Die Dorfkirche von Glienicke (Landkreis Ostprignitz-Ruppin)

Kirche Glienicke - Projektzeichnung 
Projektzeichnung der Architektin Kannenberg

Als gegen Ende des 18. Jahrhunderts die alte Fachwerkkirche in Glienicke (Landkreis Ostprignitz-Ruppin) baufällig geworden war, klagten die Einwohner des Ortes in einem Schreiben an den Landesherren, dass sie "nur noch mit Lebensgefahr in die Kirche gehen" könnten. Es dauerte einige Jahre, bis der zuständige Bauinspektor Friedrich Buchholz aufgefordert wurde, einen Neubau zu entwerfen. Dieser Entwurf gelangte über den preußischen Dienstweg auf den Schreibtisch des Leiters der Königlichen Ober-Bau-Deputation Karl-Friedrich Schinkel. Schinkel verwarf das Projekt, fertigte eigene Zeichnungen und ordnete an, dass die neue Glienicker Kirche "den Character einer kleinen Kapelle erhält und in ihrer einfachen achteckigen Form durch ihre spitze Zusammenziehung den Thurm zugleich bildet".

Natürlich setzte der oberste Baumeister Preußens sich durch. Die Bauarbeiten dauerten inklusive Innenausbau und Ausmalung von 1815 bis 1817. Dabei mussten die Bauern und Tagelöhner aus Glienicke nicht nur Hand- und Spanndienste leisten, sondern zusätzlich den Maurern und Zimmerleuten Unterkunft stellen, was "ein Strohlager mit Kopfkissen" einschloss.

Kirche Glienicke 
Vor Beginn der SanierungGroßbildansicht

So verfügt das kleine Rundlingsdorf nahe Wittstock über einen funktional und ästhetisch hochwertigen Kirchenbau des bedeutendsten preußischen Architekten. In den letzten Jahrzehnten war davon jedoch wenig zu sehen. Die Turmkonstruktion ein Zeltdach mit geschlossener Laterne unter einem Spitzhelm bereitete immer wieder Probleme und wurde 1977 schließlich abgebrochen. Ein Notdach aus Pappschindeln ließ den achteckigen Zentralbau, der im Laufe der Jahre auch seinen Außenputz fast vollständig verloren hatte, eher unscheinbar aussehen.

Im Jahr 2004 gründete sich in Glienicke ein Förderverein, um akute Bauschäden zu beheben. Relativ schnell war man sich mit der Wittstocker Architektin Bärbel Kannenberg einig, die Ursprungsfassung mit dem schlanken Schinkelschen Turmaufsatz wiederherstellen zu wollen. Der Verein begann Geld zu sammeln, Veranstaltungen zu organisieren und erhielt für seine rührige Tätigkeit im vergangenen Jahr 2007 sogar den "Schinkelpreis" der Stadt Neuruppin.

Kirche Glienicke 
Richtfest am 2. Oktober 2008Großbildansicht

Im Sommer 2008 kam dann die erfreuliche Nachricht, dass Fördermittel aus einem EU-Programm des zuständigen Amtes für Flurneuordnung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bewilligt seien. Kofinanziert werden die Instandsetzungsarbeiten vom Landkreis, der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin, der Kommune und der Kirchengemeinde. Insgesamt steht die vor kurzem noch unvorstellbare Summe von 265.000 Euro zur Verfügung. Am 2. Oktober konnte das Richtfest gefeiert werden und noch in diesem Jahr vermutlich am 2. Adventssonntag, dem 7. Dezember soll die Turmbekrönung aufgebracht werden. Auch für eine Restaurierung des Innenraumes reichen die Fördermittel. Die Kirche von Glienicke wird dann für den Besucher wieder so zu erleben sein, wie Karl Friedrich Schinkel sie für das Dorf entworfen hatte.


Weitere Informationen: Förderverein "Dorfkirche Glienicke"; Frau Ingrid Blüschke; Tel.: (0 33 94) 44 36 52


Zum Weiterlesen:
Mitteilungsblatt Dezember 2008: Schinkels schlanker Turmhelm kehrt zurück aufs Kirchendach
Märkische Allgemeine vom 15. Dezember 2008: Die Arbeiten an der Dorfkirche in Glienicke liegen im Zeitrahmen
Märkische Allgemeine vom 04. März 2010: Marmorierung in der Glienicker Kirche zum Teil freigelegt
Der Prignitzer vom 05. Februar 2011: Schinkelkirche per Zufall entdeckt
Märkische Allgemeine vom 13. Mai 2013: Wie sich das Kirchlein gemausert hat
Märkische Onlinezeitung vom 29. Juli 2015: Eifriger Verein, spendables Land
Märkische Allgemeine vom 26. Oktober 2015: Die Königin in der Schinkelkirche Glienicke
Märkische Allgemeine vom 18. Februar 2016: Gesamtes Bauensemble unter Denkmalschutz


  
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