Die Dorfkirche Mellnsdorf (Landkreis Teltow-Fläming)

Dorfkirche Mellnsdorf 
 Großbildansicht

Gegenwärtig bietet die Kirche des kleinen Ortes Mellnsdorf, zwischen Jüterbog und Wittenberg an der Grenze zu Sachsen-Anhalt gelegen, einen traurigen Anblick.

Der Feldsteinbau, bestehend aus Langhaussaal, eingezogenem Chor und halbkreisförmiger Apsis, entstand zu Zeit der Besiedlung dieser Region im frühen 13. Jahrhundert. Ihre heutige Gestalt mit den von Backstein gerahmten großen Rundbogenfenstern erhielt die Kirche bei einem Umbau im Jahre 1892, angeregt von dem damals im Nachbarort Blönsdorf wirkenden Pfarrer Ferdinand August Scheele.

Damals wurde über dem Westteil des Schiffes auch ein Dachturm aus verbrettertem Fachwerk errichtet. In einem erst vor wenigen Jahren erschienen Denkmal-Inventar des Landkreises findet sich der Satz: "Die markante Turmspitze bestimmt die Silhouette des Dorfes." Nachdem jedoch Glockengeschoss und Turmspitze wegen akuter Baufälligkeit abgenommen werden mussten und auf dem Kirchhof abgestellt wurden, fehlt dem Dorf der wesentliche Teil seiner Silhouette, fehlt ihm die Mitte. Das Dach des Kirchenschiffes wurde mit den unterschiedlichsten Materialien immer wieder notdürftig ausgebessert und erinnert an einen Flickenteppich.

Trübselig mutet auch der Blick in den Innenraum der Kirche an. Eine einfache Stützkonstruktion aus Kanthölzern und Brettern verhindert den Einsturz der mit, inzwischen abblätternden, Medaillons bemalten geraden Balkendecke. Trotzdem lässt der Raum noch viel von seiner einstigen Schönheit ahnen. Bei der oben angesprochenen Renovierung 1891/92 hatte man sich bewusst dazu entschlossen, die aus der Bauzeit stammende Altarmensa mit mittelalterlichen Ritzzeichnungen als Deckplatte in den neuen Altar einzubeziehen. Die herrliche Terrakotta-Taufe im Stil der Neurenaissance schuf eine Firma aus Berlin-Charlottenburg, die Kanzel ein Tischlermeister Unger aus dem nahen Städtchen Zahna. Abgebaut und im Nachbarort Blönsdorf eingelagert wurde die Orgel, um sie vor weiteren Schäden zu schützen.

Schon seit einigen Jahren wollen sich die Bewohner des gerade einmal 83 Einwohner zählenden Dorfes nicht mit dem Verfall ihrer Kirche abfinden. Im Sommer 2005 gründeten sie einen Förderverein. Inzwischen haben auch Kirchengemeinde und Kirchenkreis einer Instandsetzung der Mellnsdorfer Kirche zugestimmt. Bereits 2006 sollen erste Sicherungsmaßnahmen erfolgen.

In alten Kirchenbüchern ist nachzulesen, dass bereits 1583, als ein Giebel der Kirche einzufallen drohte, die Gemeinde zu arm für eine Ausbesserung war. Auch heute wird die kleine Kirchengemeinde allein diese Aufgabe nicht bewältigen können. Vielfältige Hilfe ist gefragt. Bei einem Benefizkonzert am 10. Dezember 2005 wurden mehrere hundert Euro für den Erhalt des Gotteshauses gespendet. Der Förderkreis Alte Kirchen hat zugesagt, sich an den notwendigen Instandsetzungsarbeiten im ersten Bauabschnitt finanziell zu beteiligen.


Nachträge:
Der Förderkreis gehört zu den Preisträgern der Ausschreibung "Startkapital für Kirchen-Fördervereine 2006"
Märkische Allgemeine vom 13. Dezember 2005: Erlkönig als Spendensammler
Märkische Allgemeine vom 17. Juni 2006: Der Turm steht daneben
Märkische Allgemeine vom 04. Juni 2007: Schatulle aus der Mellnsdorfer Kirchturmspitze geöffnet
Märkische Allgemeine vom 31. August 2007: Maßgefertigter Kirchturm
Märkische Allgemeine vom 29. Oktober 2007: Anspornendes Richtfest am Mellnsdorfer Kirchturm
Mitteilungsblatt Dezember 2007: Unser "Startkapital" als Mutmacher hat es sich vor Ort ausgezahlt?
Märkische Allgemeine vom 12. Januar 2008: Alle Steine auf dem Dach
Märkische Allgemeine vom 08. Dezember 2014: Baer-Orgel klingt wieder

  zurück