Was uns bewegt - der Vorstand berichtet

Verantwortungsgemeinschaft für Kirchen – was bedeutet das?

Deutlichere Sätze hat es bislang noch nicht gegeben. Sie weisen auf die Ausweglosigkeit hin, vor der einzelne Gemeinden, der Denkmalschutz und selbst die Kirche als bundesweite Institution stehen, wenn es darum geht, die Kirchengebäude einer Region wie der Brandenburgs in ihrer Bausubstanz zu erhalten. Allein wären sie damit überfordert. Auch die Ursachen sind bekannt: schwindende Mitgliederzahlen in den Kirchengemeinden, Bevölkerungsrückgang in den wirtschaftsschwachen Regionen und somit immer knapper werdende kirchliche und öffentliche Finanzmittel. So wird es in vielen Kommunen immer schwieriger werden, die notwendigen Finanzmittel und Personalressourcen auch nur anteilmäßig allein aufzubringen.

Es wird unausweichlich sein, eine von uns frühzeitig und nunmehr öffentlich propagierte Verantwortungsgemeinschaft ins Leben zu rufen. Sie muss sich neben Schlössern, Burgen und Gärten dem wichtigsten landestypischen Kulturdenkmal der brandenburgischen Region zuwenden, den Dorfkirchen. Es muss uns gelingen, auf landesweiter Ebene und darüber hinaus die Bedeutung der etwa 1.400 Kirchen so in den Mittelpunkt zu rücken, dass damit ein Bündel gesamtgesellschaftlicher Anstrengungen entfaltet werden kann. Die daraus zu erwartenden gesamtgesellschaftlichen positiven Effekte werden von zahlreichen Kirchenfördervereinen bereits realisiert.

Zu diesen positiven Auswirkungen gehören:

Kulturelle, wirtschaftliche und soziale Entwicklungen sind heute im partizipativen Gemeinwesen nicht mehr voneinander zu trennen, sie befruchten sich wechselseitig. So sollten auch die Dorfkirchen zum Kristallisationspunkt gesellschaftlicher Ausstrahlungskraft werden. Die Kirchengemeinden und Kirchenfördervereine sind die wichtigsten Akteure, die zur Ausgestaltung eines solchen Wirkungsgeflechtes berufen sind. Sie bilden die gesellschaftliche Grundlage für eine Verantwortungsgemeinschaft. Die Pfarrerinnen und Pfarrer wirken in dieser Gemeinschaft aus Sicht der Kirche darauf hin, "dass alle äußeren Gestaltungen und Umgestaltungen von der geistlichen Kraft der biblischen Botschaft ausgehen und darauf hinwirken" (Bischof Huber in: "Kirche der Freiheit im 21. Jahrhundert"). Die Kirchenfördervereine sind in dieser Gemeinschaft bereits seit langem darum bemüht, dass die Kirchengebäude durch angemessene Nutzungserweiterung und das Einspielen von Einnahmen über die Gottesdienstkollekten hinaus erhalten werden. Über den FAK erfahren sie hierin Unterstützung.

Zur Verantwortungsgemeinschaft zählen weiterhin Kommunen, die in Gemeinde- und Kreisräten die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der Dorfkirchen bei ihren öffentlichen Investitions- und Beschäftigungsentscheidungen sowie bei Unterhaltungsmaßnahmen gleichwertig berücksichtigen sollten. Selbstverständlich werden sich auch die Landkreise, allen voran die Unteren Denkmalschutzbehörden, dieser Aufgabe nicht entziehen können. Von den relevanten Landesministerien spielen schon das Kulturressort sowie das Infrastruktur- und Landwirtschaftsressort eine herausragende Rolle.

Doch damit nicht genug. Das Netz der Verantwortungsgemeinschaft sollte so weit gespannt werden, dass sich möglichst viele gesellschaftliche Gruppierungen außerhalb der verfassten kirchlichen und staatlichen Einrichtungen für die Erhaltung der Kirchendenkmäler verantwortlich fühlen. Neue Bürgerkreise, engagierte Mäzene, die Vertreter der Privatwirtschaft und der Banken, Sprecher überregionaler Patenschaften, tragfähiger Netzwerke von freien Kulturträgern und selbst Interessenverbände sollten hinzu gewonnen werden. So könnten ältere Mitglieder unter uns bei der Frage nach ihrem möglichen Vermächtnis entscheiden, auch den notleidenden Kirchen mit direkten Zuwendungen oder mit einem einmaligen größeren Beitrag zum Stiftungskapital zu helfen.

Dieses Wirkungsgeflecht aufzubauen und nachhaltig mit Leben zu erfüllen, wird mühsam sein. Es verlangt beharrliches Aufeinander-Zugehen aller Partner, Überzeugungsarbeit in jedem einzelnen Bewahrungsfall, konzeptionelles Einbinden in die gesamte Landesentwicklung und einen engagierten Bürgersinn. Zudem sollten wir bei allem den harmonischen Dreiklang von gelebter Sakralität, gemeinsinniger Urbanität bzw. Dorfgemeinschaft und verpflichtender Kultur- und Denkmalpflege wie ein vertrautes Glockengeläut im Ohr behalten.

Dr. Uwe Otzen

 
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Zerstörung und Versöhnung

Impressionen an der Oder

  Tantow
TANTOW – die Kirche ist vorbildlich restauriert
Foto: Norbert Trebeß

Vor rund 65 Jahren detonierten entlang der Oder Grananten und Bomben, zogen endlose Trecks von Flüchtlingen und Vertriebenen über das verwüstete Land. Die Apokalypse der letzten Kriegsmonate war den Teilnehmern der FAK-Exkursion in die Uckermark Ende August immer wieder gegenwärtig.

So in Rosow, wo 1945 auch der Kirchturm zerstört worden war und das Gotteshaus später verfiel. Heute grüßt eine moderne Stahlkonstruktion – sie lässt die Konturen des einstigen Turms erahnen – weit ins Land bis über die Oder und kündet davon, dass hier wieder kirchliches und kulturelles Leben eingezogen ist. Zugleich war es dem dortigen Förderverein als Initiator ein Anliegen, an historischer Stelle eine eindrucksvolle Gedenkstätte für Flucht und Verfolgung, für Neuanfang und Versöhnung der Menschen an beiden Ufern der Oder zu schaffen.

Vorbildlich restauriert wurde nach der Wende die einsturzgefährdete Kirche von Tantow. Der kleine Stüler-Bau präsentiert sich heute, als hätte das Kriegswüten einen Bogen um den Ort gemacht – wäre dort nicht das schlichte Soldatengrab neben der Kirche und erinnerte an die vielen hundert Toten, die damals auf dem Schlachtfeld lagen.

In Vierraden hat man die Kriegswunden bewusst deutlich sichtbar gelassen. Die Ruine der großen barocken Kirche wurde gesichert, teilweise restauriert und zur Hälfte überdacht. Entstanden ist ein außerordentlich beeindruckender Raum, der offen ist für Gottesdienste ebenso wie für vielfältige kulturelle Veranstaltungen und Begegnungen der Einwohner.

Nach all den Zeugnissen der Zerstörung wirkte schließlich die gut erhaltene Kunower Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert mit ihrer kompletten barocken Innenausstattung wie ein Wunder. Beeindruckend sind vor allem die fast siebzig emblematischen Malereien am Gestühl und an der Empore, die in 300 Jahren noch nie einen Restaurator bemühen mussten. Den braucht allerdings der freundliche, inzwischen aber hilfsbedürftige Taufengel. Da war der Scheck über 3.000 Euro, den der Förderkreis Alte Kirchen für die Restaurierung mitgebracht hatte, sehr willkommen.

In der Atmosphäre dieses einzigartigen Raumes war das Konzert der vier jungen Musikerinnen vom Ensemble "Ucca nova" mit festlicher barocker Tanzmusik ein wunderbarer Ausklang der Exkursion.

Eva Gonda

 
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Wir gratulieren den Gewinnern unseres Startkapitals 2010

Zum neunten Mal vergibt der FAK in diesem Jahr je 2.500 Euro als Startkapital an fünf neugegründete Vereine, die sich Erhalt und Pflege einer Kirche zum Ziel gesetzt haben. Der Wettbewerb steht unter der Schirmherrschaft von Bischof Markus Dröge und der brandenburgischen Kulturministerin Dr. Martina Münch. Seit 2002 konnten 60 Vereine mit insgesamt 137.500 Euro bedacht werden.

Die Mitglieder der diesjährigen Jury Dr. Dieter Kliche vom Förderverein Teetz, Christa Menz von der Unteren Denkmalschutzbehörde Potsdam-Mittelmark/Brandenburgische Architektenkammer, Pfarrer Martin Müller aus dem Kirchenkreis Oderbruch, Architekt Johannes Penzel sowie Klaus-Jürgen Schlott und Theda v. Wedel-Schunk vom FAK berieten Anfang Juli über insgesamt 16 eingegangene Anträge. Die Arbeit aller dieser Vereine – nicht nur die der Preisträger – verdiene laut Jury große Anerkennung. Besonderes Augenmerk wird in diesem Wettbewerb auf Konzepte für angemessene Nutzungserweiterungen der sakralen Räume sowie die Stiftung sozialer Beziehungen zwischen Menschen im ländlichen Raum und die Vernetzung vorhandener Strukturen gelegt.

Die feierliche Auszeichnung findet am Freitag, dem 17. September 2010, um 15 Uhr in der Dorfkirche Löhme (Barnim) statt.

Dorfkirche Wegendorf
Herr von Wegen lädt ein

Kirchenmäuse gehören im Allgemeinen zu einer beklagenswerten Spezies, in Wegendorf hingegen wurde eine zum Kirchenführer qualifiziert. Hier nämlich weiß die kluge Maus Herr v. Wegen Antworten auf viele Fragen und bringt so den kleinsten Besuchern der Kirche das ganz Besondere dieses Ortes nahe. Von Wegen! In Wegendorf bleibt die Zeit nicht stehen, als erstes sichtbares Ergebnis des Sanierungsvorhabens wurde zu Weihnachten die lange stillstehende Kirchenuhr wieder in Betrieb gesetzt.

Das Ticken in Wegendorf scheint den Rhythmus der Veränderungen vorzugeben. Denn seit der Gründung des Fördervereins im Juni 2009 entsteht in enger Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde und der Stadt Altlandsberg ein rühriges Programm, das zum Ziel hat, die ehrwürdige Feldsteinkirche zu sanieren und als kulturellen Mittelpunkt der Gemeinde zu beleben. Die Mitglieder gewährleisten von Ostern bis Erntedank sonntags eine "Offene Kirche" und tragen durch ihre Präsenz auf regionalen Festen zur Öffentlichkeitsarbeit im Sinne der Kirche und der Region bei. Sehr ansprechend bietet der besonders gelungene und sorgfältig gepflegte Internetauftritt aktuelle Informationen ebenso wie Hintergründe und Vorhaben des Vereins. Herr von Wegen wird offenbar sobald nicht zur Ruhe kommen.

  Förderverein Dorfkirche Wegendorf e.V.
 
Landkreis Märkisch-Oderland
 
Dorfkirche Gosen
Gemeinsam an einem Strang ziehen

Seit sich der Förderverein Dorfkirche Gosen gegründet hat, herrscht Betrieb an der Kirche in dem kleinen Dorf am Seddinsee. In zahlreichen Arbeitseinsätzen konnte sie grundlegend gereinigt und durch kleine Reparaturen für vielfältige Kulturveranstaltungen hergerichtet werden. Diesem Ziel, dem sich der Verein neben der Sanierung des Kirchengebäudes verschrieben hat, sind die Gosener schon ein ganzes Stück näher gekommen. Ganz zeitgemäß informiert eine gut gepflegte Internetseite über anstehende Neuigkeiten, alte Geschichten und die Resonanz in der Presse. Von Mai bis September halten Kirchengemeinde und Vereinsmitglieder die Kirche an Sonntagen mit Ausstellungen und Führungen offen.

Als nächstes sollen ein Sanierungsgutachten und die Reparatur der Heizung in Angriff genommen werden. Die bisher eingeworbenen Spenden kamen bereits dem elektrischen Gebläse der Orgel und der Pflasterung des Kirchenvorplatzes zu Gute, alles Maßnahmen, die dazu dienen, das 1914 errichtete Kirchengebäude besser zu nutzen, und eine solide Grundlage für zukünftige Unternehmungen bieten.

  Förderverein Dorfkirche Gosen e. V.
 
Landkreis Oder-Spree
 
Dorfkirche Lichterfelde
Hoffnungsvoller Lichtblick für Lichterfelde

Dem ältesten Gebäude in dem 75-Seelen-Dorf Lichterfelde, der Feldsteinkirche aus dem frühen 13. Jahrhundert, standen trübe Aussichten bevor. Legte man die Fakten auf den Tisch, blieben sofortiger Verfall, verzögerter Verfall oder aber Sanierung des Gebäudes zum Wohle der Dorfgemeinschaft und ihrer Besucher.

Da war die Entscheidung der Lichterfelder für ihre Kirche rasch getroffen, aber wie soll das Ziel erreicht werden? Der im November 2009 gegründete Förderverein will nun die Anstrengungen bündeln und durch Benefizveranstaltungen Mittel zur Hüllensanierung der Kirche sammeln, Fördermittel beantragen und Nutzungsmöglichkeiten entwickeln. Dabei wird die Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum "Oberlaubenstall",aber auch die touristische Anbindung an den "Fläming-Scate" von großem Nutzen sein.

  Förderverein Lichterfelder Dorfkirche e. V.
 
Landkreis Teltow-Fläming
 
Dorfkirche Niederlehme
Jung und Alt engagieren sich in Niederlehme

Noch keine hundert Jahre ist die Kirche in dem Ende des 19. Jahrhunderts rasch angewachsenen Industrieort Niederlehme. Sie wurde 1914 von K. Hetzel unter der Aufsicht von Georg Büttner in "schlichtem modernem Barock" gebaut. Aus dem örtlichen Kalksandstein entstand auch die Innenausstattung. Die imposante Kanzel aus Kunstsandsteinblöcken ist eine Stiftung des Großindustriellen Robert Guthmann. Die Ausmalung in "barockisiertem" Jugendstil wurde von R. und O. Linnemann geschaffen, ist allerdings in den 70er Jahren weiß übertüncht worden. Eine vollständig und unverändert erhaltene spätromantische Orgel der Firma Dinse/Berlin rundet die Ausstattung ab.

Seit ihrer Konfirmation läuten zwei Jungs aus Niederlehme jeden Sonntag die Glocken. Sie sind stolz, alle Geheimnisse der Kirche zu kennen. Da sind ihnen natürlich die Holzmehlhäufchen unter der Orgel, das marode Dach und die beschädigten Fenster aufgefallen. Die beiden Zwanzigjährigen, einer davon angehender Orgelbauer, haben den Anstoß zur Gründung des Fördervereines gegeben, der sich die Sanierung und originale Wiederherstellung der Kirche zum Ziel gesetzt hat. Als positive Resonanz ist die Zusammensetzung des Vereins aus allen Altersgruppen zu werten. Erste Benefizkonzerte und die Bereinigung des völlig verwachsenen Umfelds der Kirche setzen Zeichen. 2014 soll die Außensanierung fertiggestellt sein, planen die jungen Vereinsgründer mit großem Elan.

  Förderverein Evangelische Kirche Niederlehme e. V.
 
Landkreis Dahme-Spreewald
 
Dorfkirche Klein Muckrow
Im Herzen des Dorfes

Wen ein Navigationsgerät nach Klein Muckrow lotst, den lässt es vor der schlichten Fachwerkkirche mitten auf dem Dorfanger halten. Das muss ein schmucker Anblick sein, beschlossen die Dorfbewohner und gründeten 2009 einen Förderverein zur Erhaltung ihrer Kirche aus dem Jahr 1777. Mit schlichter Ausstattung ist sie doch das älteste Gebäude im Ort und soll in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde wieder das würdige Zentrum des Dorfes werden. Gemeinsam Konzerte und Kinderprogramme veranstalten, Sanierungskonzept und Dorfchronik erarbeiten, einen Raum für soziales Miteinander bieten, das sind die Pläne des Vereins.

Der Platz um die Kirche herum ist bereits vom Bewuchs befreit, sodass die Gäste der "Offenen Kirche" Klein Muckrow nun getrost in das neu belebte Zentrum kommen können, die Gefahr des Verfalls der Kirche ist gebannt.

  Förderverein Dorfkirche Klein Muckrow e. V.
 
Landkreis Oder-Spree
 
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Wo ist mein Geld nur geblieben...?

Wir möchten noch mehr erfahren, wie mit unseren Spenden und Mitgliedsbeiträgen notleidenden Kirchen geholfen wird – eine Wortmeldung auf der diesjährigen Mitgliederversammlung. Die Redaktion hat diese Anregung aufgegriffen und wird künftig anhand einzelner Beispiele auf die Frage antworten. Hier ein erster Beitrag – weitere Beispiele im nächsten Beitrag.

MALCHOW (Uckermark)

Mit viel Musik und langem Atem

Malchow  
Foto: Bernd Janowski

Denkmalpflege braucht Langmut und Vertrauen in die Zukunft. Beides müssen die FAK-Vorstandsmitglieder im Übermaß gehabt haben, die sich vor sieben Jahren durch Gestrüpp zum Malchower Kirchlein durchkämpften und innen nur Verfall, Morbidität, Zeichen für einen drohenden endgültigen Einsturz vorfanden. Eine ob der Eindringlinge verärgerte Eule war wohl das einzige Lebewesen, das hier seit langem gesichtet wurde. Wer gibt einen Cent für die Zukunft solcher Halbruine?

Der Förderkreis Alte Kirchen gab 5.000 Euro dafür, dass dieses 700-jährige Baudenkmal erst einmal gesichert werden konnte. Eine Versicherung auf die Zukunft. An die glaubte man im Kirchenkreis offensichtlich weniger, sah keinen Sinn in der Zuwendung für ein Gotteshaus, das man aufgeben wollte.

Die Notsicherung, für die der FAK den Grundstock gelegt und andere Geldgeber angeregt hatte, verschlang keine Unsummen. Ein Stützgerüst wurde im Innern aufgebaut, das Dach noteingedeckt. Eine Kirche im Wartestand.

Jahre vergingen. Im Pfarrsprengel Schönfeld waren nach der Wende dank des Engagements von Pfarrer Thomas Dietz und seines Geschicks, Sponsoren zu gewinnen und jeweils das ganze Dorf samt Nachbarschaft zu aktivieren, zehn von elf Dorfkirchen saniert worden. Der gemeinsame Gemeindekirchenrat hatte die vorhandenen Mittel jeweils für ein Objekt gebündelt. Malchow war übrig geblieben.

Gab es denn wirklich eine Zukunft für die kleine Feldsteinkirche? Wenige hundert Meter entfernt steht der Gemeinde das restaurierte Göritzer Gotteshaus offen. Aber es gibt ja auch noch andere gute Gründe, eine Stätte der Begegnung zu schaffen in einem Umfeld, in dem öffentliche Räume rar geworden sind. Eine zündende Idee: Das einstige "Aschenputtel" avanciert zur Musikkirche und das gleich mit internationalen Verbindungen.

Die Büchsel-Stiftung der Schönfelder Kirchengemeinden – der Name erinnert an den verdienstvollen Brüssower Theologen Carl Büchsel (1803-1889) – lobte einen Musikpreis für Kinder und Jugendliche aus und verband damit die Rettung der Kirche. Die Ausschreibung erfolgt im Umkreis von hundert Kilometern, grenzüberschreitend nach Polen sowie in den Partnergemeinden in Lettland und Baden-Württemberg. Und das Echo ist überall groß. Inzwischen wurde der "Inter-nationale Malchower Kirchenpreis" schon zum zweiten Mal vergeben.

Bei so viel jugendlichem Enthusiasmus verjüngt sich auch die Kirche zusehends. Jetzt zeigt sich schon mal der Turm in seiner ursprünglichen Schönheit, und seine Bekrönung wurde mit einem großen Fest mit Gästen aus nah und fern gefeiert. Für die Malchower war es aber wohl das bewegendste Erlebnis, als nach mehr als 50 Jahren erstmals wieder die Glocke vom Turm erklang. Viele, die im Ort geboren wurden und hier aufwuchsen, hörten sie an diesem Tag zum ersten Mal.

  Malchow
Foto: Evangelisches Pfarramt Schönfeld

Mit der Restaurierung des Turms wurde der erste Bauabschnitt abgeschlossen, der zweite folgt sogleich: die Instandsetzung des Dachstuhls über dem Kirchenschiff. Bis 2012 soll auch der Innenraum hergerichtet sein – denkmalgerecht, aber den akustischen und räumlichen Anforderungen für intime Konzerte angepasst.

Wir stehen in diesem Raum zwischen den sperrigen Stützbalken, blicken auf die offenen Fenster, den unebenen Fußboden und die Plane über der defekten Orgel und können uns partout keinen perfekten Konzertraum vorstellen. Gerd Kohli hat da mehr Phantasie. Er ist der Mann fürs Praktische im Pfarrsprengel, hat den Überblick über alles Baugeschehen heute und morgen, leitet die hier über Arbeitsförderungsmaßnahmen vermittelten Arbeitskräfte an und ist als Mitglied des Gemeindekirchenrates ganz mit dem Herzen dabei. Er sieht in dieser Halbruine schon die restaurierte Kirche, die auch wieder zu Gottesdiensten einlädt, und die Verwirklichung der nächsten ungewöhnlichen Idee: den Malchower Labyrinthpark, der – im grünen Umfeld angelegt – bis zu einer meditativen Wegführung auf dem Steinfußboden der Kirche leiten wird: Auf dem Weg zur Mitte.

5.000 Euro, erbracht von unseren Mitgliedern und Spendern, retteten einst das Malchower Kirchlein. Auch an der Finanzierung der Turmsanierung beteiligte sich der FAK. 510.000 Euro wird die gesamte Restaurierung kosten, dafür fließen nun auch Gelder aus öffentlicher und privater Hand, weil das Konzept überzeugt.

Wo ist unser Geld geblieben? – Es ist in guten Händen.

Eva Gonda

 
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Gefördert durch den FAK

Viele Mosaiksteine erfolgreichen Engagements

WASSERSUPPE (Havelland)

Abschluss der Sanierung

Nach umfangreichen Arbeiten, an deren Finanzierung der FAK beteiligt war, konnte die Sanierung des Kirchturms abgeschlossen werden. Die Dorfkirche von Wassersuppe ist ein schlichter barocker Fachwerkbau von 1756. Den Fachwerkwänden des Kirchenschiffes wurde Ende des 19. Jahrhunderts Ziegelmauerwerk vorgeblendet. Im Innenraum hat sich ein barocker Kanzelaltar von Johann Christof Richter aus dem Jahr 1703 erhalten. Im Zuge der Instandsetzung wurden die Balken des Fachwerkes ausgebessert, die Ausmauerung repariert sowie die Dachdeckung erneuert.

STENDELL (Uckermark)

Der Kirchturm ist zur Kur

Seit einigen Wochen ist der Turm der Dorfkirche von der Bildfläche verschwunden – kein Grund zur Aufregung unter den Stendellern. Die Arbeiten zur Instandsetzung haben begonnen. Wegen einer ungewöhnlich starken Schädigung der Hölzer durch den Gemeinen Hausschwamm muss der hölzerne Dachturm mit achteckigem Oberteil und spitzer Haube von 1876 in Einzelteilen bis auf den gemauerten Giebel abgebaut werden. Bereits 2002 war eine provisorische Stützkonstruktion geschaffen worden. Bis Jahresende sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

An der Finanzierung des rund 200.000 Euro teuren Bauabschnittes beteiligt sich neben Landeskirche, Kirchenkreis, Kirchengemeinde, dem Land Brandenburg, dem Landkreis Uckermark und mehreren Stiftungen auch der FAK.

SCHÖNEBECK (Prignitz)

Musikalische Unterstützung

Im Innenraum der Dorfkirche begannen die Sanierungsarbeiten. Im vergangenen Jahr war die Außenhaut des aus dem Jahr 1660 stammenden Fachwerkbaus umfassend instand gesetzt worden. Neben einer finanziellen Zuwendung unterstützte der Förderkreis Alte Kirchen die Maßnahmen durch Vermittlung eines Benefizkonzertes. Bevor nun wieder Gerüste im Innenraum aufgestellt wurden, besuchten über 100 Zuhörer ein Konzert der Bigband der Kreismusikschule Prignitz im Rahmen der Reihe "Musikschulen öffnen Kirchen".

QUITZOW (Prignitz)

Aufs Dach gestiegen

Die Arbeiten zur Sanierung des Kirchendaches haben begonnen. Im Traufbereich müssen große Teile der Holzkonstruktion – Sparren, Schwellhölzer und Deckenbalken – erneuert werden. Anschließend erhält das Dach eine neue Deckung mit Biberschwänzen. Dabei können zum Teil alte Dachsteine wiederverwendet werden. Die Sanierungskosten in Höhe von ca. 65.000 Euro werden zu zwei Dritteln von der Kirchengemeinde, dem Kirchenkreis Perleberg-Wittenberge und der Landeskirche aufgebracht. Der Förderkreis Alte Kirchen beteiligte sich mit einem Zuschuss.

WISMAR (Uckermark)

Engel wieder "im Dienst"

In einem feierlichen Taufgottesdienst übernahm nach aufwändiger Restaurierung der Taufengel der Dorfkirche wieder seine ursprüngliche Aufgabe. Der FAK konnte sich dank der Spende eines Mitglieds mit ca. 3.000 Euro an der Finanzierung beteiligen. Bereits vor einigen Jahren hatte der FAK auch die Restaurierung des barocken Altaraufsatzes unterstützt.

GROSS BREESEN (Spree-Neiße)

Zurück aus dem Dachboden-Exil

Nach Jahrzehnten der Verbannung auf den Dachboden schwebt auch in der Dorfkirche von Groß Breesen der alte Taufengel wieder an seinem einst vorgesehenen Platz. Er war der Gemeinde 1705 gestiftet worden, aber bereits 1732 riss das Seil der Aufhängung und der Engel stürzte ab. Seitdem lagerte die sehr qualitätsvoll gearbeitete Figur beschädigt auf dem Dachboden der Kirche. Im Zuge der umfassenden Restaurierung wurde er gründlich gereinigt und von Holzschutzmitteln entgiftet. Fehlende Teile wurden behutsam ergänzt. Zur Finanzierung der etwa 18.000 Euro teuren Reparatur kann der FAK mit Spenden aus der Aktion "Menschen helfen Engeln" beitragen.

 
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Aus Köln für Brandenburg

Blinde Organistin musizierte zu Gunsten notleidender Dorfkirchen

 
HERZLICHES DANKESCHÖN mit Blumen und Spargel als Spezialität der Region für die Künstlerin nach dem Konzert in Siethen
Foto: W. Herzog

Es gibt immer wieder Zufälle, wie aus einer kurzen persönlichen Begegnung – heutzutage unpersönlich "Kontakt" genannt – ein Nutzen für unsere Dorfkirchen in Brandenburg entstehen kann. Am Rande einer Ausstellung des FAK wurde die Möglichkeit angesprochen, dass die Schwester eines Besuchers, studierte Kirchenmusikerin, Orgelkonzerte zu Gunsten von notleidenden Kirchen in Brandenburg geben könne. Der Gedanke gewann Gestalt und bei der weiteren Erörterung stellte sich heraus, dass die Musikerin blind ist und in Köln wohnt, was einige logistische Schwierigkeiten versprach. Diese ließen sich lösen, als ihre Familie einen Urlaub an der Ostsee plante und auf der Durchreise Verwandte in Potsdam besuchte. Von hier aus konnte die Musikerin zu Konzerten in das Umland fahren.

Blinde, so sagt man, haben ein besonders feines Gehör. So galt es, für die Auswahl des Musikprogramms erst einmal herauszufinden, wie die Orgeln an den einzelnen Spielorten gestimmt sind. Nach den ermittelten Daten stellte die Kantorin, Melanie Noske-Herzog, das Musikprogramm für die Orgeln der vier ausgewählten Dorfkirchen im Landkreis Teltow-Fläming zusammen: Märkisch Wilmersdorf, Siethen, Niebendorf und Wiepersdorf, wobei die Gemeinde Wiepersdorf großzügig für Waltersdorf einsprang, wo die Orgel unbespielbar ist, der Konzerterlös aber dringend gebraucht wird. Werbezettel wurden gedruckt, Ankündigungen in "Offene Kirchen" und Gemeindebriefe gestellt und Gottesdienstbesucher informiert.

Es macht Freude, wenn man erlebt, wie die Kirchengemeinden und Förderkreise in den Dörfern solche Veranstaltungen organisieren. In Märkisch Wilmersdorf wurde vor der Kirche gegrillt und es gab einen Getränkestand; in Siethen wurden vor der Kirche Kaffee und Kuchen angeboten wie auch in Niebendorf, wo man den geselligen Teil ins Dorfgemeinschaftshaus "Schafstall" verlegte, eine Kirchenbesichtigung arrangiert hatte und Dias aus dem Dorfleben zeigte. Die Konzertbesucher fanden sich schon früh ein, die Stimmung war erwartungsvoll: eine blinde Künstlerin, wie würde das wohl gehen? Was mit Erstaunen begann, endete in Begeisterung. Melanie Noske-Herzog zeigte den Zuhörern, wozu eine kleine, nicht immer stimmige Dorfkirchenorgel fähig ist. Das Repertoire offenbarte all die vielfältigen Möglichkeiten der Orgeln und machte den Besuchern einmal wieder klar, welchen Schatz sie mit und in ihrer Kirche haben. Der lange Beifall war verdient und das nachfolgende Miteinander fröhlich und gelöst. Wer alle vier Konzerte mit gleichem Programm gehört hatte, war verwundert, wie anders dieselben Stücke auf den unterschiedlichen Orgeln klangen.

Alle Konzerte gemeinsam erbrachten 1.000 Euro an Spenden für die vier Dorfkirchen. Vielleicht wird Melanie Noske-Herzog im nächsten Jahr wieder in Brandenburg spielen – wir werden Sie rechtzeitig informieren.

Dr. Hans Krag

 
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Neues von unserer Stiftung

Zinsen werden zu wichtigen Bausteinen

Gedanken um weitere Möglichkeiten der Zustiftung

Das Vermögen unserer Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen ist inzwischen auf 129.450,10 Euro gewachsen. Möglich wurde das auch dadurch, dass eine jahrelange Förderin unserer Arbeit in ihrem Testament unsere Stiftung mitbedacht hat. Sie ist nun verstorben, der uns zugedachte Betrag von 4.000 Euro wurde der Stiftung überwiesen.

Ich nehme das gern zum Anlass, für diese Möglichkeit der Unterstützung unserer Arbeit ausdrücklich zu werben. Es ist ja durchaus sinnvoll, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, dass unsere Zeit auf dieser Erde befristet ist und wir uns alle – früher oder später – vom Leben zu verabschieden haben. "Auf dass wir klug werden", heißt es dazu im Psalm 90.

Und klug ist es allemal, noch bei Lebzeiten zu klären, was aus den eigenen Hinterlassenschaften werden soll, welche sinnvolle Zweckbestimmung sie noch finden könnten. Sowohl der Förderkreis Alte Kirchen wie auch dessen Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen verdienten es in diesem Sinne durchaus, in einem Testament mitbedacht zu werden.

Lassen Sie sich doch einladen, darüber einmal nachzudenken. Auf Fragen geben wir gern Auskunft. Demnächst können wir Ihnen auch eine entsprechende Broschüre zukommen lassen, die jetzt von der Stiftung KIBA erarbeitet wird.

Unser nächstes Etappenziel ist es nun, das Stiftungsvermögen auf 150.000 Euro zu erhöhen, möglichst noch in diesem Jahr. Natürlich geht das nur, wenn uns weiterhin Freunde des Förderkreises Alte Kirchen dabei helfen.

Im Oktober wird der Vorstand unserer Stiftung darüber zu beschließen haben, welche Projekte aus den Zinserträgen 2010 gefördert werden sollen. Das heißt: Schon bald muss der FAK-Vorstand dafür einen Vorschlag machen. Etwa 5.000 Euro werden voraussichtlich zu vergeben sein.

Bevor aber dieses Geld 2011 angewiesen wird, möchten wir noch in Selbelang (Havelland) die 2009 zugesagten 2.500 Euro überreichen. Wenn alles nach Plan geht, können dort im Herbst neue Gerüste für die weitere Dachsanierung der St.-Nikolai-Kirche aufgestellt werden. Wir werden dann vor Ort sein und freuen uns ganz nebenbei auch auf den leckeren Kuchen, der zu solchen Anlässen in Selbelang angeboten wird. Wer will mitkommen?

Im September-Heft "Stiftung KIBA aktuell" wird übrigens die erfolgreiche Zusammenarbeit der Stiftung KIBA mit unserer Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen am Beispiel Selbelang vorgestellt werden. Möchten Sie ein Exemplar haben? Wir senden es Ihnen gern.

Arnulf Kraft

HIRSCHFELDE (Barnim)

Feierliche Scheck-Übergabe

 
MIT DEM SCHECK soll es in Hirschfelde künftig vorangehen.
Foto: A. Kraft

Nach erheblichen Verzögerungen bei der Planung der Rekonstruktion konnte nun im Juni der von unserer Stiftung zugesagte Betrag von 1.850 Euro überreicht werden, dazu ein Ergänzungsbetrag des FAK von 650 Euro.

In einer kleinen Feierstunde stellte die beauftragte Architektin Bettina Krassuski vom Planungsbüro ALV alternative Planungen für die Sanierung und vor allem für die neue Bedachung der Kirche vor. Die teilnehmenden Förderkreis-Mitglieder waren sichtlich beeindruckt vom Ausmaß der noch anstehenden Aufgaben wie gleichzeitig vom unverdrossenen Engagement der Hirschfelder für den Wiederaufbau ihrer Kirche. Der Vorstand der Stiftung Brandenburgische Kirchen, der Förderkreis Alte Kirchen sowie die Stiftung KiBa wünschen dem Vorhaben einen guten Fortgang.

 

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Der Andacht und Verehrung des Herrn geweiht

 
IN AKUTER NOT

Diesmal erbitten wir Ihre Spende für die

DORFKIRCHE DARSIKOW

(Landkreis Ostprignitz-Ruppin)
 

Dorfkirche Darsikow  
Foto: Evang. Gemeinde DarsikowGroßbildansicht

Nur auf wirklich guten Landkarten ist der kleine Ort Darsikow, etwa auf halbem Wege zwischen Neuruppin und Wittstock nahe der Autobahn A 20 gelegen, zu finden. Gerade mal zwölf Einwohner leben in den wenigen Häusern inmitten idyllischer Natur.

Erstmals erwähnt wird der Ort in einer Urkunde von 1320, nach der Herzog Heinrich II. von Mecklenburg dem Havelberger Bischof einige Orte überlässt, die bisher im Besitz des Klosters Doberan waren, darunter Darsikow. Spätestens im 15. Jahrhundert scheint das Dorf der mittelalterlichen Agrarkrise zum Opfer gefallen zu sein, mehrfach wird es in den Aufzeichnungen als wüste Feldmark in unterschiedlichem Besitz bezeichnet. Schließlich errichtet die in Horst ansässige Familie von Blumenthal hier ein Vorwerk. Auch dieses Vorwerk wechselt häufig den Eigentümer, bis es schließlich 1818 in den Besitz des Amtmanns Carl Johann Hartwig Binder kommt.

Obwohl Darsikow damals gerade einmal zwölf Feuerstellen besitzt, lässt Binder 1832 eine Kapelle errichten, die laut heute noch vorhandener Inschrift "Der Andacht und Verehrung des Herrn geweiht" ist. Es entsteht ein schlichter, nahezu quadratischer Bau aus unregelmäßig gespaltenen Feldsteinen, sogenanntem Zyklopenmauerwerk, mit einem einfachen verbretterten Dachreiter. Als Schmuckelemente werden lediglich für die Gebäudekanten, das Gesims und die Fensterleibungen Backsteine verwendet.

In den Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts finden in der Darsikower Kirche die letzten Gottesdienste statt, danach fiel sie in einen langen Dornröschenschlaf. Seit einem knappen Jahr nun versucht ein Förderverein, die inzwischen in Privatbesitz befindliche Kirche aus eben diesem Schlaf zu erwecken und wieder mit Leben zu erfüllen. Laut Nutzungskonzept des Vereins gibt es große Pläne für das kleine Gotteshaus. Konzerte, Ausstellungen und Lesungen könnten hier ebenso stattfinden wie private Familienfeiern. Fahrradtouristen stünde ein Rastplatz für die Seele zur Verfügung. Aber auch Gottesdienste sollen hier nach dem Willen der Darsikower zu den besonderen Festen des Kirchenjahres wieder stattfinden.

Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Noch ist das Dach undicht und der Turmaufsatz vom Einsturz bedroht. Fenster sind kaputt. Die Kanzel liegt in einer Ecke. Inzwischen haben die Vereinsmitglieder eine Stützkonstruktion in den Kirchenraum eingebracht und das Umfeld von Wildwuchs befreit. Eine Kirchen- und Ortschronik ist in Arbeit, die Ergebnisse der Geschichtsforschung sollen in einem Schaukasten vorgestellt werden. Sogar die ehemals im Dachreiter befindliche Glocke, gegossen 1898 von der Gießerei Gustav Collier in Zehlendorf, haben die Vereinsmitglieder wiedergefunden. Nach Aufgabe des Kirchengebäudes gelangte sie in die Stephanus-Werkstätten im Stift Heilbrunn. Bevor über eine Rückkehr der Glocke nach Darsikow nachgedacht wird, gibt es viel zu tun. Die Vereinsmitglieder sind erst am Beginn ihrer Bemühungen. Zahlreiche bürokratische Hürden sind zu nehmen: die Anmeldung des Vereins beim Amtsgericht und beim Finanzamt, die Formulierung des Bauantrages und die Beantragung von Fördermitteln. Und selbst wenn es zu einer Förderung der Instandsetzung kommt, muss irgendwie noch der finanzielle Eigenanteil aufgebracht werden.

Doch die Darsikower sind optimistisch und haben ein ehrgeiziges Ziel: Vor knapp fünfzig Jahren hat ein heute im benachbarten Rägelin lebendes Ehepaar als letztes in dieser Kirche geheiratet. Am liebsten würden die beiden die Goldene Hochzeit in der sanierten Darsikower Kirche feiern.

Bernd Janowski

Weitere Informationen:
Verein Kleine Kirche Darsikow e.V.;
Sibille Podorf; Darsikow 3; 16818 Temnitzquell OT Rägelin; Tel.: 03 39 24 - 7 90 58; E-Mail: darsikow@web.de

Spendenkonto:
Förderkreis Alte Kirchen
Kto.-Nr. 5 199 767 005; BLZ 100 900 00 Berliner Volksbank; Kennwort: Darsikow

 

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Im Jerichower Land ganz ROMANISCH

Monumente – Mönche – Marionetten

Dorfkirche Großwulkow   Dorfkirche Großwulkow  
Großwulkow Fotos: Norbert TrebeßGroßbildansicht  Großbildansicht

Die Dorfkirche Großwulkow gehört zu den ältesten romanischen Backsteinkirchen Deutschlands. Die Besucher, die sich an diesem Nachmittag unter dem Triumphbogen mit dem alles beherrschenden Kreuz versammelt haben, lassen sich einmal in die Atmosphäre eines mittelalterlichen Gottesdienstes versetzen, als der Glaube noch das Wichtigste war: das Kirchenschiff, spärlich erhellt durch kleine Rundbogenfenster im mächtigen Mauerwerk; der Priester in prächtigem Ornat im vom Schiff abgehobenen Chor; der damals schlichte Altar; die biblische Geschichten erzählenden Wandbilder...

Pfarrer i. R. Karlheinz Stephan macht für die Teilnehmer der FAK-Exkursion ins Jerichower Land Geschichte lebendig, demonstriert sie auch am Inventar; so an der abgesägten Ecke der steinernen Altarplatte, wodurch in der Reformationszeit der Altar entweiht werden sollte. Und er schlägt den Bogen in die Gegenwart, wo es bei schrumpfenden Zahlen der Gläubigen neuer Ideen bedarf, die schönen alten Kirchen zu erhalten: "Früher wollten alle in den Himmel – heute wollen alle ins Fernsehen."

Dabei muss man den ehrenamtlichen Helfern an der Seite von Karlheinz Stephan bescheinigen, dass sie bemerkenswert gute Ideen haben. In dem Bemühen um die Erhaltung von sechs romanischen Dorfkirchen abseits der "Straße der Romanik" gründete sich ein Geschichtskreis, der u. a. mit zahlreichen Publikationen Spenden einwirbt. Hervorragend organisiert ist hier auch die Aktion "Offene Türen": An jeder Kirchenpforte findet der interessierte Tourist eine Telefonnummer, deren Wahl innerhalb von zehn Minuten einen Kirchenführer auf den Plan ruft. Und diese rund dreißig Kirchenführer sind bestens ausgebildet, können jeder ein entsprechendes Zertifikat vorweisen. Außerdem: Wo lässt man schon die Puppen tanzen im Dienst alter Gotteshäuser? Die kleine Marionettenbühne ging einmal aus der Konfirmandenarbeit hervor und wurde in DDR-Zeiten sogar als "sozialistisches Volkskunstkollektiv" gefördert. In der kleinsten der sechs Kirchen, in Briest, erfreut es die Exkursionsteilnehmer an diesem Tag mit einigen vergnüglichen Szenen. All den ehrenamtlichen Mitarbeitern des GuM – Geschichtskreis und Marionettenbühne im Kirchspiel Wulkow/Wust – herzlichen Dank, auch für die Bewirtung mit Kaffee und Kuchen.

So bringt mancher von diesem Ausflug in die Altmark wohl auch gute Anregungen für die eigene Kirchenförderarbeit mit nach Hause – ganz abgesehen von den tiefen Eindrücken, die diese monumentalen romanischen Baudenkmale bei jedem Besucher hinterlassen.

Es ist ja zugleich ein Stück preußischer Geschichte, das dort durchmessen wird. In Wust etwa, wo man in der Gruft derer von Katte am schlichten Holzsarg Hans Hermann von Kattes steht, der als Mitwisser der Fluchtpläne des Kronprinzen Friedrich 1730 in Küstrin enthauptet wurde. Oder in Schönhausen, dem Geburtsort Otto von Bismarcks. Eine kupferne Gedenktafel erinnert an ihn in seiner Taufkirche, deren gewaltiger Westquerturm die Bezeichnung "Dorfkirche" unangemessen erscheinen lässt. Noch monumentaler ist freilich das ehemalige Prämonstratenser-Kloster Jerichow mit seinen weit ins Land hinein schauenden Türmen. Es ist eine der besterhaltenen romanischen Klosteranlagen – oder auch eine der am besten "renovierten". Bereits in den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts wurde die Kirche auf ihren romanischen Ursprung rückgebaut, weitere Restaurierungsarbeiten folgten nach 1990. Runde Säulenbögen kontrastieren mit der flachen Holzdecke, rote Ziegel mit weißem Putz. In ihrer schlichten, nach Zeiten des Verfalls und der Fremdnutzung wiedergewonnenen Schönheit zeugt die Klosteranlage heute vom Schaffen der Prämonstratenser, die stilbildend für den märkischen Backsteinbau wirkten.

Eine so finanzstarke Förderung erfuhren die kleineren Kirchen im Umland im allgemeinen nicht. Umso höher ist die Arbeit all der ehrenamtlichen Kräfte zu werten, die sich allerorts um die Bewahrung dieser einzigartigen Schätze bemühten und bemühen. In Wust zum Beispiel war es ein junger Mann, damals noch Schüler, der den ganzen Ort mobilisierte und damit die schon dem Verfall preisgegebene Dorfkirche rettete. Lange hatte eindringendes Regenwasser im Kirchenschiff riesige Schäden angerichtet, auch die barock bemalte Kassettendecke fast vernichtet. Heute lächeln wieder rund hundert pausbäckige Engel in Originalfarben vom Kirchenhimmel.

Da möchte man dann doch lieber statt ins Fernsehen in den Himmel kommen – wenn man so freundlich empfangen wird...

Eva Gonda

 

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ROMANTISCH auf den Spuren des Trauerzuges für Königin Luise

"...o Jammer; sie ist hin."

Luise Sarkophag Rauch  
LUISES Sarkophag von Christian Daniel RauchGroßbildansicht

Es war ein heißer Tag Ende Juni, als Luise von Preußen 1810 in der offenen Kutsche von Berlin nach Neustrelitz reiste und Staub und Fahrtwind ihre angegriffene Gesundheit strapazierten. Sie wollte mit ihrem Vater ein paar Tage zur Sommerfrische in Hohenzieritz verbringen, der neuen herzoglichen Sommerresidenz im frühklassizistischen Stil mit hochmodernem weitläufigen Landschaftspark nach englischer Mode. Doch nach kurzer Zeit lag die Königin mit Fieber nieder, das nicht abklingen wollte. In den kühlsten Raum des Schlosses, in sein Arbeitszimmer, ließ Carl zu Mecklenburg-Strelitz seine Lieblingstochter betten, wo sie am 19. Juli vor 200 Jahren in den Armen ihres rasch herbeigeeilten Gemahls mit 34 Jahren starb.

Gespannt lauscht die FAK-Reisegruppe den Ausführungen von Hans Joachim Engel, dem Leiter der Luisengedenkstätte: "Ihre Schwester Friederike schrieb: ‚Die Uhr schlug 9, als ihr Kopf zur Seite sank, und genau diese Uhr sehen wir hier stehen." Das scheint wie ein Wunder, denn die Kunstwerke der alten Ausstattung waren alle verschwunden oder zerstört.

Bereits 1813 ließ der Vater drei Räume als Gedenkstätte einrichten, viele Besucher verewigten sich auf einer der Flügeltüren. Bis 1945 bestand dieser Ort des Andenkens, danach unterlag das Schloss anderen Nutzungen. Seit 1993 kümmert sich ein Förderverein um die Wiederherstellung und hat erfolgreich Gemälde und persönliche Dinge zusammengetragen, die Luises Geschichte illustrieren. Auch der Landschaftspark wurde so zurückgebaut, dass die Sichtachsen wieder in die weite mecklenburgische Landschaft führen.

Die Schlosskapelle hat als Rundkirche mit Giebelportikus das römische Pantheon zum Vorbild. Sie wurde 1806 errichtet und mit Altargerät von Luise, Friederike und deren Großmutter ausgestattet, die, ganz sparsame Hausfrau, die Kanne aus den ausgelösten Silberfäden alter Brokate hat arbeiten lassen.

Die Stadtkirche in Neustrelitz hat ganz andere Ausmaße, der querrechteckige Saal aus dem 18. Jahrhundert besitzt zudem eine umlaufende Doppelempore. Nachdem der Kanzelkorb abgetrennt war, schmückte den Altar seit Mitte des 19. Jahrhundert eine Kopie der Rubensschen Kreuztragung aus den Händen der Großherzogin Marie. Ein besonderer Genuss war die Orgelführung von Kantor M. Voigt, der die Grüneberg-Orgel (1893) erklingen ließ.

  Luise - Denkmal
Denkmal an der B 96 bei DannenwaldeGroßbildansicht

Luises Leichnam wurde nach einem präzisen Reglement nach Berlin überführt. Auf mehreren Seiten war festgelegt, welche Route in welcher Ausstattung und Begleitung der Zug nehmen sollte. Der Trauerwagen, "mit Acht Pferden bespannt, welche, so wie der Wagen, mit gewöhnlichen schwarzen Decken belegt sind" setzte sich in Begleitung von "Preussischen und Mecklenburgischen Hof-Cavalieren" und gefolgt von den Wagen, "worin die Oberhofmeisterin Gräfin v. Voss mit den anwesenden Hofdamen fährt, und diesem Wagen folgt der der anwesenden Hof-Cavaliers, Kammerfrauen und des übrigen Gefolges" in Richtung Gransee in Bewegung.

Die große Anteilname der Bevölkerung – alle Glocken läuteten entlang des Weges, die Menschen standen Spalier – drückt sich in den Gedenksteinen aus. Einer steht an der damaligen Landesgrenze in Dannenwalde, dort endete das Geleit der Mecklenburger.

Das Äußere der achtseitigen "Kirche am Weg" in dem kleinen Ort wurde auf Initiative des 1994 gegründeten Fördervereins restauriert. Im Inneren des 1821 durch die hier ansässige Familie v. Waldow im neugotischen Stil errichteten Baus warten Kanzelaltar und umlaufende Empore noch immer darauf. Allerdings wirken die regelmäßigen Ausstellungen moderner Kunst ganz besonders vor diesem Hintergrund, berichtet Dorothea Körner.

In Gransee, das sich durch die imposanten Doppeltürme der Marienkirche lange ankündigt, war der nächste Halt. Die gotische Hallenkirche birgt eine beeindruckende spätgotische Ausstattung mit Triumphkreuz, Passionsaltar und einem Retabel der Anna Selbdritt im Seitenschiff. Die Orgel von Joachim Wagner (1745) lockt viele Besucher zu den Sommermusiken an.

Auf dem heutigen Schinkelplatz ruhte der Sarg der Königin. Bürger und Magistrat hielten Nachtwache und waren so ergriffen, dass sie um Genehmigung zur Errichtung eines Erinnerungsmals baten, die auch gewährt wurde, sofern die öffentliche Hand nichts geben musste. K.-F. Schinkel wurde beauftragt und bereits 1811 weihte Luises Sohn, der zehnjährige Prinz Karl den baldachinbekrönten Sarkophag aus Berliner Eisenkunstguss mit der rührenden Inschrift ein. Neben Luises Daten und den Namen der Honoratioren des Kreises steht links: "An dieser Stelle sahen wir jauchzend ihr entgegen, wenn sie, die herrliche, in milder Hoheit Glanz mit Engelfreudigkeit vorüberzog." und rechts: "An dieser Stelle hier, ach, flossen unsre Thränen, als wir dem stummen Zuge betäubt entgegen sahen;

o Jammer, sie ist hin."

Susanne Gloger

 

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BUCKOW (Havelland)

Ein kostbares Buch kehrte heim

Es war ein festliches Ereignis ganz besonderer Art in der Buckower Kirche. Gefeiert wurde die Rückkehr eines fast 500 Jahre alten Buches. Und das kostbare Messbuch aus dem Jahre 1516 – also unmittelbar vor der Reformation erschienen – kam in großer Begleitung: Der Rathenower Frauenchor gab anlässlich dieses Festes ein Frühlingskonzert. Chorleiter Hermann Tressel hatte das Buch 1945 – er war damals 14 Jahre alt – aus dem Schutt im Innern der Buckower Kirche geborgen und es seitdem zu Hause gehütet.

Die Rückkehr des geretteten Buches ist zugleich ein Symbol für die Rettung der Kirche als Gotteshaus der Gemeinde. Aufgrund der Größe der ehemaligen Wallfahrtskirche und angespannter Finanzlage hatte die evangelische Reformationsgemeinde Westhavelland als Eigentümerin vor einiger Zeit sogar in Erwägung gezogen, das Gebäude zu verkaufen.

Dabei ist die Kirche eines der geschichtsträchtigsten Gotteshäuser im Westhavelland. Sie wurde im 14. Jahrhundert errichtet, der Kirchturm stammt aus dem 15. Jahrhundert. Zu jener Zeit war das kleine Dorf noch vom Wasser des havelländischen Luchs umgeben. Überliefert ist, dass es einen Gesundbrunnen und eine Wunderstätte im Kirchhof gegeben haben soll. So kamen viele Pilger von nah und fern, um in Buckow Sündenerlass und Heilung zu suchen.

Das Bauwerk ist bis heute in seinem Ursprung erhalten. Doch in letzter Zeit wurde es merklich ruhig um die große Kirche, in der nur noch selten Gottesdienste stattfanden. Die Verkaufspläne aber riefen sofort Mitglieder der Kirchengemeinde und Einwohner aus Buckow wie auch aus dem Nachbardorf Garlitz auf den Plan, ebenso den Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg. Im vergangenen Jahr gründete sich der lokale Förderverein Wallfahrtskirche zu Buckow e.V., der sich für die Erhaltung und Instandsetzung einsetzen will. Ebenso soll der kulturhistorische Wert des Bauwerkes deutlich gemacht und eine angemessene religiöse und kulturelle Nutzung angestrebt werden. Mit Ausstellungen und Veranstaltungen brachte der Verein inzwischen wieder Leben in die Buckower Kirche.

Davon hatte Hermann Tressel in Rathenow in der regionalen Presse gelesen und sich sogleich entschlossen, das kostbare Buch nun wieder der Buckower Kirchengemeinde zurückzugeben. Es wird künftig sicher und sachgerecht im Domarchiv zu Brandenburg verwahrt, bleibt jedoch Eigentum der Gemeinde.

M. F.

 

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NEUZELLE (Oder-Spree)

Evangelische Kirche am Kloster wird saniert

Die evangelische Kirche zum Heiligen Kreuz am Kloster Neuzelle soll für rund drei Millionen Euro umfassend saniert werden. Dazu ist der zwischen 1728 und 1735 errichtete Barockbau nahe der berühmten Wallfahrtskirche in das Bundesprogramm zum Erhalt national bedeutender Kulturdenkmäler aufgenommen worden. Die mehrjährigen Arbeiten sollen im Herbst beginnen und mit Bundes- und Landesmitteln finanziert werden.

Die früher ebenfalls katholische Klosterpfarrkirche, die unter anderem mit zahlreichen biblischen Skulpturen und Engelsdarstellungen ausgeschmückt ist, wurde 1818 evangelisch. Die Sanierung wird mit Arbeiten an den Fundamenten und der Gruft der Kirche beginnen, ab 2011 sollen das Dach erneuert und anschließend Fassaden, Fenster, Türme und der Eingangsbereich instand gesetzt werden. Wann die Innensanierung beginnen kann, ist noch offen. Dringend erforderlich ist dabei unter anderem die vollständige Restaurierung des Altars.

Das frühere Zisterzienserkloster Neuzelle wurde 1268 von Markgraf Heinrich von Meißen gegründet und 1817 als letztes Kloster Preußens säkularisiert. Seit 1996 ist die landeseigene brandenburgische Stiftung "Stiftung Stift Neuzelle" für die Anlage zuständig. Neuzelle gilt als eine der wenigen vollständig erhaltenen Klosteranlagen Europas.

epd

 

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NACH-DENKLICHES

Die lange Sicht

Im Gemeindebrief von Päwesin (Potsdam-Mittelmark) fanden wir eine Betrachtung von Pfarrer Martin Gestrich, die Mut macht, bei all unserem Tun auf die Zukunft zu bauen. Hier ein kurzer Auszug:

Ich liebe die Bäume am Beetzsee fast genauso wie die Menschen hier. Die Linden und Robinien an der Päwesiner Kirche, die sie halb verdecken. Die Linie der Pappeln am Riewendsee. Die Kopfweiden bei Lünow. Die Apfelbäume an der "Deutschen Alleenstraße", die leider von Jahr zu Jahr weniger werden.

Alle diese Bäume wurden vor langer Zeit gepflanzt. Die, die sie gepflanzt haben, hatten nicht viel davon. Wir können uns nun daran freuen. Es ist ein Zeichen dafür, dass es die Aufgabe gibt, Dinge zu tun, die über die eigene Lebensspanne hinausreichen. Ich erlebe es hier in vielen Familien. Die ältere Generation stellt sich ganz selbstverständlich in den Dienst der nach-kommenden, hilft, wo sie kann.

Mit der Kirche muss es auch so sein. Wir sollen in großer Selbstverständlichkeit und Ruhe Anfänge machen, deren Ende wir nicht sehen, in dem Wissen, dass andere die Früchte ernten werden. Vielleicht haben wir das nicht immer genug bedacht. So zerbrechlich scheint alles, was die Gemeinden im Moment betrifft, dass man schon froh ist, den Anforderungen des Augenblicks gewachsen zu sein! Dennoch: Wir sollen die Kirchen erhalten, auch in dürftiger Zeit. Nicht für uns, wir brauchen die meisten dieser Bauwerke zur Zeit kaum, aber für spätere Zeiten. Und wir sollen uns sehr mühen, das, was für uns am Glauben wichtig ist, an so viele der Nach-folgenden weiterzugeben, wie irgend möglich.

 

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Zum 65. Geburtstag von Prof. Dr. Detlef Karg

Ein Hüter und unerbittlicher Streiter für die Bewahrung unseres Erbes

 
Detlef Karg, Landeskonservator und Direktor des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege, feierte am 18. Juni 2010 seinen 65. Geburtstag (hier mit dem Bild eines Taufengels). Zu Beginn des nächsten Jahres kann das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege seinen 20. Gründungstag begehen. Ohne seinen Chef wäre es in der heutigen Form nicht denkbar.
Foto: Regina Wunder

Am 21. Dezember 1990 hatte sich im damaligen Institut für Denkmalpflege in der Ost-Berliner Brüderstraße Besuch angesagt. Es erschien der damalige Landeskonservator von West-Berlin, Helmut Engel, mit zwei Mitarbeitern, einer davon sein Justitiar. Ohne sich mit überflüssigen Formalitäten aufzuhalten, eröffneten die Gäste dem damals noch amtierenden Generalkonservator und Institutsleiter Peter Goralczyk und dessen Mitarbeitern Karg und Wipprecht, dass das Nicolaihaus in der Brüderstraße als Amtssitz durch den Einigungsvertrag an das Land Berlin gefallen sei. Das West-Berliner Landesamt für Denkmalpflege habe ab sofort die Amts-Hoheit über das Gebäude mitsamt Bibliothek, Archiven und Sammlungen. Alle Mitarbeiter hätten bis spätestens 17 Uhr das Haus zu verlassen, ansonsten würde die Polizei eine Zwangsräumung durchführen.

Diese Szene schildert Ernst Wipprecht in dem vor kurzem erschienenen Band "Denkmalpflege und Gesellschaft". Der Konflikt konnte letztlich ohne Polizeieinsatz gelöst werden. Die für Brandenburg zuständigen Denkmalpfleger behielten ihren Arbeitsplatz im Nicolaihaus. Bereits im Januar 1991 wurde das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege gegründet. Zum ersten Landeskonservator wurde Detlef Karg berufen, Ernst Wipprecht zu seinem Stellvertreter.

Detlef Karg wurde in Ketzin an der Havel geboren, lernte Gärtner, studierte an der Humboldt-Universität Garten- und Landeskultur und wurde 1970 wissenschaftlicher Mitarbeiter bei den Staatlichen Schlössern und Gärten Potsdam-Sanssouci. 1975 wechselte er an das Berliner Institut für Denkmalpflege. Unermüdlich widmete er sich der Gartendenkmalpflege. Neben den Anlagen in Potsdam sind es vor allem der Rheinsberger Schlosspark und später der Pückler-Park in Branitz, die ihm ihre denkmalpflegerisch vorbildliche Wiederherstellung zu verdanken haben. Später war es neben zahlreichen anderen Projekten das "Gesamtkunstwerk" Wolfshagen in der Uckermark mit seinem geschlossenen Denkmalensemble und dem umgebenden Landschaftspark, für das er sich vehement – und durchaus erfolgreich – engagierte.

In den vergangenen zwanzig Jahren war Detlef Karg, dessen Landesamt 1996 gegen seinen Willen nach Wünsdorf umziehen und zudem mit dem Archäologischen Landesmuseum fusionieren musste, ein unerbittlicher Kämpfer für das kulturelle Erbe unseres Landes. Aus seiner Sicht falsche Entscheidungen der Kommunen, von Landkreisen oder von Ministerien, Kürzungen von Finanzmitteln für die Denkmalpflege oder beabsichtigte Stellenstreichungen in "seinem Landesamt" – schnell stand Detlef Karg auf der Barrikade. Nicht immer, aber erstaunlich oft konnte er seine Vorstellungen durchsetzen.

Auch dem Förderkreis Alte Kirchen war Detlef Karg ein wichtiger und verlässlicher, dabei nicht immer bequemer Partner. Gemeinsam setzten wir uns für die Rettung der zum Abbruch vorgesehenen Leopoldsbuger Kirche in Milow ein, gemeinsam versuchten wir (leider vergeblich) die 2003 verkündete Streichung des Bundesprogrammes "Dach und Fach" zu verhindern. Gegen die geplante Klassifizierung von Denkmalen in wertvolle und weniger bedeutsame argumentierte er vor Jahren in einem Vortrag: "Den Menschen in einem uckermärkischen Dorf ist ihre Kirche genau so wichtig und wertvoll wie den Potsdamern die Nikolai-Kirche." Ein Satz, der sich mir tief eingeprägt hat und den ich bei geeigneten Situationen noch heute gern zitiere.

Leider bröckeln das Ansehen der Denkmalpflege und ihre Unterstützung durch die Politik in den letzten Jahren zusehends. Landesämter werden in ihren Kompetenzen beschnitten, Stellen gekürzt und Finanzmittel gestrichen. Denkmalschutzgesetze (wie zur Zeit gerade in Sachsen) werden eher wirtschaftlichen Interessen als ihrem eigentlichen Ziel, der Bewahrung des kulturellen Erbes, angepasst. In der oben zitierten Publikation "Denkmalpflege und Gesellschaft" schreibt ein langjähriger Kollege Detlef Kargs, der ehemalige Landeskonservator von Sachsen-Anhalt, Gotthard Voss: "Mit dem 65. Geburtstag des brandenburgischen Landeskonservators, Prof. Dr. Detlef Karg, und dem absehbaren Ruhestand geht für die Denkmalpflege in den östlichen Bundesländern eine Periode zu Ende, deren Verlauf wir nach dem hoffnungsvollen Neubeginn 1989 so nicht erwartet hätten."

Der Förderkreis Alte Kirchen wünscht Detlef Karg weiterhin alles Gute, ebenso der Denkmalpflege im Land Brandenburg.

Bernd Janowski

Drachenberg, Thomas u.a.: Denkmalpflege und Gesellschaft. Detlef Karg zum 65. Geburtstag. Rostock 2010; ISBN 978-3-356-01413-6; 29,90 €

 

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BRIEFE AN DEN FÖRDERKREIS

Anerkennung für Hilfe und Ermutigung

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens des FAK erreichten uns weitere Grußschreiben, so u. a. vom Landrat des Kreises Uckermark. Hier ein Auszug:

Das ständige Bemühen, aus der buntgemischten brandenburgischen Bevölkerung Gleichgesinnte zu suchen und zu finden, ist das größte Verdienst des Förderkreises. Denkmalschutz hätte im Land Brandenburg kaum eine Lobby, wenn es Ihre Arbeit, Ihr Bemühen nicht gäbe, Verbündete für die Rettung der Dorfkirchen aufzuspüren und aufzubauen. Zahlreiche Fördervereine – wohl bald 30 – haben sich zumeist durch Ihr Engagement allein in der Uckermark gebildet. Diese Vereine haben sich das Ziel gesetzt, das älteste Gebäude ihres Dorfes zu retten, ein denkmalgeschütztes Gebäude, das sehr oft aus uns unbekannten und längst vergangenen Zeiten stammt und durch seine Baulichkeit von seiner Historie berichten kann. Und jede dieser Kirchen kann eine andere Geschichte erzählen, denn keine gleicht der anderen und jede ist wertvoll.

In den Fördervereinen haben sich konfessionell gebundene und konfessionslose Bürger zusammengetan, um Vergangenes zu retten und lebendig zu halten. Sie haben es erreicht, unterschiedliche Menschen zusammen zu bringen, die sich gemeinsam um eine große Aufgabe bemühen. Der Förderkreis Alte Kirchen gab und gibt oft die notwendigen Hilfestellungen, also eine Richtschnur vor, damit sich diese Vereine im modernen Antrags-Dschungel nicht verirren und nicht schon auf den ersten Etappen ihren Mut verlieren, den sie bei der eigentlichen Vereinsarbeit noch dringend benötigen. Dafür unser herzlicher Dank.

Danken möchten wir dem Förderkreis Alte Kirchen natürlich auch für die zahlreichen pekuniären Hilfestellungen für Vereine, seien es die "Startgelder" oder direkt Mittel für die zu rettende Kirche. Hier sind nicht unwesentliche Gelder geflossen, die geholfen haben, die Eigenmittel für weitere Fördermittel aufzubringen. So hat auch Ihr finanzieller Einsatz geholfen, die 239 Zuwendungen des Landkreises Uckermark für Förderanträge aus dem kirchlichen Bereich in Höhe von etwa 1.644.000 Euro auszureichen, die für Maßnahmen der Denkmalpflege seit 1995 geflossen sind.

Wir dürfen im Namen aller Mitarbeiter der Unteren Denkmalschutzbehörde versichern, dass es stets eine Freude war und ist, mit Ihnen zusammen zu arbeiten. Wir wünschen uns dieses auch weiterhin für die kommenden Zeiten.

Ein segensreicher "Zufall"

Mit einem Festgottesdienst war in Wismar (Uckermark) die Rückkehr des restaurierten Taufengels gefeiert worden. Unter den Gästen war auch unser Mitglied Angelika von Magnus, die mit einer beträchtlichen Geldspende den Anstoß zur Restaurierung gegeben und wesentlich zur Finanzierung beigetragen hatte. Unter dem Eindruck der Feier schreibt sie u. a.:

Anlässlich meines Geburtstages im August 2008 hatte ich mir überlegt, wie ich meiner Dankbarkeit gegenüber meinem Schöpfer für 50 Jahre gelungenen, behüteten und bewahrten Lebens Ausdruck verleihen und sichtbar Gestalt geben könnte. Was lag da näher, als einem kranken Engel wieder auf die Beine bzw. in die Luft zu verhelfen, denn Gottes gute Engel sind es, die unseren Lebensweg von der Taufe bis zum Tode begleiten. Ihnen ist es zu verdanken, dass meine Wahl gerade auf den Wismarer Taufengel fiel. Als ich Herrn Janowski fragte, welcher Engel denn dringend Hilfe benötigte, verwies er mich spontan auf den Wismarer. Er hatte ihn gerade abgestürzt und krank auf der Kirchenbank dort liegen sehen, wusste aber schon länger von seiner schweren Erkrankung.

Nun könnte man sagen: was für ein Zufall! Aber vielleicht ist es das, was wir als Zufall bezeichnen, das Lächeln Gottes über unsere Verwunderung für längst Geplantes. In diesem Sinne kann man nur wünschen, dass es noch viele solcher Zufälle gibt, die weiteren Taufengeln zu neuem Leben verhelfen, dass weitere Dorfkirchen gerettet werden, weil Menschen sich gemeinsam dafür einsetzen.

 

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KURZ NOTIERT

ZEESTOW (Havelland): Eine "Tankstelle für die Seele"

Die Dorfkirche in Zeestow soll als erste Autobahnkirche am Berliner Ring zu einer "Tankstelle für die Seele" werden. Dies beschlossen die Kirchengemeinde und der Kirchenkreis Falkensee. Bisher gibt es in Deutschland 37 Autobahnkirchen, die zur "Besinnung für die Autoreisenden, zur individuellen, anonymen und zeitlich beliebigen Einkehr" einladen. Die Zeestower Kirche, ein einschiffiger Backsteinbau auf einer kleinen Anhöhe im Zentrum des Dorfes, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet.

Für die künftige Autobahnkirche liegen inzwischen ein von der Theologin Dr. Rajah Scheepers (Universität Erfurt) erstelltes Konzept sowie ein Sanierungsgutachten der Potsdamer Architektin Sibylle Stich vor. Zur Unterstützung dieses Vorhabens gründete sich in Zeestow unter Beteiligung des FAK ein Förderverein.

Sorbische Wegekreuze immer stärker gefährdet

In den stark katholisch geprägten Sorbengebieten im Städtedreieck Kamenz – Hoyerswerda – Bautzen gibt es rund 1.000 Wegekreuze und Bildstöcke. Sie wurden meist zwischen 1850 und 1900 in Vorgärten oder an Feldrändern aufgestellt und sind ein Markenzeichen des Landstrichs.

In letzter Zeit mehren sich Fälle mutwilliger Zerstörungen. Seit 2007 sind über zwei Dutzend Beschädigungen und Diebstähle christlich-sorbischer Symbole bekannt geworden. Gefährdet durch die Zerstörungswut sind vor allem einsam stehende Kreuze an Feldrändern. Andere, die in den Dörfern stehen, können besser geschützt werden.

Zum Firmenjubiläum Spenden für den FAK

In diesem Jahr feiert die Firma Beez & Jeske, einer der größten Händler für Dach- und Fassadenbaustoffe in Berlin und Brandenburg mit Sitz in Hoppegarten und einer Außenstelle in Prenzlau, ihr zwanzigjähriges Jubiläum. Aus diesem Grund verschickte die Geschäftsleitung eine große Anzahl Einladungen an Geschäftspartner zu verschiedenen Jubiläumsveranstaltungen. In diesen Einladungen wird um Spenden zugunsten des Förderkreises Alte Kirchen anstelle von Blumen oder Geschenken gebeten. Mögen sich viele der Eingeladenen spendabel zeigen.

Die Firma Beez & Jeske ist seit 1992 Mitglied des FAK und sponsorte uns 2002 die Dachsteine für die Deckung des Kirchturms in Küstrinchen.

Unser herzlicher Dank für Zuwendungen

Mitte Juni verstarb Dietrich Wolff, langjähriger Pfarrer in Gramzow (Uckermark) und Vorstandsvorsitzender des Vereins "Uckermärkischen Musikwochen". Zu Lebzeiten hatte er angeregt, dass anlässlich seiner Beisetzung um Spenden für den Förderkreis Alte Kirchen gebeten werden soll. Bis jetzt erreichten uns aus diesem Anlass etwa 750 Euro. Bereits im April und Mai erhielten wir Spenden in Höhe von insgesamt 1.575 Euro anlässlich der Beisetzung von Jutta Teske.

Ein erfreulicherer Anlass für Spenden zugunsten des FAK sind runde Geburtstage. Im letzten Vierteljahr haben allein vier Jubilare anstelle von persönlichen Geschenken um Spenden für den Förderkreis gebeten und uns so rund 1.100 Euro beschert. Für die nächste Zeit sind weitere Zuwendungen angekündigt. – Wir empfehlen diese Idee gern weiter.

Bei Honoraren für Künstler zu beachten

Ein Hinweis für alle Fördervereine, Kirchengemeinden u. ä., die für Veranstaltungen Künstler engagieren:

Wir machen darauf aufmerksam, dass auf die an freischaffende Künstler und Publizisten gezahlten Honorare eine Abgabe in Höhe von 3,9 % an die Künstlersozialkasse abzuführen ist. Das gilt für jene Künstler, die häufiger als dreimal im Jahr gegen Honorar auftreten.

Detaillierte Auskünfte erhalten Sie über:
Künstlersozialkasse:
Telefon (allgemeine Informationen und Vermittlung zu passenden Ansprechpartnern): 04421 9734051500 (Montag bis Freitag von 9.00 bis 16:00 Uhr); Fax: 04421 7543711;
Internet: www.kuenstlersozialkasse.de.

NEUHOLLAND (Oberhavel): Dorfkirchen vor der Fotokamera

Faszinierende Fotos Brandenburger Dorfkirchen zeigt unser Mitglied Norbert Trebeß ab 18. September in der Dorfkirche Neuholland (Liebenwalde), die in diesem Jahr ihr 300-jähriges Bestehen feiert. Zu jedem Bild hat der Hobbyfotograf und Laienhistoriker präzise Erläuterungen zusammengestellt.

Die Ausstellung ist noch bis Ende Oktober in der "offenen Kirche" Neuholland zu sehen.

Denkmal-Messe Leipzig

Denkmalschutz und Tourismus

Die Denkmal-Messe in Leipzig widmet sich in diesem Jahr der typisch hanseatischen Backsteinarchitektur. Vom 18. bis 20. November wird es am Beispiel alter Backsteinkirchen auch um die Beziehung zwischen Denkmalschutz und Tourismus gehen.

 

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BÜCHERSEITE

"Königin der Instrumente" in der Krise?

Andreas Nohr: Vom Umgang mit Orgeln. Eine inszenierte Studie zur Lage der Orgelkunst

Orgeln haben – zumindest auf den ersten Blick – Hochkonjunktur. Zahlreiche Instrumente in brandenburgischen Dorf- und Stadtkirchen konnten in den letzten Jahren instand gesetzt und liebevoll restauriert werden. Im Januar dieses Jahres wurde in der Kreuzkirche Königs Wusterhausen mit einer Festwoche eine völlig neue "Barockorgel" eingeweiht, die sich die Gemeinde für stolze 400.000 Euro von dem renommierten Orgelbauer Jürgen Ahrendt aus dem ostfriesischen Leer hatte bauen lassen. Es gibt erstaunlich viele Stiftungen, die Orgelsanierungen unterstützen, darunter die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die erst kürzlich unter dem Dach der KiBa entstandene Stiftung "Orgelklang". Auch Spender und Sponsoren sind in vielen Fällen eher bereit, die Patenschaft für eine achtfüßige Prospektpfeife zu übernehmen als für ein oder zwei Quadratmeter Biberschwänze auf dem maroden Kirchendach.

Gleichzeitig scheint die "Königin der Instrumente" aber auch ein kräftiges Imageproblem zu haben. Kirchenmusikerstellen werden im großen Umfang abgebaut. Die Zahl der Studenten im Bereich Kirchenmusik geht mangels Chancen auf einen Job ebenfalls stark zurück. Selbst die Nachwuchsausbildung talentierter Laien für die sonntägliche Choralbegleitung scheint zu stagnieren. Auch die Zahl der Zuhörer bei reinen Orgelkonzerten ist in der Regel sehr überschaubar. Bei regionalen Musikfestivals gelten sie gar als Quotenkiller: "Da kommt doch eh keiner..."

Was sind die Ursachen für diesen scheinbaren Widerspruch? In seinem soeben erschienenen Buch "Vom Umgang mit Orgeln" versucht der Hamburger Autor Andreas Nohr das oben beschriebene Dilemma von allen Seiten auszuleuchten. In fiktiven szenischen Dialogen treten ein Journalist und eine Pianistin, ein Theologe, ein Soziologe sowie Marketingexperten, Geistliche und Kirchenmusiker auf, um zu erkunden, weshalb das Interesse an der Orgel als Musikinstrument in der Öffentlichkeit und ihre Wahrnehmung zu schwinden scheinen. Auf vergnügliche Weise, vielleicht manchmal etwas zu sehr auf Originalität bedacht, entwickelt der Autor Thesen zur Lage der Orgel, die zur Diagnose führen: "Die Orgel ist krank!" Nun sind die "Therapievorschläge" Nohrs eher auf die Situation in seiner Heimatstadt Hamburg zugeschnitten als auf ein Flächenland wie Brandenburg. Dennoch sind viele Gedanken neu und originell.

Auch, wenn sich der Leser bemüßigt fühlt, an einigen Stellen zu widersprechen, so regt das Buch doch dazu an, die "Königin der Instrumente" und ihren heutigen Stellenwert unter völlig neuen Gesichtspunkten zu betrachten.

Bernd Janowski

Hamburg 2010; 252 Seiten; 18,80 €; ISBN: 978-3-934417-19-9

Von der Fürstin über die Hebamme bis zur Ministerin

Antje Leschonski (Hg.): Anna, Lily und Regine. 30 Frauenporträts aus Brandenburg-Preußen

In ihrem neuen Buch vereint Antje Leschonski dreißig literarische Porträts von brandenburgischen Frauen, die in einer von Männern dominierten Welt Geschichte schrieben, wenn auch manchmal nur im Kleinen. Von der Kurfürstin Elisabeth, die wegen ihres Bekenntnisses zum evangelischen Glauben vor ihrem Ehemann nach Sachsen floh, bis zur brandenburgischen Sozial- und Arbeitsministerin Regine Hildebrandt reicht das Spektrum. Unterschiedliche Autoren stellen Künstlerinnen und Politikerinnen, Frauenrechtlerinnen und Widerstandskämpferinnen ebenso vor wie die Landwirtschaftsreformerin Charlotte von Friedland oder die Hebamme Justine Siegmund. Es ist äußerst interessant, sich mit den unterschiedlichen Lebensbildern zu beschäftigen, ganz im Sinne der Inschrift auf der Grabplatte für die Dichterin Anna Louisa Karsch an der Berliner Sophienkirche: "Kennst Du, Wandrer, sie nicht / So gehe und lerne sie kennen."

Verlag Monumente Publikationen der DSD,
384 S., über 500 farbige Abbildungen, 24,80 €, ISBN 978-3-86-021-3.

Kirchen der Altmark in Pastell

Franz Ehmke: Kirchen der Altmark, Bildband
 
ST. LEONARD in Möringen, einer der besterhaltenen vollständigen spätromanischen Feldsteinbauten der Altmark

Wer sich auf unserer Exkursion "Auf der Straße der Romanik" von den beeindruckenden romanischen Kirchen in Stadt und Land faszinieren ließ, dem wird Franz Ehmkes zweiter Bildband "Kirchen der Altmark" sehr willkommen sein. Nach "Kirchen der Neumark" (derzeit vergriffen) stellt Ehmke nun in Wort und Bild Sakralbauten in der historischen Kulturlandschaft im Norden Sachsen-Anhalts vor. Neben 60 Pastellzeichnungen findet der Leser Schwarzweißabbildungen und erläuternde Texte zur Geschichte, Beschreibungen der Landschaft, Dichterworte, Zitate bekannter Persönlichkeiten und sogar eine kleine Einführung in die Mundart.

Der Berliner Franz Ehmke ist seit 1965 publizistisch tätig als Schriftsteller, Fotograf, Zeichner und Maler für Buch- und Zeitschriftenverlage.

Eva Gonda

Verlag Bock & Kübler 2009, 88 Seiten; 19,90 €; ISBN 978-3-86155-126-3

 

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