Patronatskirche feiert

Hohenjesar (MOZ) Selbst nach fast 300 Jahren gibt es noch Zeugen. Die Wetterfahne zum Beispiel oder eine Terrakottabodenfliese, in die die Jahreszahl 1722 eingebrannt ist. Hartmut Henicke ist begeistert, wenn er von den Relikten spricht. So wie am Sonntag wieder.

Uralt-Gemäuer: Wie es mit der Hohenjesarschen Patronatskirche weitergeht, ist noch unklar. Zum Jubiläum kamen Gemeindemitglieder, Politiker und Interessierte.
© Mandy Timm

Da wurde nämlich in Hohenjesar ein besonderes Fest mit einem ökumenischem Gottesdienst gefeiert - 290 Jahre Patronatskirche lautete der Anlass. Exakt müsste es heißen: 290 Jahre Fertigstellung des Kirchturmes. Denn so genau ist heute nicht mehr nachvollziehbar, wann die Kirche letztlich fertiggestellt wurde.

Viele Interessierte sind am "Tag des offenen Denkmals" nach Hohenjesar gekommen. Darunter Landrat Gernot Schmidt und Reinhard Schmook, Historiker und Experte, wenn es um Kirchen der Region geht. Der Förderverein "Freunde der Kirche Hohenjesar" hat eine 60-seitige Festschrift zum Jubiläum herausgegeben. Die Kirchenwände ziert eine Ausstellung über das Gotteshaus und ihre wenig ältere "Schwester" im polnischen Gestowice, dem einstigen Tammendorf.

Hartmut Henicke, der das Berlin-Mitte-Museum leitet, in Alt Zeschdorf seine Wahlheimat gefunden und vor zwei Jahren den Vorsitz des Fördervereins übernommen hat, hält die Festrede. Er macht deutlich, dass es heute wichtiger denn je sei, eine breite Öffentlichkeit herzustellen, um Kulturdenkmale wie die Kirche zu bewahren. Die Patronatskirche in Hohenjesar zählt für ihn zu den schönsten in Brandenburg. "Man braucht nur ein wenig Fantasie, um sich vorzustellen, wie herrlich sie einmal war." Er zeigt auf die letzte Patina, die im Kirchenschiff erhalten ist und benennt ihre Feinde - Hitze und Frost, die unweigerlich und alsbald dazu führen werden, sie vollends zu zerstören. Henicke weist auf den Kirchturm. "Er verfault, wenn nichts geschieht." Die Frage, die sich sein Verein stellt, lautet: Wie geht es weiter mit dem Gotteshaus?

Ein langfristiges Nutzungs- und Konservierungskonzept streben die Freunde der Kirche an. "Das Geld wird in langwierigen Mühen und im Dialog mit Politik und Kirche beschafft werden müssen." Letztlich gebe es zu viele gleichartige Initiativen, was einerseits erfreulich sei. Andererseits aber die Finanzierungsquellen überfordere. "Nur die qualifiziertesten Konzepte haben reale Chancen auf Erfolg."

Weitere Nachforschungen über die Kirchengeschichte seien daher sinnvoll - und beinhalteten Chancen. Er träumt von gemeinsamen Projekte mit dem polnischen Nachbarn. Langfristige, über Provisorien hinausgehende denkmalpflegerische Bemühungen, viel Sachverstand und ein langer Atem seien erforderlich.

Die einzigen Verbündeten sind aus Hartmut Henickes Sicht Großsponsoren. "Denn wir reden hier nicht über ein paar tausend Euro, die die Sanierung und Konservierung kostet. Es geht um eine siebenstellige Summe."

Denkbar sei auch eine Vernetzung aller denkmalpflegerischen Initiativen. "Damit können Finanzierungspotenziale besser aufgeteilt und koordiniert werden", sagt Henicke. "Denn de facto sind Kulturfördervereine zwar auch Konkurrenten. Zugleich sind sie aber immer auch Gleichgesinnte mit einem allgemeinen kulturpflegerischen Anliegen."

Märkische Oderzeitung vom 10. September 2013

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