Ein Dach für die Kirche in Hohenjesar

Balanceakt 
Balanceakt: Für das Notdach der Kirche in Hohenjesar wird eine Konstruktion aus besonderen Gerüstteilen gebaut.
Foto: bk

Zeschdorf (bk/MOZ) Die Kirche in Hohenjesar bekommt ein Dach - ein Notdach. 15 000 Euro aus Lottomitteln haben Förderverein und evangelische Kirchengemeinde dafür erhalten. In einer Woche wird sich das Satteldach über den seit Jahrzehnten offenen Kirchenraum erstrecken.

"Es ist keine Lösung auf Dauer, aber es ist eine Möglichkeit, das Mauerwerk vor Feuchtigkeit zu schützen und es damit zu erhalten", sagt Pfarrer Martin Müller. Im vergangenen Jahr sei bereits das Gesims saniert worden, um das Gemäuer zu retten. Auch wenn es "nur" ein Notdach sei, freue er sich über diesen weiteren Fortgang der Arbeiten zum Erhalt des Gotteshauses. Das wurde im Zweiten Weltkrieg durch Einschüsse beschädigt, hätte eigentlich nur repariert werden müssen, wurde aber politisch gewollt seinem Schicksal und den Wettergewalten überlassen. Noch heute erkennbare Details der 1721 erbauten Patronatskirche sind die korinthischen Kapitäle der dreifach gegliederten Pilaster, die das Innere schmücken oder auch die gemalten Verzierungen an der Westwand. Während vom Schiff nur noch die Umfassungsmauern vorhanden sind, ist der 1965 rekonstruierte Westturm besteigbar und bietet eine weite Sicht.

Das Notdach sei eine Mischung aus systemfreien Gerüstteilen und einer Dachkonstruktion aus Holz, die mit verzinkten Stahltrapezplatten abgedeckt wird, beschreibt Torsten Reinwand, Mitinhaber der gleichnamigen Firma Reinwand und Lobenstein aus Potsdam. Entsprechend der statischen Berechnungen sei eine Laufzeit von zwölf Jahren vorgesehen. "In dieser Zeit kann Geld für ein endgültiges Dach gesammelt werden und das Mauerwerk ist keinem weiteren Verfall ausgesetzt", betont Torsten Reinwand. "Für uns als Firma ist es eine interessante Aufgabe, die 350-Quadratmeter-Gerüstteile-Konstruktion aufzubringen. Das Satteldach wird einen Dachüberstand von 30 Zentimetern haben und eine richtige Dachentwässerung. Bis Freitag müssen wir fertig sein, da ist für uns Abnahme durch den Prüfingenieur", sagte der Firmenchef, der gestern mit seinen Leuten "auf dem Dach" turnte.

Märkische Oderzeitung vom 26. April 2007

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