Das letzte Gerüst

DENKMALPFLEGE: Zehn Jahre nach Gründung des Gortzer Fördervereins endet die Sanierung im Kirchenschiff

GORTZ - Es ist das vorerst letzte Gerüst, das die Gortzer Dorfkirche in ihrem Innern aushalten muss. Klaus Jacob braucht es, um die zum barocken Kanzelaltar samt Seitenemporen gehörenden Holzeinbauten reinigen und ausbessern zu können. Zum Auffrischen schadhafter Stellen hat der Ketzürer Restaurator die gedeckten Farbtöne mit Leimfarbe so nachgemischt, wie sie 1906 bei der durchgängig floralen Ausmalung des Gotteshauses verwendet worden waren.

Außerdem arbeitet Jacob mit Pinsel und Spachtel das Kirchengestühl auf. Dessen Bänke reichen mit dem Rückbau der Winterkirche wieder bis unter die Orgelempore. Die historische Raumsituation ist seit wenigen Tagen wieder hergestellt. Als nützlicher Nebeneffekt konnte etwas mehr Platz vor dem Altar gewonnen werden. "Damit verbessern sich die Auftrittsmöglichkeiten für Künstler und Chöre", freut sich Claudia-Karina Rose (60) vom Gortzer Förderverein.

Schon am 1. Advent ist es wieder soweit. Wenn das Eb- Davis-Gospelquartett auftritt, werden die Besucher staunen. So schön haben sie die Gortzer Kirche seit Beginn der Restaurierungsarbeiten noch nicht gesehen. Das letzte Gerüst wird abgebaut sein. Nach der Wand- und Deckenmalerei im vergangenen Jahr haben dann die Holzeinbauten ihre Verjüngungskur hinter sich.

Mit dem Abschluss der Sanierung im Kirchenschiff hat sich der Förderverein selbst das schönste Geschenk im zehnten Jahr seines Bestehens gemacht. "Was wir heute sehen, haben wir 2001 nicht einmal zu träumen gewagt", erinnert sich Claudia-Karina Rose. Die gleich nach der Wende zusammen mit ihrem Mann Uwe (61) von Berlin aufs Land gezogene Fachfrau für Kulturgeschichte steht seit der Gründung an der Spitze des Fördervereins, der einst mit 35 Mitgliedern anfing, die Gortzer Dorfkirche vor dem Verfall zu retten.

Nicht nur dieses Ziel ist dank vieler fleißiger Helfer, Stifter, unermüdlicher Arbeit und Überredungskünste gelungen. Gortz ist mit dem vom Verein ins Leben gerufenen Sommerlustgarten zu einem überregionalen Veranstaltungsort geworden. Aus dem benachbarten alten Schulhaus wurde 2010 eine Dorfbegegnungsstätte, deren Träger der Förderverein ist. Alle Aktivitäten aufzuführen würde ein Buch füllen. Doch eine Zahl beeindruckt besonders. Für das gesamte historische Ensemble mit Kirche und alter Schule haben die Vereinsaktivitäten bis jetzt Investitionen in Höhe von rund 500 000 Euro ausgelöst. Fördergelder von Land und EU, Kirche, Kommune, Stiftungen, Denkmalpflege und viele Privatpersonen haben mitgeholfen, dass Gortz seine historische Mitte zurückbekommen hat. Ohne einen Förderverein als Motor wäre es dazu nicht gekommen.

Rund 90 000 Euro hat der Förderverein aus eigener Kraft aufgebracht. Eine gewaltige Summe für eine relativ kleine Gemeinschaft, zu deren Gründern auch Claudia-Karinas Ehemann Uwe gehört. Er erinnert sich: "Neun Jahre lang waren wir mit selbst gemachtem Holundersirup, Marmelade und Geschenkartikeln beim Rixdorfer Weihnachtsmarkt dabei, um Geld zu verdienen." Unvergessen ist auch das Ehepaar Hannelore und Helmut Schmidt aus Berlin, das mit einer Spende von 18 000 Euro die Sanierung der Eifert-Orgel ermöglichte.

Langsam schwinden jedoch auch den Gortzern die Kräfte. Die Mitglieder sind älter und weniger geworden. "Wir müssen etwas kürzer treten", räumt Uwe Sernow-Rose ein. In Rixdorf ist der Verein deshalb in diesem Jahr nicht mehr dabei. Eine Etappe auf dem Weg zur vollständigen Restaurierung der Dorfkirche steht jedoch noch aus die für 2013 geplante Sanierung des Kirchturms von Innen.

Mit der Rettung des einst arg lädierten Turms begann 2003 die aktive Sanierungsphase. Dann folgten Gebäudehülle, Orgel und der Innenraum der Kirche. Wenn alles weiter gut läuft, lässt sich ganz sicher noch ein letzter Wunsch realisieren. Irgendwann soll den Gortzern mit einer Turmuhr wieder die Zeit schlagen. Dem Förderverein geht die Arbeit nicht aus. (Von Frank Bürstenbinder)

Märkische Allgemeine vom 17. November 2011

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