Was uns bewegt - der Vorstand berichtet

Rückblick auf das Jahr 2008

Die Ergebnisse und Entwicklungen eines nach der Mitgliederzahl großen Fördervereines wie dem unsrigen variieren von Jahr zu Jahr. Dies hat mehrere unterschiedliche Gründe, von denen die Schwankungen der "außerplanmäßigen" finanziellen Zuwendungen die ausschlaggebenden sind.

Über einen längeren Zeitraum konnten wir regelmäßig mit einem recht stattlichen Beitrag aus "Bußgeldern", die uns über die Amtsgerichte für gemeinnützige Zwecke zugestellt worden sind, rechnen. Auch war die Gesamtsumme einer Sonntagskollekte der Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) im Jahre 2007 ein reicher Geldsegen, den wir im selben und darauffolgenden Jahr für dringende Notsicherungs- und Baumaßnahmen weiterleiten konnten. Bußgelder wurden uns im nun zu Ende gehenden Jahr nur in geringerem Maße zugeteilt und die Kollektengelder entfielen ganz. Wir bemühen uns aber weiterhin um diese Zuwendungen und sind sehr froh darüber, dass uns für das kommende Jahr die Einkünfte einer weiteren landeskirchlichen Kollekte zugesagt worden sind.

Worauf wir aber immer zurückgreifen können, ist ein relativ sicherer Sockelbetrag von Mitgliederbeiträgen und Spenden, sowohl projektgebundenen als auch freien Spenden. Dafür, dass wir mit dieser Größe fest rechnen können, sind wir vor allen Dingen Ihnen, den Mitgliedern und Freunden, sehr dankbar. Nach vielen Jahren der Konstanz denken wir daran, den Mitgliedsbeitrag leicht zu erhöhen, und hoffen dabei auf Ihr Verständnis.

Seit Beginn dieses Jahres nun gibt es eine weitere Einnahmequelle für unsere kirchlichen Sanierungs- und Restaurierungsbemühungen: die Erträge aus dem Stiftungskapital der Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen. Sie werden sich sicherlich noch an die würdige Gründungsveranstaltung in der Marienkirche im Juni dieses Jahres erinnern. Inzwischen beläuft sich das Stiftungskapital auf fast 95.000 €. Die ersten Zinserträge möchten wir in Abstimmung mit dem Stiftungsvorstand bereits einem Vorhaben zur Sicherung der Ruine eines Kirchenschiffes zukommen lassen. Wir sind den Stiftern außerordentlich dankbar dafür, dass sie es uns ermöglichen, jetzt auch langfristig zu wirken, also über unseren eigenen Wirkungshorizont hinaus und dies immer mit dem gleichen Ziel: die Bewahrung unseres weit im Lande verstreuten wertvollen kirchenbaulichen Kulturerbes.

Wenn es mit den direkten baulichen Fördermaßnahmen, also unserem Kernanliegen, rein statistisch trotz steigender Mitgliederzahl nicht kontinuierlich nach oben geht, sondern von Jahr zu Jahr schwankt, so ist dies vor dem Hintergrund ausbleibender anderer Einkünfte verständlich.

Was unabhängig von diesen Schwankungen dennoch erfreulich stimmt, ist die Tatsache, dass wir nunmehr zum siebenten Mal ein Startkapital für Fördervereine verleihen konnten. Dadurch wurden in den vergangenen Jahren insgesamt 54 Fördervereine mit einer Gesamtsumme von 112.500 € ausgezeichnet. Die Startkapital-Gewinner konnten unter Hinzuziehung anderer Fördermittel substantielle Maßnahmen zur Rettung ihrer Kirchen realisieren. Wir sollten also stets die Gesamtentwicklung unserer finanziellen Förderbeiträge im Auge behalten. Diese sind ja bekanntlich sehr breit gefächert und reichen vom Spenden- und Mitgliederbeitragsaufkommen über größere Einmal-Zuwendungen, über Einkünfte aus Exkursionen und Ausstellungen bis hin zu den Zinseinnahmen aus dem Stiftungskapital. Diese Fächerung ist auch gut so, denn wenn die eine Einnahmequelle versiegt, müssen wir uns bemühen, eine andere zu erschließen oder zu verstärken.

Wichtig für uns bleibt in jedem Fall, dass wir auf Ihre Treue und Ihr Vertrauen in unsere Arbeit bauen können. Das ist sozusagen unser "Grundkapital", mit dem wir sorgsam umgehen müssen und das uns nach außen hin bisher den Ruf eines soliden und sympathischen Treuhänders verliehen hat.

Dr. Uwe Otzen

 
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Neues von unserer Stiftung

... auf gutem Wege

Unsere gemeinnützige Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen ist noch kein halbes Jahr alt, und doch ist sie bereits jetzt auf gutem Wege. Unser Gründungskapital betrug 78.500 €; inzwischen haben Zustifter dieses Kapital auf 94.850 € erhöht. Wir setzen darauf, dass bis Ende Dezember das Jahresziel von 100.000 € erreicht sein wird (vielleicht sind diese Zeilen manchem ein kleiner Anstoß, uns dabei zu helfen).

Seit dem 1. Juli sorgt das Stiftungsvermögen schon für die Zinsen, aus denen die Arbeit des Förderkreises unterstützt werden soll. Einen ersten Antrag auf die Ausschüttung von ca. 2.000 € hat der FAKVorstand der Stiftung bereits eingereicht: Im nächsten Jahr soll die Ruine des Kirchenschiffes in Hirschfelde (Barnim) weiter gesichert und besser zugänglich gemacht werden. Der Stiftungsvorstand hat diesem Vorhaben inzwischen zugestimmt.

Im kommenden Jahr werden bereits über 5.000 € zu vergeben sein. Und auf noch längere Sicht lässt sich schon jetzt sagen: In den nächsten zehn Jahren wird die Stiftung dem Förderkreis Alte Kirchen mindestens 50.000 € zur Verfügung stellen können. Das ist doch schon was!

Aber natürlich wollen wir noch besser werden: Je mehr Kapital unsere Stiftung einwerben kann, um so mehr wird sie beitragen können zum Erhalt von Brandenburgs schönen Kirchen.

Wenn Sie dazu Ideen oder Fragen haben, wenden Sie sich bitte an Pfr. Arnulf Kraft oder Dr. Hans Krag (siehe Impressum). Und schauen Sie doch auch mal auf unsere Internet-Seite www.stiftung-altekirchen.de, die Birgit Karger für uns gestaltet hat.

Arnulf Kraft

 
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FAK wird die regionale Betreuung weiter ausbauen

Zukünftig noch näher dran

Auf der diesjährigen Mitgliederversammlung war es bereits verkündet worden – der Förderkreis wird die regionale Betreuung weiter ausbauen. Der Kontakt und der Informationsaustausch unter den Mitgliedern, Gemeinden und Interessenten soll intensiviert und künftig durch Regionalbetreuer sichergestellt werden.

Ein wesentlicher Aspekt der Arbeit des Vereins ist der enge und vertrauensvolle Kontakt zu den zahlreichen Mitgliedern und Interessenten vor Ort. Nicht zuletzt durch dieses enge Zusammenwirken konnte der Förderkreis in der Vergangenheit so aktiv, erfolgreich und nachhaltig agieren und vielerorts Hilfe und Unterstützung leisten. Die stetig steigende Mitgliederzahl unseres Vereins setzt aber den bisherigen Strukturen und Arbeitsteilungen innerhalb des Kreises der aktiven Mitglieder Grenzen.

Bisher war es fast ausnahmslos dem Einsatz unseres Geschäftsführers Bernd Janowski zu verdanken, dass der Förderkreis mit Rat und Tat den Akteuren vor Ort zur Seite stand – in Anbetracht des stetig steigenden Arbeitspensums jedoch eine schon jetzt nicht mehr zu leistende Aufgabe. Bereits im Februar beschloss daher der Vorstand auf seiner alljährlichen Strategiesitzung, ein flächendeckendes regionales Betreuungssystem noch in diesem Jahr umzusetzen.

Die regionale Betreuung wird sich in groben Zügen an den Grenzen der Landkreise orientieren. Die jeweiligen Regionalbetreuer sind die Ansprechpartner. Sie werden die konkreten Fragestellungen und Problemfälle vor Ort erörtern und bei Bedarf an den Vorstand zur weiteren Beratung und Entscheidung weiterleiten. Die bisherige Qualität unserer Arbeit wird auch weiterhin durch ein enges und abgestimmtes Zusammenwirken zwischen Regionalbetreuern, Vorstand und Geschäftsführer sichergestellt werden, zumal die künftigen Regionalbetreuer keine unbekannten Gesichter sind und sich ausnahmslos aus dem Vorstand bzw. dem Geschäftsführer rekrutieren. Die genaue Zuordnung der Regionalbetreuer zu den einzelnen Regionen veranschaulicht die unten stehende Übersicht.

Der Austausch mit den Akteuren vor Ort – Fördervereinen, Kirchengemeinden und Kommunen – ist die Grundlage unserer erfolgreichen Arbeit. Auch wir profitieren von Ihren Erfahrungen. Wenden Sie sich wie bisher mit Ihren Fragen und Problemen an unsere Geschäftsstelle oder direkt telefonisch an den jeweiligen Regionalbetreuer. Berichten Sie uns von Ihren Erfolgen und Misserfolgen. Informieren Sie uns über Veranstaltungen und Aktionen.

Unser gemeinsames Ziel ist ein eng geknüpftes Netzwerk aller am Erhalt und an der Nutzung der brandenburgischen Dorfkirchen Interessierten.

Alexander Möbius

 

Region Landkreis Regionalbetreuer
Nordwest Prignitz, Ostprignitz-Ruppin Wolf-Dietrich Meyer-Rath
West 1 Havelland, Potsdam-Mittelmark, Potsdam Arnulf Kraft
West 2 Brandenburg Alexander Möbius
Südwest Teltow-Fläming, Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz Dr. Hans Krag
Südost Oder-Spree, Frankfurt(Oder), Spree-Neiße, Cottbus, Görlitz Günter Schöne
Ost Barnim, Märkisch-Oderland Wolf-Rainer Marx
Nordost Uckermark, Oberhavel Bernd Janowski
 
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Aus Idealen wurden Schritte, aus Schritten Initiativen

Startkapital 2008 für Kirchenfördervereine - Auszeichnung der Preisträger

"Wer ist aber unter euch, der einen Turm bauen will, und sitzet nicht zuvor, und überschlägt die Kosten, ob er’s habe, hinauszuführen?" Pröpstin Friederike von Kirchbach begann ihr Grußwort mit Lukas 14.28, als im September in Ferchesar im Havelland die Preisträger des Wettbewerbes "Startkapital für Kirchen-Fördervereine 2008" ausgezeichnet wurden. 2.500 € kann nun jeder der fünf Vereine von seiner Kostenlast abziehen.

Die Vorbereitung war punktgenau: Am Vormittag konnten Detlef Zemlin und seine Mitstreiter vom Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche Ferchesar (Preisträger 2007) den Sanitärtrakt im Turmuntergeschoss fertig stellen (natürlich den Auflagen des Denkmalschutzes entsprechend). Der helle Kirchenraum zeigte nichts von den Problemen am Dach, die beim Gang um die Kirche zu sehen waren.

Pfarrerin Gabriele Zieme begrüßte die Gäste und gab am Schluss der Feier mit einer Andacht den Ausklang. Superintendent Thomas Tutzschke vom Kirchenkreis Nauen-Rathenow, der stellvertretende Landrat Roger Lewandowski und FAK-Vorsitzender Uwe Otzen sprachen Grußworte. Für die musikalische Auflockerung sorgten vier Musiker der Musikschule Rathenow. Sind die symbolischen Schecks an die Richtigen unter den 18 Bewerbern vergeben worden? Die Laudationes, ausnahmslos kurzweilig und präzise, ließen keinen Zweifel.

  Startkapital 2008 FREUDE über die willkommene Starthilfe
– hier die Vertreter des Fördervereins zum Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche
in Gubin (Mitte)...
  ...aber verschenkte Möglichkeiten:
Viele Vereine nutzten nicht die gute
Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen
und Beziehungen zu knüpfen.

Fotos:Wolf-Rainer Marx
Startkapital 2008

Für alle Ausgezeichneten sagte Steve Mertens, der unverdrossene Mentor des Fördervereins Alte Dorfkirche Kemnitz, in seiner Dankesrede: "In einer Zeit, in der es sehr schwer geworden ist, dem ständig wachsenden Druck im Beruf und alltäglichen Leben nicht zu erliegen, ist es sehr hilfreich, an Ideale zu glauben. Diese Ideale haben uns zu weiteren Schritten bewegt. Aus diesen Schritten erwuchsen Initiativen, die Gründung von Fördervereinen. Unser Rat an sich gründende Vereine ist in jedem Fall die Kontaktsuche zum Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg. Er ist für uns eine Plattform des Erfahrungsaustausches mit Gleichgesinnten und ein schier unerschöpflicher Informationspool geworden."

Das Spektrum der Preisträger war breit und deshalb gab es beim abwechslungsreichen und wohlschmeckenden Imbiss im Zelt vor der Kirche viel zu erfahren: Der Förderverein Alte Dorfkirche Kemnitz war sehr einsam, als bekannt wurde, wie teuer eine Gesamtsanierung wäre; sie haben gelernt, in Etappen zu denken und sie haben es geschafft, das Dorf mitzunehmen. Der Ortsbürgermeister von Schönebeck und die Vertreterin des Gemeindekirchenrates saßen zusammen, erinnerten sich daran, dass in ihrem Dorf schon die erste Sammlung an den Haustüren 3.000 € einbrachte, und sie erinnerten sich auch daran, dass vor wenigen Jahren keiner von beiden sich hätte vorstellen können, mit dem anderen an einem Tisch zu sitzen. Der Förderverein Evangelische Dorfkirche Hasenholz berichtete, wie er mit Konzerten, Bauernmarkt und Drachenfest das Dorf beleben und dabei Geld sammeln konnte. Die Gubener schilderten, wie eine polnische Stiftung und ein deutscher Verein ihre Hauptkirche, die auf der polnischen Seite der Doppelstadt steht, gemeinsam wieder aufbauen. Gerhard Schliebener erzählte, wie aus dem schlichten Wunsch der Heinsdorfer, wieder ihre Kirchenglocken zu hören, ein Projekt erwuchs, das über die Turmsanierung hinaus die Sicherung des ruinösen Kirchenschiffs und ein freistehendes Glasdach vorsieht. Die Tafeln, die die Vereine im Zelt präsentierten, waren von Wissbegierigen umlagert.

Man kann auf dem Bild nachzählen: Es waren 48 Teilnehmer. Es kamen also nicht nur die Preisträger und Laudatoren zum Nauener See. Aber: Brandenburg hat fast 250 Fördervereine. Die meisten haben die Gelegenheit nicht genutzt, Erfahrungen auszutauschen, Beziehungen zu knüpfen oder einfach mal im Kreise Gleichgesinnter zu feiern. Jeder Teilnehmer wird es bestätigen: Da wurden Möglichkeiten verschenkt. Wir müssen Wege finden, die Preisverleihungen künftig zu richtigen Treffen der Fördervereine zu machen.

Übrigens: Der Gastgeber für die Verleihung des Startkapitals 2009 wird noch gesucht…

Wolf-Rainer Marx

 
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Wie eine Kirche gerettet wird und ein Hirsch gerettet wurde

Seit Jahrzehnten ist die Kirche des Dorfes Hirschfelde (unweit des Städtchens Werneuchen) eine Ruine. Nun sollen zumindest Sicherungsarbeiten beginnen.

IN AKUTER NOT

Diesmal erbitten wir Ihre
Spende für die

Ruine
der Dorfkirche
Hirschfelde


im Landkreis Barnim
 
 

Etwa seit 1450 war Hirschfelde – ursprünglich zum Besitz des Klosters Zinna gehörend – im Eigentum der Familie von Krummensee, die zu den ältesten Geschlechtern auf dem Barnim gehörte und über reichen Grundbesitz mit der Stadt Altlandsberg als Stammgut verfügte. Der Dreißigjährige Krieg scheint Hirschfelde schwer getroffen zu haben. Reparaturen am Kirchenschiff lassen auf Zerstörungen in dieser Zeit schließen; die Krummensees gehören zu denjenigen adligen Familien, die der Krieg ruinierte.

Das Dorf Hirschfelde wechselte in den folgenden Jahrzehnten mehrfach den Besitzer und kam schließlich 1753 an Levin Friedrich von Bismarck. Der ließ sich in dem Dorf ein repräsentatives Herrenhaus errichten, das als Mittelteil des heute noch existierenden Baus erhalten blieb. Mehrere Mitglieder der Familie von Bismarck fanden "im Gewölbe zu Hirschfelde", also wohl in einer Gruft der dortigen Kirche, ihre letzte Ruhestätte.

   Dorfkirche Hirschfelde
  VIEL MUT beweisen die Mitglieder des Hirschfelder Fördervereins, die ihre Kirche wieder aufbauen wollen.
Foto: Wolf Rainer Marx

Eine Blütezeit erlebte Hirschfelde noch einmal zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als der Industrielle und Kunstsammler Eduard Arnhold das Gut erwarb und im Schlosspark einen Skulpturengarten anlegen ließ. Wie es heißt, verfügte Arnhold damals über "die künstlerisch wertvollste Privatsammlung moderner Kunst in Deutschland". Als einziges Kunstwerk erhalten blieb der "Stehende Hirsch", eine Bronzeskulptur von Louis Tuaillon aus dem Jahr 1907. Es wird berichtet, dass sowjetische Soldaten beim Abzug vom nahe gelegenen Flugplatz Werneuchen zu Beginn der neunziger Jahre die Plastik mit in ihre Heimat nehmen wollten. Den Hirschfeldern gelang es, die Entführung zu vereiteln, und so steht der Hirsch heute – als Wahrzeichen des Ortes – auf dem Dorfanger.

Die Hirschfelder Kirche ist ein Feldsteinbau mit rechteckigem Turm aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Vom Kirchenschiff stehen nur noch die Außenmauern in einer Höhe von bis zu drei Metern. Direkte Kriegseinwirkungen hatten zwar nur geringe Schäden hinterlassen, danach aber wurde die Kirche zur Gewinnung von Baumaterial genutzt. Dem geplanten Wiederaufbau blieb die Genehmigung verwehrt.

Erst in den 70er Jahren gelang es, im Chorraum eine Notkirche zu installieren. Damals wurde auch der Turm mit verändertem Dach wieder aufgebaut. Von der ursprünglichen Ausstattung blieben lediglich zwei Glocken erhalten. Auf Grund ihrer Form können sie in die Zeit um 1300 datiert werden und sind somit zu den ältesten Glocken Brandenburgs zu zähen.

Seit 2001 gibt es in Hirschfelde einen Förderverein, der sich das Ziel gestellt hat, den Bau in seiner ursprünglichen Form wiederherzustellen, seine langfristige Unterhaltung zu sichern und ihn einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen: "Die Kirche soll über ihre gottesdienstliche Nutzung hinaus wieder zum Mittelpunkt des Dorflebens werden."

Bisher konnten in Eigenleistung wesentliche Arbeiten zur Beräumung und Notsicherung der Kirchenruine durchgeführt werden. Das Gebäude weist jedoch erhebliche Bauschäden auf. Ein Sanierungskonzept, das sich im wesentlichen auf Sicherungsmaßnahmen am Kirchenschiff beschränkt, liegt bereits vor.

Im kommenden Jahr wird es nun endlich losgehen. Mit relativ bescheidenen Mitteln soll weiterer Substanzverlust vermieden werden. Kirchengemeinde, Kirchenkreis und Landeskirche haben Mittel zugesagt. Der örtliche Förderverein bringt gesammelte Spenden ein. Auch der Förderkreis Alte Kirchen hat seine Unterstützung bereits zugesagt.

Bernd Janowski

Spendenkonto:

Förderkreis Alte Kirchen
Kto.-Nr.: 5 199 767 005
BLZ: 100 900 00 (Berliner Volksbank)
Kennwort: Hirschfelde

 
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Projekt "Kunst und Kultur in brandenburgischen Dorfkirchen"

Arbeitstagung zur Halbzeit - Praktizierte Nutzungserweiterung bestätigt:
Es geht mehr um das "Wie" als um das "Ob"

Im Rahmen des zweijährigen Gesamtprojektes war auch eine wissenschaftliche Tagung zum Problem Nutzungserweiterung der Dorfkirchen vorgesehen. Der Plan war vom Vorstand des Förderkreises Alte Kirchen und der Kulturstiftung des Bundes beschlossen worden, bevor mit Beginn des Projektes die ersten Erfahrungen gesammelt werden konnten.

Der Plan wurde geändert.

Im Laufe der ersten Veranstaltungssaison des Förderprojektes hatte sich immer eindeutiger herausgestellt, dass von den Menschen in den Kirchengemeinden eine Nutzungserweiterung gar nicht mehr in Frage gestellt wird. Nicht zuletzt der Evangelische Hochschuldialog im Februar in Weimar hatte gezeigt, dass ein Problem lediglich noch in der Art und im Umfang der Öffnung für erweiterte Nutzung gesehen werden kann. Wichtig sind den Menschen vor Ort der Inhalt und auch die Möglichkeiten finanzieller Förderung von Kunst- und Kulturveranstaltungen in ihren Kirchen, also das "Wie", nicht das "Ob".

Die Verantwortlichen entschieden deshalb, die Tagung schon in die Mitte des zweijährigen Projekts vorzuverlegen und ihr einen mehr praxis- und arbeitsbezogenen Inhalt zu geben.

In dieses neue Konzept passte es hervorragend, dass über den Verein Kunstpflug e.V. in Belzig (Potsdam Mittelmark) – er betreut eines der 30 Förderprojekte – die Kunsträume in der Burg Eisenhardt und die benachbarte Bricchiuskirche als idealer Tagungsort angeboten wurden. Als Referenten konnten Experten aus der Landeskirche, aus der Landes-Kulturförderung, von der Fachhochschule Potsdam, vom Förderkreis Alte Kirchen und vor allem Vertreter überregionaler und mehrerer örtlicher Förderprojekte gewonnen werden.

So ergänzten sich Theorie und Praxis zu einem fruchtbaren Gedankenaustausch. Dazu willkommen geheißen wurden die Teilnehmer durch Sus?ken Rosenthal, die Vorsitzende von Kunstpflug e.V., Dr. Uwe Otzen, Vorsitzender des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, und Eva Maria Gauß von der Kulturstiftung des Bundes.

FAK-Geschäftsführer Bernd Janowski wies im Kontext der Arbeitstagung darauf hin, dass die Dorfkirchen schon in der Vergangenheit multifunktionale, für die Verwaltung des Dorfes überaus notwendige säkulare Aufgaben hatten. Für ihren künftigen Erhalt sei es unabdingbar, im Zuge der sich ändernden gesellschaftlichen Bedingungen neue Nutzungsmöglichkeiten im Rahmen der eigentlichen geistlichen Bestimmung zu finden und auszuprobieren. Anhand vieler eindrucksvoller Bilder machte Pfarrer Christhard-Georg Neubert, Direktor der Kulturstiftung St. Matthäus der EKBO, deutlich, wie Kunst und Kultur einer Region gerade auch in der Dorfkirche ihre Heimstatt haben. Die kunsthistorisch so wertvollen und in ihrer Eigenart auch anrührenden Ausstattungsstücke verdienten es, ganz besonders geschätzt und geachtet zu werden. Sie seien ein wichtiger Teil unseres gesamten kulturellen Erbes, das es zu bewahren gilt.

Welche Aufgaben und auch vielfältigen Möglichkeiten sich daraus für die Menschen vor Ort ergeben, veranschaulichte Prof. Dr. Helene Kleine vom Lehrstuhl Kulturarbeit der Fachhochschule Potsdam, die über das Thema Kulturarbeit auf dem Lande und die sozio-kulturellen Gegebenheiten in den Dörfern referierte. Und Brigitte Faber-Schmidt vom Kulturland Brandenburg e.V. konnte allen, die sich in ihren Gemeinden für die Bewahrung dieser ihrer Schätze engagieren, versichern, dass sie in ihrem Bemühen nicht allein gelassen werden. Sie verwies in ihrem Beitrag über öffentliche Förderung und bürgerschaftliches Engagement insbesondere auf die Chancen, die sich dem Förderkreis Alte Kirchen und den von ihm betreuten Kirchenfördervereinen bei Teilnahme an den von Kult?urland ausgelobten Kulturjahr-Programmen bieten.

Nach so vielen grundsätzlichen Denkanstößen konnten die Tagungsteilnehmer erst einmal eigenen Gedanken nachhängen: In der Bricchiuskirche lud eine Video-Installation von Jörg Schlinke – eines der Förderprojekte – zur Meditation ein. Wir danken dem Künstler ganz besonders dafür, dass er den weiten Weg aus dem Mecklenburgischen auf sich genommen hat, um Fragen zu seinem Kunstobjekt zu beantworten.

Viele Anregungen vermittelten die lebendigen Berichte der Tagungsteilnehmer über die Erfahrungen in überregionalen und örtlichen Projekten. Über sie werden wir in nächster Zeit noch öfter zu berichten haben.

Krönender Abschluss war schließlich die "Welturaufführung" des Dokumentarfilms "Alte Orte - Neues Leben" von Otto Wynen. Der Streifen berichtet von sechs der geförderten Projekte und soll weitere Kirchengemeinden und Kirchenfördervereine dazu anregen, es den bisher dreißig Projektteilnehmern gleichzutun. Sie können sich für ein Anschlussprojekt des Förderkreises Alte Kirchen bewerben, für das freilich noch ein Geldgeber gesucht wird.

Wolf-Dietrich Meyer-Rath

Eine Zusammenstellung der Tagungsbeiträge und die DVD des Dokumentarfilms kann zum Selbstkostenpreis von je 5,- € bei der Projektleitung bestellt werden:

Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.
c/o Wolf-Dietrich Meyer-Rath
Kranzallee 3, 14055 Berlin
Tel: 030 30818487, Fax: 030 30818488

E-Mail: w.d.meyer-rath@t-online.de
www.kunst-kultur-in-dorfkirchen.de

 

Projekt "Kunst und Kultur in brandenburgischen Dorfkirchen"

Erfahrungen aus dem ersten Jahr:

Die erste Veranstaltungssaison des zweijährigen Projektes, mit dem die Kulturstiftung des Bundes den Förderkreis Alte Kirchen betraut hat, ist beendet. Vermutlich ist es noch zu früh für eine Bilanz. Soviel lässt sich jedoch schon jetzt einschätzen: Es wurde in den meisten Förderprojekten bei den Menschen vor Ort eine erstaunliche Menge an Kreativität und Engagement ausgelöst.

Der genaue Projekttitel lautet: "Stärkung der künstlerischen und kulturellen Nutzung der brandenburgischen Dorfkirchen". Diese Stärkung wurde mit Sicherheit in den meisten Fällen erreicht. An einigen besonderen Beispielen kann sogar gezeigt werden, dass dem Förderkreis auch eine erste Anregung, Ermutigung und Unterstützung zu einer solchen sinnvollen Nutzungserweiterung von Dorfkirchen gelungen ist, so in Lindenhagen (Uckermark) und Mixdorf (Märkisch Oderland), wie im September-Heft "Alte Kirchen" vorgestellt. Von ähnlichen guten Entwicklungen und neuen Anregungen ist aus Niederfinow (Barnim) zu berichten:

NIEDERFINOW (Barnim)
"Die Schrift" und ihre Anziehungskraft

Die Kirche als einen Kunst-Raum und als Stätte der Begegnung, als einen Ort des Austauschs von Ideen und Visionen zu nutzen, ist der Grundgedanke für das Kunstprojekt in der Kirche Niederfinow. "Die Schrift" hieß die diesjährige Ausstellung, in der sich acht bildende Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen Plastik, Malerei, Grafik und Fotografie mit ihren Werken in der Kirche präsentierten. Es wurde sowohl in christlichen als auch persönlichen und gesellschaftskritischen Bereichen zum Thema gearbeitet.

  NiederfinowScrabble
  SCRABBLE für Niederfinow – Teil der Installation der Eberswalder Bildhauerin Gudrun Sailer in der Dorfkirche.
Foto: Bernhild Ott

Eröffnung und Finissage, jeweils musikalisch umrahmt, waren gleichzeitig Anlass für die Menschen aus dem Ort und der Umgebung, mal wieder fröhlich zusammenzukommen, von den Dorffrauen herzlich begrüßt mit Kaffee und Kuchen. Rund 430 Besucher der Ausstellung, vorwiegend aus dem Ort und der Umgebung, aber auch Touristen und extra angereiste Kunstinteressierte, sind für eine Gemeinde wie Niederfinow ein beachtliches Ergebnis. Die Gottesdienste, die Pfarrer Radtke unter das Thema "Die Heilige Schrift" gestellt hatte, waren sehr gut besucht.

Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler nutzten sehr engagiert das Angebot des Kirchenraumes als besonderen Ausstellungsort. Sie brachten sich mit ihrem Können phantasievoll ein – in Achtung vor der Geschichte und der Ausstrahlung des Ortes. Immer war auch einer von ihnen zur Stelle, um auf die vielen Fragen der Besucher zu antworten. Und auch für die Künstler waren die Gespräche und Reaktionen sehr interessant und bereichernd.

Dieses Angebot von Kunst und Kultur bestärkte neue Initiativen im Ort. Hier, wie in vielen Teilen Brandenburgs, gibt es nach wie vor viel Unsicherheit durch das Wegbrechen der alten Strukturen, die hohe Arbeitslosigkeit und den steten Einwohnerrückgang. Jetzt denkt man in Niederfinow darüber nach, einen Kulturkreis oder –verein zu gründen.

Noch einige Gedanken zur Verfahrensweise im Kunst-und-Kultur-Projekt: Die Förderung gilt für zwei Jahre. Dadurch kann eine beabsichtigte Kontinuität gefestigt werden. Die Förderung setzt jedoch voraus, nach Co-Finan-zierungen zu suchen. Im ersten Jahr sind dafür aber die Antragsfristen zumeist abgelaufen. Vorschlag: Es wäre vielleicht sinnvoller, im ersten Jahr eine größere Anzahl von Projekten mit einer höheren Finanzierung zu fördern, um dann im zweiten Jahr nur die sich gut entwickelnden Projekte je nach Bedarf, Umfang, Qualität und Nachhaltigkeit bedarfsgerechter bzw. mit etwas mehr Mitteln auszustatten.

Eine Erfahrung, die ich immer wieder im Kunst- und Kulturbereich mache, ist, dass künstlerische und kulturelle Arbeit meist nicht oder nur ungern finanziell vergütet wird. Es gibt oft die Erwartungshaltung, dass diese Arbeiten generell in den Bereich Ehrenamt fallen. Vorschlag: Die gesellschaftliche Bedeutung künstlerisch-kultureller Arbeit in breiterer Öffentlichkeit, auch im Förderkreis, positiv alternativ zu diskutieren und in die Vergabehaltung mit einfließen zu lassen.

Als Projektleiterin für diese Ausstellung weiß ich, wie wichtig es ist, zwischen Ehrenamt und Sponsoring zu unterscheiden. Beispiel: Einen hohen Kostenanteil machen die Fahrtkosten aus – ehrenamtlich fahre ich zu Kopierläden, Bürgermeistern, klebe Plakate, stelle Kontakte her usw. – doch die Fahrtkosten selbst zu tragen wäre Eigensponsoring. Vorschlag: Die Fahrtkosten mit in die zu fördernden Posten aufzunehmen.

Die Förderung durch den Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg hat hier ein sehr gutes Projekt ermöglicht. Sie hat Mut gemacht und Eigeninitiativen gestärkt. Im nächsten Jahr wird es ein zweites Ausstellungsprojekt geben.

Die Vorbereitungen haben schon begonnen.

Ute Postler
Projektleiterin

 
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Auch 2009: Musikschulen öffnen Kirchen

Interessierte Kirchengemeinden und Fördervereine können sich bis spätestens 15. Januar um ein Konzert der jungen Künstler bewerben

Die Konzertreihe "Musikschulen öffnen Kirchen" soll auch im kommenden Jahr fortgesetzt werden. Das Projekt genießt landesweit hohe Anerkennung und findet allerorts große Resonanz. Das Besondere: Hier engagieren sich junge Künstler landesweit für den Erhalt alter Kirchen.

Im Jahr 2008 standen insgesamt achtzehn Musikschulkonzerte im Land Brandenburg auf dem Programm. Allein bei den beiden Eröffnungsveranstaltungen mit der Jungen Philharmonie Brandenburg wurden mehr als 6.000 € als Erlös für die Instandsetzung der jeweils gastgebenden Kirche eingespielt.

Die Konzerte waren glanzvoller Auftakt für diese Reihe, deren Repertoire von klassischer Kammermusik in der heimeligen Dorfkirche bis zum Sinfoniekonzert in der großen Stadtkirche reichte. RBB-Kulturradio präsentierte die Konzertreihe, die mit etlichen Höhepunkten aufwarten konnte: Zum Deutschen Musikschultag spielten Kammerorchester und Chor der Kreismusikschule im Landkreis Oberspreewald-Lausitz, Kammerorchester und Chor der Kreismusikschule Märkisch-Oderland gestalteten das große Konzert zum "Tag des offenen Denkmals" in Strausberg. Das Deutsch-polnische Jugendorchester, Preisträger von "Jugend musiziert" und auch die Bigbands der Musikschulen – sie alle engagierten sich für den Erhalt ihrer Kirchen und für ein reges Musikleben in ihrer Region.

Die beiden letzten Konzerte der diesjährigen Reihe finden im Dezember statt: Am 13. spielen Musikschüler der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule Angermünde im Gutshaus Felchow zugunsten der historischen Wagnerorgel der Dorfkirche; am 21. lädt das Kammerorchester Concerto Eden zu einem Adventskonzert in die Nikolaikirche Kremmen.

Im kommenden Jahr sollen wiederum etwa fünfzehn Konzerte, möglichst über das ganze Land Brandenburg verteilt, stattfinden. Kirchengemeinden und Fördervereine, die Interesse an einem Auftritt von jungen Musikern aus ihrer Region haben, sollten sich bald, spätestens jedoch bis zum 15. Januar, um ein Konzert bewerben. Kosten entstehen den Veranstaltern nicht. Der Erlös kommt in voller Höhe der Erhaltung des jeweiligen Kirchgebäudes zugute. Sowohl der Landesverband der Musikschulen Brandenburg als auch der FAK bieten ihre Hilfe bei Organisation und Öffentlichkeitsarbeit an.

Ihre Bewerbung richten Sie bitte an:

Landesverband der Musikschulen Brandenburg e.V.
Katja Bobsin
Schiffbauergasse 4b
14467 Potsdam
Tel.: 0331 20164713
E-Mail: bobsin@lvdm.de

Für weitere Informationen können Sie sich auch an die Geschäftsstelle des Förderkreises Alte Kirchen wenden.

 
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GLIENICKE (Ostprignitz-Ruppin)

Schinkels schlanker Turmhelm kehrt zurück aufs Kirchendach

Glienicker Kapelle  
  Bald ist die kleine Kapelle wieder komplett   Dorfkirche Glienicke

Noch in diesen Adventstagen wird die kleine Glienicker Kapelle (Dorfkirche des Monats November 2008) ihre ursprüngliche Turmbekrönung zurück erhalten. Dann trägt das Zeltdach wieder die geschlossene Laterne unter ihrem Spitzhelm, so wie sie Karl Friedrich Schinkel einst geplant hatte. Das kleine Rundlingsdorf nahe Wittstock besitzt mit der schlichten achteckigen Kapelle einen funktional und ästhetisch hochwertigen Kirchenbau des bedeutendsten preußischen Architekten. Nach Jahrzehnten akuter Bauschäden wird er nun wieder in seiner ganzen Schönheit zu bewundern sein.

Als gegen Ende des 18. Jahrhunderts die alte Fachwerkkirche baufällig geworden war, klagten die Einwohner des Ortes in einem Schreiben an den Landesherren, dass sie "nur noch mit Lebensgefahr in die Kirche gehen" könnten. Es dauerte einige Jahre, bis der zuständige Bauinspektor Friedrich Buchholz aufgefordert wurde, einen Neubau zu entwerfen. Dieser Entwurf gelangte über den preußischen Dienstweg auf den Schreibtisch des Leiters der Königlichen Ober-Bau-Deputation Karl Friedrich Schinkel. Der verwarf das Projekt, fertigte eigene Zeichnungen und ordnete an, dass die neue Glienicker Kirche "den Character einer kleinen Kapelle erhält und in ihrer einfachen achteckigen Form durch ihre spitze Zusammenziehung den Thurm zugleich bildet".

Natürlich setzte sich der oberste Baumeister Preußens durch. Die Bauarbeiten dauerten – inklusive Innenausbau und Ausmalung – von 1815 bis 1817. Dabei mussten die Bauern und Tagelöhner aus Glienicke nicht nur Hand- und Spanndienste leisten, sondern zusätzlich den Maurern und Zimmerleuten Unterkunft stellen, was "ein Strohlager mit Kopfkissen" einschloss.

Glienicker Kapelle  
Gerüstet für den Neuanfang
Fotos: Büro Kannenberg

Später bereitete die Turmkonstruktion immer wieder Probleme. 1977 wurde sie schließlich abgebrochen. Ein Notdach aus Pappschindeln ließ den achteckigen Zentralbau, der im Laufe der Jahre auch seinen Außenputz fast vollständig verloren hatte, eher unscheinbar aussehen.

Hoffnung kam auf, als sich 2004 in Glienicke ein Förderverein gründete, um Bauschäden zu beheben. Relativ schnell war man sich mit der Wittstocker Architektin Bärbel Kannenberg einig, die Urfassung mit dem schlanken Schinkel´schen Turmaufsatz wiederherzustellen. Der Verein begann, Geld zu sammeln, Veranstaltungen zu organisieren, und erhielt für seine rührige Tätigkeit im vergangenen Jahr sogar den Schinkelpreis der Stadt Neuruppin.

In diesem Sommer kam die erfreuliche Nachricht, dass Fördermittel aus einem EU-Programm des zuständigen Amtes für Flurneuordnung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bewilligt seien. Co-finanziert werden die Instandsetzungsarbeiten vom Landkreis, der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin, der Kommune und der Kirchengemeinde. Insgesamt steht die vor kurzem noch unvorstellbare Summe von 265.000 € zur Verfügung.

Im Oktober wurde unter großer Anteilnahme der Einwohner Glienickes und vieler Teilnehmer aus der Umgebung das Richtfest gefeiert. Nun freut man sich auf den Tag, da mit dem Aufbringen der Turmbekrönung die äußere Gestalt wieder komplett ist. Innen aber wird noch viel zu tun sein, doch auch dazu reichen die Fördermittel. Die Kirche von Glienicke wird dann für den Besucher wieder so zu erleben sein, wie Karl Friedrich Schinkel sie für das Dorf entworfen hatte.

Bernd Janowski

Weitere Informationen:

Förderverein "Dorfkirche Glienicke"
Ingrid Blüschke
Tel.: 03394 443652

 
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Dorfkirche Vichel  

Der Abriss stand bevor...

Viele Jahre lang hatten die Vicheler um ihre kriegsbeschädigte Dorfkirche mit den damals möglichen Notreparaturen gekämpft. Als sie in den 90er Jahren endlich neue Fenster einbauen konnten, war das der "Todesstoß": Der Schwamm machte sich schnell im ganzen Gebäude breit. Nach Besichtigung durch das Bauamt der Landeskirche hieß es: Nur noch Abriss möglich; Preisangebote sind einzuholen. Das löste auch bei den letzten Vichelern Alarm aus. "Unsere Kirche soll im Dorf bleiben" plakatierten sie trotzig weithin sichtbar an der Außenwand. Mit ihnen solidarisierte sich der Gemeindekirchenrat Manker/Temnitztal und stellte alle Bauerhaltungsmittel zur Verfügung.

... jetzt wurde die Wiederauferstehung gefeiert.


VICHEL (Ostprignitz-Ruppin)

Trotzreaktion – mit viel Engagement gegen Mutlosigkeit und Schwamm

Als erstes ließ die Kirchengemeinde ein Stützgerüst für die Sicherung des Daches einbauen. Dann ging es Schlag auf Schlag – Januar 2007: Gründung des Fördervereins Vicheler Dorfkirche e. V.; Februar 2007: positives Votum des Gemeindekirchenrates der Kirchengemeinde Manker/Temnitztal für den Erhalt der Vicheler Kirche, verbunden mit dem Einsatz von 140.000 € aus den Bauerhaltungsmitteln der Kirchengemeinde der nächsten Jahre; Juni 2007: die Vicheler Kirche wird zur "Dorfkirche des Monats" September 2007; der Förderverein wird mit dem FAK-Förderpreis "Startkapital 2007" ausgezeichnet; Februar 2008: für sein Projekt "Kirchenagentur Ruppiner Land" erhält der Verein den Zuschlag im Rahmen des Projektes "Kunst und Kultur in brandenburgischen Dorfkirchen".

  Schwammschäden
  Bedrohlich:Schwammschäden

Im März 2008 ging es dann auch mit dem ersten Sanierungsabschnitt los. Orgelbaumeister Stegmüller aus Michendorf baute zunächst mit freiwilligen Helfern aus Vichel den Orgelprospekt ab. Erst dann konnte die eigentliche Sanierung beginnen: Abbau des Daches und Untersuchung des tatsächlichen Schwammbefalls, Austausch der befallenen Bauteile, Rückbau von sporenbefallenem Mauerwerk, Entfernung von Innenputz zur Feststellung der Eindringtiefe der Sporen und vieles mehr. Der Förderverein war immer dabei und koordinierte die Tätigkeiten vor Ort – bis zu zehn Handwerker arbeiteten gleichzeitig, zeitweise unterstützt von zwei Praktikanten und weiteren ehrenamtlichen Helfern aus dem Dorf.

 Kirche VichelTheater  
LEBENDIG ist es wieder geworden in der Dorfkirche. Sie lädt zu Gottesdiensten ebenso ein wie zu kulturellen Angeboten
Fotos: Autor

Während der Sanierungsarbeiten beschlossen der Förderverein und der Kulturverein Temnitztal, der schon früher für die Kirche sammelte, die der Kirchengemeinde fehlenden 16.000 € für den Bau und die farblichen Gestaltung der Unterdecke sowie eine Farbbefunderhebung zunächst zur Verfügung zu stellen, um Kosten für einen Zweitaufbau des Innengerüsts zu sparen. 10.000 € waren vorhanden, für die restlichen 6.000 Euro gaben vier Vereinsmitglieder Privatdarlehen.

So wurde im September auch die Unterdecke fertiggestellt, von ehrenamtlichen Helfern aus dem Dorf entsprechend den Vorgaben der selbstfinanzierten Farbbefunderhebung gestaltet. Bemerkenswert: Kein Euro Fördermittel wurde bisher in Anspruch genommen – alle Mittel kamen von der Kirchengemeinde und vom Förderverein. Durch dieses sehr intensive Arbeitsprogramm – hunderte Arbeitsstunden allein durch ehrenamtliche Helfer - gelang es, was kaum für möglich gehalten wurde: Anfang Oktober konnte die Gemeinde wieder in ihre Kirche einziehen. Alle waren beim Dorffest dabei. Junge Leute aus dem Haus für betreutes Wohnen führten nach dem Festgottesdienst einen Reigen vor, ein bunter Basar war vorbereitet worden, der Verein "Theater in der Kirche" lud zur Vorstellung und mehrere hundert Besucher staunten an diesem Tag über die Tatkraft und Kreativität der Vicheler.

Das Dorf hat seinen Mittelpunkt wieder zum Leben erweckt – aber es gibt noch viel zu tun. Also tun wir`s!

Peter Masloch
www.foerderverein-vicheler-dorfkirche.de

Spendenkonto:
Förderkreis Alte Kirchen
Kto.-Nr.: 5 199 767 005
BLZ: 100 900 00 (Berliner Volksbank)
Kennwort: Vichel

 
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Bagemühl (Uckermark)

Erster Erfolg:
Unter sicherem Dach wachsen neue Hoffnungen

Es ist untertrieben, wenn gesagt wird, zur Wiedereinweihung der Bagemühler Kirche sei das ganze Dorf zusammengelaufen – es kamen mehr, als der kleine Ort im äußersten Nordosten der Uckermark Einwohner zählt. Nach mehr als sechs Jahren konnten sie erstmals wieder das Gotteshaus betreten, das wegen Einsturzgefahr so lange gesperrt war und nun durch den Einsatz vieler Helfer erst einmal gerettet ist. Ein weiteres Hoffnungszeichen: Am Abendmahl im Festgottesdienst nahm auch ein Ehepaar aus Bagemühl teil, das damit seinen Wiedereintritt in die Kirche vollzog – Kirchenbau baut Gemeinde.

Das Dorf, 1433 als "Bagemyle" erstmals erwähnt, hat schon eine lange Geschichte. Von der mittelalterlichen Granitquaderkirche aber sind nur noch Reste der Umfassungsmauern erhalten. 1873/1877 wurde ein wesentlich größerer neugotischer Feldsteinsaal mit polygonaler Apsis aus Backstein errichtet. Auch die einfach gehaltene Ausstattung – Altar, Kanzel und Taufe – zeigt die neugotischen Formen der Bauzeit.

Bagemuehl, alt
EIN GROSSES FEST für den ganzen Ort:
Die Dorfkirche ist gerettet. Zimmermeister Horst Ritzki und Pfarrer Matthias Tuve bei der Wiedereinweihung.
Fotos: Janowski/Kirchengemeinde
BagemuehlRT
 

1982 musste das Dach dringend saniert werden. Es wurde mit Betonsteinen neu eingedeckt, eine umfassende Instandsetzung des Dachstuhls jedoch war zu dieser Zeit nicht möglich. Hausschwamm hatte sich großflächig eingenistet. Undichte Stellen im Dach führten schließlich zu so massiven Bauschäden, dass die Kirche 2002 gesperrt werden musste.

Bei der vor zwei Jahren begonnenen Sanierung bewährte sich eine gut koordinierte Gemeinschaftsaktion: Hauptauftragnehmer war die Zimmerei Horst Ritzki aus Wilsickow, Maurer– und Malerarbeiten übernahm die Denkmalpflege-GmbH Prenzlau, um die Fenster kümmerte sich die Prenzlauer Glaserei Jens Horlitz. Die Potsdamer Architektin Sibylle Stich begleitete die Arbeiten, in die auch die Untere Denkmalschutzbehörde des Kreises und das Kirchliche Bauamt einbezogen waren. Mehr als 150.000 € sind für die Wiederherstellung der Kirche aufgebracht worden. Neben zahlreichen weiteren Geldgebern beteiligte sich auch der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg mit insgesamt 4.500 € an den Sicherungsmaßnahmen. Und fast jeder Bagemühler hatte sein Scherflein beigetragen.

Mit der Reparatur des Daches ist die akute Gefahr erst einmal gebannt, aber um die Kirche endgültig zu sichern, sind weitere Bauabschnitte dringend nötig. Ein restauratorisches Gutachten zur farblichen Gestaltung wurde bereits in Auftrag gegeben. Durch eine Zuwendung der Sparkasse Uckermark war es möglich, eines der fünf farbigen Apsisfenster zu restaurieren, die um 1900 entstanden; für die weiteren vier Fenster werden noch Spender gesucht. Vielleicht wird auch die ausgelagerte Orgel, 1877 vom Stettiner Orgelbauer Barnim Grünewald für die Bagemühler Kirche geschaffen, einmal zurückkehren. Vor einigen Jahren war sie als Leihgabe an das Baltische Orgel Centrum Stralsund gegeben worden, wo sie gereinigt und um fehlende Prospektpfeifen ergänzt wurde.

"Diese Wiedereinweihung ist eine Einweihung auf dem Wege", hatte Pfarrer Matthias Tuve gesagt. Mögen die nächsten Schritte ebenso erfolgreich sein.

Eva Gonda/Bernd Janowski

 
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EBERSWALDE-FINOW (Barnim)

Eine originale Laubhütte wiederentdeckt

Ein Kleinod der besonderen Art fand jetzt im Torhaus der Finower Messingwerk-Siedlung eine neue Heimstatt: eine völlig erhaltene "Sukka", in der jüdische Mitbürger das Laubhüttenfest feierten. Einst befand sie sich auf dem Balkon einer Fabrikantenvilla. An den Kosten für die Umsetzung und die Restaurierung hatte sich der FAK mit 3.000 € beteiligt. Denkmalgerecht saniert, bezeugt sie nun einstige jüdische Traditionen in der Region.

EberswaldeLaubhuette 
Foto: Andrea von Fournier

Die Laubhütte mit Schieferdeckung und zu öffnendem Metalldach war vor zwei Jahren bei Renovierungsarbeiten in der Messingwerksiedlung entdeckt worden. Vermutlich in den frühen zwanziger Jahren errichtet, diente sie der jüdischen Fabrikanten-Familie Hirsch und ihren Gästen als Ort für die alljährliche Feier des Laubhüttenfestes, eines mehrtägigen Festes in Erinnerung an den Auszug aus Ägypten. Erstaunlicherweise hatte sie sowohl die Zeit des Nationalsozialismus als auch vierzig Jahre DDR nahezu unbeschadet überstanden. Sogar die Innenausmalung mit Davidstern und Gottesauge war gut erhalten.

Joseph und Gustav Hirsch hatten 1863 das Messingwerk im heutigen Finow gegründet. In der Folge entwickelte sich das Dorf Messingwerk, in dem viele orthodoxe Juden lebten. Und Spuren jüdischen Lebens gibt es dort noch heute: das Mosaik und die Bleiverglasung im Torbogenhaus, der Fries an der Hirsch-Villa; im Hüttenamt befand sich die Synagoge. Aus Fichtenzweigen wurden jahrhundertelang auch Laubhütten in der Region gebaut.

Arnold Kuchenbecker, der Vorsitzende des Fördervereins für den Finower Wasserturm und sein Umfeld, hatte sich besonders für den Erhalt der massiven Laubhütte engagiert. Bis zur Umsetzung ins Torhaus wurde sie zunächst zwischengelagert und saniert: das Klappdach aus Blech konnte durch das wiederaufgefundene Originaldach ersetzt werden, fehlende Schindeln wurden ergänzt, der Messingleuchter ist restauriert worden. Demnächst sollen auch die Gesimsmalereien im Innern der Sukka erneuert und eine kleine Ausstellung gestaltet werden.

Besichtigungen
nach Voranmeldung über Arnold Kuchenbecker
Tel.: 03334 34509
E-Mail: brigittekuchenbecker@gmx.de

 
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Weitere Berichte aus Brandenburg

LÜBNITZ (Potsdam-Mittelmark)

Umfassende Sanierung abgeschlossen

Mit einem Gottesdienst, einem fröhlichen Beisammensein bei Kaffee und Kuchen und einem festlichen Konzert wurde der Abschluss der Instandsetzungsarbeiten an der Dorfkirche gefeiert. In zwei Bauabschnitten waren 2007 und 2008 der Turm sowie Dachkonstruktion und Dachdeckung des Kirchenschiffes umfassend saniert worden.

Möglich wurden die umfangreichen Arbeiten hauptsächlich durch großes privates Engagement und durch die Arbeit des Freundeskreises der Lübnitzer Kirche unter der Leitung eines der Nachfahren der ehemaligen Patronatsfamilie.

Neben der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Stiftung KiBa beteiligte sich auch der Förderkreis alte Kirchen Berlin-Brandenburg an der Finanzierung des ersten Bauabschnittes.

HERZFELDE (Uckermark)

Renaissance-Altar nun komplett restauriert

Die Restaurierungsarbeiten am Renaissance-Altar der Dorfkirche sind abgeschlossen. Nachdem in den 90er Jahren bereits das Kirchengebäude instand gesetzt worden war, konnte nun auch das wichtigste Ausstattungsstück vor dem Verfall bewahrt werden.

Der dreigeschossige Altaraufsatz vom Anfang des 17. Jahrhunderts stammt aus einer Prenzlauer Werkstatt, aus deren Schaffen etwa zwanzig Arbeiten erhalten geblieben sind.

Der Erlös eines Benefizkonzerts, das der FAK im Rahmen einer Busexkursion besuchte, kommt der Restaurierung der historischen Orgel zugute.

 
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Brandenburgischer Denkmalpflegepreis 2008

Rettung der Strehlower Kirche gewürdigt

Für die Rettung und den Wiederaufbau der Strehlower Dorfkirche (Uckermark) wurde die Agrargesellschaft Potzlow mit dem Brandenburgischen Denkmalpflegepreis 2008 ausgezeichnet.

Nach Kriegsbeschädigungen und der anschließenden Plünderung des Gebäudes zur Gewinnung von Baumaterial blieben vom Kirchenschiff nur die Umfassungsmauern erhalten. Der holzverkleidete Turm drohte wegen massiver Bauschäden auf den Kirchhof zu stürzen.

2005 übernahm die Agrargesellschaft Potzlow die Feldsteinkirche in ihr Eigentum und begann mit der umfassenden Sanierung, die im Sommer 2004 abgeschlossen werden konnte. Seitdem finden in der Kirche zahlreiche private wie öffentliche Veranstaltungen, aber auch wieder Gottesdienste statt.

Der Förderkreis Alte Kirchen initiierte bereits 2003 ein Sanierungsgutachten und beteiligte sich finanziell an den Bauarbeiten zur Wiederherstellung der Kirche.

 
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Fragen und Gedanken nach dem 26. Evangelischen Kirchbautag

Haben wir zu wenig Mut?

Alle drei Jahre treffen sich Architekten, Theologen, bildende Künstler und andere am evangelischen Kirchbau Interessierte, um Bilanz zu ziehen, aber auch um Orientierung zu geben in Bezug auf die Gestaltung und Nutzung von Kirchenräumen. Der 26. Evangelische Kirchbautag fand im Oktober in Dortmund statt und stand unter dem vielsagenden Thema: "Transformationen - Übergänge gestalten."

In soziologischer Lesart bezeichnet der Begriff Transformation ganz allgemein einen Umwandlungsprozess. Und gravierende Prozesse der Umwandlung finden zur Zeit sowohl in Dortmund und dem angrenzenden Ruhrgebiet, als auch – vor einem völlig anderen Hintergrund – im ländlichen Brandenburg statt. Deshalb durfte man auf das Programm der Veranstaltung durchaus neugierig sein.

Voraussetzung des Kirchenbaus ist die jeweilige Liturgie und vor allem natürlich der Zustand der Religion in der Gesellschaft. Der Baukörper hat sozusagen Verkündigungsfunktion. Mit Blick auf die aktuelle Situation der Kirchen konstatierte die Kunstbeauftragte der EKD, Petra Bahr, im Eröffnungsvortrag einen "gravierenden Analphabetismus in Sachen Religion" und fragte besorgt: "Wie lange kann abendländische Kunst noch entziffert werden?" Zwar sei ein wachsendes Interesse an Religion und Kirchengebäuden festzustellen, es sei aber abzuwarten, ob es sich dabei nicht nur um eine "melancholische Abschiedsgeste" handle.

Den praktischen, "transformativen" Umgang mit Kirchengebäuden konnten die Teilnehmer im Rahmen von Exkursionen kennen lernen. In Winz-Baak, einem Stadtteil von Hattingen, präsentierte der Gemeindepfarrer stolz das kürzlich umgebaute Gemeindezentrum aus den 60er Jahren. Für die Gemeinde sei hier "ein völlig neuer Erlebnisraum" geschaffen worden. Abschließend wurde selbstbewusst verkündet: "Der Umbau hat sieben mal so viel gekostet wie geplant (insgesamt 600.000 €), aber wir wollten nur das Beste."

Anders sieht es im nicht weit entfernten Dortmund-Dorstfeld aus. Hier hat die kürzlich aus einst drei Gemeinden fusionierte Elias-Kirchengemeinde Probleme mit einem zu hohen Gebäudebestand. Zugunsten eines funktionalen und zentral gelegenen modernen Gemeindezentrums soll die 1904 von dem Architekten Arno Eugen Fritsche geschaffene imposante Backsteinkirche aufgegeben werden. Zwar ist das Gebäude baulich in sehr gutem Zustand, langfristig jedoch soll es den Etat der 11.000 Mitglieder umfassenden Kirchengemeinde nicht mehr belasten. Im Gespräch ist unter anderem ein "Gasthaus mit Glockenturm". Die Diskussion der Besucher des Kirchbautages in Dorstfeld drehte sich seltsamerweise vor allem um architektonische Details: Können die Seitenschiffe für eine gastronomische Nutzung abgetrennt werden? Sind im separierten Altarraum weiterhin Gottesdienste möglich? Muss die Kanzel entfernt werden? Die Frage nach der tatsächlichen Notwendigkeit der Aufgabe des einzigen historischen Kirchengebäudes in einem Stadtteil, dem durchaus positive Entwicklungschancen zugestanden werden, wurde kaum gestellt und von Pfarrer und Presbytern schnell wegdiskutiert.

Dem Besucher aus Brandenburg drängte sich in der Dorstfelder Kirche – wie auch zu anderen Gelegenheiten im Laufe des Kirchbautages – die Frage auf, ob hier nicht Selbstmord aus Angst vor dem Tod begangen wird. Zum Glück stellt sich die Frage der endgültigen Aufgabe von Kirchen im finanziell sicher nicht besser gestellten Flächenland Brandenburg mit seinen zum Teil recht kleinen Gemeinden bisher (!) nicht in derselben Schärfe wie in etlichen (west)deutschen Großstädten.

Der Stuttgarter Architekt Arno Lederer stellte in seinem Vortrag fest: "Wenn Kirchen aus dem Stadtbild verschwinden, verschwindet auch der Glaube." Es ist eine gute Tradition der Evangelischen Kirchbautage, gemeinsame Schlusserklärungen zu veröffentlichen. In diesem Jahr wurden die "Dortmunder Denkanstöße" verabschiedet. Sie enden mit der Feststellung: "Wir haben nicht zu viele Kirchen, wir haben zu wenig Ideen." Eine Teilnehmerin schlug vor, den letzten Teil des Satzes um den Passus zu erweitern: "Wir haben zu wenig Mut." Der Änderungsvorschlag wurde als zu negativ abgelehnt. Eigentlich schade!

Bernd Janowski

 
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KURZ NOTIERT

Preise für innovative Nutzungserweiterung

Erstmals vergab die Stiftung KiBa Preise für innovative Modelle der Nutzungserweiterung von Kirchengebäuden.

Mit dem ersten Preis (2.000 € und eine Förderung von bis zu 25.000 €) zeichnete die KiBa ein Konzept der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Steffenshagen (Mecklenburg) und des Architekturbüros Johannsen und Partner (Hamburg) aus. Geplant ist dort, wichtige Funktionsräume der Gemeinde, wie das Sprechzimmer des Pfarrers oder die Gemeindeküche, unter das Dach der Hallenkirche (13. Jahrhundert) zu bringen.

Ein Preisgeld von 1.500 € und eine Förderung bis zu 15.000 € erhielten die Evangelisch-Lutherische Neustädter Kirchengemeinde im niedersächsischen Einbeck gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Siebert (Holzminden). Mit dem zweiten Preis werden sie für das Vorhaben ausgezeichnet, die aus den sechziger Jahren stammende Neustädter Kirche St. Marien zu einer Jugend- und Kulturkirche umzubauen.

Der dritte Preis (1.000 € und eine Förderung bis zu 10.000 €) ging an die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde St. Markus und das Architekturbüro Eberhard Wimmer in München. Das Kirchgebäude soll so umgebaut werden, dass sich die Gemeinde durch ein kirchlich reflektiertes Kulturangebot noch stärker als Universitäts- und Kulturkirche profilieren kann.

Die Evangelische St.-Reinoldi-Gemeinde und das Architekturbüro Schulte-Ladbeck in Dortmund erhielten den Ehrenpreis für einen vor zwei Jahren realisierten Anbau eines gläsernen Informationszentrums an die romanische Basilika.


Offene Kirchen suchen noch Vertriebshelfer

Um allen Freunden der brandenburgischen Kirchenlandschaft wieder Information, Inspiration und Orientierung zu geben, erscheint Anfang April 2009 unsere traditionelle Publikation "Offene Kirchen". Doch bevor es soweit ist, liegt noch ein ganzes Stück Arbeit vor uns. Zu der redaktionellen gesellt sich die organisatorische. So muss auch 2009 die Verteilung der mehr als 10.000 Exemplare an ungefähr 500 Adressen koordiniert werden.

Wir haben uns im vergangenen Jahr entschieden, weiterhin das Vereinsbüro in der Großen Hamburger Straße zu nutzen. Damit bleibt die Frage nach einem kurzzeitig im April zu nutzenden Lagerraum bestehen, von dem nach der Auslieferung aus der Druckerei die ehrenamtlichen Helfer unkompliziert und mit dem Auto ihre "Pakete" übernehmen können.

Für Ideen und Hinweise nach einem möglichst im Stadtzentrum von Berlin gelegenen Raum sind wir sehr dankbar. Ebenso gesucht werden weitere ehrenamtliche Helfer – vor allem aus dem Umland – , die sich an der Auslieferung beteiligen. So ließe sich der Arbeitsaufwand der treuen Vertriebshelfer auf mehr Schultern verteilen.

Fahrkosten können wir in bescheidenem Umfang (10 Cent pro Fahrkilometer) erstatten.

Bitte zögern Sie nicht, sich bei eventuellen Fragen, Vorschlägen oder Hilfsangeboten zu melden bei:

Jörg Becken
Tel: 030 2921398/ 0151 10454567/ Mail: joergbecken@t-online.de

oder:
Anne Nentwich
Tel: 030 39881101

 
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BÜCHERSEITE

Backsteinkirchen als Spiegel des Zeitgeists

Gotischen Backsteinkirchen an der Ostseeküste ist ein Buch gewidmet, das im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsprojektes entstand. Im Blick sind die Kirchen in Lübeck, Kiel, Wismar, Stralsund, Stettin, Danzig und Königsberg.

Symbolkirchen an der Ostsee – sie sind von See her weit über das Land hin sichtbare Symbole ihrer Hansestädte. Sie wurden in gotischem Stil und rotem Backstein errichtet, zerstört, wieder aufgebaut, umgenutzt, wieder zerstört und wieder aufgebaut. So sind sie Baustellen aller Jahrhunderte und Spiegel des Zeitgeistes. In ihnen wurden – und werden – Heilige verehrt und Siegerfahnen gehisst. Die Kirchen waren katholisch, wurden evangelisch, dann wieder teils polnisch-katholisch, teils zum Museum mit russisch-ortho-doxer oder lutherischer Kapelle. In ihren Räumen wurde lateinisch, polnisch, deutsch, schwedisch, französisch und russisch gebetet und geflucht. Sie sind Symbole der Herrschenden, aber auch Fluchtburgen für die Vertriebenen.

In zwanzig bebilderten Essays gehen die Autoren der Frage nach, ob diese Kirchen Brücken oder Grenzsteine im zusammenwachsenden Europa sein können.

Wolfgang Grünberg (Hg.): Wie roter Bernstein.
Backsteinkirchen von Kiel bis Kaliningrad. Ihre Kraft in Zeiten religiöser und politischer Umbrüche.
München und Hamburg 2008
ISBN 978-3-937904-71-9
39,80 €

 

Lutherisches Bildprogramm auf brandenburgischen Emporen

Zur Eröffnung der Lutherdekade ist ein umfassendes Buch erschienen, das die biblische Botschaft auf aktuelle Weise zum Sprechen bringt. Denn führt die Orgel zum Gemeindegesang, so führen theologische Bildzyklen zur vertieften Bibelkenntnis. Als nach der Reformation das öffentliche Schulwesen aufgebaut wurde, sollten die Gottesdienstbesucher in den lutherischen Kirchen gebildet werden; unter anderem durch "visuelle Unterstützung".

Wir brauchen heute nicht einmal nach Brandenburg zu fahren, um die Hälse nach den Malereien an den Emporenfeldern zu recken, da sich auf dem heimischen Computer die emblematischen Zyklen aus dem Zeitraum von 1577 bis 1782 mit ihrer eindringlichen Bildersprache Schritt für Schritt erschließen lassen; eine DVD ist dem Buch beigelegt.

Bei fremdsprachigen Filmen oder Opern ist es üblich, dass sie mit dem Übersetzungstext unterlegt werden. Vergleichbar ist es mit den fortlaufenden Gemälden auf den Brüstungen der Emporen, die einst didaktisch noch raffinierter als heutige Filme gestaltet wurden: Detailgetreu erkennen wir das Bildthema, die Bibelstelle, Bildüber- und Unterschriften und in einigen Kirchen sogar die Kommentare. Natürlich waren manche der dargestellten Themen wie Schöpfung und Dekalog einem zeitbedingten Wandel unterzogen, obwohl der Katechismus derselbe blieb. Nimmt der neugierig gewordene Betrachter das Buch zur Hand, liest er über die Quellengeschichte und den frömmigkeitsgeschichtlichen Hintergrund. In systematisch angelegten Tabellen kann er die Bildprogramme der nachreformatorischen Zeit Schritt für Schritt entschlüsseln.

Gründlich informiert tritt der Kundige nun die Fahrt nach Brandenburg an, motiviert durch den Autor Ulrich Schöntube. Er ist der Leiter der Gossner Mission und promovierte mit diesem wissenschaftlichen Werk an der Theologischen Fakultät der Humboldt Universität zu Berlin.

Schöntube zielt darauf, die Bilderzyklen zum Sprechen zu bringen, damit die Be-trachter Lehren für praktisches Handeln im Alltag ziehen. Brandenburgische Kirchen sind ein Ort des Lernens: gut lutherisch im 16.-18. Jahrhundert und ebenso im 21. Jahrhundert.

Kara Huber

Ulrich Schöntube: Emporenbilderzyklen in der Mark Brandenburg
Ein Beitrag zum lutherischen Bildprogramm des 16.-18. Jahrhunderts
Beigefügt: DVD
Verlag Peter Lang 2008
ISBN: 978-3-631-56861-3
59,90 €

 

Was mit dem Bergbau verloren ging

Nachdem die letzten Einwohner Hornos das Dorf verlassen hatten, wurde der Ort 2003/04 komplett abgebrochen. Das Dorf musste dem Braunkohlentagebau Jänschwalde weichen. Zuvor war der anhaltende, letztlich vergebliche Widerstand der Hornoer ständiges Thema in den Medien. Die meisten Einwohner wurden in einen neu geschaffenen Ortsteil der Stadt Forst umgesiedelt. Hier entstand auch eine Kirche, deren äußere Proportionen und Maße mit dem alten Hornoer Gotteshaus identisch sind; der Turm ist ein Kopiebau. Auch die Innenausstattung wurde weitgehend bewahrt.

Im Dachgeschoss der Kirche von Neu-Horno wurde ein Informations- und Begegnungszentrum eingerichtet. Eine Ausstellung dokumentiert die Verluste an Kirchen und Kirchengut ebenso wie die geschichtlichen Prozesse im Zusammenhang mit dem Bergbau in der Ober- und Niederlausitz. Als Begleitpublikation ist ein beeindruckendes Büchlein erschienen.

Marion Quitz (Red.): Verlorene Heimat.
Der Bergbau und seine Auswirkungen auf Kirchen und Kirchengemeinden der Ober- und Niederlausitz.
ISBN 3-935826-88-5.

 

Umnutzung oder Nutzungserweiterung?

Plädoyers für und wider in zwei bemerkenswerten Neuerscheinungen

"Dieser Ort sei geheiligt für immer und dieser Tisch auf ewig geweiht." Mit diesem Bischofswort wird jedes katholische Kirchengebäude geweiht. Trotzdem ist es gerade die katholische Kirche, die angesichts sinkender Finanzmittel und Rückgang der Zahl der Gläubigen in großem Maße Kirchen schließt. Allein im Bistum Essen wurden auf Anweisung des Bischofs in den letzten vier Jahren 96 Kirchen für ewig dichtgemacht. Doch auch evangelische Kirchen sind betroffen. Hier trifft es zumeist die ungeliebten "Betonkirchen" der sechziger und siebziger Jahre, die in einer Zeit des grenzenlosen Optimismus dutzendweise in größeren Städten entstanden. Und auch der eine oder andere historische Kirchenbau steht inzwischen zur Disposition. Das Problem insgesamt ist längst in den Medien angekommen, Tagungen und Publikationen zum Thema gibt es reichlich.

LindenhagenStampflehm  
MIT MUT zum Ungewöhnlichen:
Die Kirche von Lindenhagen (Uckermark) öffnete ihre Tür für eine interessante Aktion Stampflehm in der Kirche
Foto: Jörg Wappler
 

In einem von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz herausgegebenen Buch unternimmt Rainer Fisch eine "kritische Bestandsaufnahme" der bereits erfolgten Umnutzung von Kirchengebäuden. Dabei stellt er zwanzig Beispiele aus beiden Konfessionen und allen Regionen Deutschlands vor, lässt Theologen, Denkmalpfleger, Architekten und neue Nutzer zu Wort kommen.

Der Autor macht interessanterweise weniger Finanzdefizite und Mitgliederschwund für die Aufgabe von Kirchen verantwortlich, als mangelnde "Auslastung". Nur etwa vier Prozent der Protestanten besuchen im Durchschnitt den sonntäglichen Gottesdienst. Im Zusammenhang damit überlegt er, "ob das wirkliche Problem zu viele Kirchengebäude oder ein mangelndes Angebot an die Menschen" ist. Das Resümee von Rainer Fisch fällt eher zurückhaltend aus – sowohl was die architektonische Umsetzung als auch was die Akzeptanz in der breiten Bevölkerung betrifft. Er warnt vor kurzfristigem Aktionismus im Umgang mit den Kirchengebäuden und stellt die Frage nach der "Sinnhaftigkeit von Umnutzungs-, Teil-umnutzungs- und Nutzungserweiterungsprojekten in Form von baulichen Maßnahmen."

Über einen behutsameren Umgang mit Kirchen dachten die Teilnehmer einer Tagung in Weimar im Februar nach; die umfangreiche Dokumentation dieser Veranstaltung ist gerade erschienen. Drei Tage lang wurde in Weimar über die erweiterte Nutzung von Kirchen diskutiert. Im Unterschied zur radikalen Umnutzung bleibt die Funktion des Gebäudes als Ort des Gottesdienstes erhalten. Zusätzlich öffnet die Gemeinde die Kirchentüren für Konzerte, Ausstellungen und ähnliche Veranstaltungen. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung mit positivem Ergebnis ist hierbei nicht möglich, aber es gelingt, über die Kerngemeinde hinaus Menschen für den Erhalt "ihrer" Kirche zu motivieren. Der Leiter des kirchlichen Bauamtes der EKBO, Matthias Hoffmann-Tauschwitz, spricht in seinem Beitrag von einer "Einladung zum lebendigen Gebrauch von Kirchengebäuden."

Der Philosoph Hegel sah den eigentlichen Charakter der Gotteshäuser darin, "über jeden bestimmten Zweck fortzugehen und als in sich abgeschlossen für sich selber dazusein". In unserer von Rentabilitätsdenken geprägten Zeit ist eine derartige Zweckfreiheit anscheinend nur schwer zu akzeptieren. Die Weimarer Tagung empfahl die Einrichtung einer "Werkstatt auf Zeit" als Anlauf-, Informations- und Beratungsstelle, um Kirchengebäuden auch langfristig eine Zukunft zu sichern. Zu wünschen wären außerdem Geduld und Augenmaß. Die erfolgreiche Tätigkeit der zahlreichen Fördervereine in Brandenburg zeigt, dass es gelingen kann, mit Kreativität und vergleichsweise bescheidenen Mitteln die Kirche im Dorf zu lassen.

Robert Hacker

Rainer Fisch: Umnutzung von Kirchengebäuden in Deutschland.
Eine kritische Bestandsaufnahme.
Bonn 2008
ISBN 978-3-936942-95-8;
24,50 €.

Manfred Keller, Kerstin Vogel (Hg.):
Erweiterte Nutzung von Kirchen – Modell mit Zukunft.
Berlin 2008
ISBN 978-3-8258-1389-5
24,90 €.

 
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LESERBRIEF

Bilder, Bücher und Dokumente lassen Heimatgeschichte lebendig werden

Aus Neuenhagen bei Berlin erreichte uns eine Zuschrift, die Anregung sein kann für ähnliche Projekte in anderen Gemeinden. Hier wurde ein nicht mehr genutzter Friedhofsbau in ein Geschichtskabinett umfunktioniert, das vielfältigen Einblick in die örtliche Vergangenheit bietet.
Der Neuenhagener Geschichtskreis bedankt sich für die Unterstützung, die er bei den Arbeiten für dieses Projekt von vielen Seiten erfahren hat:

Ein Mausoleum in Neuenhagen? Ja. Das gibt es. Vor 110 Jahren hat sich die Rittergutsfamilie Kelch als Erbbegräbnisstätte im damalige Bollensdorf (heute ein Ortsteil von Neuenhagen bei Berlin) ein Mausoleum als roten Backsteinbau mit imposanter Fassade errichtet. Es steht auf dem ehemaligen Kirchhof nahe der Bollensdorfer Dorfkirche (jetzt Kirche Neuenhagen-Süd der vereinigten "Evangelischen Verheißungskirchengemeinde Neuenhagen-Dahlwitz").

In den vergangenen Jahrzehnten diente das ansehnliche Gebäude als Kirchenbüro. Jetzt konnte das Mausoleum saniert und zum Geschichtskabinett mit zwei Nebenräumen umgebaut werden.

Das wäre ohne die entgegenkommende Hilfe des Integrations- und Förderzentrums Brandenburg, Standort Neuenhagen, des Internationalen Bundes (freier Träger für Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit) mit seinen Lehrlingen und Lehrmeistern in Neuenhagen so nicht möglich gewesen. Dankbar hervorzuheben sind unsere Sponsoren wie der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, die Sparkasse Märkisch-Oderland, der Wasserverband Strausberg-Erkner, der E-On.Edis Regionalbereich Barnim Spree und nicht zuletzt auch Einzelpersonen, deren Spenden wesentlich zum Gelingen des Vorhabens beigetragen haben. Erwähnt werden sollen schließlich die Mitglieder des Geschichtskreises unserer Gemeinde, die das Gebäude künftig als Geschichtskabinett im Kelch-Mausoleum mit Inhalt und Leben erfüllen und es der interessierten Öffentlichkeit präsentieren werden.

Die feierliche Eröffnung fand Anfang September unter großer Anteilnahme der Einwohner von Neuenhagen und zahlreicher Gäste in der vollbesetzten Kirche statt. Die Wittig-Orgel und der Kirchenchor sorgten für festliche Stimmung.

Anschließend konnte die pünktlich zum Eröffnungstag fertiggestellte Erstausstellung im Geschichtskabinett besichtigt werden. Sie zeigt die über zweijährigen Bemühungen des Neuenhagener Geschichtskreises, die gesammelten Dokumente, rund 50 Karten, Pläne und Bilder zu präsentieren und sie der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Vieles davon wird auch digitalisiert aufbewahrt und kann am Bildschirm abgerufen werden. Auch Videos können mittlerweile angesehen werden. Darüber hinaus wurden zehn Ausstellungstafeln zu speziellen Themen entworfen, gestaltet und aufgehängt. Auch die verwendeten Arbeitsmaterialien der acht Mitglieder des Geschichtskreises sind – in Heftern zusammengefasst – ausgelegt. Schließlich hat der Geschichtskreis wichtige Bücher angeschafft und stellt sie in einer kleinen Handbibliothek zum Nachschlagen bereit.

So ist das Geschichtskabinett dabei, ein Schauraum, ein Lesezimmer und eine Begegnungsstätte zu werden. Es ist donnerstags von 10:00 bis 12:00 Uhr bzw. nach telefonischer Vereinbarung für jeden Interessierten geöffnet.

Kirche und Geschichtskabinett luden erstmals am diesjährigen Tag des offenen Denkmals im September zu einem Besuch ein. Auch an diesem Tag haben weit über hundert Interessierte dieses erste Angebot genutzt.

Über den Zuspruch freuen sich die Mitglieder des Geschichtskreises sehr und deuten ihn als Ermutigung, auf diesem Wege weiter zu wirken.

Unsere Kirchengemeinde beteiligt sich von jetzt ab auch an der Initiative "Offene Kirchen" des Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, innerhalb derer auch das Geschichtskabinett besucht werden kann.

Dr. Martin Grabow

 
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Wir begrüßen neue Mitglieder

Seit November 2007 konnte der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg als neue Mitglieder begrüßen:

31 persönliche Mitglieder:

Ernst Arnold, Berlin; Günter Baude, Berlin; Dieter Bergmann, Berlin; Friederike Brehme, Berlin; Herwart Brockmann, Verl; Brunhild de Bruyn, Berlin; Wulf Eckermann, Potsdam; Dekan i. R. Hansjörg Ehrke, Berlin; Irene Freifrau von Gall, Berlin; Ursula Gütz, Berlin; Gerda Hütwohl, Berlin; Frank Kahl, Berlin; Gabriele Killus, Gelnhausen; Ingrid Klasen, Berlin; Michael Korn, Kleinmachnow; Michael Kreutzer, Potsdam; Ina Kroll, Berlin; Carsten Lange, Wandlitz; Pfr. Dr. Ulrich Luig, Berlin; Mag. theol. Ulrike Neubauer, Glienicke; Karin Reccius, Frankfurt a. M.; Michael Reichenbach, Berlin; Anneliese Schumann, Berlin; Uwe Schwabe, Karsbach; Ingrid Seeburg-Henkys, Berlin; Andrea Thiele, Berlin; Hans Tödtmann, Berlin; Tanja von Unger, Berlin; Sigvard von Wietersheim, Swisttal; Stefan Wolf, Falkensee; Manfred Wolske, Potsdam-Fahrland;

fünf Mitgliedsvereine:

Förderkreis "Voigt-Orgel zu Kirchhain/NL" e. V. (Landkreis Elbe-Elster); Förderverein Dorfkirche zu Hasenholz (Landkreis Märkisch Oderland); Förderverein zum Wiederaufbau der Stadt- u. Hauptkirche in Gubin e. V. (Land-kreis Spree-Neiße); Förderverein zur Erhaltung der Kirche in Görne (Landkreis Havelland); Kirchbauverein Golm e. V. (Landkreis Potsdam-Mittelmark);

zwei Kirchengemeinden:

Evangelische Gemeinde Wahrenbrück; Evangelische Verheißungs-Gemeinde Neuenhagen-Dahlwitz;

sowie eine Firma:

Denkmalpflege GmbH Prenzlau.

Damit zählt der Förderkreis Alte Kirchen zum gegenwärtigen Zeitpunkt 442 eingetragene Mitglieder, davon 339 persönliche Mitglieder, 86 Vereine, zehn Kirchengemeinden und Kirchenkreise sowie sieben Firmen.

 
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In dankbarem Andenken an Heinz Hoffmann

Am 30. Oktober ist der langjährige Leiter des Kunstdienstes der EKU, Pfarrer Heinz Hoffmann, im Alter von 74 Jahren verstorben.

Der aus dem Erzgebirge stammende Theologe war seit 1965 als Dompfarrer in Brandenburg/Havel tätig und übernahm zusätzlich ab 1974 die Leitung des Kunstdienstes, die er von 1988 bis zu seinem Ruhestand 1995 hauptamtlich ausübte. In der Brandenburger Petri-Kapelle begründete er 1979 die Ausstellungsreihe für Blinde "Plastik zum Begreifen". Als Leiter des Kunstdienstes förderte er auch "subversive" DDR-Künstler wie Manfred Butzmann, Friedrich Press oder Dieter Tucholke, die im DDR-Kulturbetrieb keine Chance hatten, ihre Werke auszustellen. Heinz Hoffmann bezeichnete seine damalige Arbeit als "Trojanisches Pferd". Er legte sich mit der offiziellen Kulturbürokratie an und wurde auch von kirchlicher Seite argwöhnisch betrachtet, da man wenig Ärger mit staatlichen Stellen haben wollte.

Für seine Tätigkeit wurde Heinz Hoffmann 1997 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Der Vorstand des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. wird ihm ein dankbares Andenken bewahren.

Der von Heinz Hoffmann wesentlich geprägte Kunstdienst, der sein Zentrum zuletzt im Berliner Dom hatte, wurde zum 31. Dezember 2005 aufgelöst.

 

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