendorff aus der Dorfkirche Blankensee (TF) in unser Interesse. Das dank reichlichem Spendenfluss restaurierte Epitaphbild aus Blankensee konnte 2017 in der großen Reformationsausstellung des Potsdamer Hauses für Brandenburgisch-Preußische Geschichte von zahlreichen Besuchern bewundert werden.

Auf außerordentliche Resonanz traf unsere letztjährige Spendenaktion, die den barocken Malereien in der zuvor sorgfältig restaurierten Dorfkirche Kunow (UM) galt. Die 61 hochformatigen Ölgemälde am Gestühl des Gotteshauses mit ihren allegorischen und teils verschlüsselten Motiven, bei denen ein Herz symbolisch für den gläubigen Menschen steht, wirken heute vielleicht auf den ersten Blick befremdlich, überzeugen dann jedoch durch ihre Lebendigkeit, ihre Glaubenskraft und zum großen Teil durch eine gehörige Portion Humor und Selbstironie. Mehr als 23.000 Euro für den Kunower Bildzyklus kamen bisher zusammen. Die ersten Bilder sind bereits restauriert und überraschen durch ihre zum Vorschein gekommene Frische und Farbigkeit.

Den Förderkreis Alte Kirchen erreichen regelmäßig Bitten von Kirchengemeinden und Fördervereinen um Fördergelder für die Restaurierung wertvollen Inventars. Wenn der Vorstand des FAK über vorliegende Anträge berät, haben oft dringlichere Probleme Vorrang. Die Reparatur eines kaputten Kirchendaches oder die Trockenlegung einer von Feuchtigkeitsschäden betroffenen Kirche haben dann Vorrang vor der Instandsetzung einer Orgel oder der Restaurierung eines Altarbildes. Derartige Abwägungen fallen uns in den Diskussionen um Prioritäten unserer Förderprojekte nicht leicht. Bei vielen anderen potentiellen Fördermittelgebern ist die Unterstützung für Ausstattungsgegenstände in den entsprechenden Richtlinien gar nicht erst vorgesehen. Deshalb möchten wir unsere Spendenaktion "Vergessene Kunstwerke" fortsetzen. Außer der Hilfe für das jeweilige Projekt - in diesem Jahr die Ausstattung der Dorfkirche Barenthin (PR) - hoffen wir darauf, das allgemeine Interesse an der Bewahrung sakraler Ausstattungsstücke zu stärken.

Es ist erstaunlich, welch ungeheurer Schatz an Kunstwerken in unseren Kirchen über Jahrhunderte hinweg erhalten blieb. Hinter den manchmal unscheinbaren Mauern der märkischen Gotteshäuser finden sich zahllose liturgische Zeugen vergangener Jahrhunderte - vom Mittelalter bis in die neuere Zeit - die nicht nur für den Kunsthistoriker interessant sind. Die Kunstwerke erzählen Geschichten, die ohne sie vergessen würden. Sie zeugen von der Frömmigkeit zur Zeit ihrer Entstehung, von der Geschichte des Dorfes oder der Stadt, vom Repräsentationsbedürfnis adliger Patronatsherren und von der Jahrhunderte währenden Sorgfalt ihrer Bewahrung.

Erst im vergangenen 20. Jahrhundert begann das Erinnern an die ursprüngliche liturgische Funktion manches Ausstattungsstückes zu schwinden. Es wurde als bloßes Kunstwerk, oder im entgegen gesetzten Sinne als überflüssiger und funktionsloser Kitsch angesehen. Es wäre schön, wenn durch die Aktion "Vergessene Kunstwerke" nicht nur Restaurierungen stattfinden, sondern auch der ursprüngliche Funktionswert wieder sichtbar gemacht werden könnte.

Ein besonderer Stellenwert kommt in diesem Zusammenhang der Inventarisierung des kirchlichen Kunstgutes zu, die gegenwärtig in unserer Landeskirche läuft. Viele Gemeinden sind sich bis heute nicht bewusst, welche (nicht nur materiellen!) Werte in ihren Kirchenräumen schlummern. Mehrfach hatten wir Gelegenheit dabei zu sein, wenn ein restaurierter Taufengel, der Jahrzehnte lang ein kümmerliches vergessenes Dasein in einem Nebenraum der Kirche fristete, wieder seiner ursprünglichen Funktion zugeführt wurde und zur Taufe eines Kindes von der Decke herabschwebte. Jedes Mal war dies eine schöne Bestätigung unserer wichtigen Arbeit. Ihnen, unseren Mitgliedern und Spendern, danken wir für die Unterstützung in nunmehr zehn Jahren Spendenaktion "Vergessene Kunstwerke" und bitten Sie herzlich: Bleiben Sie uns auch weiterhin gewogen!

Bernd Janowski

 
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Die Farbschichten lösen sich ab und am Holz nagen die Würmer

 
IN AKUTER NOT

Heute erbitten wir
Ihre Spende für die
Kunstwerke der

Dorfkirche Barenthin

(Landkreis Prignitz)
 

Zum mittlerweile zehnten Male ruft der Förderkreis Alte Kirchen - gemeinsam mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und der evangelischen Landeskirche - im Rahmen seiner alljährlichen Spendenaktion "Vergessene Kunstwerke" zur Hilfe für bemerkenswerte Kunstwerke auf. Während es trotz zunehmender Schwierigkeiten bei der Einwerbung von Fördergeldern immer noch möglich ist, Kirchengebäude zu sanieren und instand zu setzen, bereitet die Konservierung und Restaurierung von Ausstattungsgegenständen weitaus größere Probleme. In den allermeisten Denkmalschutz-Förderprogrammen wird die Ausstattung der Sakralbauten nicht berücksichtigt. Dabei befindet sich der größte Teil der Kunstwerke vergangener Jahrhunderte noch immer in den zahlreichen Dorf- und Stadtkirchen und wird zum überwiegenden Teil bis heute liturgisch genutzt.

Unsere diesjährige Spendenaktion ist den Malereien in der Dorfkirche Barenthin, südwestlich von Kyritz, gewidmet. Die Barenthiner Kirche ist ein stattlicher Feldsteinbau mit vorgelagertem massivem Westturm aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts. Der Ostgiebel sowie die Seitengiebel des Turmaufsatzes sind mit schön gearbeiteten Backsteinblenden verziert. In diesem Jahr konnte die Sanierung der Kirchendaches und des noch aus der Bauzeit stammenden Dachstuhles abgeschlossen werden. Für die dringend notwendige Restaurierung der Ausstattung kann die Kirchengemeinde allein die notwendigen Mittel nicht aufbringen.

Der flachgedeckte Innenraum vermittelt in seiner Gesamtheit zunächst einen eher schlichten Eindruck. Ursprünglich bildeten Altar, Kanzel und Orgel auf der Ostseite eine Einheit. Bei einer Umgestaltung des Innenraumes 1983 wurde die Rokoko-Kanzel an die Westwand versetzt. Die ursprünglich 1844 von Albert Hollenbach aus Neuruppin geschaffene Orgel wurde durch die Eberswalder Firma Kienscherf umgebaut und als Brüstungsorgel auf die Empore gesetzt. Ebendiese Empore auf der Nord- und Ostseite der Kirche zeigt in ihren Brüstungsfeldern bemerkenswerte barocke Malereien aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts. Die bereits erwähnten baulichen Veränderungen - so wurde auch die Westempore entfernt - hatten zur Folge, dass fünf der insgesamt sechzehn Gemälde heute an anderer Stelle platziert sind: drei im Format beschnittene Felder hängen separat in einem Rahmen zusammengefasst, zwei Szenen befinden sich neben der Orgel.

Dargestellt sind in dem Gemäldezyklus Szenen aus dem Leben Christi: Beginnend mit einer Verkündigungsdarstellung über die Anbetung durch die Hirten bis zur Leidensgeschichte mit Kreuzigung und schließlich der Himmelfahrt.

Auf dem Gemälde der "Auferstehung" hat der Maler seine Signatur hinterlassen: "C. L. Schlichting, Mahlr, Anno 1716". Es handelt sich um Christian Ludwig Schlichting, Maler aus Havelberg. Er ist durch einige weitere signierte Arbeiten in Prignitzer Kirchen bekannt: Burghagen, Dorf-Zechlin, Dreetz und Wernikow. Dem "Maler vom Dohm", wie er in dem Trauregister des Havelberger Doms genannt wird, sind mit seinem charakteristischen, handwerklich-naiven Stil mit großer Wahrscheinlichkeit noch weitere Arbeiten zuzuordnen.

Die Kanzel dürfte einige Zeit nach der Emporenmalerei, aber noch im 18. Jahrhundert, entstanden sein. Das reiche Schnitzwerk ist in den typischen unregelmäßigen Formen des Rokoko ausgeführt. In den beiden Füllungsfeldern des Kanzelkorbes befinden sich die gemalten Darstellungen von Christus, der in seiner Hand das Evangelium hält, und von Moses mit den Gesetzestafeln.

Ursprünglich befand sich die Kanzel im Osten der Kirche an der Wand rechts neben dem Altar. Heute mutet ihr Standort in der Mitte der Westwand etwas befremdlich an. Zahlreiche Schäden, Abbrüche und Verluste von Schnitzwerk sowie eine sehr grob ausgeführte Übermalung beeinträchtigen das bemerkenswerte Kunstwerk erheblich.

Als vordringlichste Aufgabe gilt es, sowohl bei den Gemälden als auch bei der Kanzel, die akut gefährdete Substanz, das vom Wurm zerfressene Holz und die sich ablösenden Farbschichten zu sichern.

Bernd Janowski

Mit Ihrer Spende können Sie dazu beitragen, ein wertvolles Beispiel barocker Kunst und Frömmigkeit zu erhalten!

Spendenkonto: Förderkreis Alte Kirchen; IBAN DE94 5206 0410 0003 9113 90; BIC GENODEF1EK1 (Ev. Bank); Kennwort: Barenthin

 
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"Das war für uns alle ein ergreifender Augenblick"

Wie Mitglieder des Fördervereins Gollwitzer Dorfkirche den Neuguss ihrer Glocken erlebten

WÄHREND des Glockengusses    Foto:W. Fräßdorf

Dass wir das noch erleben konnten - unsere kleine Dorfkirche in Gollwitz (Rosenau) erhielt zwei neue Glocken! Die alte Stahlglocke hatte im Laufe ihres langen Lebens Haarrisse bekommen und durfte in den letzten Jahren nur noch ganz selten zu besonderen Anlässen angeschlagen werden.

Lange hat unser Förderverein daraufhin gearbeitet, nun war es endlich soweit. Die Passauer Glockengießerei Perner hatte den Auftrag erhalten, zwei neue Bronzeglocken für unser Gotteshaus zu gießen. "Das müssen wir miterleben. So ein einmaliges Ereignis dürfen wir uns nicht entgehen lassen", so dachten viele Freunde und Mitglieder unseres Vereins und organisierten die Reise nach Passau. Unterstützung fanden wir beim Sportverein Blau-Weiß Wusterwitz und bei unserer hiesigen Agrargenossenschaft.

Mit großer Neugier betraten wir am 20. September die Werkhalle der Firma Perner. Hier herrschte ein reges Treiben und der Geruch von geschmolzenem Metall hing in der Luft. Die Vorbereitungen für den Glockenguss liefen bereits auf Hochtouren. Die Bronze im Schmelzofen mit den Zusätzen aus Kupfer und Zinn muss eine Temperatur von 1.100°C erreichen. Kurz vor dem Guss wurde das geschäftige Treiben plötzlich unterbrochen. Es wurde still und der Gießmeister sprach das Vaterunser. Diesen Moment werden wir alle als einen sehr bewegenden und ergreifenden Augenblick in unserer Erinnerung behalten.

Dann senkte sich der Schmelzofen und das flüssige Schmelzgut floss in die Form, die fest in eine Grube eingelassen war. Zu diesem Zeitpunkt muss absolute Ruhe herrschen, denn schon die kleinsten Erschütterungen können den Guss gefährden. Ungefähr eine Woche brauchten die Glocken zum Aushärten, bevor sie dann per Lastwagen zur Dorfkirche von Gollwitz transportiert wurden.

Für beide Glocken und die elektronische Läutetechnik mussten 30.000 Euro aufgebracht werden. Das war nur möglich durch die großzügige Unterstützung der Mittelbrandenburgischen Sparkasse und durch die Lottomittel des Landes Brandenburg, die insgesamt 22.000 Euro dazu gaben. Die restlichen 8.000 Euro sammelten wir bei unseren Konzerten und bei zahllosen anderen Aktionen, die wir zum Erhalt unserer Kirche durchführten.

Ursula Hausmann,
Förderverein Gollwitzer Dorfkirche

Gollwitzer begrüßten ihre neuen Glocken

Die Bronzeglocken der Gollwitzer Dorfkirche wurden im Ersten Weltkrieg wie zahllose andere für Kriegszwecke eingeschmolzen. Eine Eisenglocke diente als Ersatz. Diese durfte zuletzt wegen 'Altersschwäche' nicht mehr geläutet werden. Im vorigen Jahr wurde das Äußere der Kirche saniert und der Turm für die Aufnahme neuer Glocken vorbereitet.

Am 28.10.2018 fand ein Gottesdienst zur Begrüßung der beiden neuen Bronzeglocken statt. Zahlreiche Besucher wollten die kürzlich in Passau gegossenen Glocken auf dem geschmückten Wagen sehen und berühren. Pressefotografen dirigierten die Mitglieder des Fördervereins auf und vor den Wagen. Das Festzelt war brechend voll. Jagdhorn-Fanfaren eröffneten den Gottesdienst.

Pfarrer Zschömitzsch erinnerte daran, dass glockenartige Zimbeln schon im Tempelkult des alten Israel eingesetzt wurden. Kirchenglocken seien jedoch erst vor tausend Jahren im christlichen Abendland entstanden. Schiller und Goethe haben der Glocke bekannte Dichtungen gewidmet. Der Pfarrer nahm die neuen Glocken in die Pflicht, Gott zu loben, die Gemeinde zum Gebet sowie zu Taufen, Trauungen und Beerdigungen zu rufen und alle Bewohner des Dorfes durch den Stundenschlag zu mahnen, verantwortlich mit der geschenkten Zeit umzugehen. Weihnachten sollen die neuen Glocken erstmalig erklingen.

Text und Foto: Hans Tödtmann

 
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Wo ist unser Geld geblieben? - Außenhülle der Dorfkirche Wulfersdorf konnte auch mit FAK-Hilfe umfassend saniert werden

Schriftsteller Günter de Bruyn freute sich mit

Die kleine Feldsteinkirche Wulfersdorf bemerkt man zunächst nicht, obwohl sie dicht an der Straße nach Beeskow auf einem Hügel liegt - Bäume und Sträucher verdecken die Sicht.

Die Ursprünge der Kirche gehen bis ins Mittelalter zurück, nach dem Dreißigjährigen Krieg begann im Jahr 1670 unter dem Patronat der Familie von Maltitz ein grundlegender Umbau. Das rechteckige Kirchenschiff schließt ein auf dem Westgiebel aufsitzender verbretterter Turm ab, bekrönt mit Turmspitze, Kugel und Wetterfahne.

Den Innenraum prägen viele barocke Elemente: ein hölzerner Kanzelaltar mit Schalldeckel, ein Taufständer aus Holz und eine dreiseitige Westempore mit einer Orgel (diese von 1925), besonders aber prächtige ornamentale Ausmalungen, die sowohl die Deckenbalken als auch Emporen und Gestühlswangen zieren.

Auffallend sind die nicht mehr so häufig in Dorfkirchen anzutreffenden sogenannten Totenkronenbretter, von denen in Wulfersdorf eine stattliche Anzahl erhalten geblieben ist. Totenkronen wurden zur Erinnerung an jung (unverheiratet) Verstorbene, meist Kinder, im Kircheninneren angebracht, waren im 19. Jahrhundert verpönt und wurden vielerorts entfernt.

 
WÄHREND DER ANDACHT im August (o.). Frau Werner (ganz links), Günter de Bruyn und Pfarrer Folgner-Buchheister (u.) beim Befüllen des Turmknopfs
 

Die Wulfersdorfer Kirche bedurfte einer gründlichen Sanierung. Das Dach war undicht, es regnete hinein und große Milchkannen zum Auffangen des Wassers waren keine Dauerlösung. Als schließlich die Dachdecker mit der Neueindeckung beginnen wollten, stellte sich heraus, dass auch viele Holzbalken des Dachstuhls der Erneuerung bedurften.

Der örtliche Förderverein unter Leitung von Frau Werner hat über Jahre eifrig Geld für die Sanierung gesammelt, Unterstützung fand er dabei auch vom FAK und der Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen.

Unserem 2013 verstorbenen Vorstandsmitglied Pfarrer Günter Schöne aus dem Nachbarort Ahrensdorf lag diese Kirche sehr am Herzen, der FAK hat mehrmals finanzielle Zuwendungen zur Sanierung beigesteuert. Deshalb sei an dieser Stelle auch an sein persönliches Engagement erinnert.

Die veranschlagten Gesamtkosten in Höhe von 352.000 Euro konnten schließlich durch Mittel aus dem Bundes-Förderprogramm ILE (Integrierte Ländliche Entwicklung), durch Landeskirche, Kirchenkreis und Kirchengemeinde aufgebracht werden.

Inzwischen sind die Dacharbeiten beendet, der Turm ist neu verschalt, außen erhielt die Kirche einen Glattputz und einen freundlichen Anstrich. Die Gemeinde hat sogar die alten Stahlglocken durch neue Bronzeglocken ersetzen können.

Bei schönstem Sonnenschein konnten am 29. August etwa 30 Teilnehmer mit Pfarrer Folgner-Buchheister in großer Dankbarkeit für das Erreichte vor der Kirche eine Andacht feiern. Anlass bot die Befüllung der neuen Turmkugel mit Münzen, Tageszeitung und weiteren Zeitdokumenten, außerdem wurden nun um 18 Uhr die neuen Glocken zum ersten Mal geläutet. Mit dem elektrischen Geläut soll dies dreimal am Tage geschehen.

Zu der Feier hatten sich viele Wulfersdorfer eingefunden, auch der im Nachbardorf lebende zweiundneunzigjährige Schriftsteller Günter de Bruyn ließ es sich nicht nehmen, dem Ereignis beizuwohnen (siehe unser Foto ganz unten).

Ausdrücklich bedankte sich Pfarrer Folgner-Buchheister im Namen der Gemeinde für die Unterstützung durch den Förderkreis Alte Kirchen.

Bis zum Jahresende werden alle Arbeiten an der Außenhülle der Kirche abgeschlossen sein. Die Sanierung des Innenraumes muss in einem zweiten Bauabschnitt erfolgen. Dazu reicht das Geld im Augenblick nicht. Kirchengemeinde und Förderverein werden dank der gewonnenen Erfahrungen auch diese Aufgabe bewältigen.

Text und Fotos: Uwe Donath

 
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Auch Bildungsarbeit gehört zum Programm

Verdiente Auszeichnung für den Niederlausitzer Schwesterverein mit dem Denkmalpflegepreis

ANNEGRET GEHRMANN (2.v.r.) und Mitstreiter beim Empfang des Preises

Der Förderkreis Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz (FAK-NL) ist im September von Kulturministerin Martina Münch mit dem Denkmalpflegepreis des Landes Brandenburg ausgezeichnet worden. In seiner Laudatio sagte Landeskonservator Thomas Drachenberg: "Seit fast zwanzig Jahren setzt sich der Verein für den Erhalt der Dorfkirchen ein. Die Herangehensweise, bei der Menschen und Interessengruppen vernetzt werden, führt zum gemeinsamen Ziel."

Gegründet wurde der Verein im Juni 2002. Initiatorin war Annegret Gehrmann, Pfarrfrau und studierte Stadtplanerin; bis heute ist sie nicht nur Vorsitzende, sondern auch nie ruhender Motor des erfolgreichen Förderkreises.

Zahlreiche Kirchenbauten in der Region um Luckau wiesen gravierende Bauschäden auf, mit deren Behebung die kleiner werdenden Gemeinden zum Teil überfordert waren. Hier wollte der Förderkreis Alte Kirchen ansetzen und Hilfe bei Bauplanung, Fördermitteleinwerbung und Spendensammlung, Antragstellung und Baubegleitung leisten. Erste Objekte seiner Tätigkeit waren die spätromanische Feldsteinkirche in Riedebeck und die Kirche in Bornsdorf mit ihrer bemerkenswerten und geschlossenen barocken Ausstattung. Neben den persönlichen Mitgliedern setzte der Förderkreis von Beginn an auf die Mitgliedschaft der Kirchen. Vertreter von zwölf Kirchengebäuden gehörten zu den Gründungsmitgliedern, während in etlichen Orten noch skeptisch abgewartet wurde. Gegenwärtig sind 35 Gemeinden mit insgesamt 54 Kirchenbauten Mitglied, was auch zu einer Vernetzung der Aktivitäten in der Region beiträgt. So gibt es jedes Jahr ein gemeinsames Veranstaltungsprogramm unter dem Titel "Musik und mehr in Kirchen der Luckauer Niederlausitz", das die wachsende Anzahl von Kulturveranstaltungen in den Gotteshäusern der Gründungs-Region koordiniert. Recht schnell erweiterte sich die Arbeit des Förderkreises über die Sanierungs- und Restaurierungstätigkeiten hinaus. Annegret Gehrmann legte Wert darauf, dass die instandgesetzten Kirchen auch weiterhin genutzt werden - natürlich für Gottesdienste und kirchliche Veranstaltungen, darüber hinaus jedoch auch für kulturelle und soziale Zwecke. Um dies zu erreichen und den Menschen vor Ort den Wert ihres sakralen und kulturellen Erbes zu vermitteln, ist Bildungsarbeit nötig, um den sich ausbreitenden religiösen Analphabetismus aufzuhalten und wenn möglich zu beseitigen. Vorträge und Tagungen zu historischen, kunsthistorischen, religiösen und baupraktischen Fragen fanden und finden statt, Publikationen wurden herausgegeben. Zum zweiten Mal bietet der Verein, gemeinsam mit dem Kirchenkreis, derzeit einen Ausbildungskurs für Kirchenführer an, an dem sich immerhin 23 Menschen beteiligen. Kirchenradtouren wurden erarbeitet und regelmäßige Exkursionen organisiert. In der Region und speziell im Kirchenkreis ist die abwartende Beobachtung der Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz inzwischen einer wohlwollenden Akzeptanz gewichen. Bis heute konnte der Verein etwa 330.000 Euro an Spenden und Fördergeldern für konkrete Projekte direkt ausreichen; weit größer ist die Summer der Gelder, die von öffentlichen Förderstellen direkt an die Gemeinden vermittelt werden konnten.

Nach ihren Wünschen für die Zukunft befragt, äußert Annegret Gehrmann, die als Kunstgutbeauftragte auch für das Inventarisierungsprojekt der Landeskirche in ihrem Kirchenkreis zuständig ist, zuerst einmal ihren Wunsch nach Kontinuität der Vereinsarbeit. Sie wünscht sich auch für die Zeit nach ihrem Abschied vom Verein (der hoffentlich noch in ferner Zukunft liegt!) Menschen, die die Arbeit weiterführen. Froh ist sie darüber, dass nach etlichen Hüllensanierungen der Blick zunehmend auch auf die Bewahrung der wertvollen Ausstattungsgegenstände der Kirchen gerichtet werden kann. Hier gäbe es für die nächsten Jahre noch reichlich zu tun. Und für die Region wünscht sie sich, dass es auch weiterhin möglichst in jedem Ort ein paar Menschen gibt, die Verantwortung dafür übernehmen, dass die Kirche im Dorf bleibt.

Der Vorstand des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg freut sich gemeinsam mit seinem Niederlausitzer Schwesterverein über die verdiente Auszeichnung mit dem Brandenburgischen Denkmalpflegepreis, wünscht weiterhin viel Erfolg bei der wichtigen Arbeit und hofft auf eine durchaus noch ausbaubare gute Zusammenarbeit!

Foto: FAK-NL; Text: Bernd Janowski

 
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Mit Muße durch Jahrhunderte Baugeschichte

Exkursion des Förderkreises zu zwei bedeutenden Kirchen in Halle

Nur zwei Kirchen standen diesmal auf dem Besuchsprogramm. Da blieb Muße, den Blick schweifen zu lassen, Details zu entdecken, Fragen zu stellen. Und da war auch Zeit für einige Extras.

DIE BILDER: Stiftskirche (lks.); Gewölbe und Ostwand der Marktkirche mit der kleinen Altar-Orgel von Georg Reichel (1663/64)
Fotos: Gonda

In der Stiftskirche oben auf dem Petersberg stand Architekt Jürgen Götz, extra aus Hildesheim angereist, den Wissbegierigen Rede und Antwort. Der eindrucksvolle Sakralbau aus dem 12. Jahrhundert, frühe Grablege der Wettiner, lässt mit seinem mächtigen Westturm, dem dreischiffigen Langhaus und den rundbogigen Arkaden die ganze Schönheit hochromanischer Baukunst erahnen. Doch viele Jahrhunderte wechselvoller Geschichte haben Spuren hinterlassen. Durch Brand 1565 zerstört, blieb die Kirche Ruine, bis die Romantik im 19. Jahrhundert die Denkmale unserer Vergangenheit neu entdeckte. Beim Wiederaufbau 1853-57 unter Mitwirkung von Schinkel-Schüler Stüler war man bemüht, noch vorhandene Originalteile zu erhalten und Neues dem Stil der Romanik anzupassen. Ein Jahrhundert später machten Witterungsschäden eine weitere Restaurierung notwendig und auch heute künden ausladende Gerüste an der Westwand des Schiffes von umfangreichen Arbeiten. Jürgen Götz betreut die jetzige umfassende Sanierung - stets im Respekt vor den Leistungen der vorher hier tätigen Denkmalpfleger. Ihm liegt eine nachhaltige Restaurierung am Herzen, die höhere Kosten in Kauf nimmt, um spätere Kosten zu vermeiden.

Die Stiftskirche - sie zählt heute zum Weltkulturerbe - gehört zur Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands. Neben den Gottesdiensten stehen ihre Pforten auch für größere kirchliche Ereignisse und musikalische Veranstaltungen offen. Seit 1999 wird sie von den Brüdern der Communität Christusbruderschaft Selbitz genutzt. Es war eines der Extras auf dieser Exkursion, dass wir an einem Mittagsgebet mit Prior Johannes teilnehmen konnten - ein besinnlicher Ausklang, bevor es wieder den Petersberg hinab ging.

Unten auf dem Markt empfing uns Stadtführerin Bettina Kämmerer und nahm uns mit in die Marktkirche. Die prägt mit ihren zwei unterschiedlichen Turmpaaren weithin sichtbar das Bild der Altstadt. Einst gehörten die Türme zu zwei mittelalterlichen Gotteshäusern, die im 16. Jahrhundert abgerissen und durch den Bau eines neuen Kirchenschiffes miteinander verbunden wurden. Beim Eintritt überraschen die lichte und farbenfrohe Weite des Raumes, das feine Netzwerk des Gewölbes, die Kanzel mit ihrem Schalldeckel in Form eines achteckigen Sterns, das riesige Gemälde im kostbaren Renaissancerahmen an der Ostwand und das monumentale gemalte Altarretabel, das lange Zeit wohl zu Unrecht als Werk des berühmten Lucas Cranach d. Ä. angesehen wurde.

Hier gab es gleich zwei Extras: Kantor Irénée Peyrot musizierte für uns auf der kleinen Altar-Orgel, auf der schon Händel und Bach gespielt haben sollen, und ließ wenig später das Carillon vom Roten Turm erschallen.

Schließlich blieb auch noch Zeit für einen gemütlichen kleinen Stadtrundgang, der selbstverständlich den historischen Stadtgottesacker einschloss. Ein Tag ohne Touristenstress, aber mit vielen guten Eindrücken.

Eva Gonda

PS. Dass die Deutsche Bahn bei unserer Hinfahrt den Wagen mit unseren gebuchten Sitzplätzen einfach eingespart hatte, bescherte uns ein weiteres Extra: ein Täfelchen Schokolade.

 

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Im „House of One“ soll die Versöhnung wohnen

Exkursion des Förderkreises zu zwei bedeutenden Kirchen in Halle

MODELL des „House of One“, das ab 2019 gebaut wird

Einen Traum zu haben, ist das Eine, ihn zu realisieren das Andere, deutlich Schwierigere. Diese Erfahrung musste auch Gregor Hohberg, Pfarrer der Evangelischen St. Petri - St. Mariengemeinde in Berlin-Mitte machen. Die heillose Zerstrittenheit der drei monotheistischen Religionen ließ ihm keine Ruhe und brachte ihn auf eine Idee: Zu seinem Gemeindegebiet gehört auch der Petriplatz, Gründungsort Berlins und ehemaliger Standort seiner ersten Kirche St. Petri. Deren Fundamente sind inzwischen ausgegraben. Ein neues evangelischen Gotteshaus darauf zu bauen, würde wenig Sinn machen, es gibt genug davon in Mitte. Aber ein Gebets- und Lehrhaus von drei Religionen unter einem Dach, ein "House of One", in dem Christen, Juden und Muslime beten, sich begegnen, kennenlernen und miteinander reden können, das schien ihm dringend notwendig.

In seiner Gemeinde brauchte der gebürtige Uckermärker für diesen Gedanken nicht lange zu werben, sie stimmte ihm sehr schnell zu. Schwieriger war es, Juden und Muslime für dieses bislang weltweit einmalige Projekt zu begeistern und mit ins Boot zu holen. Aber nach zweijähriger Suche und vielen Gesprächen war auch das geschafft, 2010 waren die Jüdische Gemeinde zu Berlin, vertreten durch Rabbiner Dr. Andreas Nachama, und die muslimische Dialoginitiative Forum Dialog e.V., vertreten durch Imam Kdair Sanci, für das Vorhaben gewonnen.

Um dies zu erreichen, bedurfte es vor allem der Klarstellung, dass der Dialog der Religionen untereinander und mit der Stadtgesellschaft nicht darauf abzielt, die eigene religiöse Prägung aufzugeben. Im Gegenteil, sie soll im Angesicht aller frei und offen gelebt und ihre Traditionen gepflegt werden. Deshalb gibt es in dem Gebäude auch drei Gotteshäuser unter einem Dach, eine Kirche, eine Synagoge und eine Moschee, die durch einen großen Kuppelsaal, den alle durchqueren müssen und nutzen können, verbunden sind. Das Gebäude ist so konzipiert, dass die speziellen Riten von jeder der drei Religionen gepflegt werden können. So wird es für das Laubhüttenfest der Juden z.B. eine Dachterrasse geben, auf der es gefeiert werden kann und die Möglichkeit der Fußwaschung für die Moschee.

International bekannt wurde das Projekt vor allem durch den 2012 ausgeschriebenen weltweiten Architekturwettbewerb, an dem sich rund 200 Architekturbüros beteiligten. Die Herausforderung bestand darin, einen völlig neuen Bautyp für das bisher noch nirgends Versuchte zu entwickeln. Nur ein einziger Entwurf war im Vorstand der Stiftung unumstritten, der des Berliner Architekturbüros Kuehn Malvezzi, der denn auch als Sieger des Wettbewerbs hervorging.

Weitere wichtige Etappen auf dem Weg zur Errichtung des "House of One" waren der Beginn einer weltweiten Spenden- und Beteiligungskampagne 2014 und die Errichtung eines temporären Pavillons für Veranstaltungen auf dem Petriplatz im Jahr 2018.

Um das "House of One" bauen zu können, werden rund 43,5 Millionen Euro benötigt, die durch Spenden aus aller Welt aufgebracht werden sollen. Bei einem Spendenstand von zehn Millionen Euro, der aller Voraussicht nach 2019 erreicht wird, kann der erste Bauabschnitt in Angriff genommen werden. Das Haus ist so konzipiert, dass es problemlos in verschiedenen Etappen gebaut werden kann.

Wie groß das Interesse an diesem Vorhaben ist, lässt sich z.B. daran ablesen, dass im renommierten Londoner Victoria & Albert Museum unlängst eine Ausstellung mit dem Titel "Die Zukunft beginnt hier" stattfand, auf der das "House of One" als ein zukunftsweisendes Friedensprojekt vorgestellt wurde. Die Aussteller waren so angetan von dem Vorhaben, dass sie das dort präsentierte ein Meter hohe Architekturmodell des Gebäudes aufkauften.

Auch gibt es Anfragen aus Paris und zwei afrikanischen Ländern, die Interesse daran haben, ein ähnliches Projekt zu realisieren.

Obwohl es noch einige Zeit dauern wird, bis das "House of One" fertig gestellt ist, gibt es dort schon Leben. So findet im temporären Pavillon jeden Freitag um 18.00 Uhr eine Meditation statt. Im September nahm das Haus u.a. an der "Langen Nacht der Religionen" teil, lud zu einem Gespräch über Religionskritik und Gottesfurcht ein sowie zu einen interreligiösen Friedensgebet.

Im "House of One" sollen nach dem Willen seiner Initiatoren Frieden und Versöhnung wohnen. Bleibt zu hoffen, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht!

Elke Kreischer

 

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Von Kühbrücke bricht der Tross auf und wird freundlich von der polnischen Polizei in Empfang genommenHerzliche Begrüßung in einem estnischen Dorf. Wir merken, dass unsere Friedensmission begeisterten Anklang findet
Frieden über Grenzen hinweg

Mit Pferd und Wagen von Brück nach Weliki Nowgorod

Gegen Unwissenheit, Hass und Unverständnis - für ein lebenswertes, freies und versöhntes Europa - unter diesem Motto sind Helmut Kautz, der Pastor von Brück und die Männer und Frauen vom "Kaltblut-Zucht und Sportverein Brück" drei Monate unterwegs gewesen. Sie haben die Friedensglocke von Brück auf dem Hellweg, einem der ältesten Handelswege durch Europa, bis zum Kreml der russischen Handelsstadt Weliki Nowgorod gebracht. Im Treck mit neun Planwagen, 16 Kaltblutpferden, zwei Mulis und vier motorisierten Fahrzeugen. 2.300 Kilometer durch Polen, Kaliningrad, Litauen, Lettland, Estland und schließlich Russland. Eine schier unglaubliche Leistung. Von Dorf zu Dorf, durch sengende Hitze, Wassermangel, Stechmückenplage und vieles mehr. Oft am Rande des Möglichen. Aber überwältigend die Reaktionen der Menschen unterwegs. "Sie haben uns ihre Schicksale und Hoffnungen erzählt," sagt Pfarrer Kautz und berichtet von bewegenden Begegnungen, einer zu Herzen gehenden Hilfsbereitschaft und einer großen Sehnsucht nach Frieden. Mit einem Festgottesdienst auf dem Pfarrhof Rottstock Brück wurde dann für die friedvolle, ergreifende Tour gedankt. Hier wurde die Friedensglocke geweiht und hier hat sich der Kreis geschlossen.

Text: Theda von Wedel; Fotos: Helmut Kautz
 
Russische Soldaten verladen unsere Wagen, sonst könnten wir nicht bis Weliki Nowgorod fahren
 
Wir möchten, das sich die Europäer wieder besser verstehen, sagt Thomas Haseloff, Chef des TrecksDie russische Stadt Kaliningrad erreicht der Tross ganz ohne bürokratische Mühen

 

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Das Bäumchen ist zum Baum geworden

655.000 € Stiftungskapital, 80.000 € Fördergelder für den FAK

Das Wachstum der Stiftung erinnert mich an einen Walnuss-Schössling in unserem Garten, der binnen 30 Jahren zu einem Baum geworden ist, der den ganzen Garten überwölbt. Im Sommer wirft er Schatten und im Herbst kiloweise Nüsse ab. Ich denke: Diese Ernte wird es wohl auch dann geben, wenn wir nicht mehr sind. Dann werden andere ernten.

Das Bäumchen Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen war anfangs auch eher unscheinbar. Heute ist unsere Stiftung ein bereits stattlicher Baum und trägt gute Früchte: Der Kapitalstock, der zu Beginn (2008) gerade einmal 87.500 Euro betrug, ist mittlerweile auf über 655.000 Euro gewachsen.

Aus den Erträgen haben wir seit 2010 über 80.000 Euro für Projekte des Förderkreises Alte Kirchen bereitstellen können. Und Jahr um Jahr ist eine solche Ernte weiterhin zu erwarten, auch dann noch, wenn es die gegenwärtige Generation der Stifter nicht mehr geben wird. Damit unsere Kirchen, das Erbe der Generationen vor uns, beständig in den Dörfern bleiben und genutzt werden können. wird das weitere Wachstum der Stiftung von großer Bedeutung sein. Damit das Stiftungskapital weiter steigt und noch ertragreicher werden kann, bitten wir um Zustiftungsbeträge, ganz gleich in welcher Höhe.

Arnulf Kraft

Wichtiger Hinweis:

Überweisen Sie Spenden für die aktuelle Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen bitte auf das Konto: DE94 5206 0410 0003 9113 90.

Zuwendungen an die Stiftung Brandenburgische Kirchen erbitten wir auf dieses Konto: DE88 5206 0410 0300 0055 50.

 

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Drei Kirchen im Osthavelland erhielten Auszeichnung "Lebensraum Kirchturm"

PLAKETTE "Lebensraum Kirchturm" am Kirchturm in Brädikow
Foto: Konrad Bauer

Erstmals wurden im September 2018 drei Kirchengemeinden im Osthavelland für Ihre Unterstützung für gefährdete Tierarten mit einer Urkunde ausgezeichnet und mit einer Plakette geehrt. Der Naturschutzbund Deutschland und der Beratungsausschuss für das Deutsche Glockenwesen e.V. zeichnen seit 2007 bundesweit Kirchen aus, die gefährdeten Tierarten in ihrem Kirchturm einen geschützten Lebensraum zugestehen. Seitdem sind weit über 1.000 Kirchen bundesweit ausgezeichnet worden. Im Osthavelland waren die Kirchen in Brädikow, Pessin und Tremmen die ersten, die im September 2018 ausgezeichnet wurden. 2018 sind in Brädikow und Pessin zwölf junge Dohlen und drei kleine Schleiereulen erfolgreich flügge geworden. In ganz Brandenburg wurden damit inzwischen insgesamt 32 Kirchen mit der Plakette "Lebensraum Kirchturm" ausgezeichnet. In den drei Kirchtürmen sind für Dohlen, Turmfalken und Schleiereulen in den vergangenen Jahren artspezifische Nistkästen aufgehängt, kontrolliert und; wenn erforderlich; gereinigt worden. Von bisher 21 Kirchen im Osthavelland in denen Nistkästen montiert wurden, haben neun Kirchen das Glück, dass die gefährdeten und seltenen Vogelarten auch erfolgreich bei ihnen brüten.

Die neu montierten Nistkästen werden so angebracht, dass die Vögel direkt in ihren Nistkasten schlüpfen können und der Turminnenraum sauber bleibt. Kirchengemeinden im Osthavelland, die ihren Kirchturm für bedrohte Vogelarten öffnen möchten, können uns gerne ansprechen und sich beraten lassen. Besonders günstig sind Zeiten, in denen ohnehin Instandsetzungsarbeiten notwendig sind.

Konrad Bauer

Kontakt: kobafa@web.de oder eulen-greifvögel@nabu-osthavelland.de Mobil: 0175 - 20826 49

 

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Regionalbetreuer unseres Förderkreises berichten aus ihren Bereichen

Rilana Gericke, Referentin für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der Superintendentur Perleberg

Das Projekt Kirchenhüter

Kirchenkreis Prignitz sucht nach Möglichkeiten, seine Kirchen für Einheimische und Gäste zu öffnen

MUSTERENTWURF für das Projekt Kirchenhüter

Wir leben und arbeiten in einer touristisch reizvollen Region. Viele Menschen kommen über die zahlreichen Rad- und Pilgerwege zu uns. Sie sind auf der Suche nach Ruhe und Entschleunigung und lassen sich von der Schönheit der Natur begeistern. Allerdings können oder möchten Kirchengemeinden ihre Kirche aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht öffnen. Diesen Kirchengemeinden möchte sich die AG "Offene Kirchen" nun partnerschaftlich, beratend und unterstützend an die Seite stellen.

Das Pilotprojekt startete im September im Pfarrsprengel Rühstädt, dort liegen viele Kirchen an Rad- und Pilgerwegen. Bei den Öffnungen der Kirchen im Pfarrsprengel gibt es jedoch viele Unterschiede - im Netzwerk und System.

Begonnen wurde mit einer Besichtigungstour am 22. September, an der auch Kara Huber, Vertreter des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. und des Tourismusverbandes Prignitz e.V. teilnahmen.

Darauf folgte ein Begegnungsabend für (interessierte) Kirchenhüter und Kirchenhüterinnen im Pfarrsprengel Rühstädt.

Dieser Abend sollte dazu dienen, unterstützt von einem Referenten des Amtes für kirchliche Dienste in der EKBO, über Möglichkeiten der Offenen Kirche ins Gespräch zu kommen und Ängste offen zu benennen.

SO SIEHT DER MUSTERENTWURF für das Projekt Neue Schilder an Kirchen aus, der für die St.-Nikolai-Kirche in Pritzwalk erstellt wurde

Neue Schilder an den Kirchen

Ziel des Projektes ist eine Beschilderung an allen Kirchen im Kirchenkreis, die über deren Baugeschichte informiert

Unsere Kirchengebäude sind Schätze: große und kleine, alte und neuere, reich geschmückte oder schlichte. Damit Besucher auf diese Schätze aufmerksam werden, hat sich die AG "Offene Kirchen" des Kirchenkreises Prignitz zum Ziel gesetzt, die bisher unbeschilderten Kirchen und Kapellen mit Hinweisschildern auszustatten. Die Schilder werden einen Überblick zur Geschichte des jeweiligen Kirchengebäudes geben, z.B. der Bauzeit, Orgel, Einrichtung oder besondere Ausstattungsmerkmale. Besucher einer offenen Kirche, die sich für ein Gebet in der Kirchenbank niederlassen, oder Touristen, welche die Prignitz erkunden, werden so Informationen für den Besuch an die Hand gegeben. Zusätzlich können auf den Schildern Symbole eingebunden werden, die auf einen besonderen Status hinweisen, z.B. dass es sich um eine Pilgerkirche handelt oder die Kirche am Projekt der Radwegekirchen teilnimmt. In einem ersten Schritt wurden in Abstimmung mit den Kirchengemeinden bereits Schilder für die Pfarrsprengel Rühstädt, Breddin-Barenthin und Lindenberg erarbeitet. Diese werden in die nächsten Wochen produziert.

Wolf-Dietrich Meyer-Rath, Kirchenkreis Prignitz

Havelberger Dom wird 850 Jahre alt

1150 wurde mit dem Neubau des Havelberger Domes St. Marien begonnen, der bereits 1170 geweiht wurde. Er war im Besitz des Prämonstratenser-Ordens und nach der Reformation bis 1819 des Ev. Domstiftes.

An dieses wichtige Jahr 1170 soll mit Veranstaltungen erinnert werden. Zur Vorbereitung trafen sich unlängst auf Einladung von Dompfarrer Städler einige Akteure zum ersten Gedankenaustausch in Havelberg.

Folgende Themen werden u.a. geplant:

Konrad Mrusek aus dem Landkreis Ostprignitz-Ruppin

Das Werbe-Banner hilft nicht viel

Seit über einem Jahr flattert vor der Dorfkirche von Gnewikow ein Werbebanner, das um Spenden bittet für das spätmittelalterliche Kleinod. Die Installation hatte ursprünglich einen anderen Zweck: Sie wurde errichtet, um zwischenzeitlich eine neue, von Spendern finanzierte Turmzier aufzustellen. Denn der Turm der Kirche ist marode, er kann keine Wetterfahne mehr tragen. Dieses Provisorium wird nun wohl leider länger dauern, die seit langem geplante Sanierung der Kirche kommt nur schleppend voran, ein für dieses Jahr geplantes Konzept mit europäischen Fördermitteln hat sich zerschlagen. Und ob eine kostengünstigere Sanierungs-Variante in den nächsten Jahren gelingt, muss sich noch erweisen. Die Mitglieder des vor 20 Jahren gegründeten Fördervereins müssen sich also weiter in Geduld üben. Immerhin haben sie verhindert, dass die Kirche nach der Wende an das benachbarte Jugenddorf verkauft wurde. Sie veranstalten Konzerte, halten das Gotteshaus zu gewissen Zeiten offen. Denn Gnewikow liegt malerisch am Ruppiner See und die Kirche lockt so manchen Touristen, der den See umrundet, weil sie nicht nur von außen einen pittoresken Charme hat. Für den Pfarrsprengel Protzen-Wustrau-Radensleben, zu dem nicht weniger als elf teils sanierungsbedürftige Kirchen gehören, ist Gnewikow indes nicht unersetzlich - im benachbarten Karwe steht ein gut erhaltenes Gotteshaus. So entstand vor zwei Jahren die Idee, in Gnewikow ein sozial-kulturelles Konzept zu entwickeln und damit europäische Fördergelder (Leader-Programm) zu akquirieren. Das Projekt von Kirche und Förderverein ist jedoch gescheitert, weil der Ortsbeirat in Gnewikow lieber ein Dorfgemeinschaftshaus bauen möchte. Nun wird eine einfache Sanierung erwogen. Dazu soll im Frühjahr 2019 eine Kostenschätzung vorliegen. Der Förderverein versprach jetzt auf der Mitgliederversammlung, 50 Prozent der Kosten für dieses Gutachten zu übernehmen. Denn trotz der Enttäuschungen in all den Jahren mag Sieglinde Siebmann, die Vorsitzende des Fördervereins, noch nicht aufgeben. Für eine einfache Sanierung will sie nächstes Jahr noch einmal mehr Aktivitäten entfalten und auch das Gespräch mit jenen Dorfbewohnern suchen, die nicht so sehr an der Kirche, wohl aber am 500 Jahre alten Denkmal interessiert sind. Wie schrieb doch Theodor Fontane begeistert in seinen Wanderungen: "Gnewikow …. ist mit seinem Kirchturm und seinen Bauernhäusern eine besondere Zierde des Sees".

Gert Dittrich aus dem Landkreis Havelland

Nun geht es endlich los in Landin

Die Landiner haben sehr, sehr lange warten müssen auf den Beginn der Sanierung ihrer seit bereits 25 Jahren nicht mehr nutzbaren Kirche: Vereinsgründung am 6. Februar 2013, viel Nachdenken über Nutzungskonzepte, Abfassung von Förderanträgen, Öffentlichkeitsarbeit, hunderte Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit und vieles mehr. Nun aber der Erfolg: Am 29. September 2018 konnte der 1. Spatenstich und damit der offizielle Baubeginn für die Sanierung der Landiner Kirche gefeiert werden.

Viele Landiner und Freunde unserer Kirche kamen - bei herrlichem Sonnenschein - zu diesem Anlass auf den Kirchberg. In ihren Grußworten betonten die Vertreter der Ev. Reformationsgemeinde Westhavelland, Andreas Tutzschke und Pfarrer Stefan Huth, wie wichtig Initiativen wie der Förderverein für den Erhalt der Kirchen in den Dörfern sind. Für den Förderkreis Alte Kirchen dankte Pfarrer Arnulf Kraft allen Beteiligten für ihren langjährigen großen Einsatz.

Hier sei besonders hervorgehoben, dass der Förderkreis Alte Kirchen uns auch immer wieder finanziell unterstützt hat - und zwar stets an den entscheidenden Engpässen wie bei Sanierungsgutachten, Kosten der Altarkonservierung, Planungskosten des Bauantrages usw., d.h. den Vorleistungen für weitere Förderanträge.

Aber nun stehen alle beantragten Mittel tatsächlich bereit und müssen bis zum Endes des Jahres 2019 verbaut sein.

Auch die Amtsdirektorin, Frau Ilka Lenke, war gekommen und unterstrich die Bedeutung der Wiederherstellung der Landiner Kirche für die Region. Sie freut sich mit uns auf eine Bereicherung des kulturellen Lebens im Havelland - und wir natürlich auch.

Nach all den Reden wurde dann auch gearbeitet, es wurde der symbolische Spatenstich vollzogen.

Bei Kaffee, Kuchen und anregenden Gesprächen saßen die Teilnehmer und Besucher noch lange im Windschatten der Kirche und genossen die Sonne und die Gemeinsamkeit.

Ein Teilnehmer brachte es auf den Punkt: dieses lebendige, von positiver Zukunftsaussicht geprägte Treffen im Kontrast zur Würde des der Kirche vorgelagerten Friedhofes symbolisiert das Nebeneinander von Leben und Vergehen und neuem Anfang im besten Sinne.

Dem können wir nur zustimmen.

 

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"Hübsches Wort für einen hübschen Ort"

Mit dem FAK unterwegs zu Dorfkirchen in Märkisch-Oderland

Das Oderland - das ist der Titel des zweiten Bandes von Theodor Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Und allenthalben wurden die reiselustigen FAK-Mitglieder an die informationsreichen, geschichtsträchtigen und farbenfrohen Schilderungen des Apothekers und großen deutschen Dichters erinnert.

 
DIE KIRCHE von Hohenfinow (u.) und Neulietzegöricke
Fotos:G. Donath
 

Aber davon später. Zunächst einmal wies eine Informationstafel in Hohenfinow, der ersten Station unserer Busreise, auf eine andere Person der Geschichte hin, auf Theobald von Bethmann-Hollweg, Deutscher Reichskanzler von 1909 bis 1917, geboren und gestorben in Hohenfinow, zur letzten Ruhe gebettet auf dem Friedhof der Dorfkirche. Sie war Patronatskirche der Familie von Bethmann-Hollweg.

Diese auf das 13. Jahrhundert datierte Feldsteinkirche aus regelmäßig behauenen Quadern war ursprünglich eine dreischiffige Basilika mit halbrunder Apsis im Osten. Damals hoffte man auf ein rasches Wachsen des Ortes an einer wichtigen Straßenkreuzung nach Norden und Stettin. Diese Hoffnung zerschlug sich, der Landweg zur Ostsee und ins Baltikum ging schon Anfang des 14. Jahrhunderts über Eberswalde. Die Kirche verfiel zusehends, und im 17. Jahrhundert wurden die nicht mehr benötigten Seitenschiffe abgerissen und die nun freiliegenden Bögen vermauert.

1906 bis 1910 und 1999 bis 2004 wurde die Hohenfinower Dorfkirche restauriert. Die Arbeiten umfassten den Kirchturm, die Außenhülle und die Malerei. 2009 konnte die von der Berliner Orgelbaufirma Remmler&Sohn 1887 gebaute Orgel nach langer Restaurierung wieder eingeweiht werden. Heute ist der reich ausgestattete neuromanisch umgestaltete Innenraum zu bewundern. Das Deckengemälde zeigt Christus als Weltenrichter, sehenswert sind die Malereien an Orgel- und Herrschaftsempore sowie die Glasfenster.

Wo ist unser Geld geblieben? In der Dorfkirche Cöthen, beantwortete Bernd Janowski die Frage im Septemberheft der "Alten Kirchen". Die Teilnehmer der FAK-Exkursion konnten sich nun davon überzeugen, dass die Spendengelder einem guten Zweck zugeführt wurden. Fontane erwähnte in seinen Wanderungen den Cöthener Kirchenpatron Friedrich von Jena, der Anfang des 19. Jahrhunderts die Kirche errichten ließ. Heute erstrahlt sie wieder in altem Glanz.

Falkenberg und Bad Freienwalde sind die nächsten Stationen unserer Reise. Zwischen beiden Orten, wir zitieren Fontane, "ziehen sich die steilen, tannen- und laubholzbesetzten Abhänge des Barnim-Plateaus, dessen Kuppen meilenweit in das grüne Bruchland herniedersehen". Auf einer dieser Kuppen steht das historische Panoramarestaurant Carlsburg, das uns Buswanderern ein vorzügliches Mittagsmahl offerierte.

Danach ging es hinab nach Bad Freienwalde - "hübsches Wort für hübschen Ort" so Fontane - und vom Markt hinauf zur Stadtkirche St. Nikolai, eine der schönsten im Oderland. Die erste Kirche an dieser Stelle entstand im 13. Jahrhundert. Mitte des 15. Jahrhunderts erhielt sie ihre heutige Gestalt als stattlicher gotischer Backsteinbau. Eine Besonderheit der Kirche ist die Lage des Turmes. Er liegt wegen des steil abfallenden Geländes an der Südwestecke.

Dr. Reinhard Schmook, der Leiter des Oderlandmuseums in Bad Freienwalde, führte die Gäste durch das imposante Innere der Nikolaikirche und wies auf die reichhaltige Ausstattung hin. Dazu gehören ein beeindruckendes Renaissance-Retabel von 1623, ein Taufengel des Mohriner Bildschnitzers Heinrich Bernhard Hattenkerell von 1704 sowie Epitaphien. Der runde Taufstein gehört vermutlich zur Erstausstattung der Kirche und ist mit seinen rund 800 Jahren der zweitälteste in der Mark Brandenburg.

Mit Orgelklängen wurden die Exkursionsteilnehmer auf ihrer letzten Station empfangen: Ein Präludium erklang in der Dorfkirche im denkmalgeschützten Kolonistendorf Neulietzegöricke. Doch ein Organist war nicht zu sehen. Pfarrerin Nanna-Maria Luttenberger brachte per Fernsteuerung mit programmiertem USB-Stick einen Orgelaufsatz dazu, dem Instrument Töne zu entlocken - Musik mit der Organola. Mit Spendengeldern des FAK war diese Neuerung möglich geworden. Seit 2017 wird nun wieder jeder Gottesdienst mit Orgelmusik begleitet. Das war ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der 1840 fertiggestellten Kirche. Sie ist ein mit massiver Verblendung und Verputz in klassizistischen Formen versehener Fachwerkziegelbau, der bis heute nahezu unverändert geblieben ist. 2010 bis 2011 wurde die denkmalgeschützte Kirche umfassend saniert und restauriert. Als lebendige Kirche ist sie auch ein kulturhistorisches Gebäude, eine moderne Begegnungsstätte zwischen Christen und Nichtchristen mit Konzerten, Lesungen und Themenabenden.

Die Exkursion hat einmal mehr bewiesen: Die Kirche bleibt im Dorf und spielt als Gotteshaus und als Kulturstätte auch im Oderland eine wichtige, oft sogar die wichtigste Rolle.

Bärbel Möricke

 

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Gewinner unseres Fotowettbewerbs "Geheimnisvolle Dorfkirchen" stehen fest

DEN ERSTEN PLATZ im Fotowettbewerb "Geheimnisvolle Dorfkirchen" errang dieses Foto von der Innenansicht der Dorfkirche Kunow (Uckermark), eingesandt von Uwe Karsten aus Hohen Neuendorf
 
DAS ZWEITPLAZIERTE Foto von Manfred Haar
 
DER DRITTPLAZIERTE ist Edgar Nemschok

Die Dorfkirchen in Brandenburg mit ihrer Architektur und ihrer wertvollen künstlerischen Ausstattung sind kostbare Zeugnisse der Vergangenheit. Der Fotowettbewerb des Förderkreises Alte Kirchen ist unser Beitrag im Europäischen Kulturerbejahr 2018, dieser kulturellen Vielfalt auf die Spur zu kommen. Wir waren sehr gespannt, wie dieses Vorhaben von Mitgliedern und der weiteren Öffentlichkeit angenommen wird, weil es nicht an ähnlichen Projekten mangelt und wir dazu noch spezielle Anforderungen an die Motivauswahl stellten.

Umso erfreulicher sind die rund 100 ganz unterschiedlichen und qualitätsvollen Fotoeinsendungen, die uns bis zum 31. August erreicht haben. Nach eingehender Beratung hat sich die Jury des FAK schließlich übereinstimmend auf zehn Erstplatzierte festgelegt.

Hier nun die Sieger des FAK-Fotowettbewerbs:

Platz 1: Uwe Karsten, Hohen Neuendorf; Kirche Kunow, Innenansicht
Platz 2: Manfred Haar, Berlin; Pechüle-Schlalach, Deckenbemalung
Platz 3: Edgar Nemschok, Eggersdorf; Kirche "Little Earth"

Für die weiteren 7 besten Fotoeinsendungen gibt es keine Platzierung, sie sind gleichrangig. Es handelt sich um

Bärbel Wunsch, Blankenfelde-Mahlow; Jühnsdorf, Ziegel auf Orgelblasebalg
Detlef Guth, Drahnsdorf; Falkenhain, Kirchentür mit Mühlstein
Axel Krause, Bremen; Kaakstedt, Kanzel der Dorfkirche
Bernd Krug, Bad Belzig; Reckahn, Patronatsloge
Katja Schreiber, Vogelsang; Nonnendorf, Glasaltar
Katrin Zacher, Ziesar;Bücknitz, romanischer Taufstein
Tilo Mottschall, Ipse; Dorfkirche Ipse, Altar

Mitglieder des Förderkreises, aber auch zahlreiche Außenstehende haben aufgrund der Bekanntmachungen in den Medien Bilder eingebracht. So war der Fotowettbewerb eine gute Werbung für den Förderkreis.

Einige Teilnehmer äußerten sich sehr beifällig über das Projekt eines Fotowettbewerbs. Aus vielen Schreiben war zu spüren, dass den Einsendern die Erhaltung der Dorfkirchen im Land am Herzen liegt. Das alles hat uns sehr gefreut. Im nächsten Jahr wird es, wie versprochen, wieder eine Ausgabe des Heftes Offene Kirchen geben. Hier werden die bestplatzierten Fotos in Farbe veröffentlicht. Die Prämien werden den Siegern noch in diesem Jahr zugestellt. Wir bedanken uns herzlich bei allen Einsendern für ihre Teilnahme.

Sigrid Riesberg / Uwe Donath

 

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KURZ BERICHTET

Blauer Bauwagen in der Nähe von Buckau fungiert jetzt als Kirche

Außerhalb von Buckau (Potsdam-Mittelmark) am Waldesrand in Richtung Steinberg steht ein blauer Bauwagen mit einem Kreuz in der Scheibe. Es handelt sich um Brandenburgs kleinste Kirche.

Roswitha Wipf lebt in dem Wohnhaus daneben und hat die Bauwagenkirche vor acht Jahren zum Andenken an den tödlich verunglückten Freund ihres Sohnes eingerichtet.

Hier findet die 63-Jährige Kraft und Trost im Glauben. Jeden Freitagabend um 19 Uhr lädt sie zu einer öffentlichen Andacht ein, liest Texte aus der Bibel, gemeinsam wird gesungen und gebetet.

Spaziergänger und Fahrradfahrer sollen hier Ruhe finden und sich darauf besinnen können, was wichtig ist im Leben.

Die Bauwagenkirche, in die rund 16 Besucher hineinpassen, steht immer offen und soll ein Zufluchtsort für jedermann sein: Buckauer Hof in 14793 Buckautal.

Aus: Märkische Allgemeine Zeitung

Himmlische Nächte in englischen Dorfkirchen

Gut behütet schläft man besser. Und wo wäre man besser behütet als in einem Gotteshaus…In England jedenfalls ist "Champing" (Zusammenfügung von Church und Camping) der letzte Schrei. Übernachten in nicht mehr sakral genutzten Dorfkirchen, ab 55 EUR pro Person. Frühstück gibt's im Pub. Für die himmlischen Nächte sollte man sich allerdings warm anziehen. Geheizt werden die alten Gemäuer nicht. Weitere Informationen dazu finden Sie unter www.champing.co.uk.

 

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Ausgezeichnet! 25 Jahre Brandenburgischer Denkmalpflegepreis

Im Jahr 1992 wurde zum ersten Mal der Brandenburgische Denkmalpflegepreis vergeben. Aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums im vergangenen Jahr und mit Blick auf das diesjährige Europäische Jahr des Kulturerbes hat das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege gemeinsam mit der Brandenburgischen Architektenkammer und dem Kulturministerium einen opulenten Bild- und Textband herausgegeben, der insgesamt 30 Preisträger ausführlich darstellt und damit auch eine beeindruckende Bilanz zur Denkmalpflege in den vergangenen knapp drei Jahrzehnten zieht. Gewürdigt werden durch den Preis Denkmaleigentümer, Architekten und Restauratoren, Publizisten, aber auch ehrenamtliche Initiativen - Menschen also, ohne die die amtliche Denkmalpflege in ihrem Bemühen um den Erhalt unseres Kulturerbes ziemlich allein auf weiter Flur stehen würde.

Das Spektrum der ausgezeichneten Objekte reicht von der mittelalterlichen Dorfkirche (Rogäsen / PM) bis zum Baudenkmal aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (Bundesschule Bernau). In beeindruckender Weise zeigt der Band die Vielfalt der brandenburgischen Denkmallandschaft auf, die zur Zeit der sogenannten Wende 1989/90 weitgehend einen mehr als besorgniserregenden Zustand aufwies. Da in den 40 Jahren sozialistischer Planwirtschaft in vielen Fällen jedoch sogar das Geld für den Abriss beschädigter Bauwerke fehlte, bot sich die einmalige Gelegenheit, die zerfallenen Altstädte, aber auch zahlreiche historische Gebäude im ländlichen Raum zu retten, instand zu setzen und teils einer neuen Nutzung zuzuführen. Dazu war und ist ein funktionierendes Netzwerk nötig, dessen verschiedene Glieder durch den jährlich vergeben Denkmalpreis und nicht zuletzt durch die vorliegende Publikation eine verdiente Würdigung erhalten.

Der Förderkreis Alte Kirchen erhielt den Brandenburgischen Denkmalpreis im Jahr 2002 zugesprochen und spendete das Preisgeld sofort weiter für die Schwammsanierung in der Dorfkirche Blindow (Uckermark). Gewürdigt wurden auch zahlreiche Akteure, die sich für den Erhalt von Kirchengebäuden einsetzten und dabei Unterstützung durch den FAK erfuhren: u.a. sind dies Initiativen z.B. für die Dorfkirche Glambeck (BAR), die Feldsteinkirche in Strehlow (UM), das Alte Pfarrhaus in Groß Döbbern (SPN), die Persiuskirche in Brügge (PR), die Dorfkirche Birkholz (BAR) und die Feldsteinkirche Rogäsen (PM).

Das vorliegende Buch, das auch der Katalog einer noch bis zum 20. Januar im Archäologischen Landesmuseum im Brandenburger Paulikloster zu sehenden Ausstellung ist, erzählt Geschichten der Rettung von Denkmalen, die zum Teil bereits aufgegeben waren und nur durch den Einsatz engagierter Einzelpersonen und Gruppen bewahrt werden konnten. Wenn wir daran zurückdenken, in welchem beklagenswerten Zustand sich die meisten unserer Städte und Dörfer 1989/90 befanden, können wir auf das Erreichte mit Recht stolz sein. Nur sollte dabei nicht vergessen werden, dass es auch weiterhin noch viel zu tun gibt und die Bewahrung unserer materialisierten Tradition immer auch eine Investition in die Zukunft ist. Zu wünschen wäre, dass der Schutz unserer Denkmale in Politik und Öffentlichkeit eine noch größere Aufmerksamkeit findet.

Ausgezeichnet! Baukultur und Archäologie. 25 Jahre Brandenburgischer Denkmalpflegepreis 1992-2017. Geymüller Verlag, Aachen und Berlin 2018; ISBN 978-3-943164-44-2; 239 Seiten; EUR 29, -

 

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