DER KIRCHTURM IN GORTZ IST KOMPLETT / GLOCKE SOLL AM 14. NOVEMBER LÄUTEN

Die Spitze ist drauf

 

GORTZ Milchiger Dunst verhüllte die Sonne, der Wind wehte eisig, der Kranmotor brummte monoton. Und die Anspannung wuchs, bei der kleinen Menschengruppe, die sich gestern Morgen auf dem eingerüsteten Turm der Gortzer Dorfkirche versammelt hatte. Vor genau einem Jahr war die alte Kirchturmspitze bei einer Notreparatur abmontiert worden. Nun flog die neue an einem dünnen Seil durch den Morgennebel. Doch was da so dramatisch aussah, war für die erfahrenen Handwerker eine leichte Übung. Pünktlich um 9 Uhr wurde die neue Spitze mit Wetterfahne und golden glänzender Kugel in ihrer Halterung befestigt. Und wie gerufen, brachen plötzlich die Sonnenstrahlen durch die Nebelbank.

"Herrlich sieht das aus", strahlt Uwe Sernow-Rose, der Gortzer Bürgermeister. Rund sieben Arbeitswochen hatte er selbst im vergangenen Jahr in die Restaurierung der alten Spitze investiert. Die Liebe zu der um 1500 errichteten Kirche und seine Tätigkeit als Metallbildhauer - für ihn sind das ideale Voraussetzungen, um sich ehrenamtlich für den Erhalt der Kirche einzusetzen.

"Die fünfblättrige Spitze konnte ich nach einem Foto von 1982 rekonstruieren und das Originalmotiv der Wetterfahne habe ich in einem alten Buch gefunden", sagt Sernow-Rose, in dessen Garten noch immer der total zerfressene alte Eisenmast der vorigen Spitze liegt. Außerdem hatte er die Kugel vor dem Auftrag des 23-dreiviertel-karätigen Goldes - so genanntes Sturmgold - flicken müssen. "Die war von Schüssen durchsiebt, bei 40 hab ich aufgehört zu zählen." Doch nicht nur außen funkelt die Spitze, auch ein neues Innenleben hat sie bekommen. "Die Dokumentenhülse aus Zink ist durch eine aus Messing ersetzt", so der Gortzer Bürgermeister.

Zu stemmen war die Aktion nur durch die tatkräftige Hilfe von Handwerksfirmen aus der Region. Die Berliner Firma KST beispielsweise drehte den Stahlmast konisch - als Spende. Und der Brandenburger Dachdeckermeister Helmut Preusker stellte den Kran. "Normalerweise hätte die Spitze 7000 Euro gekostet, das hätten wir uns nie leisten können", stöhnt Sernow-Rose.

Denn die Arbeiten an der Kirche sind längst nicht abgeschlossen. In einem dritten Bauabschnitt sollen Deckenbalken und die Dacheindeckung sowie die Außenhaut des Kirchenschiffs saniert werden. Dazu seien allein 30 000 Euro an Eigenmitteln aufzubringen. Doch erst ein Bruchteil davon ist als Spenden eingegangen.

Bewundern kann man die bislang vollbrachte Leistung am 14. November. Dann nämlich soll die Kirche eingeweiht werden. Ab 14 Uhr geht es mit einer Führung zur Sanierungsgeschichte los. "Und ich denke, wir können nach langer Zeit die Glocke das erste Mal wieder läuten lassen", sagt Uwe Sernow-Rose mit leuchtenden Augen. zim

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