GORTZER KIRCHENPAPIER ENTZIFFERT / FÖRDERVEREIN LÄDT ZUM SOMMERFEST EIN

Repariert wurde schon immer

Dorfkirche Gortz - Turmknaufinschrift

GORTZ Es war eines der letzten Geheimnisse der Gortzer Dorfkirche. Eine Kunsthistorikerin aus Potsdam hat es gelüftet. In mühevoller Kleinarbeit entzifferte Frau Kamps die verblichene Inschrift eines Papiers, das vor 137 Jahren der Turmkugel beigegeben wurde. 1866 war eine große Reparatur am Balkengerüst des Kirchturms fällig. Über die Arbeiten hat der Autor ebenso berichtet wie über die bereits 1833 erfolgte Neuaufstellung der Orgel. Natürlich durften schon damals die Sponsoren nicht fehlen. So war Kirchenpatron Hofmarschall von Rochow mit 25 Reichstalern dabei, der Pastor gab 15 Taler. Auch die zehn Bauern und drei Kossäten gaben das ihre dazu - zwar nicht in Talern, dafür in Silbergroschen.

Erstmalig wird das einmalige Dokument am kommenden Sonntag beim Gortzer Sommerfest der Öffentlichkeit präsentiert. "Es enthält zwar keine Sensation, ist aber ein wertvolles Stück Zeitgeschichte", findet Claudia Rose vom Kirchenförderverein. Der Bericht zeigt, dass Reparaturen und die Beschaffung von Geld schon zu allen Zeiten eine Kirchengemeinde beschäftigten. Dass die Turmknaufinschrift überhaupt wieder lesbar wurde, ist dem Hallenser Restaurator Peter Schöne zu verdanken. Mit einem Skalpell hat er die vermoderte Papierrolle aus der beschädigten Turmkugel befreit und fein säuberlich in die noch vorhandenen Einzelteile zerlegt. Hinter Glas bleibt das Kirchendokument nun für die Nachwelt erhalten. Eine komplette Restaurierung kann sich der Förderverein nicht leisten. Soll doch das von Spendern und Stiftern eingesammelte Geld der Sanierung der Kirche dienen. Damit kann es im August losgehen. Unter der Aufsicht von Architektin Heidrun Fleege beginnt der 1. Bauabschnitt mit der Rekonstruktion des Turms. Dazu wird ein Kran die dreifach geschweifte Haube abnehmen und auf die Erde setzen. 82 000 Euro hat der Förderverein bislang zusammengetragen. Eine sensationelle Summe, denn es handelt sich ausschließlich um private Spenden. Die Bekrönung des Kirchturms war bereits im letzten Jahr bei vorbereitenden Maßnahmen abgenommen und anschließend in der Werkstatt von Ortsbürgermeister Uwe-Sernow-Rose auseinander genommen worden. Sernow-Rose will die unter anderem von Gewehreinschüssen arg lädierte Turmkugel selbst reparieren. Obendrauf soll wieder eine Wetterfahne ihren Platz finden. Bis es soweit ist, werden etwa drei Monate vergehen. Im November sollen die Arbeiten am Turm abgeschlossen sein. Dann werden weitere Gelder für den 2. Bauabschnitt gebraucht - die Sanierung des Kirchenschiffes. Diesem Zweck dienen die Einnahmen des Sommerfestes, das am Sonntag um 14 vor der Kirche beginnt. bü

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