Die Dorfkirche von Cöthen (Märkisch-Oderland)

 
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Foto: Förderverein Cöthener Kirche e.V.Großbildansicht

Die Sanierung der Außenfassade der Dorfkirche Cöthen ist fast abgeschlossen. Nach einem historischen Befund erhält sie einen grünen Farbanstrich. Im Zuge der Restaurierung des Innenraums wurde unter zwei jüngeren Farbschichten nun die originale Bemalung von 1830 entdeckt, die auf Entwürfe von Karl Friedrich Schinkel zurückgehen könnten, was sogar Fachleute zum Schwärmen über die sensationelle Entdeckung brachte. Soweit die neuesten Nachrichten aus Cöthen. Aber der Reihe nach:

Ein Kirchengebäude in dem heute zu Falkenberg gehörenden Dorf wird erstmalig in den Brandenburger Stiftsmatrikeln von 1459 erwähnt. Dieser erste Kirchenbau, über dessen Gestalt nichts bekannt ist, war zu Beginn des 19. Jahrhunderts baufällig geworden, eine neue Kirche für die Cöthener Christen wurde gebraucht. Bereits 1721 hatte die Familie von Jena das Dorf und einige kleinere Nachbargüter erworben. In Cöthen entstanden eine Dampfbrennerei und eine Mühle. Carl Friedrich von Jena ließ zudem einen Landschaftspark anlegen, den Fontane in den "Wanderungen" wegen seiner Verspieltheit als etwas "altfränkisch", von der Natur her jedoch als durchaus "eigentümlich" beschrieb. Inmitten des "Cöthener Bergterritoriums" ließ C.F. von Jena auch einen 1830 geweihten Kirchenbau neu errichten.

Entstanden ist damals ein kleiner rechteckiger Putzbau mit dreistöckigem Turm im Typ der Schinkelschen Normalkirchen, der preußische Klarheit mit klassizistischen Formen gelungen verbindet. Den Innenraum prägen der bauzeitliche klassizistische Kanzelaltar und die Westempore mit den Resten eines Orgelprospektes. Die Orgel, deren Pfeifenwerk leider nicht erhalten ist, stellte insofern etwas Besonderes dar, als sie das vermutlich einzige Werk des aus Cöthen selbst stammenden Lehrers und Kantors E.G. Menger war. In einem Schreiben von 1843 heißt es zu dem Instrument und ihrem Erbauer: "Ohne diese Kunst von jemand erlernt zu haben, hat er seit drei Jahren an einer Orgel gearbeitet, und jetzt steht sie fertig und vollendet auf seinem Hausboden. Mag die ihre Mängel haben, so erscheint sie doch als ein recht tüchtiges Werk. Der Lehrer will sie gern für 700 rtl. verkaufen." Drei Jahre später verlangt Menger, der nach Amerika auswandern will und dafür Geld benötigt, für seine Orgel nur noch 600 Reichstaler. Bis zum Umbau durch Albert Kienscherf 1900 erfüllte sie ihren musikalischen Zweck. Nachdem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts der ruinöse Pfeifenbestand verloren ging, blieb nur der Mengersche Prospekt erhalten.

Doch zurück zum Kirchengebäude: Während des Zweiten Weltkrieges erhielt die Cöthener Kirche infolge eines nahen Bombenabwurfplatzes starke Risse. Die letzte Trauung fand 1956 statt. Danach wurde die Kirche bauaufsichtlich gesperrt und diente zeitweise als Lagerraum. Die Fenster wurden mit den Sitzflächen der alten Kirchenbänke vernagelt. Seitdem traf sich die kleine Gemeinde zu ihren Gottesdiensten im Keller des Pfarrhauses. Wie im Märchen wuchs die Kirche immer mehr mit Efeu , Sträuchern und Bäumen zu. Hinter der Dornröschenhecke jedoch bröckelte der Putz.

Nach der Wende gründete sich 1998, mit Unterstützung des Förderkreises Alte Kirchen, ein Förderverein für die inzwischen ziemlich verfallene Kirche. Ein provisorisches Deckengerüst wurde eingezogen, Kirchenbänke wurden angeschafft und im Jahr 2000 wurde erstmals wieder eine Christvesper in der Cöthener Kirche gefeiert. Seitdem finden auch regelmäßig Veranstaltungen Konzerte, Lesungen, Theater- und Kinoaufführungen statt. Um den Förderverein in seinen Bemühungen zum Erhalt des Kirchengebäudes zu unterstützen, stellte der Förderkreis Alte Kirchen bereits 2001 einen Bauzuschuss in Höhe von 10.000 D-Mark zur Verfügung. In den darauffolgenden Jahren konnten das Dach und der Turm instandgesetzt werden. Eine Förderung im Rahmen des aus Mitteln der Europäischen Union gespeisten LEADER-Plus-Programms ermöglicht nun die Sanierung des Kirchenschiffs und des Innenraumes. Um den nötigen Eigenanteil aufbringen zu können, soll das alte Pfarrhaus gegenüber der Kirche verkauft werden.

Ein Nutzungskonzept sieht die Cöthener Dorfkirche als Kommunikations- und Sozialzentrum des ganzen Ortes unter dem Motto "Kirche, Kultur und Kommune". Unter der Empore soll eine durch Glaswände abgetrennte, beheizbare Winterkirche entstehen. Vor kurzem konnte die alte Glocke einziges erhaltenes Ausstattungsstück des Vorgängerbaus in den Kirchturm zurückkehren, aus dem sie vor fünfzig Jahren wegen Baufälligkeit entfernt werden musste. Viele Schwierigkeiten hatte der Förderverein Cöthener Kirchen in den dreizehn Jahren seines Bestehens zu überwinden. Nun ist das Ziel seiner Bemühungen zum Erhalt des Denkmals in greifbare Nähe gerückt: Die Arbeiten an der Außenhaut des Kirchenschiffes werden noch in diesem Jahr abgeschlossen sein. Bis zum Sommer 2012 soll dann auch der Innenraum wieder in neuem / altem Glanz erstrahlen.

Weitere Informationen: Förderverein Cöthener Kirche e.V.; Marlies Sydow; Cöthen 65; 16259 Falkenberg/Mark; Tel.: (03 34 58) 3 02 50; Mail: verein@coethener-kirche.de.


Zum Weiterlesen:
Mitteilungsblatt September 2011: Wie es zu einer Fata Morgana im Oderland kam...
Märkische Oderzeitung vom 24. August 2012: Farben fürs Gotteshaus frisch kombiniert
Märkische Oderzeitung vom 24. April 2013: Wo Schinkel persönlich den Pinsel führte
Mitteilungsblatt Mai 2013: Auf dem Berg übern Berg
Märkische Oderzeitung vom 27. Mai 2013: Kirche mit besonderem Reiz
Märkische Oderzeitung vom 15. März 2014: Mängel an Schinkelkirche nach Sanierung
Märkische Onlinezeitung vom 17. April 2015: Saisonstart in der Schinkelkirche
Märkische Onlinezeitung vom 21. Juli 2016: Eine Turmuhr für Cöthener Kirche


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