Was uns bewegt - der Vorstand berichtet

Die geöffnete Kirche im Dorf ist die Vergewisserung, dass verlassene Landstriche nicht gottverlassen sind

Zahlreiche Dorfkirchen konnten in den vergangenen zwei Jahrzehnten liebevoll und denkmalgerecht saniert werden, oft unter aufopferungsvoller Beteiligung ehrenamtlicher Kräfte aus den Dorfgemeinschaften. Trotzdem finden auf Grund sinkender Gemeindegliederzahlen und der daraus resultierenden Ausdünnung der pfarramtlichen Versorgung in vielen ländlichen Kirchen nur noch alle vier, sechs oder gar acht Wochen Gottesdienste statt. In der Regel bleibt zu diesen Anlässen die versammelte Gemeinde auch recht überschaubar.

Auf der Titelseite der Zeitung "Die Kirche" vom 13. Januar 2013 beschreibt die Journalistin Franziska Dorn die Situation wie folgt: "Einen Organisten gibt es nicht, der Gesang ist dürftig, die Kirche kalt, die Sitze hart, das Essen wartet, aber die Bemühungen waren groß." Und dann zieht sie die Schlussfolgerung: "Ich wünsche mir mehr Dorfkirchen, die sonntags einfach geschlossen bleiben." Stattdessen empfiehlt Frau Dorn Regionalgottesdienste; schließlich müssen die Dorfbewohner inzwischen ja zum Einkaufen oder zum Arztbesuch auch in die nächste Stadt fahren: "Lieblos angerichtetes Essen schmeckt nicht. Gottesdienst in zugigen Kirchen mit kargem Gesang mundet nicht."

Der Artikel von Franziska Dorn löste in der Kirchenzeitung eine wahre Flut von Leserbriefen aus. Sie kamen interessanterweise oft von Pfarrerinnen und Pfarrern, die durch die beschriebene Situation – drei bis vier Gottesdienste pro Sonntag vor nur mäßig gefüllten Bankreihen – besonders genervt sein müssten. Stattdessen schrieb Pfarrer Thomas Berg aus Lunow: "Aldi und Mac Donalds sind billig. Sie unterliegen den Gesetzen des Marktes, die krank genug sind und nicht als Modell für den Gottesdienst herhalten sollten. Gottesdienst wird nur in sozialen Bezügen stattfinden können. Gegen das Modell Regionalgottesdienst spricht, dass er überall dort, wo er nicht tatsächlich von unten her wächst – und das sehe ich an den wenigsten Orten – im wahrsten Sinne des Wortes asozial ist."

Pfarrerin Katharina Heide (Krausnick) stellt fest, dass die Dorfgemeinden beim Gottesdienst in der Regel prozentual besser dastehen als die Stadtgemeinden, und mutmaßt, "...dass wir mit solchen Erwägungen zur Gottesdienstreduzierung unseren Personalnotstand und unsere geistlich spirituelle Magersucht rechtfertigen wollen."

Margitta Schirge, Pfarrfrau aus Papenbruch, stellt die Frage: "Seit wann gilt auch in der Kirche das Weglaufen als die bequemste Methode, die Probleme zu lösen?"

Sabine Benndorf, Prädikantin im Kirchenkreis Templin-Gransee und Landessynodale, schreibt: "Die eigene Kirche zum Gottesdienst bereiten und öffnen ist ein nicht wegzudenkender Teil des Gottesdienstes." Und Diakon Oliver Lehmann (Berlin) bringt es auf den Punkt: "Die Pfarrerin vor Ort ist die Vergewisserung, dass unsere verlassenen Landstriche nicht auch noch gottverlassen sind. Wenn wir die zum großen Teil gut sanierten Dorfkirchen als letztes Leuchtfeuer des Glaubens auch noch aufgeben, dann geraten diese schönen Kirchen ganz in Vergessenheit und die Menschen wenden sich ab."

Hatte der eingangs zitierte Beitrag von Franziska Dorn vielleicht doch sein Gutes, indem er derart vehementen Widerspruch gegen den Rückzug aus den "zugigen Dorfkirchen" mit ihren "harten Bänken" provozierte? Wer auf dem Dorf lebt, weiß die Nähe und soziale Verbundenheit der eigenen Gemeinde mehr zu schätzen als die hier implizierte Wellness-Mentalität. Der Blick aus dem seit Kindheit vertrauten Chorfenster, wenn die Gedanken mal abschweifen, und der Schwatz über wichtige Neuigkeiten in der Nachbarschaft nach dem Gottesdienst sind dann ebenso ein Bestandteil des Sonntagvormittags wie die Predigt.

Der Gottesdienst in der eigenen Kirche hat viel mit Heimat zu tun, nach der die Sehnsucht in unserer hektischen Zeit immer stärker wird. Er ist eben keine Dienstleistung, die man sich an einem beliebigen Ort abholen kann.

Bei einer ausschließlichen Konzentration auf zentrale Gottesdienste würde von den wenigen Besuchern ein weiterer, sicher nicht geringer Teil resigniert zu Hause bleiben. Wahrscheinlich wird es im Zuge der künftigen demographischen Entwicklung nicht leichter, als Kirche flächendeckend präsent zu sein. Hier ist Kreativität gefragt.

An vielen Orten gibt es inzwischen Lektorengottesdienste, anderswo helfen Emeriti oder Theologen aus Berlin gern aus. Und nach den vertrauten Feiern in der eigenen Kirche macht es ab und zu dann wirklich Spaß, einen Regionalgottesdienst zu einem bestimmten Anlass zu besuchen.

Um noch einmal Margitta Schirge zu zitieren, die sich dafür ausspricht, "schwachen Gemeinden nicht den Rücken zu kehren, sondern ihnen den Rücken zu stärken." Vielleicht ist es ja sogar möglich, einen derartigen Regionalgottesdienst nicht in der nächsten Stadt zu feiern, sondern in einem Dorf, in dem die Gemeinde besonders klein und hilfebedürftig ist – einfach um zu zeigen, dass Kirche auch hier noch präsent ist.

Bernd Janowski

 
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Mitgliederversammlung 2013 des Förderkreises Alte Kirchen

Mit viel frischem Wind und Freude am guten Werk

EIN SCHÖNER AUSKLANG des Tages waren die Besuche in der katholischen Herz-Jesu-Kirche und der evangelischen Segenskirche. Irmtraut Thierse, FAK-Mitglied, unterbrach ihren Besuch auf dem Evangelischen Kirchentag in Hamburg für einen Tag, um durch die beeindruckende katholische Kirche zu führen (unser Bild). In der Segenskirche berichtete Pfarrer Gisbert Mangliers über die Geschichte des Gotteshauses und die Anliegen der Stadtklostergemeinschaft, und Organist Oliver Vogt ließ die Sauer/Schuke-Orgel nicht nur erklingen, sondern gestattete auch einen Einblick in ihr Innenleben.

Irgendwie wehte diesmal besonders erfrischender Wind durch den Versammlungsraum. Es gab keine langen Reden, obwohl viel und zumeist Erfreuliches zu sagen war.

Der Jahresbericht war den Mitgliedern schon mit den Einladungen zugegangen (s. S. 4), und so beschränkte sich der Vorstand auf wenige einführende Worte. Viel anschaulicher als auf dem Papier lässt sich die Arbeit ohnehin an Beispielen schildern. Die hatten die Regionalbetreuer in Wort und Bild parat, dazu auch gleich konkrete Antworten auf Zwischenfragen, die aus der Runde kamen.

Stolz wurden Erfolge präsentiert: die vollständig restaurierte Dorfkirche Küstrinchen (Uckermark) oder die vor dem Verfall geretteten Kirchen in Pessin (Havelland) und Darsikow (Ostprignitz-Ruppin). In Rohrbeck (Havelland) half der FAK nicht mit Geld, sondern erfolgreich mit gutem Rat. In Biesdorf (Märkisch-Oderland) wurde die Orgel wieder zum Klingen gebracht. Aber auch von Enttäuschungen war zu berichten: Für die Restaurierung der siebenhundert Jahre alten Kirche in Tornow (Oberhavel) hatte der Förderkreis Alte Kirche erfolgreich Spenden eingeworben – jetzt wurde das Gotteshaus in Privathand verkauft, Zukunft ungewiss. Zwischenruf: Was wurde aus den Spenden? Geschäftsführer Bernd Janowski konnte alle beruhigen: Mit jedem Spender wurde gesprochen; jeder von ihnen entschied, seine Spende in den allgemeinen Spendentopf des FAK fließen zu lassen.

Regionalbetreuer haben also auch manchmal Frust. "Aber mehr Lust an der Sache", bestätigten sie und machten damit anderen Mut, sich selbst für die Betreuung noch offener Regionen zu engagieren.

Ein Finanzbericht gehört natürlich auch in eine ordentliche Mitgliederversammlung. Die entsprechenden Tabellen mit Hunderten Zahlen waren ebenfalls mit den Einladungen verschickt worden. Wer mag sie alle wirklich gelesen und richtig gedeutet haben? Schatzmeisterin Sigrid Riesberg hatte die trockenen Zahlen diesmal zusätzlich in anschauliche Diagramme verwandelt. Da führten dann die Jahr für Jahr länger werdenden Balken der Mitgliederzahlen, der Summe der Beiträge, der Spenden, des Kapitalvermögens und so fort jedem deutlich vor Augen, welche erfolgreiche Entwicklung der Förderkreis bisher tatsächlich genommen hat. Diese Diagramme sind demnächst auch auf unserer Internet-Seite zu sehen – eine Anregung aus der Mitgliederversammlung – und sollten ständig aktualisiert werden.

Die Aussprache, für die diesmal genügend Zeit eingeplant worden war, hatte mit der Diskussion zu den vorangegangenen Berichten eigentlich schon begonnen, bevor der Tagesordnung erreicht war. Sie geriet dann auch zu einem lebendigen Erfahrungs– und Gedankenaustausch der Förderer.

Bernhard Behrens, der als Vorsitzender des Groß Lübener Fördervereins (Prignitz) zehn Jahre lang unermüdlich um den Wiederaufbau der Kirchturmspitze gekämpft hatte – stolz zeigte er das Bild seines beeindruckenden Prestigeobjektes vor –, bot seine vielseitigen Erfahrungen mit Behörden und Baufirmen anderen Bauwilligen an. Man wird ihn sicher gern beim Wort nehmen.

Anderes Thema: Wie können wir junge Menschen für die Zeugen unserer Kultur und Geschichte interessieren? Da meldeten sich einige mit guten Beispielen. Bleibt dennoch heute die vordringliche Aufgabe, diese Denkmale zu bewahren und den künftigen Generationen die Chance zu geben, sie zu nutzen und damit sorgfältig umzugehen.

Viel dankbare Anerkennung wurde den beiden hauptamtlich für den FAK Tätigen Bernd Janowski und Susanne Gloger gezollt, deren hohe Einsatzbereitschaft in keinem Verhältnis zu ihrem sehr knapp bemessenen Salär stünden. Lobenswert der FAK-Grundsatz, möglichst jeden Cent den Not leidenden Kirchen zukommen zu lassen, aber der Vorstand sollte nicht nachlassen in dem Bemühen, doch wieder Sponsoren für die (angemessenen) Personalkosten zu gewinnen.

Es war eine gelungene Beratung, die Probleme nicht außen vor ließ, aber doch von Optimismus und viel Einsatzbereitschaft geprägt war. Sogar herzhaftes Lachen war öfter zu hören. Und warum auch nicht? Schließlich gab und gibt es genug Anlass zur Freude über gemeinsam Erreichtes.

Text und Foto: Eva Gonda

 
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Fakten aus dem Bericht des Vorstandes

Auf einem soliden Fundament

Auch im 23. Jahr seines Bestehens konnte der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e. V. die in ihn gesetzten Erwartungen als Bindeglied zwischen Kirche, staatlicher Denkmalpflege und organisierter Bürgergesellschaft weitgehend erfüllen. Wieder konnten zahlreiche Sanierungsprojekte finanziell unterstützt, durch Beratung gefördert und dörfliches Leben in und um die Kirchengebäude gestärkt werden.

Die Summe der Einnahmen ist trotz der fehlenden Kollektenzuteilung gegenüber dem Vorjahr nur leicht zurück- gegangen, die Summe der Ausgaben für konkrete Erhaltungs-, Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen an Kirchen dagegen gestiegen. Nach wie vor steht der Verein auf einer soliden finanziellen Grundlage. Dies äußert sich auch darin, dass wir die bisher größte Summe an Zuschüssen zur Sanierung von Kirchen bzw. zur Restaurierung von Ausstattungsstücken in der Vereinsgeschichte ausreichen konnten.

Über die direkt vom Förderkreis vergebenen Fördermittel hinaus konnten finanzielle Zuwendungen von Institutionen, Stiftungen und Privatpersonen vermittelt werden. Aus einem Vermächtnis, das der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit der Auflage hinterlassen wurde, Förderungen in Absprache mit dem FAK auszureichen, wurden Finanzmittel für die Dorfkirchen in Alt Krüssow (PR), Buckow (HVL), Darsikow (OPR), Flieth (UM), Groß Ziethen (BAR), Selbelang (HVL) und Sewekow (OPR) in einer Gesamthöhe von etwa 80.000 Euro ausgereicht bzw. zugesagt.

Bauliche und restauratorische Fördermaßnahmen

Mit den direkt vom FAK vergebenen Fördermitteln wurden unter anderem folgende Maßnahmen unterstützt:

Instandsetzungsarbeiten am Turm der Dorfkirche Berkholz (UM); Umsetzung einer durch den FAK vermittelten Orgel für Dorfkirche Bücknitz (PM); Sanierung der ehemaligen Wallfahrtskirche in Buckow (HVL); Notsicherung und Instandsetzung der Gutskapelle in Darsikow (OPR); Notsicherungsarbeiten an der Dorfkirche Harnekop (MOL); Sanierung der Turmkonstruktion an der Dorfkirche Groß Leppin (PR); Wiederaufbau des zerstörten Kirchturms der Dorfkirche Groß Lüben (PR); die Erneuerung des Fußbodens in der Dorfkirche Kantow (OPR); die Sanierung des Kirchturms der Dorfkirche Kolpien (TF); Notsicherungsarbeiten am Dach der Dorfkirche Kuhbier (PR); Schwammsanierung der Dorfkirche Kuschkow (LDS); Restaurierung des Altaraufsatzes mit Alabasterrelief in der Dorfkirche Mödlich (PR); Instandsetzung des Turmes der Dorfkirche Neuküstrinchen (MOL); Sanierung des Kirchenschiffes in Pessin (HVL); Sanierung der Dorfkirche Rieben (PM) und Ausbau zum kirchlich-kommunalen Zentrum; Sanierung des Turmes und Turmhelmes der Dorfkirche Schäpe (PM); Sanierung der Turmfassade der Dorfkirche Teetz (OPR); Begasung der Dorfkirche Wagenitz (HVL) zur Beseitigung von Holzschädlingen; Sanierung der Dorfkirche Wahrenbrück (EE); wissenschaftliche Untersuchung eines Reliquienfundes in der Dorfkirche Wernikow (OPR); Erstellung eines Sanierungsgutachtens für die Dorfkirche Wulfersdorf (LOS); Sanierung der Dachkonstruktion der Fachwerkkirche in Zellendorf (TF).

Darüber hinaus konnten zahlreiche weitere zweckgebundene Spenden für konkrete Projekte an Kirchengemeinden und Fördervereine weitergereicht werden.

Rettung von Taufengeln

Im Rahmen der Spendenaktion "Menschen helfen Engeln" überwies der Förderkreis im Jahr 2012 Zuschüsse für die Restaurierung der Taufengel in Herzberg (OPR), Kötzlin (OPR), Malchow (UM), Segeletz (OPR), Wulkow (MOL) und Zollchow (UM). Insgesamt erbrachte die gemeinsame Spendenaktion des FAK, der EKBO und des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalpflege bisher über 65.000 Euro. Unter dem Motto "Vergessene Kunstwerke" wurde nun eine Spendenaktion für die Restaurierung des Altaraufsatzes aus der Dorfkirche Laubst (SPN) gestartet.

Exkursionen und Ausstellungen

Im vergangenen Jahr führten Exkursionen in die mittelalterliche Wallfahrtslandschaft der Prignitz, ins Oderbruch, auf den Spuren von Holländern, Schweizern und Pfälzern ins Obere Havelland, auf den Hohen Barnim und in die historische Landschaft der Zauche. Ein Höhepunkt war der zweitägige Besuch einer Reisegruppe aus Esslingen, die aufgrund unserer Ausstellung anreiste und ihren Schwerpunkt auf Paul-Gerhardt-Kirchen setzte.

Unsere Ausstellung "Gefährdete Schönheit – Dorfkirchen in Brandenburg" fand im vergangenen Jahr zum letzten Mal statt: Ingolstadt und Augsburg waren die Ausstellungsorte. Die Ausstellung hat über die Jahre nicht nur Spenden und neue Mitglieder aus den alten Bundesländern gebracht, sondern auch das Verständnis der Besucher für manche Probleme des Ostens erweitert, die Augen für unerwartete Schönheiten des Landes und seiner Kultur geöffnet und zum Zusammenwachsen von Ost und West beigetragen. Dr. Hans Krag sei dafür gedankt.

Kunst und Kultur in brandenburgischen Dorfkirchen

Insgesamt wurden in den vergangenen Jahren im Rahmen des Projektes "Musikschulen öffnen Kirchen" über 87.000 Euro für die Erhaltung und Instandsetzung brandenburgischer Kirchen gespendet. 2013 wird es wiederum über 40 Konzerte geben.

Seit Gründung des Projektes "Theater in der Kirche" 2002 fanden 151 Aufführungen in mehr als 75 Kirchen Brandenburgs vor jährlich etwa 1.000 Besuchern statt. Die Spendenerlöse kamen je zur Hälfte der Theatergruppe und dem Erhalt der Kirchengebäude zugute.

Der Vorstand dankt allen Mitgliedern und Unterstützern, die diese beeindruckende Bilanz des vergangenen Jahres ermöglicht haben.

Im Ehrenamt für den Förderkreis verantwortlich tätig

Heute zählt der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg 557 Mitglieder, davon 412 persönliche Mitglieder, 118 Vereine mit zumeist gegenseitiger Mitgliedschaft, 18 Kirchengemeinden beziehungsweise Kirchenkreise und 9 Firmen.

Damit ist die Mitgliederzahl um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen.

Der Vorstand des Förderkreises setzt sich aus sieben stimmberechtigten ehrenamtlichen Mitgliedern zusammen, die gleichzeitig andere wichtige Aufgaben im Förderkreis wahrnehmen:

Uwe Donath (Regionalbetreuung Märkisch-Oderland), Ute Handschuhmacher (Schriftführerin), Dr. Hans Krag (Regionalbetreuung Teltow-Fläming, Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz), Wolf-Rainer Marx (Betreuung des Internet-Auftritts), Wolf-Dietrich Meyer-Rath (Regionalbetreuung Prignitz, Ostprignitz-Ruppin), Dr. Uwe Otzen und Sigrid Riesberg (Betreuung des Finanzwesens und Schatzmeisterin), Bernd Janowski (Geschäftsführung und Regionalbetreuung Uckermark).

Die Büroleiterin Susanne Gloger und weitere aktive Vereinsmitglieder tragen ebenfalls maßgeblich zum Erfolg der Vereinsarbeit bei.

Außerhalb des Vorstandes wird die regionale Betreuung von folgenden Vereinsmitgliedern wahrgenommen: Arnulf Kraft (Havelland), Hans Tödtmann (Potsdam-Mittelmark, Nord), Theda v. Wedel-Schunk (Potsdam-Mittelmark, Süd), Carsten Lange (Barnim) und Konrad Mrusek (Oberhavel).

 
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Wir nahmen Abschied von ...

Günter Schöne

Wenn wir uns an Günter Schöne erinnern, dann sehen wir ihn im alten Pfarrgarten von Ahrensdorf unterm ausladenden Nussbaum, wo er und seine Frau Marianne alljährlich die August-Vorstandssit-zung des FAK ausrichteten. In so harmonischer Atmosphäre gediehen gute Gespräche, reiften förderliche Beschlüsse. Wenn wir Günter Schöne heute so sehr vermissen, so ist es seine ruhige, freundliche, stets ausgleichende Art, die einfach gut tat.

In die Arbeit des Vorstandes, dem er von 2000 bis 2012 angehörte, brachte er seine Kenntnisse, Erfahrungen und Kontakte vor allem als Pfarrer auf dem Lande ein. Und in welcher Gemeinde Brandenburgs er auch immer tätig war, galt seine Sorge auch dem Erhalt der alten Kirchengebäude. In Ahrensdorf, wo er bis zum Schluss lebte, begleitete er in den Neuzigerjahren die umfassende Instandsetzung der schönen alten Dorfkirche; ebenso engagierte er sich als Regionalbetreuer des Förderkreises für die Wulfersdorfer Kirche. Er gehörte zu den Initiatoren der alljährlichen Strategiesitzungen des FAK-Vorstandes, die er organisierte und moderierte. Günter Schöne war Mitglied der Arbeitsgemeinschaft historische Friedhöfe Berlin und war auch im Ökumenischen Europa-Centrum Frankfurt (Oder) aktiv. Er hatte mehrere Exkursionen mit organisiert, so auch die letzte im September nach Kreisau und Breslau.

Aus seinem bis ins Alter sinnerfüllten und "froh gelebten Leben", wie er selbst es nannte, riss ihn am 26. November ein Schlaganfall. Die nötige Herzoperation im Bernauer Krankenhaus hat er nicht mehr überlebt. Am 12. Dezember 2012 verstarb er im Alter von 78 Jahren.

In dankbarer Erinnerung an Günter Schöne widmet der Förderkreis Alte Kirchen die Busexkursion am 22. Juni seinem Andenken. Sie wird unter anderem auch in die Dorfkirche Ahrensdorf führen und findet ihren Abschluss in Wulfersdorf mit einem Benefizkonzert zu Gunsten der dortigen Kirche. Hier werden wir auch die Spendengelder übergeben, die den Förderkreis anlässlich der Beisetzung von Günter Schöne erreichten.

Rainer Lachmann

Mit dem Tode Rainer Lachmanns am 31. Dezember 2012 hat der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg einen engagierten Mitstreiter aus der ersten Zeit verloren. Als Mitglied und Vorstandsmitglied (1996 − 1998) regte er viele Projekte an und trug engagiert zum weiteren Aufbau und zur Entwicklung des FAK bei.

Rainer Lachmann hatte als erster die Idee der "offenen Kirchen" nach skandinavischem Vorbild in die Arbeit des FAK eingebracht. Diese Idee wurde dann sehr erfolgreich im Jahr 2000 in die Tat umgesetzt und erfreut sich bis heute großer Resonanz im ganzen Land. Verdient machte er sich auch um die Rückkehr der mittelalterlichen Fenster der Marienkirche in Frankfurt (Oder). So organisierte er maßgeblich die erste wichtige Veranstaltung zur Bekanntmachung des Themas in Berlin 1992 in der Luisen-Kirche in Berlin-Charlottenburg, war an der Gründung des Fördervereins St.-Marien-Kirche Frankfurt (Oder) beteiligt und trug dazu bei, das Thema auf nationaler Ebene noch besser publik zu machen.

Für mehrere Kirchen auf dem Lande hat sich Rainer Lachmann eingesetzt: In Papenbruch (Ostprignitz-Ruppin) half er bei der Erarbeitung einer Kirchenchronik, in Hermersdorf (Märkisch-Oderland) unterstützte er die Rettung der einzigartigen Altartafel der Nachkriegszeit. Er nahm an Veranstaltungen des Evangelischen Kirchbauvereins Berlin teil und interessierte sich für Kirchen in ehemaligen deutschen Gebieten, so in Schweidnitz/Swidnica in Schlesien, wo ein Teil seiner Familie einst zu Hause war.

Rainer Lachmann konnte manchmal recht unbequem sein, oft gereichte aber auch das der Arbeit des Förderkreises zum Vorteil. So wird er uns in Zukunft immer in guter Erinnerung bleiben.

 
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Neues von unserer Stiftung

Diese Bilanz kann sich sehen lassen

Das Beste gleich vorweg: Das erste große Ziel unserer Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen, nämlich das anfängliche Stiftungskapital von knapp 60.000 Euro auf 250.000 Euro zu steigern, die erste Viertel-Million also, werden wir in diesem Jahr erreichen.

Mehrere Zustiftungs-Beträge sowie der Erlös aus den beiden schönen Benefiz-Orgelkonzerten im April in der Spandauer St.-Nikolai-Kirche und in der St.-Marien-Kirche in Berlin-Mitte haben das Stiftungskapital auf aktuell schon 245.025,17 Euro steigen lassen.

BAROCK geprägt ist die einheitliche Innenausstattung der Wulfersdorfer Kirche. Das Gebäude aber, durch eindringende Feuchtigkeit stark gefährdet, muss dringend saniert werden.
Foto: FAK

Die zweite gute Nachricht: Für 2012 konnten uns (Zinssatz knapp 4 Prozent!) bereits 9.050 Euro Zinsen gutgeschrieben werden. Davon wird der Stiftungsvorstand voraussichtlich wieder einen Teil als Inflationsausgleich buchen lassen, wiederum aber 6.000 Euro für ausgewählte Projekte des Förderkreises Alte Kirchen überweisen können. Welche das sein werden, wird zwischen FAK- und Stiftungsvorstand zu beraten sein. Ein wichtiges Projekt könnten Sanierungsmaßnahmen an der Dorfkirche Wulfersdorf (Oder-Spree) (Dorfkirche des Monats April 2009) sein. – Im Juli 2008 hatten wir unsere Stiftung gegründet. Nun bald fünf Jahre alt, ist sie schon von respektabler Gestalt: Mit den geplanten Überweisungen in 2013 wird die Stiftung in ihren ersten fünf Jahren die Arbeit des FAK bereits mit 19.350 Euro unterstützt haben.

Eine weitere erfreuliche Nachricht: Der Förderverein Dorfkirche Hirschfelde (Barnim), dessen Bemühungen um den Wiederaufbau der Kirche unsere Stiftung 2010 mit 1.850 Euro unterstützt hat (dafür wurden Planungsleistungen erbracht), erhielt jetzt einen Zuwendungsbescheid über 224.000 Euro aus ILE-Mitteln. So hat unsere Stiftung mit einem eher kleinen Beitrag dazu beigetragen, ein großes Bauvorhaben auf den Weg zu bringen.

Wenn Sie zur weiteren Erhöhung des Stiftungskapitals beitragen wollen – hier unsere Kontoverbindung:

Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen, Kto 300 00 55 50 bei EKG Kassel (BLZ 520 604 10), Vermerk "Zustiftung". Bei Fragen: Tel.: 030 3752244.

Arnulf Kraft

 
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Unterm Strich

Ein offenes Wort zu "Offene Kirchen"

Wenn der Frühling ins Land zieht, dann kommt in jedem Jahr auch unsere Broschüre "Offene Kirchen" zu den Menschen – nicht nur in Brandenburg, sondern auch zu vielen Interessenten außerhalb der Landesgrenzen. Mit dem Heft will der Förderkreis einladen, unsere Dorfkirchen zu besuchen, will die Aufmerksamkeit auf verborgene Schönheiten märkischer Kirchen lenken und von den vielen Initiativen berichten, diese Schätze zu erhalten.

Wir wissen, dass Leser mit diesem Heft im Marschgepäck auf Entdeckungsreisen gehen und sich an den Informationen im Innenteil orientieren. Sie müssen sich darauf verlassen können, dass die Angaben über "Kirchenhüter" und Öffnungszeiten korrekt sind. Bei etwa 950 Standorten ist die jährliche Aktualisierung eine große Herausforderung, die nur gemeistert werden kann, wenn alle Beteiligten verlässlich und rechtzeitig mitwirken. Und das geht so:

Bereits lange bevor der Frühling ins Land zieht, gehen Hunderte Mails auf ihre elektronische Reise vom FAK zu denen, die bisher ihre Kirche offen hielten: Bleibt es bei dem Eintrag wie 2012? Was hat sich geändert? Wer keinen Internetzugang hat, erteilt jeweils bis Ende des Jahres die Druckfreigabe für die nächste Ausgabe schriftlich oder per Fax. Obwohl die Antworten also komfortabel, kostengünstig und schnell zu übermitteln sind, reagiert nur gut die Hälfte aller Angefragten. Dann beginnt der zweite, sehr nervenaufreibende Teil: Eine Schar Unermüdlicher hängt stundenlang am Telefon, müht sich um Abstimmungen mit den Gemeindebüros. Die haben unterschiedliche Öffnungszeiten. Ansagen der Anrufbeantworter machen es nicht einfach, persönlich in Kontakt zu treten. Auf den erbetenen Rückruf kann man oft lange warten.

Für unser gemeinsames Anliegen ist es außerordentlich wichtig, dass die Hefte in der Region präsent sind. Abrechnung, Bestellung und Lieferung basieren auf einem bewährten, weitgehend kostenneutralen Vertriebsmodell: Ehrenamtliche Lieferer schwärmen jedes Jahr noch vor Ostern aus, um die Hefte auch in abgelegene Dörfer zu bringen. Das erspart dem FAK sehr viel Geld. Der willkommene Nebeneffekt ist die Möglichkeit zu Begegnungen, Gesprächen und immer wieder neuen Entdeckungen. Aber für diese Form des Vertriebs ist es unerlässlich, die Termine für Angabe der verkauften Exemplare, Abrechnung und Bestellung der neuen Ausgabe einzuhalten.

Der Verkaufspreis von 4,50 Euro, von dem die Verkäufer ein Drittel Rabatt einbehalten, deckt kaum die Druckkosten und lässt sich nur aufgrund dieser unüblichen Art des Vertriebs aufrechterhalten. Aktive Zuarbeit ist also hoch willkommen.

Susanne Gloger

 

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Schneiden – falten – kleben

Das Archiv des Förderkreises

"In welchem Landkreis liegt Möglin?" "In Märkisch-Oderland." Susanne Gloger sitzt mir gegenüber. Ihre Antwort kommt schnell. In den vielen Jahren ihrer Arbeit im Förderkreis Alte Kirchen hat sie auch über Details ein großes Wissen angesammelt.

Wir sitzen uns in dem kleinen Büro im Hinterhof des zur Sophien-Gemeinde gehörenden Gebäudekomplexes gegenüber. Sie das Hauptamt, ich das Ehrenamt. Drei Stunden pro Woche helfe ich aus, helfe ich mit: schneiden, falten, kleben und dann noch abheften. Im Bürojargon: Ich erledige die Ablage.

Hinter meinem Rücken in drei Reihen übereinander, insgesamt rund zwölf Regalmeter, steht ein Ordner neben dem anderen, jeder mit dem Logo des Förderkreises und einem Etikett, das auf den Inhalt verweist. Sie sind nach Landkreisen geordnet, MOL, HVL, TF und so weiter. Außerdem gibt es eigene Ordner für die kreisfreien Städte, für Berlin, für "Exoten", d. h. Kirchengemeinden außerhalb Brandenburgs, die für unsere Arbeit wichtig werden könnten. Weitere Regalmeter nimmt das Presse-Archiv ein, denn der FAK wird oft in Printmedien gewürdigt.

Das Herzstück ist das eigentliche FAK-Archiv. Es dokumentiert die Geschichte des Förderkreises seit seinen Anfängen 1990. Sehr wichtig: die Bilanzen und Finanzberichte, schließlich sind Transparenz in allen Finanztransaktionen und ein verantwortungsvolles Finanzgebaren das Fundament jeder erfolgreichen Vereinsarbeit.

Meine Tätigkeit bringt es mit sich, dass ich viele der Zeitungsartikel, der Förderanträge und Mitteilungen kurz überfliege. Oft lese ich mich fest, gerate ins Schwärmen. "Ist es nicht wunderbar zu sehen, wie viele Menschen sich in diesem Land um die Sanierung der Kirchen und ihre Einbindung in das dörfliche Leben bemühen? Wie viel ehrenamtlicher Einsatz dem Erhalt dieses so unschätzbar wertvollen kulturellen Erbes gewidmet wird?" Susanne Gloger hat keine Wahl. Sie muss meine Begeisterung miterleben. "Vom Elbe-Elster-Kreis bis zur Ostprignitz, vom Fläming bis zur Uckermark setzen sich Hunderte Frauen und Männer zusammen, gründen Vereine, studieren Förderrichtlinien, bestellen Gutachten, formulieren Anträge und, und..."

In der Großen Hamburger Straße 31 ruht ein richtiger Schatz. Kein Gold, kein Geschmeide, sondern Buchstaben, Zahlen und Fotos. Dieser Schatz glänzt und funkelt nicht an der Oberfläche, sein Wert erwächst von innen. Die ersten Ordner drohen zu bersten. Wir werden sie bald teilen müssen. Mal sehen, wie lange der Platz in dem doch recht kleinen Büro noch reicht.

Außer dem umtriebigen und kompetenten Geschäftsführer Bernd Janowski, den gewählten und den kooptierten Vorstandsmitgliedern sowie einigen anderen Ehrenamtlichen, die gelegentlich oder regelmäßig helfen wie der rührige PC-Experte Günter Baude sieht kaum jemand, welch kostbares Archiv über die Jahre hinweg nicht zuletzt durch die kluge Arbeit von Susanne Gloger entstanden ist.

Das muss nicht so bleiben. Schließlich ist das Archiv kein Selbstzweck. Deshalb wird erwogen, Interessierten den Zugang zum Archiv nach Absprache zu ermöglichen. Bitte geben Sie uns Bescheid, wenn Sie uns besuchen möchten. Zwei, drei Stunden zum Lesen, zum Staunen, zur Anregung, durchaus auch zum Mutmachen, wenn man mal an den Widrigkeiten des eigenen Umfeldes zu verzweifeln droht.

In dem Zusammenhang haben wir eine Bitte, liebe Leserinnen und Leser. Jedes Archiv lebt von dem Archivgut, das es erwirbt oder das ihm zur Verfügung gestellt wird. Bitte schicken Sie uns Ihre Veröffentlichungen, Beschreibungen, Berichte, Reportagen, Zeitungsartikel, Korrespondenzen, Fotos, was immer Sie für archivierenswert halten. Bitte immer unter Angabe der jeweiligen Quelle. (Aber keine Satzungen und auch nicht Ihre Finanzberichte; die gehören in Ihr eigenes Archiv).

Wir wollen und können keine Konkurrenz zu anderen Archiven sein, insbesondere nicht zum Evangelischen Zentralarchiv am Bethaniendamm in Kreuzberg. Wir möchten nichts anderes, als allen an der Zukunft der rund 1400 Brandenburger und Berliner Kirchen, der Dorfkirchen vor allem, Anteil nehmenden Menschen ein Forum der Präsentation und des Austausches bieten. Der jetzt aktiven Generation und künftigen, generationenübergreifend also. Das Archiv ist ebenso wenig eine Konkurrenz zu dem exzellenten Internet-Auftritt des Förderkreises, der ebenfalls viele, sehr viele Informationen in unterschiedlicher Form anbietet und vermittelt (www.altekirchen.de).

Ich erledige die Ablage. So beschrieb ich oben meine Tätigkeit. Obwohl ich kein Freund großer Worte bin, ändere ich die Aussage jetzt: Ich helfe mit, ein Archiv zu pflegen. Ein Ehrenamtlicher, der die Hauptamtlichen braucht, um seinen Beitrag leisten zu können. Aber auch Sie: als Zulieferer, als "Bestücker", gern auch als Berater. Sollten die drei Stunden pro Woche, die ich bisher zugesagt habe, nicht reichen, das Archivgut zu bearbeiten, lege ich gern Sonderschichten ein.

Edmund Köhn

 

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LANKE (Wandlitz/Barnim)

Dornröschen hofft aufs Erwachen...

…und gab den Anstoß für die Gründung eines Fördervereins

WARTET, aus dem Dornröschenschlaf geholt zu werden: die Aussegnungskapelle in Lanke
Foto: Jens Jacobi
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Der ehemalige Adelssitz in Lanke prägt noch heute entscheidend das Ortsbild: Schloss mit Nebengebäuden, Gut, Park sowie Kirche und Kapelle, dazu Forsthaus, Schnitter- und Landarbeiterhäuser innerhalb einer landschaftlich besonders reizvollen wald- und wasserreichen Umgebung.

1688 wird erstmals in dem infolge des Dreißigjährigen Krieges völlig wüsten Dorf Lanke ein fester Rittersitz als Besitz des Wilhelm Heinrich von Happe erwähnt. 1769 ging das Gut an die Familie von Holwede, von der es 1783 Hans Heinrich von Wülknitz übernahm. Der im Kern des heutigen Schlosses Lanke überlieferte Vorgängerbau und ein Grabdenkmal erinnern an diesen Familienbesitz.

1827 kaufte Friedrich Wilhelm Graf von Redern, der spätere Generalintendant der Königlichen Bühnen von Berlin, das Gut Lanke mit den dazugehörigen Orten Prenden, Ützdorf, Werder, Sophienstädt und Neudörfchen, 1838 kam das Vorwerk Ahrendsee dazu. Der neue Besitzer ließ den Schlosspark großzügig umgestalten und 1856-58 das Schloss durch C. H. Eduard von Knoblauch erweitern und umbauen. In der gleichen Zeit erfolgte der Bau der Backsteinkirche nach einem Entwurf Friedrich August Stülers – der Vorgängerbau war durch einen Großbrand zerstört worden. Mit 45 Gütern waren die Grafen von Redern die wohlhabendsten Großgrundbesitzer des Niederbarnims und Lanke war mit rund 4500 ha Land das größte Gut.

Das Schloss ist eines der wenigen erhaltenen Beispiele in der Mark Brandenburg, dessen historisierendes Fassadenbild sich am französischen Renaissancestil orientiert. In der Wahl dieses Stils steht Lanke am Beginn einer in den 1850er Jahren entstehenden internationalen Architekturströmung und spiegelt den damals in Berlin vorherrschenden Architekturgeschmack wider. Neben den ebenfalls von Knoblauch entworfenen Herrenhäusern in Kröchlendorf und Görlsdorf (letzteres nicht mehr vorhanden) ist die reiche Fassadengliederung des Schlosses Lanke mit der bewegten Dachlandschaft und seiner malerischen Einbindung in den umgebenden Landschaftspark von hoher künstlerischer Bedeutung.

Vermutlich um 1900 wurde der Bau der Aussegnungskapelle neben der Lanker Kirche durch den Architekten William Müller, einem Schüler Alfred Messels, errichtet. Diese Kapelle ist in einem sehr schlechten Zustand und gab den letzten Anstoß zur Gründung des Fördervereins Lanke e. V. im Mai 2012. Zeitnah wurde eine gegenseitige Mitgliedschaft im Förderkreis Alte Kirchen geschlossen, um von dessen langjährigen Erfahrung zu lernen und zu profitieren.

Ziel des Vereins ist die Bewahrung der historischen Bausubstanz im Ortsbild von Lanke. Das erste Projekt, das jetzt nicht zuletzt dank der großzügigen Unterstützung der evangelischen Kirche Biesenthal umgesetzt werden kann, ist die Sanierung der Kapelle auf dem Lanker Friedhof. Dazu konnte der Förderverein Lanke einen langfristigen Nutzungsvertrag mit der Kirchengemeinde schließen. Mit Spenden, die in den vergangenen drei Jahren zusammengetragen wurden, und Fördermitteln der EU aus dem LEADER-Programm soll zunächst das Dach erneuert werden. Zwei Angebote von Dachdeckerfirmen liegen bereits vor, in diesem Jahr soll mit der Sanierung begonnen werden.

Das kleine Gebäude ist dem Verein äußerst wichtig, da es zum Kern der ortsprägenden historischen Substanz gehört. Ein Besuch im Brandenburger Landeshauptarchiv, das einen ungewöhnlich großen Bestand des Gutsarchivs Lanke birgt, brachte aufschlussreiche Informationen. Die digitalisierten Bilder und Pläne vervollständigen die Ortschronik weiter und sind für die Restaurierung äußerst hilfreich.

Neben der Denkmalpflege hat der Verein auch die Förderung von Kunst und Kultur in sein Programm geschrieben. Mit dem für dieses Jahr projektierten Fotoworkshop rückt die Kapelle als wichtiger Bezugspunkt in den Fokus größerer Aufmerksamkeit.

Der junge Verein plant, an dem vom FAK jährlich ausgeschriebenen Wettbewerb "Startkapital" teilzunehmen, um den letzten Baustein zur Sanierung des Kapellendachs zu stemmen.

Somit hat sich nun ein erster kleiner Kreis kunst- und kulturinteressierter Lanker eine eigene Plattform gegeben, die dazu dienen soll, die gemeinsamen Ziele leichter zu erreichen. Weitere interessierte und aktive Mitglieder sind herzlich willkommen.

Spenden für die Arbeit des Fördervereins sind gern gesehen:
Kontoinhaber: Förderverein Lanke e.V.
Kontonummer: 94 00 14 017; Bank: Sparkasse Barnim; Bankleitzahl: 170 520 00

Informationen zum Verein und zu kulturellen Veranstaltungen finden Sie künftig auf der Homepage von Schloss Lanke www.schlosslanke.net unter der Rubrik Förderverein.

Förderverein Lanke e.V., Lanker Dorfstrasse 10, 16348 Wandlitz OT Lanke
Ansprechpartner: Jens J. Jacobi; Mail: jens.j.jacobi@googlemail.com Tel.: 0162 2800996

 

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IN AKUTER NOT

Diesmal erbitten wir Ihre Spende für die

DORFKIRCHE DÖLLEN

(Prignitz)
 

Diesmal kommt der Hilferuf direkt aus dem Ort. Sigrid Rau vom Gemeindekirchenrat in Döllen hatte sich auf der FAK-Mitgliederversammlung 2012 anregen lassen, die Nöte mit der Erhaltung ihrer Kirche in den AK öffentlich zu machen. Und die sind groß: 200 Einwohner, 58 Kirchenmitglieder, 240.000 Euro veranschlagte Kosten, beantragte Fördermittel immer wieder verschoben, die Pfarrstelle vakant... Dabei hängen alle Döllener an ihrer Kirche, haben schon manches Opfer gebracht. Aber lassen wir Sigrid Rau selbst erzählen:

...und dann der Schreck: Unsere Kirche ist schwer krank

Foto: Wolf-Dietrich Meyer-RathGroßbildansicht

Unsere "Kirche auf dem Berg" grüßt seit Jahrhunderten weit ins Land – und wir wollen, dass sie auch künftig unser Ortsbild prägt und christliches Leben bezeugt. Vielleicht stand sie schon 1344 bei der Ersterwähnung des Dorfes in dessen Mitte. 1864 bis 1868 wurde der Bau im neuromanischen Stil umgestaltet, ein polygonaler Chorabschluss angefügt, der eher schlichte Innenraum unter einem offenen Dachtragwerk erhielt seine heutige Gestalt, die Apsis einen Sternenhimmel.

Wir haben unsere Kirche auch in DDR-Zeiten trotz mancher Unwägbarkeiten bewahrt und genutzt. 1987 wurde die Winterkirche als beheizbarer Unterrichts- und Gottesdienstraum eingerichtet. Darin fühlen wir uns sehr wohl. Der Innenraum wurde 1989 behutsam restauriert.

Nach der Wiedervereinigung konnten wir uns dank der Unterstützung einer ehemaligen Döllenerin, die später in Amerika lebte, Modernisierungsarbeiten leisten: Eine Bankstrahlerheizung und die durch Zufall günstig erworbenen Kronleuchter spenden uns Wärme und Licht. Selbst die Kosten für eine Funkuhr und das elektrische Glockengeläut konnten wir aufbringen, und 2005 erhielt unsere Hollenbach-Orgel ein elektrisches Gebläse.

Dann der große Schrecken: 2008 erfuhren wir, dass unsere Kirche sehr krank ist. Eine grundlegende Untersuchung listete schwere Baumängel auf: Das Tragwerk des Kirchendaches ist durch Schädlingsbefall und Braunfäule stark geschädigt. Die Betondachsteine aus DDR-Zeiten sind porös und lassen das Regenwasser durch, sodass inzwischen auch die Balken, die die Empore tragen, äußerst marode sind. Eine umfassende Instandsetzung ist notwendig.

2009 gründeten wir unseren Förderkreis "Kirche auf dem Berge zu Döllen". Seitdem ist viel geschehen: Wir haben Konzerte und Theaterveranstaltungen organisiert, haben das kulturelle Leben im Dorf neu belebt. Von 200 Einwohnern sind immerhin 38 Mitglieder des Vereins. Stolz sind wir auf die 25.000 Euro, die wir bisher zusammentragen konnten. Aber was ist das bei einer benötigten Gesamtsumme von immensen 240.000 Euro?

Wir hofften auf eine Förderung aus Mitteln des ILE-Programms der Europäischen Union. Dieser Fördertopf, aus dem in den vergangenen Jahren viele Instandsetzungen von Kirchengebäuden ermöglicht wurden, ist für dieses Jahr jedoch ersatzlos gestrichen worden. Ob es im kommenden Jahr diese Mittel wieder gibt, ist noch nicht entschieden. Und so heißt es vorerst weiter sparen, sammeln, Anträge stellen. Also schrieb ich an unsere Döllener einen Brief und bat um Spenden. Mit dem ging ich von Tür zu Tür. Viele gaben etwas, manche nichts, und ich musste erfahren, dass es in Döllen auch sehr arme Menschen gibt. Immerhin konnte ich 6.200 Euro sammeln. Allerdings brauchte ich viel mehr Zeit, als gedacht. Seit langem haben die elf Gemeinden des Pfarrsprengels Glöwen keinen Pfarrer mehr. Da lag das Bedürfnis nahe, bei einem, der für die Kirche sammelt, sich gleich alle Kümmernisse und auch Freuden vom Herzen reden zu können. Das dauerte – aber all diese Gespräche haben mich sehr bereichert. Bei alledem geht es uns darum, dass die Kirche das bleibt, was ihre eigentliche Bestimmung ist: ein Raum für Gottesdienste. Die zu gestalten, wenn es in unserem Sprengel keinen Pfarrer mehr gibt, ist schon eine Herausforderung. Wir haben es trotzdem immer wieder geschafft und danken allen Gastpfarrern, aber auch denen, die so oft bereit sind, unsere Gottesdienste auf der Orgel zu begleiten.

Wir wünschen uns, dass die Pfarrstelle bald wieder besetzt wird. Und wir suchen händeringend nach Menschen, die uns bei der Sanierung unserer schönen Kirche unterstützen möchten.

Spendenkonto: Förderkreis Alte Kirchen; Kto.-Nr. 5 199 767 005; BLZ 100 900 00; Berliner Volksbank; Kennwort: Döllen

 

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Eine Frage an unsere Mitglieder, Freunde, Leser…

Erinnern Sie sich?

  
BEHARRLICHKEIT ertrotzte 1953/54 die staatliche Genehmigung für den Kirchenneubau in Tangendorf (Prignitz).KAUM ZU GLAUBEN - die Kirche in Neuglobsow (Oberhavel) entstand 1951 im staatlich propagierten Nationalen Aufbauwerk.GERETTET 1985 - der Kirche von Bredereiche (Oberhavel) drohte der Verfall, bevor Oberpfarrer Erich Köhler eine Initiative zu ihrer Bewahrung startete
Fotos: Gonda, FAK, Jabs


"Gottes Baubrigade" titelte der Berliner Tagesspiegel einen Bericht über die Restaurierung brandenburgischer Dorfkirchen in DDR-Zeiten. Mehr als 120 Kirchen, so der Artikel, sind von Freiwilligen hergerichtet worden. Viele Kirchen hatten noch schwere Kriegsschäden, Löcher in Dächern und Mauern, die Wind und Wetter durchließen. Gemeindeglieder, aber auch Dorfbewohner ohne kirchliche Orientierung haben mit angefasst, Material organisiert, Schutt geschleppt, Ziegel gesetzt, Dächer dicht gemacht. Westdeutsche Patengemeinden halfen mit Geld oder Sachspenden.

Aber – und das wissen viele nicht – in DDR-Zeiten wurden Dorfkirchen auch neu gebaut, meistens unter abenteuerlichen Bedingungen. Die Kirchengemeinden hatten manche Hürden zu nehmen und oft gerieten jene, die hartnäckig um die Baugenehmigung rangen, ins Visier der atheistischen Staatsführung. Aber nicht selten wuchs ihnen auch unerwartet Hilfe zu: Manches Bauholz spendierte, nicht ganz korrekt, die staatlich kontrollierte Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft, und Dachsteine, irgendwie irgendwo aufgetrieben, fuhren auf Lastkraftwagen eines benachbarten volkseigenen Betriebes vor...

Heute scheint das vergessen. Oder ist es so lange her, dass die Erinnerung verblasst ist? Die Rettung der Dorfkirchen hat nicht erst nach der Wende angefangen. Sie baut heute auf dem auf, was Eltern und Großeltern unter ungemein schwierigen Bedingungen zu ihrer Zeit geschaffen haben.

Theda von Wedel

Schreiben Sie uns, wenn Sie eine Dorfkirche kennen, die damals hergerichtet oder neu erbaut wurde, wenn Sie vielleicht selbst daran mitgearbeitet haben. Schicken Sie uns Bilder oder geben Sie uns einfach einen Hinweis.

Ihre Erinnerungen sind es wert, für unsere Enkel aufbewahrt zu werden, und sie machen all jenen Mut, die sich heute um die Erhaltung ihrer Kirchen bemühen.

Wir freuen uns auf Ihre Informationen unter:
Redaktion Alte Kirchen, Eva Gonda, Heuweg 66 in 15566 Schöneiche bei Berlin,
Tel.: 030 64903386, Fax: 030 64388458, E-Mail: Eva.Gonda@t-online.de

 

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Carzig (Märkisch-Oderland)

Sommerfest vor einer (Noch)-Ruine

Die Carziger haben ihren Dickkopf. Trotzig hielten sie zu DDR-Zeiten an ihrer kriegszerstörten Kirche fest, bauten sich in die Ruine hinein eine kleine Andachtstätte, später einen bescheidenen Gemeinderaum, gaben dem halbierten Turm ein schlichtes Zeltdach und eine neue Glocke, die nun wieder ins alte Gotteshaus rief – kein guter Klang für jene, die damals die Kirche gern hätten ganz verschwinden lassen.

Nach der Wende nutzte man sofort neue Chancen für weitere Baumaßahmen. Der 2004 gegründete Carziger Förderverein schrieb gar den Wiederaufbau der Kirche in sein Programm. Das Konzept war so gut, dass es mit einem FAK-Startkapital belohnt wurde.

Längst haben die Carziger dieses Geld und weitere eingeworbene Fördermittel ideenreich vermehrt: Vor der Kulisse der Ruine gab es schon die interessantesten Kulturveranstaltungen – stets zu Gunsten des Wiederaufbaus. Theatergruppen und andere Künstler gastierten hier, Spaß und Nachdenkliches wurde geboten. Jetzt konnte Karl-Heinz Labes im Namen des Fördervereins acht Hobby-Malerinnen aus Fürstenwalde und Umgebung begrüßen, die ihre Werke in dem kleinen Kirchenraum ausstellen (bis 30. Mai).

Und am 2. Juni startet das alljährliche große Sommerfest. Es beginnt um 14 Uhr mit einem Gottesdienst, ab 15 Uhr sorgt die Kabarettistin Ute Apitz mit einem vielseitigen Programm für gute Laune. Eine Foto-Ausstellung lädt ins Oderbruch ein, und natürlich wird der Selbstgebackene zum Kaffee gereicht. Da lässt man sich doch nicht zweimal bitten…

Eva Gonda

 

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CÖTHEN (Märkisch-Oderland)

Auf dem Berg übern Berg

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BILDER machen die Fortschritte deutlich: Im September 2011 eine unansehnliche Baustelle, bei der FAK-Exkursion genau ein Jahr später schon ein einladender Raum.
Fotos: W. Friedrich, R. Marx (rechts)
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Nach vielen Jahren mühevoller Aufbauarbeit, nach Höhen und Tiefen, nach manchem Kampf gegen Widerstände und die Mühlen der Bürokratie ist man in Cöthen übern Berg: Am Sonntag, dem 26. Mai, wird die sanierte Cöthener Kirche wieder feierlich eingeweiht. Der Förderverein Cöthener Kirche e. V. und die Pfarrgemeinde Falkenberg laden um 14 Uhr zum Festgottesdienst, in dem Pröpstin Friederike von Kirchbach die Predigt halten wird.

Strahlend schön blickt das klassizistische Gotteshaus, das die Handschrift Schinkels verrät, nun wieder von seinem Hügel herab und wird künftig nicht nur zu Gottesdiensten einladen, sondern seine Pforte auch öffnen für vielfältige kulturelle Veranstaltungen.

Seit den Siebzigerjahren war die Kirche nicht mehr gottesdienstlich genutzt worden, war der 1830 im Typ der Schinkelschen Normalkirche errichtete Bau dem Verfall preisgegeben. Zeitweilig diente sie als Baustofflager, die Fenster waren mit Brettern vernagelt. Draußen wucherten Bäume und Sträucher, hinter denen die Kirche für Jahrzehnte verschwunden war.

Seit 1998 setzte sich der Cöthener Förderverein für die Sanierung der Kirche ein. Dazu gehörte damals schon Mut, dem sich immer wieder Widerstand entgegensetzte: Wozu eine Kirche im Hundert-Seelen-Dorf? Besser verkaufen, verpachten, abreißen.

In dieser schwierigen Anfangsphase leistete der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg umfangreiche organisatorische Hilfe und finanzierte ein erstes Sanierungsgutachten. Eine Förderung im Rahmen des ILE-Pro-gramms der Europäischen Union machte es möglich, das Gebäude umfänglich instand zu setzen, eine Winterkirche und sanitäre Einrichtungen zu schaffen.

Damit waren längst nicht alle Probleme der Enthusiasten gelöst, die das Gotteshaus denkmalgerecht und möglichst originalgetreu wiederherstellen wollten. Da entdeckte im Herbst 2011 eine Restauratorin das ursprünglich zarte Türkis der Wände im Kirchenraum und die Illusionsmalerei an den Holzbalken. Die waren eindeutig auf Schinkel zurückzuführen. Für Kunsthistoriker war das ebenso eine Sensation wie für die Mitglieder des Fördervereins. Zu dieser Zeit hatte man sich längst für einen anderen schlichten Anstrich entschieden. Nun machte sich die Restauratorin daran, mit einem Spatel nach und nach die einzelnen Farbschichten abzutragen und das Original so weit wie möglich freizulegen, auch wenn das nicht überall gelang und die Wände nun etwas fleckig sind. Dafür strahlt die Decke in leuchtendem Türkis, der Farbgebung der Wände angepasst.

Das Gotteshaus, das im Jahr 1830 auf Veranlassung des damaligen Patronatsherren Carl Friedrich von Jena erbaut worden war, hat endlich seine alte Schönheit zurück gewonnen.

Das heißt allerdings nicht, dass die Förderer und Mitwirkenden an diesem gewaltigen Projekt nun die Hände in den Schoß legen können. Noch ist der Turm in seinem Inneren nicht instand gesetzt und die Orgel in ihrem völlig desolaten Zustand wartet dringend auf fachgerechte Sanierung. Es bleibt noch viel zu tun.

"Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt" wählten die Cöthener als Spruch für ihren Festgottesdienst. Wie ernst sie das meinen, haben sie in all den Jahren bewiesen.

Eva Gonda

 

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GADOW (Ostprignitz)

Krönender Abschluss in schwindelnder Höhe

Ein Kirchweihfest mit doppeltem Anlass / Zwei, die dabei waren, berichten.

Foto: Tabea Schulze

Gefragt waren Mut und sehr langer Atem

Für uns, die Akteure rund um die Dorfkirche von Gadow (Dorfkirche des Monats Dezember 2007), schien es eine unendlich lange Zeit bis 2013 zu sein, als wir 2006 diese Jahreszahl als Zielmarke in unser Sanierungskonzept aufgenommen hatten. Die sieben Teilschritte bis dahin wiesen einen finanziellen Bedarf aus, der uns nur mit sehr großem Optimismus nicht entmutigen konnte.

Rückblickend ist diese Zeit wie im Fluge vergangen. Von Jahr zu Jahr war unser Einsatz an unserem ehrwürdigen Gebäude ablesbar und machte Mut für den nächsten Schritt. Viele Gäste, die unsere Veranstaltungen besuchten, sind uns über die Jahre treu geblieben und freuten sich mit uns über die kontinuierlichen Fortschritte bei der Instandsetzung des anfangs fast ruinösen Gebäudes. Nicht zu vergessen all die Akteure, die es uns mit ihren kreativen Angeboten erst ermöglichten, die vielfältigen Veranstaltungen jedes Jahr aufs Neue im Programm zu verankern.

Doch dann war es soweit. Am Samstagnachmittag, dem 26. Januar 2013, genau zwei Tage vor dem Datum der feierlichen Kirchweihe vor 150 Jahren, wurde der Kirchturm mit Turmknopf und Kreuz neu bekrönt. Pfarrer Markus Seefeld aus Wittstock hielt die Andacht und sprach über die Symbolik des Kreuzes als Zeichen der Hoffnung, das nun wieder seinen angestammten Platz gefunden hat und weithin sichtbar ist. In zwei Kartuschen wurden Dokumente, darunter der aktuelle Infobrief vom FAK, und Münzen eingelegt, und dann ging es hinaus in die Kälte, durch den eisigen Wind in gefühlte 15° C unter dem Gefrierpunkt.

Doch viele Menschen waren gekommen, um bei diesem Ereignis dabei zu sein. Eine Hebebühne stand bereit und brachte die tapferen Handwerker sicher in die Höhe von fast 40 Metern. Die äußeren Bedingungen forderten volle Konzentration, und so mancher Beobachter zitterte von unten mit, nicht nur wegen der Kälte. Eine Bläsergruppe aus Wittstock schmetterte Choräle und unterstützte die besondere Stimmung. Dazu bot der Förderverein Glühwein und Bratwürste an. Nach einer halben Stunde war der Aufbau geglückt. Jubel und Klatschen erfüllte den Platz. Kurz danach flogen 24 weiße Schwäne in zwei Schwärmen über die Kirche. Ein ergreifender, fast symbolischer Abschluss.

Bärbel Kannenberg, Architektin BDA

Zu guter Letzt ist vielen Dank zu sagen

Es hieße das Temperament der Gadower verkennen, wenn man annehmen würde, mit diesem ersten, wohl alle Beobachter sehr ergreifenden Akt sei des Feierns genug gewesen. Ganz besonders feierlich verlief nämlich darauf der zweite Akt, der Festgottesdienst am folgenden Sonntag. Die vor Jahren in das Orgelmuseum nach Malchow ausgelagerte Lüttkemüller-Orgel war, unterstützt durch den FAK und mit Hilfe einer großzügigen Förderung aus dem Lottomittel-Fonds des Ministerpräsidenten Platzeck nicht nur in die Gadower Dorfkirche zurückgebracht, sondern auch wieder vorzüglich instand gesetzt worden. So erklang sie an diesem Festtag zum ersten Mal wieder in dieser Kirche, die eine ausgezeichnete Akustik hat. Ein sehr gut einstudierter Chor aus einer mecklenburgischen Partnergemeinde bereicherte das Programm, und auch der Singekreis der Gesamtgemeinde war dabei.

Pröpstin Friederike von Kirchbach hielt eine zu Herzen gehende Festpredigt und lud Christen und Nichtchristen ein, dieses so schön instand gesetzte Gotteshaus auf vielfältige Weise gemeinsam zu nutzen. Sie dankte besonders den Frauen von Gadow für deren bewundernswert mutiges Engagement, das sie auch in ihrem jahrelangen unverdrossenen Kampf für eine Freie Heide bewiesen hatten, und für ihre große, selbstlose Gastfreundschaft in all den Jahren der Bauarbeiten an der Kirche.

Wie zum Beweis dieser Worte wurde anschließend zum Kaffeetrinken in die Gaststätte Seelig eingeladen mit der inzwischen schon legendären, unüberschaubar großen, köstlichen Kuchentafel. Und was vom reichen Angebot übrig blieb, wurde – wie üblich – den Gästen als Wegzehrung auf die lange Rückreise mitgegeben.

Zu danken ist auch dem Gadower Förderverein und seiner Vorsitzenden Renate Schüler, die mit unglaublicher Phantasie zusätzlich dringend nötige Finanzmittel für die Restaurierung der Kirche eingeworben hatten. Ganz besonderer Dank gilt der Architektin Bärbel Kannenberg mit ihrem Büro und ihrer Architektenfamilie, die das Instandsetzungsprojekt über die Zeit leidenschaftlich angetrieben und umgesetzt hat, von der Planung über die Bauleitung bis hin zu einem sympathischen ganzheitlichen Layout für Briefbögen, Veranstaltungsprogramme, Einladungskarten und für eine sehr schön gestaltete Festschrift.

Wolf-Dietrich Meyer-Rath, Regionalbetreuer FAK

 

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Filigrane Ornamente, Sisyphus und ein gebadeter Engel

Rosemarie Lehmann half viele wertvolle Kunstwerke retten

Eine ganze Wand voller Werkzeuge – Hohlbeitel und Schnitzmesser, Flacheisen, Feilen, Raspeln… Rosemarie Lehmann hat damit in den vergangenen Jahrzehnten manchem groben Holzklotz feinste Ornamente beigebracht, hat sakrale und weltliche Schnitzwerke geschaffen und für die Restaurierung wertvoller Kunstwerke zugearbeitet. Neben dem Werkzeug in der kleinen Berliner Werkstatt, in der es mit Beginn des Ruhestandes stiller geworden ist, hängt der Meisterbrief des Holzbildhauerhandwerks. Rosemarie Lehmann war eine der ersten weiblichen Lehrlinge in diesem auch körperlich anspruchsvollen Beruf, die ihr Vater in Görlitz ausbildete.

Während ihrer Berufstätigkeit hat die Handwerksmeisterin vor allem auch in vielen Kirchen ihre Spuren hinterlassen, selbst wenn diese nicht immer deutlich abzulesen sind. Wo restauriert wird, geht es um Erhaltung der Originalsubstanz und bei Ergänzungen um große Behutsamkeit.

IN ALTER SCHÖNHEIT — der Orgelprospekt in Alt Ruppin
 
RESTAURERTES SCHNITZWERK an der Kanzel in Potsdam-Hermannswerder

EIN ENGEL GEHT BADEN — eine Spezialflüssigkeit festigt das mürbe Holz, bevor die Figur weiter bearbeitet werden kann.

Dabei wird den Restauratoren oft so manches zugemutet. Als 1978 mit dem Wiederaufbau der kriegszerstörten Französischen Friedrichstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt begonnen wurde, war auch eine neue Orgel vorgesehen, deren Gehäuse nach dem historischen Vorbild rekonstruiert werden sollte. Vorgaben für die Holzbildhauerin: eine Kiste mit geretteten Einzelteilen des einstigen Rokoko-Schnitzwerkes, zum Teil stark beschädigt und unsachgemäß repariert; dazu ein altes Foto des Orgelprospektes. Mit der Sicherung und Restaurierung der Originalteile und Ergänzung fehlender Schnitzereien begann eine Sisyphusarbeit. Als sich dann auch noch herausstellte, dass der dem Original von 1754/1755 entsprechende halbrunde Orgelschmuck nicht an das im Oberlausitzer Markersdorf neu gebaute Gehäuse passte, war eine weitere Puzzlearbeit fällig.

Auch der Rokokoprospekt der Orgel in der Nikolaikirche Alt Ruppin (Ostprignitz-Ruppin) strahlt wieder in alter Schönheit. Die völlig desolate Orgel war 1983 ausgebaut worden und wurde inzwischen durch eine fast neue ersetzt, doch das alte Gehäuse konnte restauriert werden. Viele der ergänzten Teile des Schnitzwerkes entstanden unter den geschickten Händen von Rosemarie Lehmann.

Und auch ein Taufengel war in der Rahnsdorfer Werkstatt zur Kur. Er hatte jahrelang auf dem Boden des Kirchturms in Stolpe (Oberhavel) gelegen und musste zunächst ein Spezialbad nehmen, das den Holzkörper festigte. Erst dann konnte die Meisterin daran gehen, fehlende Teile zu ergänzen.

Wenn Rosemarie Lehmann heute in den Fotoalben blättert, die ihre jahrzehntelange Arbeit dokumentieren, dann sind da auch Fotos von Jugendstilelementen wie für das Trauzimmer im Pankower Rathaus, von Türfüllungen am Zeughaus, von Schnitzwerk an restaurierten Treppengeländern, von Wappen und berühmten Grabmalen. – Spuren, die von geschickten Händen künden und von Liebe zu einer alten Handwerkskunst.

Eva Gonda

 

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KRANGEN (Ostprignitz-Ruppin)

Weil für Frau Knebel kein Platz mehr war...

… sollte vor 175 Jahren eine neue Kirche gebaut werden

Auch wenn ein Teil der Erbsensuppe nach einer kleinen Ungeschicklichkeit im Kirchhofboden versickert war, der verbliebene Rest sowie Rostbratwürste, Apfelpunsch und Glühwein reichten aus, um die Besucher nach dem Festgottesdienst in der Krangener Kirche am 30. Dezember 2012 bei Laune zu halten.

175 Jahre zuvor, am Heiligen Abend 1837, war das neu gebaute Gotteshaus von dem Neuruppiner Vikar Schmidt und dem Alt Ruppiner Pfarrer Hohenhorst eingeweiht worden. Der Gemeindekirchenrat Krangen-Molchow hatte aus diesem Anlass die alten Protokolle studiert und gemeinsam mit dem Förderverein zur Erhaltung der Krangener Dorfkirche den damaligen Festgottesdienst nachgestaltet.

Der Neubau einer größeren Kirche anstelle der alten Fachwerkkirche war notwendig geworden, nachdem Zank und Streit in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Krangen an der Tagesordnung gewesen sein mussten. Der Grund: Mit der schrittweisen Wiederbesiedlung der wüsten Feldmarken fanden die alteingesessenen Bauern in ihrer Kirche kaum noch angemessenen Platz für sich und ihre Frauen. Immer mehr Familien aus umliegenden Dörfern und Vorwerken wurden in Krangen eingepfarrt. Dem vormaligen Pfarrer Fleischer ist die Überlieferung zu verdanken, dass es ernste Probleme gab, den neu angekommenen Büdnern zu Zermützel, Stendenitz und Fristow Sitze in der Kirche zu schaffen. "Der Hegemeister Knebel hat einen Sitz für seine Person, wegen des Sitzes für seine Frau ist unaufhörlich Zanck", begründete er 1798 seine Bitte an den königlichen Patron, die Kirche zu erweitern. Nur so könnte "die Unruhe in der Kirche wegen der Kirch Stände behoben werden".

Ein Anbau schien aber die Statik des alten Baues zu gefährden. Deshalb sollte es noch bis zum Sommer 1836 dauern, ehe der Bau einer neuen Krangener Kirche, fast zeitgleich mit der im nahen Wuthenow, in Angriff genommen werden konnte. Erst wollten die Krangener Altbauern nicht einsehen, dass sie Fuhrleistungen für den ihrer Meinung nach unnötigen Neubau bringen sollten. Dann reichte das Geld nicht für die Umsetzung des Schinkelschen Musterentwurfs einer kostengünstigen Normalkirche für die preußischen Provinzen. Nur der Verzicht auf einen Turm ermöglichte schließlich den Bau. Ein Turm fehlt bis heute. Dafür ist die Krangener Kirche äußerlich wieder ein Schmuckstück im Zentrum des Dorfes, nachdem Wind und Wetter ihr lange an Dach und Fassade zugesetzt hatten. Seit beherzte Krangener 2003 mit Initiative des damaligen Alt Ruppiner Pfarrers Traugott Kuhnt und eigenen Mitteln begannen, das Dach neu zu decken und die Fassade zu erneuern, konnte zunächst der weitere Verfall der Kirche aufgehalten werden. Folgen sollen nun der Einbau von Toiletten, vorgesetzter Doppelfenster und einer Heizung.

Viel bleibt zu tun, ehe die Kirche zu dem wird, was sich der Gemeindekirchenrat und der 30-köpfige Förderverein auf die Fahnen geschrieben haben: Die Krangener Kirche soll über ihre sakrale Funktion hinaus auch zum weltlich-kulturellen Gemeindezentrum werden, zu einem Ort, an dem sich Christen wie Nichtchristen gleichermaßen wohl fühlen.

Text und Foto: Rolf Wunsch, Vorstandsmitglied des Fördervereins

 

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HOHENJESAR (Märkisch-Oderland)

Einmalig durch Zweimaligkeit

Foto: FAK

Wer von weitem den hell in den blauen Himmel ragenden Turm von Hohenjesar sieht, könnte zu seinen Füßen ein intaktes Kirchenschiff vermuten. Doch das ist noch heute schwer gezeichnet von den Verwüstungen der letzten Kriegstage.

Einst gehörte die Burgsdorffsche Patronatskirche zu den schönsten in Brandenburg. Sie teilt dieses Attribut mit der Patronatskirche in Tammendorf, heute Gęstowice in Polen, der sie verblüffend ähnlich ist. Diese Zweimaligkeit macht ihre Einmaligkeit aus.

Foto: Uwe Donath

Der Verein der Freunde der Kirche Hohenjesar e. V., gegründet 2002, schaffte es innerhalb von vier Jahren, die Ruine unter anderem durch ein Notdach zu sichern und so die Kirche wieder bedingt nutzbar zu machen. Viel Geld und viel freiwillige Arbeitskraft wurden investiert. Und dieser Kraftakt ist nicht hoch genug einzuschätzen. Denn seitdem sind sakrale und kulturelle Veranstaltungen wieder möglich.

Doch wegen der Provisorien, die keinen Schutz gegen die jahreszeitlich bedingte Witterung bieten, ist diese Nutzung nur sehr eingeschränkt möglich. Die unverglasten Fensteröffnungen und die Wellblechabdeckung bedeuten immer noch eine Gefahr für die gesamte Bausubstanz. Das trifft ebenso auf das Gebälk des Kirchturms und dessen Stabilität zu.

Niemand gibt sich der Illusion hin, dass der einstige Glanz vollständig restauriert werden könnte. Doch der Verein der Freunde der Kirche Hohenjesar will sich mit dem gegenwärtigen Zustand nicht abfinden. Selbst die heute einstweilig gesicherte Ruine enthält noch so viel kulturhistorische Patina, dass ihre Konservierung im gegenwärtigen Zustand ein denkmalpflegerischer Gewinn wäre. Deshalb will der Verein künftig mit einem Stufenprogramm den Turm sichern, die Wetter durchlässigen Öffnungen beseitigen und die kulturhistorisch wertvollen Details konservieren. Dass dafür viel Geld erforderlich ist, ist jedem bewusst. Und deshalb wird der Verein der Sponsorenwerbung künftig gezielter seine Aufmerksamkeit zuwenden. Begleitet wird dieser Versuch von einer Öffentlichkeitsarbeit, die über Hohenjesar hinaus ein größeres Publikum für ein dementsprechendes Engagement gewinnen soll. Mit dem 290. Jubiläum der Fertigstellung der Kirche wird der Anfang gemacht.

Beabsichtigt ist die Herausgabe einer Festschrift, mit der die kulturhistorische Bedeutung der Hohenjesarer Patronatskirche gewürdigt und deren Entstehungs- und Wirkungsgeschichte in den Zusammenhang mit der Ortsgeschichte gestellt werden. Der Entwurf liegt bereits vor.

Am Tag des Offenen Denkmals, dem 8. September, finden ein ökumenischer Gottesdienst und eine Festveranstaltung mit Festrede, Programm und anschließendem Café-Talk statt. Hier werden das Jubiläumsheft und eine Jubiläumspostkarte angeboten. Das Jubiläumsjahr und die Feier werden von entsprechender Medienarbeit begleitet. Ein Ausflug nach Gęstowice zur Besichtigung der älteren Schwesterkirche findet zu einem noch festzulegenden Zeitpunkt statt.

Alle Freunde und Förderer der alten Dorfkirchen sind zu unserer Festveranstaltung im September herzlich willkommen.

Hartmut Henicke, Vorsitzender des Vereins Freunde der Kirche Hohenjesar

 

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KUNOW (Uckermark)

Die bestplatzierte Dorfkirche des Jahres

Seit drei Jahren stellt auch die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler (KiBa) regelmäßig eine Kirche des Monats vor. Am Ende des Jahres darf dann darüber abgestimmt werden, welches dieser Gotteshäuser KiBa-Kirche des Jahres wird. Den ersten Platz belegte im Jahr 2012 die Stadtkirche St. Marien Plau am See (Mecklenburg-Vorpommern), gefolgt auf Platz zwei von der Evangelischen Stadtkirche Monschau (Nordrhein- Westfalen) und auf Rang drei von der Dorfkirche Kunow (Uckermark). Sie ist damit die bestplatzierte Dorfkirche des Jahres 2012.

Der Feldsteinbau aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erhielt 1737/38 einen Turmaufsatz aus Fachwerk. Durch die nahezu geschlossene barocke Ausstattung des frühen 18. Jahrhunderts gehört der Innenraum wohl zu den bemerkenswertesten Kirchenräumen in Brandenburg. Neben einem reich verzierten Altaraufsatz und einem Taufengel sind es vor allem die zahlreichen em-blematischen Bilder auf den Gestühlswangen und der Empore, die dem Raum eine unverwechselbare Wirkung geben. (Wir berichteten darüber in "Offene Kirchen" 2004).

In einem ersten Bauabschnitt konnte im vergangenen Jahr das Dach des Kirchenschiffes instand gesetzt werden, weitere Bauabschnitte in den kommenden Jahren sind dringend notwendig. Für die Restaurierung des geschädigten Taufengels stellte der Förderkreis Alte Kirchen 3.000 Euro aus den Spendeneinnahmen seiner Aktion "Menschen helfen Engeln" zur Verfügung.

Wir gratulieren herzlich zu der Auszeichnung.

 

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Die Kirche als Ausstellungsraum

Tipps eines Fachmanns für eine ansprechende Gestaltung

Immer mehr Kirchengemeinden und Fördervereine öffnen ihre Gotteshäuser für Touristen, laden zu Konzerten, Ausstellungen, Begegnungen ein. Sie wollen die Menschen vor Ort und jene, die als Besucher von weiter her kommen, mit ihrer Geschichte vertraut machen oder mit ihnen über wichtige Themen ins Gespräch kommen. Ausstellungen bieten sich dafür besonders an. Aber wie gestaltet man eine Ausstellung wirkungsvoll und informativ?

Wir baten Albrecht Ecke, Ausstellungsarchitekt und Informationsgestalter, um einige Tipps.

Ausstellungen in Kirchen sind eines der effektivsten Mittel der Vermittlung von Kirchengeschichte, verlangen aber auch eine präzise Planung und animative Gestaltung. In der Beschränkung auf einfache gestalterische Mittel und Materialien lässt sich am sichersten eine stimmige Lösung finden.

Alte Kirchen können Geschichte in vielen Geschichten aus Bau, Politik, Religion und Alltagsleben erzählen. Räumlich inszenierte Informationen sind besonders intensiv und eindrücklich, wenn sie direkt in den jeweiligen baulichen Kontext eingebettet sind.

Was gehört zu einer Ausstellung?

Die Inhalte in einer logischen Gliederung, animierende Themen, präzise und flüssig lesbare Texte mit prägnanten Abbildungen bilden die Basis. Dreidimensionale Artefakte beleben das Bild der Ausstellung und machen Geschichte auch sinnlich begreifbar. Kurz und knapp ist dabei immer besser als belehrend und langatmig. Im Ergebnis der inhaltlichen Erarbeitung entsteht ein "Ausstellungsdrehbuch", das eine Geschichte vom Allgemeinen zum Besonderen erzählt und die Zugehörigkeit der Abbildungen und Exponate ordnet.

Eine wichtige Frage: Wo wird die Ausstellung gezeigt?

Eine Ausstellung ist immer nur Gast im Kirchenraum, sollte sich also keinesfalls in den Vordergrund drängen. Zurückhaltung in Format, Farbe und Material ist angemessen. Der Gesamteindruck des Kirchenraumes und natürlich seine Nutzbarkeit haben Vorrang. Die Entscheidung für eine Wandhängung oder eine Aufstellung im Raum muss dabei jeweils nach Platz- und Budgetkriterien getroffen werden.

Ein universelles Rezept für die Ausstellungsgestaltung gibt es nicht. Jeder Raum, jedes Thema, aber auch die Budgets, die Veranstalter und Ziele sind immer sehr individuell und verlangen möglichst nach dem fähigen und kundigen Gestalter. Aber es gibt Grundregeln, an denen man sich orientieren kann.

Jede Ausstellungstafel braucht ein in sich schlüssiges Thema. Sie gewinnt durch einen Blickfang in Form eines typischen oder attraktiven Bildes. Ein in Spalten geordnetes Layout ist Basis einer visuellen Ordnung der Inhalte. Eine zeichenhafte Farbe schafft Zusammenhalt zwischen den Teilen der Ausstellung und wirkt emotional, je nach Wahl kühl-intellektuell oder auch freundlich-harmonisch.

Bilder sollten immer ernst genommen werden und deshalb nie nur als Hintergrund für Texte dienen.

Kurz zum Text: Jede Tafel braucht eine Überschrift, die aber auch mal ein Schlagwort oder ein Zitat sein kann. Ein Haupttext sollte kurz und präzise ins Thema einführen. Untertexte oder Bildunterschriften vervollständigen dann die Erzählung. Dokumente und Fotos brauchen Quellenangaben.

Das Format einer Ausstellungstafel richtet sich immer nach dem Betrachtungsabstand und damit nach dem Raum. Breiten zwischen 0,6 und 0,8 m haben sich bewährt. Lesbar sind Informationen zwischen 0,6 und 2,0 m über dem Boden. Alles sollte auf "einem Blick" zu erfassen sein. Aber auch die Wahl der Schrift ist entscheidend.

Eine Ausstellung zur Kirchengeschichte ist immer ein Blick vom Heute ins Gestern. Die gestalterische Haltung ist deshalb auch von heute und nicht historistisch, quasigotisch oder neoromanisch.

Die Schrift sollte bei ökonomischem Platzbedarf gut lesbar sein und für die Textelemente differenzierte Schnitte vorhalten: die Überschrift vielleicht "fett", der Haupttext dann "halbfett", die Bildunterschriften "regular". Typografische Experimente mit verschiedenen Schriften bleiben sicher dem Fachmann vorbehalten. Auch hier gilt: weniger ist mehr. Auf alle Fälle sollte ein Lesbarkeitstest an Ort und Stelle vor dem Druck der Tafeln stattfinden.

Eine ausstellungstechnische und ausstellungsgestalterische Frage: Worauf kann man drucken?

Üblich ist ein Digitaldruck auf Folie. Die Folie wird dann auf ein Trägermaterial aufkaschiert und mit einer Schutzfolie versehen. Als Träger kommen Aluminium, Aluminiumverbundmaterialien oder Holzwerkstoffe in Frage. Bei der Auswahl spielen Temperatur, Luftfeuchte und natürlich auch der Geldbeutel eine Rolle.

Aluminiumverbundwerkstoffe wie zum Beispiel Aludibond haben sich bewährt. Gerade bei der Drucktechnik gibt es allerdings aktuell Entwicklungen, die kurzfristig zu neuen Aussagen über Material, Oberfläche und Kosten führen können.

Ausstellungen sind auch ein Stück Innenarchitektur. Ihre Integration in einen vorhandenen Raum braucht immer eine Inspiration und in der Folge eine Komposition. Je weiter man in den Raum hineingeht, umso entscheidender wird dieser Aspekt. Zu raten wäre deshalb die Installation im einem wandnahen Bereich.

Die Auswahl an Vitrinen und Aufstellsystemen ist schier uferlos. Einfache, klare, ihre Technik nicht versteckende Lösungen sind der sachlichen Atmosphäre der brandenburgischen Dorfkirchen sicher angemessen. Entwurf und Entwicklung einer individuellen Lösung und deren Inszenierung im Raum sollte dem Fachmann überlassen bleiben.

 

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Europas Gotteshäuser bewahren und beleben

Ein Umdenken muss gemeinsam gewagt, gelernt und realisiert werden

Ergebnisse der zweiten Konferenz des europäischen Netzwerkes Future for Religious Heritage in Venedig

Wir stehen mit unseren Sorgen und Problemen zur Bewahrung der kirchlichen Baudenkmale in Berlin und Brandenburg nicht allein. Europaweit sind Kirchen und Gottesdienststätten in zunehmendem Maße von mangelnder Nutzung, von Leerstand, Verfall und Verkauf bedroht.

Immer weniger Menschen innerhalb der Kirchen und Glaubensgemeinschaften können den Erhalt ihrer Häuser ohne Unterstützung von außen noch bewerkstelligen. Die Gründe dieser Sorgen sind uns bekannt: Sie liegen in der anhaltenden Säkularisierung unserer westlichen Gesellschaften mit den Folgen schrumpfender Kirchengemeinden, im demographischen Wandel vor allem in den ländlichen Gebieten, in den wachsenden Finanznöten der Kirchen, Kommunen und Denkmalinstitutionen. Doch über allem ist es das Schwinden tradierter Ausdrucksformen christlich-abendländischer Glaubenskultur.

In den Niederlanden zum Beispiel ist zwischen 2008 und 2011 die Zahl der Gottesdienststätten, die noch für religiöse Veranstaltungen genutzt werden, von 8.323 auf 7.647 zurückgegangen. In England hat der Churches Conservation Trust seit seiner Gründung 1970 etwa 350 aufgegebene Kirchen zu ihrer Rettung übernommen und sie einer einträglichen weltlichen Nutzung zugeführt. In Kopenhagen sind in den vergangenen Jahren siebzehn Kirchen geschlossen worden. Im Bistum Essen wurden und werden seit 2007 sechsundneunzig Kirchen aufgelöst oder "umfunktioniert".

Diese und weitere kirchliche Schrumpfungsprozesse in Europa zeigen insgesamt, dass der seit dem Mittelalter weit gespannte Mantel an sakralen Stätten nun für die kleiner gewordenen Glaubensgemeinschaften unserer Tage zu groß geworden ist. Das ist sicher zu beklagen. Doch Klage hilft wohl weder den kirchenverbundenen Gläubigen, noch ihren denkmalgeschützten Gottesdienststätten, noch den Kultursuchenden unserer Tage. Ein Umdenken im Gebrauch dieser Häuser muss gemeinsam mit allen gewagt, er muss gelernt und behutsam realisiert werden.

Eine angemessene erweiterte Nutzung, die den sakralen Charakter des Ortes nicht verletzt, wird daher vielerorts als letzte Möglichkeit für eine denkmalgerechte Erhaltung gesehen. Dieser Problematik widmete sich die zweite Konferenz zur erweiterten Nutzung von religiösen Gebäuden. Zu dieser Tagung waren etwa hundert Vertreter und Vertreterinnen aus 25 europäischen Ländern vom 14. bis 17. November 2012 in Venedig zusammengetroffen. Neben kirchlichen, staatlichen und nicht-staatlichen, wissenschaftlichen sowie denkmalpflegerischen Organisationen und Bürgerinitiativen nahm auch der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e. V. als Gründungsmitglied des Netzwerkes teil.

Als eines der Ergebnisse der Konferenz wurde deutlich, dass jedes Land seine eigene "angemessene Nutzungserweiterung" finden muss. In diesem Suchprozess kann das Europäische Netzwerk Anregungen, Erfahrungsaustausch und Hilfestellung anbieten.

Bewahrung der Sakralität und erweiterte Nutzung von Gottesdienststätten bleibt im Zeitalter der Säkularisierung allerdings eine offene Frage. Welche Erweiterungen vertragen religiöse Kulturstätten überhaupt?

Selbst Venedig, das mit einer Überzahl an reich ausgestatteten Gotteshäusern gesegnet ist, hat sich in verschiedenen Kirchen ebenfalls zu einer angemessenen Nutzung durchringen müssen. Dabei legt die Stadt und mit ihr auch die verantwortliche katholische Instanz für kirchlichen Tourismus auf Folgendes Wert: Bis zum Schritt einer endgültigen Entwidmung (deconsecration) muss eine erweiterte Nutzung immer mit einem deutlichen Bezug zum Ursprungsgehalt des Ortes verbunden sein. Dabei müssen biblische, ikonographische und liturgische Bezüge deutlich vermittelt werden. Die katholische Kirche hält an dieser Haltung weit entschiedener fest als die anderen Kirchen.

Es wurde schließlich deutlich, dass alle Vertreter der Konferenz die erweiterte Nutzung als unabdingbar dafür hielten, dass Kirchendenkmäler überhaupt noch erhalten bleiben. Aufgrund ihrer identitätsstiftenden Kraft waren, sind und bleiben selbst profanierte Gebäude herausragende kulturelle, soziale und wertstiftende Orientierungspunkte.

Es gilt in Zukunft daher, noch deutlicher zu machen, dass Europas religiöses Kulturerbe nicht nur zu den bedeutendsten der Welt gehört, sondern neben seiner religiösen Prägekraft auch den Gesamtwert eines ländlichen wie urbanen Gemeinwesens ganz entscheidend bestimmt. Aus diesem Blickwinkel kann dann auch eine erweiterte und denkmalgerechte Nutzung folgerichtig als heranwachsender Wirtschaftsfaktor für Tourismus, kommunale Entwicklung, Handwerk und Kulturwirtschaft genutzt werden.

Alle hier genannten kirchlichen und nicht-kirchlichen Organisationen und Bürgerinitiativen sind aufgerufen, dem europäischen Netzwerk beizutreten, um mit ihrer Stimme Einfluss darauf zu nehmen, dass der Reichtum des europäischen religiösen Kulturerbes bewahrt wird.

Weitere Informationen über die zweite Konferenz des Netzwerkes und ihre Ergebnisse finden Sie im Internetauftritt des Netzwerkes Future for Religious Heritage unter: www.futurereligiousheritage.eu

Dr. Uwe Otzen

 

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KURZ NOTIERT

Bischof Dröge: Ehrenamt ist Ausdruck gelebter Freiheit

Der Berliner Bischof Markus Dröge hat den Einsatz von Ehrenamtlichen in der Gesellschaft gewürdigt. "Ehrenamt heißt, freiwillig Verantwortung zu übernehmen für das soziale Miteinander in unserem Land", sagte Dröge im RBB-Hörfunk. Das Ehrenamt wirke "der sozialen Kälte entgegen". Ohne dieses Engagement würde die Gesellschaft an Farbe verlieren, betonte der evangelische Bischof. Zugleich sei der ehrenamtliche Einsatz auch ein Gewinn für diejenigen, die sich engagieren. "Für mich ist das Ehrenamt ein Ausdruck verantwortlich gelebter Freiheit. Einer Freiheit, die bereit ist, sich für das Gemeinwohl einzusetzen", erklärte Dröge. Der Berliner Bischof ist Schirmherr der Stiftung "GuteTat.de".

Pfarrchronik erscheint als Buch

Güterfelde (Potsdam-Mittelmark) feiert den 750. Jahrestag der Ersterwähnung des Ortes. Ein besonderes Geschenk hält die evangelische Kirchengemeinde bereit: Die seit rund anderthalb Jahrhunderten geführte Pfarrchronik erscheint als Buch und erzählt viele Begebenheiten und Details aus der bewegten Ortsgeschichte.

Ausstellung über Projekt "Dorfkirchen Steinhöfel"

Das Generationen-Projekt "Dorfkirchen Steinhöfel" präsentiert sich jetzt in einer Ausstellung im Foyer des Landtages Brandenburg. Schüler, Jugendliche und Mitglieder des Förderkreises Dorfkirche Steinhöfel (Oder-Spree) trugen Informationen zur Geschichte ihrer Heimat zusammen (AK berichtete darüber). Geöffnet bis 4. Juni montags bis freitags von 8.00 bis 17.00 Uhr.

Unser Heft "Offene Kirchen" macht Schule

Auch in unserem Nachbar-Bundesland Sachsen-Anhalt haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten zahlreiche lokale Fördervereine gegründet, die sich für die Erhaltung und Sanierung der zahlreichen historischen Kirchengebäude sowie für ihre lebendige Nutzung engagieren. Im April 2011 entstand mit Unterstützung auch des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg ein Dachverband zur Vernetzung und zur Förderung der Zusammenarbeit dieser lokalen Initiativen. In diesem Jahr wird der Verband der Kirchbauvereine Sachsen-Anhalt e. V. erstmals auch – nach dem Vorbild des Brandenburger Heftes – eine Zeitschrift unter dem Titel "Offene Kirchen" herausgeben. Noch ist der Verein am Anfang seiner Arbeit. Wir wünschen ihm jedoch weiterhin viel Erfolg und freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit im Sinne der gemeinsamen guten Sache.

Zur Nachahmung empfohlen

Eine Traumrendite hat ein englischer Pfarrer mit einem biblischen Gleichnis eingefahren. Der anglikanische Geistliche aus West-Yorkshire hatte seinen Gemeindegliedern im November 550 Pfund (etwa 650 Euro) in Zehn-Pfund-Noten mit dem Auftrag ausgehändigt, Geld für die Renovierung der Kirche zu erwirtschaften. Am Ostersonntag nun erhielt er 11.900 Pfund zurück. Für seine Initiative berief sich der Pfarrer auf die Bibelerzählung, nach der ein Reicher seinen Dienern ein Vermögen anvertraut, das diese je nach ihren Fähigkeiten vervielfachen. In seiner Gemeinde hatte ein Mädchen mit seinen zehn Pfund Hunderte Grußkarten gebastelt und damit 550 Pfund eingenommen. Ein anderes Gemeindeglied hatte Vogel-häuschen gebaut und diese dann für 700 Pfund verkauft.

 

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Aus Briefen an unseren Förderkreis

Wenn das Himmelreich "aufblitzt"...

Mit einem Betrag von 2000,- Euro unterstützte der Förderkreis Alte Kirchen dringend notwendige Bauvorhaben an der Kirche in Porep (Stadt Putlitz/Prignitz). Pastor Konrad Kloss schreibt uns:

Vielen Dank für die Unterstützung der Turmsanierung unserer Poreper Kirche. Jesus sagt, dass wir das Himmelreich noch nicht im Ganzen schauen, sondern dass es immer mal aufblitzt. Als solch ein "Aufblitzen" verstehe ich Ihre Unterstützung.

Chronisch leere Baukassen haben uns an den sieben Kirchen meines Gemeindegebietes genötigt, kontinuierliche Erhaltungsarbeit an den Gebäuden hauptsächlich durch Eigenbauleistungen zu sichern. Das geschieht in Porep zum Beispiel schon seit vielen Jahrzehnten. Für gewisse Sachen sind Fachfirmen jedoch unerlässlich und die wollen bezahlt sein. Ihr Geld hilft uns dabei, für diese und jene Welt zu arbeiten.

Die Sanierungsarbeiten sind inzwischen größtenteils abgeschlossen.

Erinnerungen an eine schöne Reise

Beim Adventsabend der Esslinger Reisegruppe 60-PLUS erinnerten wir uns noch einmal an unsere Reise zu den brandenburgischen Dorfkirchen im Juni 2012, auf der uns Dr. Hans Krag und Rainer Marx sehr kundig und engagiert begleitet hatten. Als Weihnachtsgabe konnten wir nun 400.- Euro an den Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. überweisen.

Die Begeisterung über die interessante Reise war auch an diesem Abend ungebrochen. Einige Ehepaare sind entschlossen, einzelne Kirchen erneut aufzusuchen. Wir alle würden dann wieder die Müggenburg als Quartier wählen. Dieses Haus war eine gute Empfehlung.

Im Namen der Gruppe grüßt herzlich

Marianne Ehrmann

Wer geht mit auf Tour?

Unser Mitglied Hans-Jürgen Schäfer aus Berlin-Hohenschönhausen wendet sich mit einem besonderen Anliegen an uns:

Seit Beginn seines Ruhestandes geht er gern in Brandenburg auf Entdeckungsreisen, besucht historische Orte, besichtigt Baudenkmale und schaut in jede offene Kirche, freut sich an schöner Landschaft und reizvollen Städtchen und Dörfern. Aber – allein macht es nicht so recht Freude. Er wünscht sich, einen Gleichgesinnten an der Seite zu haben, um Gedanken und Wissen auszutauschen.

Wer hat Lust, mit auf Tour zu gehen? Hans-Jürgen Schäfer ist erreichbar unter den Telefonnummern 030 4415598 oder 0177 1692104.

Leserstimmen zum Heft "Offene Kirchen"

Unser kurz vor Ostern erschienenes Jahresheft "Offene Kirchen 2013" fand bei den Lesern ein vielfaches Echo. Diesmal hatten wir erstmals einen Themenschwerpunkt gewählt – das heute neu entdeckte Pilgern – und waren damit offensichtlich auf der "richtigen Spur".

Aus der Vielzahl der Zuschriften haben wir zwei ausgewählt:

Wiedersehen mit "unseren" Glocken

Der Artikel über Küstrinchen hat mich natürlich sehr beeindruckt. Es ist erstaunlich, wie aktiv die kleine Gemeinde ist. Es gut zu wissen, dass unsere Glocken und das Orgelpositiv einen so schönen Verbleib gefunden haben (beides waren Geschenke der Kirchengemeinde Ratingen aus einem aufgegebenen Gemeindezentrum – die Redaktion). Das wird auch noch andere hier interessieren, deshalb habe ich noch um drei Jahreshefte gebeten.

Siegfried Scholz (Ratingen)

Auch die Bilder erzählen viel

Das neue Heft – wie immer sehr gelungen.

Ein paar Punkte möchte ich herausheben:

Auch einmal grundsätzlich zu loben ist das Layout:

Sie sind doch auch zufrieden - und stolz?

Thomas Lehner (Augsburg)

 

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BÜCHER

Eine Kirchenmaus auf spannender Zeitreise

Niederlausitzer Verlag bewahrt Erinnerung an verlorene Baudenkmäler

Unter einem alten Schrank in der Klosterkirche von Guben liegt seit langer Zeit "etwas Rundes, das Zacken hat". Es handelt sich hier um das "Rad der Zeit". Wir Menschen wüssten damit vermutlich nicht viel anzufangen. Piepsi, die Kirchenmaus, jedoch erfährt von ihrer Großmutter den nötigen Zauberspruch, um sich auf eine nicht ganz ungefährliche Zeitreise in die Vergangenheit des Gotteshauses begeben zu können.

In einem von Heike Clodius hübsch illustrierten und von Andreas Peter spannend geschriebenen Kinderbuch erfährt der junge Leser vielerlei über die Klosterkirche und die Geschichte der Stadt Guben. Erzählt wird auch von Piepsis Ur-Ur-Uropa Mauselius Poetikus, der die Stadt vor einem schlimmen Brand retten wollte und dadurch ein berühmter Dichter wurde. Alles begann an einem scheinbar ganz normalen Mittwochabend…

Andreas Peter ist nicht nur Kinderbuchautor. Seit etlichen Jahren leitet er auch den Niederlausitzer Verlag, dessen Schwerpunkt die Orts- und Regionalgeschichte bildet. Ein besonderes Verdienst des Verlags liegt neben zahlreichen Neuerscheinungen in der Wiederentdeckung längst vergriffener Standardwerke und ihrer Neuauflage als liebevoll gestaltete Reprints. Hierzu gehören historische Landkarten und Stadtpläne ebenso wie das 1861 erstmals erschienene, noch heute für den Historiker wie für den Heimatforscher gleichermaßen interessante Buch "Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafthum Nieder-Lausitz" von Rhiel / Scheu oder die Bibliographien zur Geschichte der Niederlausitz von Rudolf Lehmann.

Verdienstvoll ist auch die Neuauflage zweier Bände der Reihe "Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg". Hier erschienen 2011 der Band zum ehemaligen "Kreis Crossen" (Erstdruck 1921) sowie 2012 der Band "Kreis Sorau und Stadt Forst" (1939). Beide ostbrandenburgischen Kreise gehören heute, zumindest mit einem großen Teil ihrer Fläche, zu Polen. Durch Kriegs- und Nachkriegseinwirkungen ist viel an historischer Bausubstanz verloren gegangen. Kirchen gingen ihrer Ausstattung verlustig, Herrenhäuser wurden geschleift. Umso lobenswerter ist es, die Erinnerung an die verlorenen Baudenkmäler, aber auch an die wechselhafte Geschichte der Region insgesamt, lebendig zu halten. Dem Niederlausitzer Verlag mit seinem engagierten Chef Andreas Peter gebührt für diese Bemühungen große Anerkennung.

Schließlich dreht sich das Rad der Zeit, das vermutlich noch immer irgendwo in der Gubener Klosterkirche unter einem alten Schrank liegt, immer weiter, so dass selbst die Kirchenmaus am Ende ihres Abenteuers einsehen muss: "Morgen wird heute schon gestern sein…"

Andreas Peter: Piepsi. Abenteuer einer Kirchenmaus.
Niederlausitzer Verlag, Guben 2012; 14,95 Euro; ISBN 978-3-943331-07-3
Ausführliches Verlagsprogramm unter www.niederlausitzerverlag.de

 

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