DORFLEBEN: Kleine Kirche große Hoffnungen

Förderverein hat Darsikower Glocke wiedergefunden und sammelt nun Spenden, um sie auszulösen

DARSIKOW - Das Oberstübchen ist das Allerwichtigste. Im Oberstübchen muss es erst einmal ordentlich rappeln, dann erst können die übrigen Dinge angepackt werden. Dann erst ist Zeit, dass die Glocke wieder an ihren alte Platz gehängt, dass die Decke neu bemalt, das Fensterglas eingesetzt und das Gestühl eingeräumt wird. "Wir sitzen auf Kohlen", sagt Isolde Lange. "Die Baugenehmigung fürs Dach haben wir. Jetzt hoffen wir, dass uns die Fördermittel für die Sanierung gewährt werden. Wir wollen doch noch in diesem Herbst mit den Bauarbeiten anfangen."

Es ist viel passiert, seit sich Isolde Lange und andere fürsorgliche Frauen und Männer vor einem Jahr zu einem Verein zusammengeschlossen haben, um die kleine Kirche im kleinen Darsikow zu retten. Die Kirchenmäuse, wie sie sich selbst manchmal nennen, haben in dieser Zeit vor allem Papiere gewälzt, Telefonate geführt und Briefe geschrieben. Die Anträge zu stellen das war eine vergleichbar kinderleichte Sache. Verzwickter ist da die Suche nach all den Dingen, die dem Kirchlein abhanden gekommen sind, seit es in den 70er Jahren von Gott und der Welt verlassen wurde. Der Altar verschollen. Das Altartuch weg. Das Taufbecken, der Kronleuchter und auch das Gemälde, das einst das Portal zierte davon. Knifflig ist es, all die vermissten Sachen wiederzufinden. Knifflig, aber nicht unmöglich.

Die Kirchenbänke zum Beispiel haben die Vereinsmitglieder in Glienicke (Heiligengrabe) aufgespürt. "Die Leute dort waren so nett und haben uns die Bänke ohne Weiteres zurückgegeben", sagt Isolde Lange. Das Gestühl ist nun eingelagert und wartet darauf, aufgearbeitet und wieder aufgestellt zu werden.

Auch die Glocke ist gefunden. Sie ruft auf dem Campus der Stephanus-Stiftung in Heilbrunn bei Wusterhausen zur Andacht. Längst haben die Kirchenmäuse Kontakt zu der Einrichtung für Menschen mit geistigen Behinderungen aufgenommen. "Die Heilbrunner sind einverstanden damit, dass das Original zum Original zurückkehrt", sagt Isolde Lange. "Natürlich können wir ihnen die Glocke nicht einfach so wegnehmen." Daher ist ein Tausch vereinbart. Die Darsikower bekommen ihre Glocke zurück, wenn sie für Heilbrunn eine andere besorgen. Diese Tausch-Glocke ist auch schon gefunden und reserviert. Allein sie muss noch ausgelöst werden. 2500 Euro kostet das gute Stück. Der Förderverein sammelt nun Spenden dafür. 167 Euro sind zum Beispiel beim Erntefest in Rägelin zusammengekommen, sagt Isolde Lange.

Das Erntefest, der Natur- und Kunstmarkt in Netzeband, die Zukunftswerkstatt für Temnitzquell bietet sich eine Gelegenheit, mischt der Verein gern mit. "Wir machen hier Multi-Kulti", sagt Isolde Lange. "Die kirchliche Gemeinde, die weltliche Gemeinde wir wollen alle im Boot haben." Auch die Nutzung der Kirche soll einmal "Multi-Kulti" sein. Hochzeiten wollen sie wieder feiern in Darsikow selbstverständlich. Aber auch für Konzerte, fürs Puppentheater oder Ausstellungen wollen sie die Kirche öffnen. Auch wenn da noch die Kleinigkeit mit den Spenden und mit den Fördermitteln ist: Der Zeitplan steht. "Im nächsten Frühling soll die Glocke wieder läuten", sagt Isolde Lange. Es klingt nach Hoffnung.

Wer dem Förderverein helfen möchte, kann spenden: Verein Kleine Kirche Darsikow e.V., Sparkasse Ostprignitz-Ruppin, BLZ 160 502 02, Konto 17 40 00 57 47. (Von Nadine Fabian)

Märkische Allgemeine vom 24. September 2010

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