Die Dorfkirche von Kleßen (Havelland)

Dorfkirche Kleßen  
© Förderverein Dorfkirche Kleßen e.V.Großbildansicht
  Dorfkirche Kleßen
© René WernitzGroßbildansicht
Dorfkirche Kleßen - Innen
© Förderverein Dorfkirche Kleßen e.V.Großbildansicht
Dorfkirche Kleßen - Innen
© Förderverein Dorfkirche Kleßen e.V.Großbildansicht

Insgesamt vier Jahre dauerte es, bis die Dorfkirche in Kleßen (Landkreis Havelland) von innen und außen instandgesetzt und restauriert werden konnte. Hierfür hatten die evangelische Kirchengemeinde und der örtliche Förderverein rund 160.000 Euro aufbringen können. Gemeinsam mit dem ebenfalls restauriertem Schloss - einer stattlichen und schönen Dreiflügelanlage von 1723/30 - und der alten Schule, die ein sehenswertes Spielzeugmuseum beherbergt, trägt nun auch das Kirchengebäude wieder dazu bei, den historischen Ortskern von Kleßen neu zu beleben.

Erstmals urkundlich erwähnt wird Kleßen 1230 im Besitz einer Familie von Griebe. Schon 1352 gelangt das Dorf ins Eigentum der Familie von Bredow, die mit einer kurzen Unterbrechung bis ins 20. Jahrhundert die Geschicke des Ortes wesentlich prägte. Erst 1929 musste Joachim Graf von Bredow das Gut wegen Konkurses an die Ritterschaftsbank abtreten.

Bereits 1541 wird in den Protokollen der ersten nachreformatorischen Visitation eine Kirche in Kleßen erwähnt. Diese scheint im dreißigjährigen Krieg zerstört worden zu sein, denn im Jahr 1698 wird eine Fachwerkkirche errichtet, die 1886 einen neuromanischen Backsteinturm mit Schweifdach erhält. Der Fachwerkbau war bis 1929 so marode geworden, dass mit einem Neubau des Kirchenschiffes begonnen werden musste, der drei Jahre später fertig gestellt wurde. Die Entwürfe stammten von Dr. Curt Steinberg, Kirchenoberbaurat und Leiter des Kirchlichen Bauamtes in Berlin. Die Ausmalung übernahm der bekannte Kirchenmaler Robert Sandfort.

Erhalten blieb zum großen Teil die Ausstattung des Vorgängerbaus: ein Kanzelaltar in schlichten Rokokoformen, eine Renaissancetaufe von 1607 und die mit Wappen und Inschriften bemalten Emporen. Hinter einem reich verzierten barocken Orgelprospekt entstand im Zuge des Neubaus 1932/34 ein pneumatisches Instrument des Orgelbauers Gustav Heinze aus Sorau im heute zu Polen gehörenden Teil der Niederlausitz.

Da die Kleßener Kirche inzwischen wieder erheblichen Instandsetzungsbedarf hatte, ergriff der Kirchenälteste Gerhard Garz 2006 die Initiative für eine grundlegende Sanierung. Im Februar 2007 gründete sich der Förderverein Dorfkirche Kleßen. Noch im selben Jahr war es möglich, anlässlich des 75. Jubiläums der Einweihung des Kirchbaus am 22. Oktober, den Innenraum zu restaurieren. Besonders die Decke hatte eine Erneuerung dringend nötig, da sich hier nach dem Auftragen einer Holzschutzlasur zu DDR-Zeiten große Ölflecken gebildet hatten. Unterstützt durch Kleßener Einwohner stellte der Kirchenmaler Karl-Heinz Sandow aus Flatow die originale Farbigkeit wieder her.

Im Oktober 2009 konnten dann dank einer Förderung aus EU-Mitteln des Landwirtschaftsministeriums, kirchlicher Eigenmittel, Spenden des Fördervereins und einer Zuwendung der Kommune die Arbeiten an der Außenhaut der Kirche beginnen. Das Dach des Kirchenschiffes wurde mit Biberschwanzdachsteinen neu eingedeckt. Die Fassade wurde neu verputzt und mit Mineralfarbe im lichten Ocker des Kleßener Sandes zweifarbig mit koloriertem Gesims neu gefasst. Damit interpretiert sie die Farbigkeit des bauzeitlichen Zustandes aus den dreißiger Jahren. Eine große Hilfe bei den Sanierungsarbeiten waren die originalen Bauzeichnungen, die Architekt Bernd Cronjäger bei seinen Recherchen wieder aufgefunden hatte.

Es lohnt unbedingt, Kleßen mit seiner restaurierten Kirche und den weiteren Denkmälern einen Besuch abzustatten. Regelmäßig finden, in Kooperation mit den Schlossbetreibern, auch Konzerte in der Dorfkirche statt.

Sommerfest zum Abschluss der Restaurierung der Dorfkirche Kleßen am Sonnabend, dem 11. September

14.30 Uhr - Fest-Gottesdienst, anschließend Konzert mit dem Kirchenchor Friesack, Orgel und Trompete
ab 16 Uhr - Sommerfest in und um die Kirche

Weitere Informationen: Förderverein Dorfkirche Kleßen; Ingrid Ziesmer; Dickter Weg 22; 14728 Kleßen-Görne; Tel.: (03 32 35) 2 15 14


Zum Weiterlesen:
Märkische Allgemeine vom 20. Februar 2007: "Kleßener Sand"" für 60 000 Euro
Märkische Allgemeine vom 22. Oktober 2007: Neuer Anstrich für die Kleßener Kirche
Märkische Allgemeine vom 05. November 2007: Schön wie am Anfang
Märkische Allgemeine vom 22. Oktober 2009: Außenfassade und Dach des Kleßener Gotteshauses werden erneuert
Märkische Allgemeine vom 20. August 2010: Sanierung der Kleßener Kirche beendet
Märkische Allgemeine vom 13. September 2010: Festlicher Gottesdienst zum Abschluss der Kleßener Kirchensanierung
Märkische Allgemeine vom 12. Januar 2011: Ein Schmuckstück mehr
Märkische Allgemeine vom 02. April 2012: In fünf Jahren viel für Kleßen erreicht
Märkische Allgemeine vom 05. Juni 2017: Kirchenverein feiert zehnjähriges Bestehen

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