Hohenjesars Glocken schweigen

Ines Rath

Alt Zeschdorf (MOZ) Die Glocken der Patronatskirche im Vorwerk Hohenjesar werden nicht mehr geläutet. In der Kirchenruine und auf dem Friedhof finden weder Gottesdienste noch Beerdigungen statt. Der Weihnachtsmarkt und die Aufführung der Weihnachtsgeschichte sind abgesagt. Denn der Kirchturm ist einsturzgefährdet.

© Johann Müller

Die Alt Zeschdorfer und Bewohner des Vorwerks Hohenjesar werden sich gewundert haben: Seit einigen Tagen schweigen die Glocken im Turm der Burgsdorffschen Patronatskirche. - Aus Sicherheitsgründen. Ein im Auftrag der Kirchengemeinde erstelltes Gutachten habe ergeben, dass die Holzkonstruktion des Turmes stark geschädigt ist, berichtete Zeschdorfs Bürgermeisterin Margot Franke am Mittwochabend in der Beratung der Zeschdorfer Gemeindevertreter.

Der markante achteckige Turmaufbau und die Ebene, die den Glockenstuhl trägt, seien am stärksten betroffen, bestätigte der für Hohenjesar zuständige Mallnower Pfarrer Martin Müller auf Nachfrage. Deshalb seien das tägliche Abend-, das Gottesdienst- und das Geläut zu Beerdigungen ebenso wie die Nutzung der Kirchenruine eingestellt worden, erklärte Müller.

Im Klartext heißt das: Keine Gottesdienste, keine Veranstaltungen mehr. Der traditionelle Weihnachtsmarkt und die vom rührigen Förderverein "Freunde der Kirche Hohenjesar" mit gestaltete Aufführung der Weihnachtsgeschichte am Heiligabend sind abgesagt. Und auch Beerdigungsfeiern finden nicht mehr statt. Denn der Friedhof müsste, ebenso wie Teile der Hohenjesarer Dorfstraße, eigentlich abgesperrt werden.

"Wir erforschen gerade, was wir tun müssen", sagte der noch etwas ratlose Martin Müller. Er kennt die Regelung, dass ein Sperrkreis das Anderthalbfache der Höhe des einsturzgefährdeten Gebäudes umfassen muss. Das wären für den etwa 30 Meter hohen Hohenjesarer Kirchturm 45 Meter.

Die Zeschdorfer Gemeindevertreter haben am Mittwoch ihre im Februar abgegebene Willenserklärung bekräftigt. In der heißt es, dass die Gemeinde "im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten den Erhalt des Kirchturms und den schrittweisen Wiederaufbau der Kirche in Hohenjesar unterstützt". Schließlich ist der Turm das Wahrzeichen Alt Zeschdorfs.

Im September 2013 hatten der Förderverein der Patronatskirche und die Kirchengemeinde mit vielen Gästen den 290. Geburtstag der zum Kriegsende schwer beschädigten Kirche bzw. ihres Turmes gefeiert. Denn wann genau die Kirche fertiggestellt wurde, ist nicht bekannt. Schon damals hatte der Vorsitzende des Fördervereins, Hartmut Henicke, mit Blick auf den Kirchturm gewarnt: "Er verfault, wenn nichts geschieht."

In diesem Jahr nun hat die Kirchengemeinde ein Planungsbüro mit der Sanierungsplanung beauftragt. Das Holzgutachten ist eine Grundlage dafür. Martin Müller hat inzwischen Beratungshilfe vom Bauamt der Landeskirche angefordert.

Märkische Onlinezeitung vom 18. Oktober 2015

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