DENKMALSCHUTZ: Verantwortung für das Erbe im Dorf

Festlicher Gottesdienst zum Abschluss der Kleßener Kirchensanierung

KLESSEN - Vergehen und Werden können dicht beieinander liegen. Als vor vier Tagen ein starker Ostwind durch Kleßen blies, erwischte es die alte Weide vor der Dorfkirche. Der rund 100 Jahre alte marode und von Pilz befallene Baum hatte keine Kraft mehr, dem Wind standzuhalten, sein Stamm zerbrach.

Am Samstag lag die einst so stolze Weide nur noch als Baumruine vor der Kirche. Dafür wird nun aber die ganze sanierte Außenhülle der Kirche viel beeindruckender sichtbar. Das Dach des Kirchenschiffes wurde neu eingedeckt und die Fassade neu verputzt, mit Mineralfarbe im lichten Ocker des Kleßener Sandes zweifarbig und mit einem kolorierten Gesims neu gefasst.

Die Arbeiten sind vollbracht und alles ist so schön geworden, dass der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg die Kleßener Dorfkirche zur Kirche des Monats September 2010 erklärt hat. Zum Abschluss der Sanierungsarbeiten hatten die Kirchengemeinde und der Förderkreis zum Erhalt der Dorfkirche zu einem Gottesdienst eingeladen, der festlich begleitet wurde vom Kirchenchor Friesack unter Leitung von Holger Wiesner.

Zu diesem Anlass waren in die mit einem roten Läufer ausgelegte Kirche rund 120 Besucher gekommen, unter ihnen waren Bauarbeiter, Sanierungshelfer, Vertreter der Kommune und Bruno Kämmerling, der Leiter des Amtes für Kultur und Tourismus der Kreisverwaltung Havelland.

Gestaltet wurde der Gottesdienst von Mathias Wohlfahrt, dem Pfarrer der Kirchengemeinde Friesack-Kleßen und Barbara Dirxen, Pfarrerin i. R., die zu früheren Zeiten über zehn Jahre in der Region tätig war und auch heute immer wieder gern nach Kleßen kommt. In ihrer Predigt hob sie die Verantwortung jedes Einzelnen und der Gesellschaft für Eigentum und Erbe hervor. "Ihr habt eure Kirche im Dorf gelassen. Heute ist die Kirche etwas wert", sagte sie den Einwohnern von Kleßen, die bereits vor vier Jahren mit der Sanierung begannen. Als erstes wurde der Innenraum saniert und neu gestrichen. Diese Arbeiten wurden vor zwei Jahren abgeschlossen. Seither erstrahlt das Kircheninnere wieder in seinen original hellen Farben.

Insgesamt 160 000 Euro wurden von der Kirchengemeinde und vom 2007 gegründeten Förderverein für die Sanierung aufgebracht. Gemeinsam kümmerte man sich um Fördermittel, organisierte Veranstaltungen und initiierte Spendensammlungen. Auch sorgte man dafür, dass der barocke Glockensockel vom Boden geholt wurde und nun die Eingangsdecke der Kirche ziert. Für die Zukunft hat man sich vorgenommen, noch mehr Kultur in die Kirche zu holen.

Stellvertretend für viele Helfer dankte Mathias Wohlfahrt Gerhard Garz, Ingrid Ziesmer, Bernd Cronjaeger, Sabine Thiedig und Wanda Pleil für ihr Engagement und überreichte ihnen Bücher und Blumen.

Nach dem Festgottesdienst traf man sich zum Kaffee hinter der Kirche und lauschte dem Kleßener Singkreis. Die Besucher fühlten sich wohl in einem Umfeld, das sich mit sanierter Kirche, Schloss und alter Schule mit Spielzeugmuseum als sehenswerter historischer Ortskern präsentiert. (Von Norbert Stein)

Märkische Allgemeine vom 13. September 2010

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