Die Dorfkirche von Wassersuppe (Landkreis Havelland)

Dorfkirche Wassersuppe 
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Das Dorf Wassersuppe, am Nordufer des Hohennauener Sees gelegen, gehörte ehemals zum Ländchen Rhinow und wurde 1441 als Besitz der Familie von der Hagen erstmals urkundlich erwähnt. Lange Zeit existierten hier zwei Rittergüter, die sich die spärlichen Einnahmen aus dem kleinen Ort teilen mussten und auf denen verschiedene Zweige der aus Anhalt stammenden Familie von Wuthenow saßen.

Nach dem Hubertusburger Frieden 1763 kam schließlich der aus einer bürgerlichen Hugenottenfamilie stammende Obrist Karl Theophil Guichard in den Besitz des wieder vereinigten Gutes. Unter dem wohlklingenden Namen Quintus Icilius war der königliche Günstling zuvor von Friedrich dem Großen in den Adelsstand erhoben worden. An diesen Vorgang knüpft sich eine Anekdote, die mit dem doch recht ungewöhnlichen Ortsnamen spielt. So heißt es in einer alten Quelle: "Im Siebenjährigen Kriege plünderte der Oberst 1761 das sächsische Schloß Hubertusburg in sehr roher Weise. Nachdem er auf des Königs Befehl von dem erlös 100.000 Taler an die Lazarettkasse abgeführt hatte, blieb ihm noch soviel, daß er sich dafür eine "Wassersuppe" kaufen konnte."

Nach weiteren Besitzwechseln, der Enteignung von 1945 und einer Nutzung durch die örtliche LPG wurde 1999/2000 der barocke Teil des Herrenhauses abgebrochen. In letzter Minute konnte eine Relieftafel mit dem Allianzwappen von der Hagen / von Wartensleben aus dem Jahre 1775 geborgen werden, die heute in der Dorfkirche aufbewahrt wird.

Die Dorfkirche von Wassersuppe selbst ist ein schlichter Fachwerksaal von 1756, der auf den Fundamenten eines Vorgängerbaus errichtet wurde. Turm und Westgiebel blieben erhalten, vor die Fachwerkwände des Kirchenschiffes wurde zu Ende des 19. Jahrhunderts Ziegelmauerwerk vorgeblendet.

Glanzstück des Innenraumes ist ein barocker Kanzelaltar, der 1703 von Johann Christof Richter aus dem Dorf Cammer bei Lehnin geschaffen wurde. Pausbäckige Barockengel blasen zwischen Akanthuswangen Posaune, während in die Kanzelfeldern Schnitzfiguren der vier Evangelisten eingefügt wurden, die aus einem vorreformatorischen Altar des frühen 15. Jahrhundert stammen dürften. Ein hölzernes Epitaph mit Akanthusrahmen erinnert an den 1705 im Alter von drei Jahren verstorbenen Christoph von Wuthenow.

Seit einigen Jahren veranstaltet ein Freundeskreis der Dorfkirche Wassersuppe, ins Leben gerufen von Karin Baronin von Heyking und der Ortsbürgermeisterin Antje Bölke, regelmäßig Sommerkonzerte, deren Erlös für die Erhaltung der Kirche bestimmt ist. Die Einnahmen aus den Konzerten dürften jedoch zur dringend notwendigen Instandsetzung des Kirchengebäudes nicht ausreichen.

Schäden im Fundament bedrohen die Kirche in Wassersuppe

Bei Grabungen an der Außengiebelwand der Kirche wurden Schäden am Fundament festgestellt, die auf eine akute Einsturzgefahr hinweisen. Die vorgesetzten Backsteinwände wurden damals nur auf ein geschüttetes Fundament aus Ziegelschutt gesetzt, das durch die Einwirkungen von Frost und Regen kaum noch vorhanden ist.

Das Bauaufsichtsamt und die Untere Denkmalschutzbehörde wurden verständigt. Eine genaue Schadensanalyse ist dringend notwendig, um langfristig eine sichere Gründung für die bedrohte Kirche von Wassersuppe herstellen zu können.

Weitere Informationen über: Karin Baronin von Heyking, Tel.: (03 38 72) 7 06 25


Zum Weiterlesen:
Märkische Allgemeine vom 27. Juni 2007: Mit Kultur gegen den Kollaps
Märkische Allgemeine vom 03. August 2007: Das drängende Dutzend
Märkische Allgemeine vom 02. Oktober 2009: In Wassersuppe hat die Sanierung des Kirchturms begonnen
Märkische Allgemeine vom 22. Juni 2010: In Wassersuppe wird der sanierte Glockenturm der Kirche übergeben
Die-Mark-Online vom 30. Juni 2010: Glockengeläut über Wassersuppe
Mitteilungsblatt September 2010: Abschluss der Sanierung
Märkische Allgemeine vom 22. Dezember 2014: Wassersupper Lebenszeichen

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