Luftiger Festtag

Die Restaurierung der Darsikower Kirche hat begonnen am Sonnabend wurde das groß gefeiert

DARSIKOW - Der erste große Schritt ist geschafft. Sibille Podorf kann es kaum fassen. Wenn ihr jetzt ein paar Sekunden Ruhe blieben, würden die Freudentränen kullern. Aber die Vorsitzende des Fördervereins Kleine Kirche Darsikow hat am Sonnabend keine Zeit. Mit Enthusiasmus trommelt sie eine für Darsikower Verhältnisse riesige Menschenmenge zusammen. Sie will den Blick der rund 60 Gäste in eine Richtung lenken: nach oben. Himmelwärts zum schmucken neuen Dachstuhl der Kapelle.

Mit dem Richtfest des Darsikower Kirchleins hat der Förderverein sein vorerst größtes Ziel erreicht: Die Restaurierung des 1832 geweihten Gebäudes ist im Gange. Bis vor Kurzem war es noch strengstens verboten, das baufällige Gebäude zu betreten. Damit ist Schluss: Der Dachstuhl ist bereits in großen Teilen erneuert. Seit 14 Tagen ist auch die originale Glocke nach der langjährigen und stationsreichen Tauschgeschichte mit dem Stift Heilbrunn bei Wusterhausen wieder zurück.

Sibille Podorf schaut am Sonnabend immer wieder fassungslos zum Kirchturm hinauf. Der Verein hat ein paar Helme besorgt für die Gäste, die hinaufsteigen wollen. Die Chefin selbst wagt es nicht. Also klettert Isolde Lange, die Co-Vorsitzende des Vereins, in luftige Höhen. Der Zimmermann Jörg Schmidt macht sich an ihrer Seite bereit für den Richtspruch. "Morsch war die Kirche und den Turm schien umzustürzen jeder Sturm", deklamiert er. Im Moment sieht alles nach einer glücklicheren Zukunft für die Kirche aus darauf lassen die beiden zwei Schnapsgläser im Turm zerscheppern.

Insgesamt 70 000 Euro nimmt der Förderverein in die Hand, um den Dachstuhl des Kirchleins sanieren zu lassen. Einen Großteil des Geldes gaben die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, der Landkreis und das Amt Temnitz. Aber auch viele kleine und große Spenden stecken in der Summe von Privatleuten, Idealisten, Menschen, die mit Darsikow etwas Besonderes verbindet. Um die Kirche zu retten, gründeten einige von ihnen 2009 den Förderverein.

An diesem Festtag und in der geselligen Mittagsmahlrunde unter freiem Himmel mag Sibille Podorf noch gar nicht daran denken, dass es für die Initiative schon bald wieder von vorn losgehen könnte. Denn die Kirche muss komplett saniert werden; die Erneuerung des Dachstuhls ist ja nur ein Teil und selbst der ist noch nicht bis zum Schluss durchkalkuliert. Der Turm soll ein Kupferdach mit einer besonderen Bekrönung und einem Stern bekommen, für den unteren Teil ist originalgetreu eine Lärchenschalung vorgesehen. Auch die Glockenaufhängung muss noch gemacht werden.

Wie die Darsikower Kirche eines Tages aussehen könnte, haben die Modellbauer vom künftigen Modellpark Ostprignitz-Ruppin nachempfunden. Über ein Vierteljahr hatten 15 Leute an dem Kunststoffmodell im Maßstab 1:25 gearbeitet. Zum Richtfest überreichten die Chefkonstrukteure das Kirchenmodell dem Förderverein. (Von Juliane Felsch)

Märkische Allgemeine vom 19. März 2012

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