Dorfkirche Gortz (Potsdam-Mittelmark)

Dorfkirche Gortz 
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Dorfkirche Gortz - Altar
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Der sich nördlich der Stadt Brandenburg lang hinziehende Beetzsee ist hauptsächlich bekannt durch das Lied vom Barbier Fritze Bollmann. Der so erzählt die Moritat kenterte hier mit seinem Angelkahn und kam geradewegs in den Himmel, um dort Petrus einzuseifen. Der See verdiente es aber auch wegen der Sehenswürdigkeiten an seinen Ufern besungen zu werden.

Da ist die Dorfkirche von Ketzür, die über eine ungewöhnlich reiche Renaissance-Ausstattung verfügt und die mit ihrem ältesten Baukörper, einer siebenseitigen Kapelle aus Backstein, den Bauforschern noch immer großes Kopfzerbrechen bereitet. Wenige Kilometer weiter finden wir die vorbildlich restaurierte Kirche von Bagow, 1907/08 von dem Architekten Büttner im malerischen "Heimatstil" entworfen.

Zwischen diesen beiden Dörfern, wenige Kilometer vom Ufer des Sees entfernt, liegt der kleine Ort Gortz, dessen Kirchengebäude in den großen Kunstführern vielleicht nicht vorkommt, das mit seinem stimmungsvollen Innenraum jedoch durchaus einen Besuch verdient.

Nach einem großen Dorfbrand im Jahre 1704 wurde der spätgotische Feldsteinsaal umgebaut, erhielt ein neues Dach und etwa zwanzig Jahre später den quadratischen Westturm mit dem dreifach geschweiften Zeltdach. Aus der Zeit der barocken Umgestaltung stammen auch der hölzerne Kanzelaltar mit seinen gewundenen, mit Ähren und Weinlaub verzierten Säulen sowie die Chorempore.

Die letzte große Renovierung erfuhr die Kirche 1906/07 also vor fast einhundert Jahren. Die Fenster wurden im Stil der Neogotik spitzbogig verändert, eine flache Putzdecke wurde eingezogen und der Innenraum neu ausgemalt. Diese Ausmalung mit Weinlaub und anderen floralen Elementen ist es auch, die den Raum in seiner Geschlossenheit und Stimmigkeit zu einem Erlebnis werden lassen.

Leider weist die Gortzer Dorfkirche, die auf Grund einer Gemeindefusion mit dem benachbarten Ketzür nur noch sporadisch für Gottesdienste genutzt wurde, inzwischen starke bauliche Mängel auf. Die Schieferdeckung des Turmdaches hat große Löcher. An der Decke des Kirchenschiffes sind die Balkenköpfe von Schädlingen befallen und müssen dringend erneuert werden. Und das sind nur die dringendsten Aufgaben für die nächste Zeit.

Jetzt hat ein Förderverein begonnen, die Kirche für Konzerte, Theateraufführungen und Dorffeste zu nutzen. Auch Gottesdienste sollen weiterhin stattfinden, man hofft, dass die vakante Pfarrstelle bald wieder besetzt wird. Mit den gut besuchten Veranstaltungen konnten erste Geldmittel eingeworben werden, Stiftungen haben erstes Interesse bekundet, die dringend nötigen Instandsetzungsarbeiten zu unterstützen. Doch noch ist der Verein, der in dem kleinen Dorf fest verankert ist, auch auf Hilfe von außen angewiesen..


Zum Weiterlesen:
Märkische Allgemeine vom 19. Mai 2003: Stiftungen geben 50 000 Euro für Kirchensanierung
Märkische Allgemeine vom 15. Juli 2003: Gortzer Kirchenpapier entziffert
Märkische Allgemeine vom 08. November 2003: Der Kirchturm in Gortz ist komplett
Märkische Allgemeine vom 11. März 2005: Über Gortz scheint die Sonne
Märkische Allgemeine vom 18. Oktober 2005: Die Gortzer Orgel spielt wieder
Märkische Allgemeine vom 02. Juli 2010: Kein abgetrennter Raum mehr im Gortzer Gotteshaus
Märkische Allgemeine vom 17. November 2011: Das letzte Gerüst

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