Denkmalschützer mit Skalpell

Judith Melzer-Voigt

Darsikow (MZV) Ganz langsam, Schritt für Schritt, kommt der Verein Kleine Kirche Darsikow seinem Ziel näher: Irgendwann soll das ehemalige Gotteshaus wieder geweiht werden. Bis dahin gibt es aber noch einiges zu tun. In der vergangenen Woche kam dabei Hilfe von der Jugendbauhütte.

Das ganze Team: Lukas Werdin, Leon Oberhof, Annemarie Schuster, Joel von der Linde, Elisabeth Gutzweiler und Lennard Schnoor (von links) haben die Zeit in Darsikow genossen.
© MZV/Melzer-Voigt

Mit einer kleinen Stehleiter wird die Tür der Kleinen Kirche Darsikow von innen zu gehalten. Sonst springt sie immer wieder auf und lässt die Dezember-Kälte in das Gebäude. Und das können die sechs jungen Leute im ehemaligen Gotteshaus so gar nicht brauchen. Sie verbringen nämlich mehrere Stunden am Tag in dem Gebäude, um zu helfen, dieses wieder auf Vordermann zu bringen. Frieren will dabei niemand.

Annemarie Schuster, Lukas Werdin, Leon Oberhof, Elisabeth Gutzweiler, Joel von der Linde und Lennard Schnoor sind im Zuge eines Seminars der Jugendbauhütte nach Darsikow gekommen. Dabei absolvieren alle Teilnehmer ein freiwilliges soziales Jahr in der Denkmalpflege. Verschiedene Einsatzstellen gehören dazu, eine davon ist die Kleine Kirche in Darsikow. Bereits in der Vergangenheit hatte der Förderverein des ehemaligen Gotteshauses Hilfe von der Jugendbauhütte. Drei der jungen Leute, die in dieser Woche dabei sind, waren schon einmal vor Ort.

Nun gilt es, sich dem Holz im Inneren des Gebäudes zu widmen. Angeleitet werden die Teilnehmer von einem Restaurator und Malermeister aus Berlin. Seit Montag nehmen sie sich der Bänke, des Altars und der Empore an. Die Älteste in der Gruppe ist Annemarie Schuster. Sie hat bereits einen Bachelor-Abschluss im denkmalpflegerischen Bereich und schiebt dieses freiwillige soziale Jahr nach. Bei den anderen ist es genau umgekehrt: Sie bereiten sich durch das Engagement auf ein Studium vor.

"Es fühlt sich gut an, hier zu arbeiten", sagt die 24-jährige Schuster während einer kleinen Kaffeepause in gemütlicher Runde. "Die Kirche soll ja irgendwann wieder genutzt werden." Daher wird jede noch so kleine Hilfe gebraucht. "Und die Leute hier schätzen, wenn man was macht", ergänzt Elisabeth Gutzweiler. Daher können sich die jungen Leute über Verpflegung auch nicht beschweren. Isolde Lange und Sibille Podorf versorgen die Helfer. "Und da es gutes Essen gibt, fühlen wir uns noch wohler", sagt Leon Oberhof.

Eine Woche lang, immer von 8 bis 16 Uhr, sind die künftigen Denkmalschützer vor Ort. Sie haben zuerst das gesamte Holz der Empore gereinigt und anschließend alles mit Öl versiegelt. Dann waren die Bänke an der Reihe. Sie sind irgendwann im Laufe der vergangenen Jahrzehnte mit einer dicken weißen Farbschicht versehen worden. Diese galt es erst einmal abzutragen. An den Seiten der Bänke gibt es Verzierungen, die freigelegt werden müssen. Um sie nicht zu beschädigen, müssen die Freiwilligen sehr vorsichtig vorgehen. Mehr als ein winziges Skalpell kommt daher nicht zum Einsatz.

Nach der kurzen Kaffeepause machen sich alle sofort wieder ans Werk. Konzentriert nehmen sie sich Bank für Bank vor. Annemarie Schuster, Elisabeth Gutzweiler, Lukas Werdin und Lennard Schnoor schnappen sich die kleinen Skalpelle. Leon Oberhof und Joel von der Linde brennen derweil ganz vorsichtig die Farbschichten an den Bänken ab - zumindest so weit es geht, denn dann kommt wieder das Skalpell zum Einsatz.

Aber auch am Altar haben die jungen Leute bereits Hand angelegt. Er wurde mit einem Vorlack gestrichen. An der Wand gleich daneben, die ebenfalls aus Holz ist, wurde mit der Farbgebung für die Kirche experimentiert. Denn im gesamten Gebäude befinden sich drei Farbschichten direkt übereinander: Erst war die Kirche beige gestaltet, dann in einem Grün-Ton und anschließend in einem dunklen Braun. "Schließlich hat man sich künftig für diese dunkle Farbfassung entschieden", erklärt Annemarie Schuster. Während der Restaurierung müssen aber alle Töne - beige, grün und das Braun - wieder aufgetragen werden, um auch wirklich das Aussehen zu erreichen, in dem das ehemalige Gotteshaus vor seinem Verfall war.

Ende der Woche in Darsikow steht fest: Ganz fertig werden die Helfer der Jugendbauhütte nicht. Die Arbeit an den Bänken ist zu aufwendig, um sie schnell über die Bühne bringen zu können. "Aber für den kommenden Frühling haben wir ja schon eine Einladung vom Verein bekommen", sagt Elisabeth Gutzweiler. "Und die würden wir gern annehmen."

Die Förderer der Kirche werden das gerne hören. Denn noch gibt es einiges zu tun, bis das Gotteshaus wieder so weit in Schuss ist, um es weihen zu lassen. "Die Bänke dauern noch eine Weile", ist Sibille Podorf überzeugt. Wenn sie Sitzgelegenheiten aber geschafft sind, stehen die Malerarbeiten im gesamten Innenraum an, denn die Wände im Kirchenraum brauchen dringen eine Farbauffrischung. "Und dann werden noch einige Kleinarbeiten anfallen", so Podorf. Sie hofft, dass 2015 auch ein Toilettenkomplex vor Ort verwirklicht werden kann. "Aber da werden wir Hilfe von der Stiftung preußisches Kulturerbe brauchen", ist Podorf überzeugt. Die Stiftung hatte dem Verein schon bei der Heizungsanlage unter die Arme gegriffen. Nur so ist es möglich, dass Arbeiten in der Kirche erledigt werden. Und dass die kostbare Heizungsluft nicht nach draußen dringt - dafür gibt es ja Stehleitern, die vor die Tür gestellt werden können.

Märkische Onlinezeitung vom 05. Dezember 2014

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