Die Dorfkirche von Darsikow (Ostprignitz-Ruppin)

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"Also, auf Ihr Navigationssystem dürfen Sie sich hier auf gar keinen Fall verlassen!" Mit diesen Worten empfängt uns Sibille Podorf, die Vorsitzende des Fördervereins Kleine Kirche Darsikow, als wir nach längerer Irrfahrt mit gehöriger Verspätung in dem etwa auf halbem Wege zwischen Neuruppin und Wittstock nahe der Autobahn A 24 gelegenen winzigen Dorf eintreffen. "Besorgen Sie sich, wenn Sie zu uns wollen, lieber eine vernünftige Landkarte der Prignitz." Wir erinnern uns, dass es beim letzten Besuch in Darsikow ebenfalls schwierig war, den richtigen Zufahrtsweg zu finden und geloben Besserung.

Urkundlich erstmals erwähnt wird der Ort in einer Urkunde von 1320, in der Herzog Heinrich II. von Mecklenburg dem Havelberger Bischof einige Orte überschreibt, die bisher im Besitz des Klosters Doberan waren, darunter Darsikow. Spätestens im 15. Jahrhundert scheint das Dorf der mittelalterlichen Agrarkrise zum Opfer gefallen zu sein; mehrfach wird es in den historischen Aufzeichnungen als wüste Feldmark in unterschiedlichem Besitz bezeichnet. Schließlich errichtet die in Horst bei Heiligengrabe ansässige Familie von Blumenthal hier ein Vorwerk. Auch dieses Vorwerk wechselt häufig den Eigentümer, bis es schließlich 1818 in den Besitz des Amtsmanns Carl Johann Hartwig Binder gelangt.

Obwohl Darsikow damals gerade einmal zwölf Feuerstellen besitzt, lässt Binder hier anstelle einer baufällig gewordenen Vorgängerkirche eine Kapelle errichten, die laut heute noch vorhandener Inschrift "Der Andacht und Verehrung des Herr geweiht" ist. Es entsteht ein schlichter, nahezu quadratischer Bau aus unregelmäßig gespaltenen Feldsteinen, sogenanntem Zyklopenmauerwerk, mit einem einfachen verbretterten Dachreiter. Als Schmuckelemente werden lediglich für die Gebäudekanten, das Gesims und die Fensterleibungen Backsteine verwendet.

Bereits in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts fanden in der Darsikower Kirche die letzten Gottesdienste statt. Danach fiel sie in einen langen Dornröschenschlaf. Dieser endete im Jahr 2009. Sibille Podorf gründete damals mit sieben Mitstreitern einen Förderverein. Für einen symbolischen Preis wird die Kirche gekauft. Die Herausforderungen, denen sich die Vereinsmitglieder gegenüber sahen, waren immens: Das Dach war undicht, der Turmaufsatz vom Einsturz bedroht. In der Putzdecke klaffte ein riesiges Loch, die Fenster waren zerstört, die Bänke herausgerissen und die Kanzel lag beschädigt auf dem Boden.

Als erste Aktion wurden in Eigeninitiative Stützbalken gestellt, um den endgültigen Einsturz zu verhindern. Das Grundstück um die Kirche wurde beräumt und bepflanzt. Erste Veranstaltungen wie Frühlings- oder Kinderfeste fanden rund um die Kirche statt. Förderanträge wurden geschrieben, Spenden gesammelt und bei möglichen Unterstützern in der Region eifrig Klinken geputzt. Eine fast schon sicher geglaubte Finanzierung aus EU-Mitteln kam im Jahr 2010 durch einen plötzlichen Förderstopp überraschend nicht zustande. Doch die Darsikower ließen sich nicht entmutigen. Mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und des Förderkreises Alte Kirchen sowie einem Eigenanteil von immerhin 15.000 Euro konnte bereits im März 2011 Richtfest gefeiert und wenige Monate später die Dachsanierung abgeschlossen werden. Die in den siebziger Jahren ausgelagerten Kirchenbänke fanden sich in der Schinkel-Kirche in Glienicke und konnten zurückgeholt werden. Die ebenfalls verschwundene Glocke, gegossen 1898 von der Gießerei Collier in Zehlendorf, hing in einem Glockenstuhl auf dem Campus der Stephanus-Stiftung in Heilbrunn bei Wusterhausen. Nachdem der Verein eine andere Glocke aus einer aufgegebenen Kirche in Bielefeld als Tauschobjekt besorgt hatte, kehrte das Original wieder nach Darsikow zurück.

Wenn dies nicht die Beharrlichkeit der Darsikower schmälern würde, könnte man sagen, dass viele weitere Dinge seitdem an Wunder grenzten: Ein Berliner Sponsor sorgte für die Reparatur der Kirchenfenster. Die Kanzel und andere hölzerne Einbauten wurden von einem pensionierten Tischlermeister restauriert. Die Jugendbauhütte Brandenburg unter der Leitung von Bernd Henning und der fachlichen Anleitung des Berliner Restaurator Konrad Forster half bei der Sanierung der Putzdecke, malte die Kirche aus und reparierte Bänke, Empore und Altar. Sogar ein Harmonium wurde den Darsikowern geschenkt, für das sich dann jemand fand, der es kostenlos restaurierte.

Zahlreiche Veranstaltungen finden mittlerweile in der Darsikower Kirche statt. Neben den bereits erwähnten Festen werden Lesungen, Konzerte und Theateraufführungen angeboten und finden jährlich Hubertus-Gottesdienste statt. Auch eine Hochzeit wurde bereits hier gefeiert. Am 22. Mai dieses Jahres wurde mit den Jagdhornbläsern des Putlitzer Posaunenchores sowie einem Dankgottesdienst mit den Pfarrern Stephan Scheidacker und Berthold Schirge die Einweihung der sanierten Darsikower Kirche gefeiert.

Am Tag des offenen Denkmals, dem 11. September, ist die Darsikower Kirche von 10 bis 18 Uhr für Besucher geöffnet. Ein Konzert mit den Wolga-Kosaken findet am 8. Oktober um 18 Uhr statt. Und: Wenn Sie Darsikow besuchen möchten, denken Sie bitte daran: Verlassen Sie sich nicht auf Ihr Navigationssystem; nehmen Sie eine gute Landkarte mit!

Weitere Informationen: Verein Kleine Kirche Darsikow e.V.; Sibille Podorf; Darsikow 3; 16818 Rägelin; Tel.: 0178-8742832;
Mail: darsikow@web.de; www.kirche-darsikow.de


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