Sonnenstunden für ein Kirchlein

DORFLEBEN: In Darsikow will ein Verein das Gotteshaus retten am Sonnabend gab es das erste Frühlingsfest

DARSIKOW - Der Schlüssel steckt, eintreten aber darf am Sonnabend niemand: Die kleine Kirche in Darsikow (Dorfkirche des Monats Juli 2010), westlich von Rägelin, ist einsturzgefährdet und dringend sanierungsbedürftig. Sie zu betreten ist schon lange viel zu gefährlich. Um die Kirche zu retten, gründete sich 2009 ein Förderverein. Nun stellte dieser zum ersten Mal ein Frühlingsfest auf die Beine.

Rund 100 Menschen haben sich am sonnigen Nachmittag zu Fuß, mit dem Rad oder Auto zur baufälligen Schönheit aufgemacht. Für Darsikower Verhältnisse eine Riesensause: Zwölf Einwohner hat der Ort, einer der kleinsten Flecken im Amt Temnitz.

Kurz nach 15 Uhr sind alle Kaffeeplätzchen vergeben. Die Kinder beginnen mit dem Eierlauf, als Belohnung gibt es ein Osternest. Der Grill ist angeheizt, der Kuchen geschnitten, es gibt einen Trödelstand. Der Verein mit seinen 16 Mitgliedern hat etwas zur Geschichte der Kirche zusammengetragen. Vielen Besuchern reicht das aber nicht. Sie riskieren doch einen Schritt in das Gotteshaus.

Im Innern stützt ein provisorisches Holzgerüst die Decke. Der Putz ist in großen Brocken abgefallen, die Deckenbemalung nur noch in Bruchstücken zu erkennen. In einer Ecke stehen die alten Fensterrahmen. Sie sind noch erhalten; es müsste nur das gelbe Ornamentglas von früher ersetzt werden.

"Das Wichtigste ist jetzt das Dach", beginnt Vereinssprecherin Isolde Lange zu erzählen. Die Haushaltssperre des Landes im vorigen Jahr hatte die Mitstreiter hart getroffen, denn damit fielen mehrere Geldgeber aus und das Vorhaben, schon 2010 zu bauen. Inzwischen hat der Verein neuen Mut gefasst. Sein Ziel: Im August soll die Rüstung stehen. Zwischen 60 000 und 70 000 Euro könnte die Sanierung des Dachstuhls mit dem Glockenturm kosten, schätzt Isolde Lange. Der Verein habe bisher 16 000 Euro an Spenden gesammelt.

Die Geschichte der kleinen Darsikower Kirche ist eine Geschichte von Verehrung und Verfall. 1832 wurde das Haus geweiht. Noch heute steht über dem Portal: "Der Andacht und Verehrung des Herrn geweiht von Carl Binder 1832." Auf Geheiß des damaligen Gutsbesitzers hatte man zwei Jahre zuvor mit dem Bau der Kirche begonnen. Als im 20. Jahrhundert der Zoll in Darsikow ein Betriebsferienlager einrichtete und die meisten Darsikower nach Rägelin zogen, verwaiste die Kirche. Die letzte Hochzeit fand 1961 statt. Seit 2005 ist die Kirche entwidmet. Viele Inventarstücke sind seit den 70er Jahren verschollen, auch der Altar.

Für den Tag aber, da alles wieder beieinander ist, das Gebäude glänzt und wieder geweiht ist, hat sich Susan Ponath schon angemeldet. Dann will die Frau aus dem Förderverein ihren Mann noch einmal richtig heiraten: kirchlich in Darsikow.

Am Mittwoch, 1. Juni, gibt es am Nachmittag ein Kindertagsfest an der Kirche. Wer dem Förderverein helfen möchte, kann spenden: Verein Kleine Kirche Darsikow e.V., Sparkasse Ostprignitz-Ruppin, BLZ 160 502 02, Konto 17 40 00 57 47. (Von Juliane Felsch)

Märkische Allgemeine vom 04. April 2011

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