Die Kirchenruine Hohenjesar (Landkreis Märkisch Oderland)

Kirchenruine Hohenjesar - Turm 
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Kirchenruine Hohenjesar - Mosaikwandbild
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Im Frühjahr 1945 fand im Oderbruch eine der letzten großen Schlachten des 2. Weltkrieges statt, in der noch einmal weit mehr als 50.000 Menschen den Tod fanden. In den wochenlangen Kämpfen wurden auch zahlreiche Kirchen zerstört oder schwer beschädigt. Bis in die heutige Zeit wird das Bild zahlreicher Dörfer der Region durch Kirchruinen geprägt. Allein in der Region um Seelow wurden von den vor dem Krieg vorhandenen 53 Kirchen 27 völlig zerstört. Erst in den letzten Jahren war es möglich, einige wenige der stark beschädigten Kirchen wieder aufzubauen bzw. die Ruinen zu sichern.

 Kirchenruine Hohenjesar
Blick vom Turm in das ungesicherte Kirchenschiff

Die Kirche in Hohenjesar wurde 1721 bis 1723 von der damaligen Patronatsfamilie von Burgsdorff als stattlicher Backsteinbau auf den Fundamenten eines Vorgängerbaus errichtet. Der weithin sichtbare Kirchturm erhielt eine geschweifte Haube. Im Februar 1945 wurde die Kirche, in deren Turm sich eine Artilleriebeobachtungsstelle befand, durch Einschüsse beschädigt. Während in anderen Orten die Kirchtürme von der zurückweichenden deutschen Wehrmacht gesprengt wurden, blieb ihnen in Hohenjesar dazu keine Zeit. Die entscheidenden Zerstörungen brachte erst die Nachkriegszeit. Bereits gespendetes Baumaterial wurde auf Anordnung des Bürgermeisters abtransportiert und anderweitig verbaut. Die Dacheindeckung wurde abgenommen, der Dachstuhl demontiert und das Inventar geplündert. Dabei war Hojenjesar durchaus kein Einzelfall. Unter dem Vorwand der Einsturzgefahr oder der Gewinnung von Baumaterialien für die Errichtung von Neusiedlerhäusern wurden die Kirchen in Kunersdorf, Golzow , Zechin, Sophiental und anderen Orten total abgebrochen.

In Hohenjesar blieb wenigstens der Turm erhalten und konnte 1965 durch Spenden instandgesetzt werden. Neben einer vorhandenen Glocke schaffte die Gemeinde sogar zwei neue an. Das Kirchenschiff blieb Ruine. Die Gottesdienste sowohl der evangelischen als auch der katholischen Kirchengemeinde finden seit dem Kriegsende in der Friedhofskapelle statt, einem Blockhausbau, der 1920 von russischen Kriegsgefangenen errichtet wurde.

Die Ruine des Kirchenschiffes ist durch Witterungseinflüsse inzwischen akut vom Einsturz bedroht. Die Mauerkronen müssen gesichert und Risse im Mauerwerk geschlossen werden. Auch am Turm sind Instandsetzungsarbeiten dringend erforderlich.

Seit 2004 hat sich nun ein Förderverein der Kirchenruine angenommen. In mehreren Arbeitseinsätzen wurde der Baukörper von Wildwuchs befreit. Ein Turmzimmer wurde als Vereinsraum hergerichtet. Jeden ersten Samstag im Monat ist von 14 bis 16 Uhr eine Turmbesteigung möglich, die herrliche Blicke in die Natur ermöglicht.

Sehenswert ist bei einem Besuch auch die nordöstlich an die Kirche grenzende Grabanlage der Familie von Burgsdorff. Erhalten sind hier zwei eindrucksvolle farbige Mosaikwandbilder des 19. Jahrhunderts, die eine Christusfigur sowie eine Taube vor der strahlenden Sonne zeigen.

Leider wurde auch das barocke Schloss derer von Burgsdorff nach Kriegsende abgetragen. Noch immer jedoch bilden Kirche und Friedhof zusammen mit dem ehemaligen Gutshof ein sehenswertes Ensemble. Bleibt zu hoffen, dass sich bald Geld und Gelegenheit bieten, die Kirchenruine wenigstens im Bestand zu sichern.

Weitere Informationen: Freunde der Kirche Hohenjesar e.V.; Annett Malke; Döbberiner Weg 17; 15326 Zeschdorf; Tel.: (03 36 02) 35 21


Zum Weiterlesen:
Der Förderkreis gehört zu den Preisträgern der Ausschreibung "Startkapital für Kirchen-Fördervereine 2006"
23. September 2006: Hilfe für Kirchenruine Hohenjesar
Märkische Oderzeitung vom 26. April 2007: Ein Dach für die Kirche in Hohenjesar
Mitteilungsblatt Mai 2013: Einmalig durch Zweimaligkeit
Märkische Oderzeitung vom 10. September 2013: Patronatskirche feiert
Märkische Onlinezeitung vom 18. Februar 2015: Willenserklärung zur Patronatskirche
Märkische Onlinezeitung vom 18. Oktober 2015: Hohenjesars Glocken schweigen

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