Wie sich das Kirchlein gemausert hat

Glienicker Gotteshaus bekam Besuch von zwei Neuruppiner Gesellschaften / Über große Baukultur in kleinem Dorf gestaunt

GLIENICKE - Zur Karl-Friedrich-Schinkel-Gesellschaft unterhält der Förderverein Schinkel-Kirche Glienicke schon seit einigen Jahren enge Kontakte. Nun haben die Glienicker auch Bekanntschaft mit Mitgliedern der Fontane-Gesellschaft geschlossen. 90 Mitglieder der in Neuruppin ansässigen Vereine waren am Freitag zu Gast in dem kleinen Heiligengraber Gemeindeteil, dessen kleine Kirche vom berühmten Architekten Karl-Friedrich Schinkel entworfen worden ist.

"Bis 1991 war hier überhaupt nicht bekannt, dass der Entwurf für unsere Kirche von Schinkel stammt", sagte die Vorsitzende des Fördervereins, Ingrid Blüschke. Man merkte ihr an, wie stolz sie darauf ist, dass sich das kleine Kirchlein inzwischen schon gemausert hat. "Viele Jahre mussten wir mit dem schäbigen Zustand leben. Inzwischen ist sie von außen schon ganz gut, auch wenn es innen noch viel zu tun gibt", sagte sie.

Die Wittstocker Architektin Bärbel Kannenberg informierte dann die Mitglieder der beiden Gesellschaften über die Schwierigkeiten, die mit dem Bau verbunden waren. "Das Objekt ist uns im Jahr 2004 angetragen worden. Wir sollten die Kirche im kleinsten Maßstab sanieren. Das hätte ein gutes dreiviertel Jahr Arbeit bedeutet", sagte sie. Als ihr dann aber die Original-Bauzeichnungen von 1814 in die Hände kamen, unterbreitete sie vorsichtig auch zwei alternative Vorschläge. Sie fand, es sollten nicht einfach nur das Notdach von 1970 und die Fassade saniert werden.

Die erste Alternative sah einen kleinen Spitzhelm vor, die zweite orientierte sich an den Originalzeichnungen von Karl-Friedrich Schinkel. Es war eine Zitterpartie, aber Bärbel Kannenberg war schon froh, als man sie damals nicht umgehend gefragt hatte, ob sie "verrückt geworden" sei. Schnell sei den Beteiligen klar gewesen, dass die kleinste Variante nicht mehr infrage kam. Nach vier bis sechs Wochen sprach niemand mehr davon. Kannenberg: "Diese Kirche gehört in dieses Dorf und zwar mit ihrer Spitze. Bei der Minimalvariante hätte man das Baudenkmal zerstört. Die Enttäuschung über diese Halbherzigkeit wäre groß gewesen." Viele Verbündete hätten schließlich dazu beigetragen, dass die Schinkelkirche dem Original entsprechend wiederhergestellt werden konnte.

Mehrere Förderanträge wurden abgelehnt, bis schließlich 2008 im Juni die Zusage kam. Das Problem: Von da an musste alles ganz schnell gehen, denn die Fördermittel mussten im selben Jahr abgerechnet werden. Ausführungsplanung, Ausschreibung, Vergabe und Bauausführung das alles war binnen eines halben Jahres zu bewerkstelligen.

Am 13. Dezember 2008 konnte die Turmbekrönung erfolgen. Angesichts der Bilder, die die Architektin davon zeigte, kam spontaner Applaus auf. Bärbel Kannenberg sagte: "Glienicke war für Schinkel weit weg, aber er hat damals auch nicht den einfachen Weg gewählt." Und heute seien die Menschen gehalten, Baukultur einzufordern. "Wir leben in einem kulturellen Raum. Aber ohne die Baukultur verliert die Landschaft ihren Wert."

Dann kam noch Klaus Mundt, der Vorsitzende der Gemeindevertretung von Heiligengrabe, zu Wort. Er betonte, wie froh die Gemeinde sei, dass engagierte Menschen dazu beitragen, die Werte in der Gemeinde zu erhalten. Die politische Gemeinde unterstütze solche Aktivitäten. So gehe man auch in Wernikow einen steinigen Weg, um dort die älteste Feldsteinkirche der Prignitz zu erhalten. (Von Uta Köhn)

Märkische Allgemeine vom 13. Mai 2013

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