Was uns bewegt - der Vorstand berichtet

Der Kirchbautag und die Probleme der Menschen vor Ort

Eine halbe Stunde lang läuteten die Glocken der St.-Marien-Kirche am Nachmittag des 23. Juni, um die etwa 450 Gäste des 27. Evangelischen Kirchbautages in Rostock zu begrüßen.

Im Eröffnungsgottesdienst zitierte der mecklenburgische Landesbischof Andreas von Maltzahn Dietrich Bonhoeffer: "Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist." Maltzahn kritisierte die "nach wie vor mancherorts anzutreffende binnenkirchliche Selbstgenügsamkeit". Er begrüßte, dass in vielen Fördervereinen auch Menschen ohne konfessionelle Bindung Verantwortung für ihre Kirchengebäude übernehmen, und ermutigte die Gemeinden dazu, offen zu sein für das Gespräch mit den "Anderen".

Nach Magdeburg 1996 und Leipzig 2002 war mit Rostock zum dritten Mal eine Stadt in den neuen Bundesländern Gastgeber des alle drei Jahre stattfindenden Kirchbautages. Unter dem Motto "kirchenraum freiraum hoffnungsraum" standen diesmal die Erhaltung und Nutzung von Kirchenbauten in strukturschwachen ländlichen Regionen im Mittelpunkt, die besonders stark vom demographischen Wandel betroffen sind. Die Probleme in Mecklenburg sind dieselben, die wir aus Brandenburg kennen: Schrumpfende Gemeinden, Überalterung der Bevölkerung. Dennoch zog die Bauabteilung der mecklenburgischen Kirche für die vergangenen zwei Jahrzehnte eine beeindruckende Bilanz. In Vorträgen und Ausstellungen sowie während der Exkursionen wurden zahlreiche restaurierte Kirchen vorgestellt. Gemeinden und Vereine präsentierten stolz das Ergebnis ihrer Arbeit. Die mecklenburgische Landeskirche will mit Personal und Kirchengebäuden in der Fläche präsent bleiben und keine Kirche aufgeben. Dafür gibt sie sogar ihre Selbstständigkeit auf und fusioniert mit der nordelbischen und der pommerschen Landeskirche zur großen "Nordkirche".

Was im offiziellen Programm leider fehlte, waren Problemanzeigen. Der Besucher hätte mit dem beruhigenden Eindruck nach Hause fahren können, hoch im Norden wäre die kirchliche Welt noch in Ordnung. In den Pausengesprächen aber klagte dann doch der Baubeauftragte eines Kirchenkreises über die Dörfer abseits des Tourismus, die auszusterben drohen und in denen sich keiner für die Kirche im Dorf interessiert. Oder ein Pfarrer berichtete, dass in den drei Sonntagsgottesdiensten jeweils nicht mehr als fünf, vorwiegend ältere, Gemeindeglieder den Predigten lauschten. Und so geht es ja auch den Regionalbetreuern und Mitarbeitern des Förderkreises Alte Kirchen: Neben dem Auskosten von Erfolgen, wie zum Beispiel beim Dorffest anlässlich der Kirchensanierung, gibt es auch Phasen der eigenen Resignation, wenn man auf Gleichgültigkeit oder sogar Ignoranz stößt.

Insgesamt lässt sich jedoch ein positives Resümee des Kirchbautages ziehen. Der Austausch mit Gleichgesinnten ist ab und zu notwendig, um über die eigene Arbeit mit Abstand nachdenken zu können. Und es tut gut zu sehen, dass die Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen inzwischen weit über die Grenzen Brandenburgs hinaus wahrgenommen und wertgeschätzt wird.

Weitgehend herrscht inzwischen Konsens darüber, dass die sakralen Baudenkmäler gerade in den Dörfern auf lange Sicht nur zu erhalten sind, wenn sich die Kirchen, aber auch die Gemeinden für Neues öffnen. Auf den Punkt brachte es der Magdeburger Altbischof Axel Noack, der im Abschlussvortrag eindringlich von den Erfahrungen mit dem Kirchenbau im Osten Deutschlands vor und nach der Wende berichtete. Sein Fazit: Es wird nur so lange gelingen, die Kirchenbauten zu erhalten, wie es Menschen gibt, die sie als "meine Kirche" bezeichnen. Damit nahm er das Bonhoeffer-Zitat von der "Kirche für andere" wieder auf und bedankte sich bei allen in und außerhalb der Kirchengemeinden, die sich für die Bewahrung der Gotteshäuser einsetzen. Denn, so heißt es im Abschlussdokument: "Wo Kirchen verfallen, erodieren auch Dörfer, und mit den Dörfern geht die regionale Identität für alle Menschen verloren – ob Christ oder Nichtchrist."

Bernd Janowski

 
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Brandenburgische Kirchen mit Vorbildcharakter

Zum zweiten Mal hat die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (Stiftung KiBa) innovative Modelle der Nutzungserweiterung von Kirchengebäuden ausgezeichnet.

Den ersten Preis der Stiftung KiBa in der Kategorie "Gemeindepreis" erhielten in diesem Jahr die Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde in Hamburg- Altona und das Architekturbüro Garbe aus Hamburg.

Die Plätze zwei und drei des "Gemeindepreises" gingen nach Brandenburg:

Eine Förderung von bis zu 15.000 Euro erhalten mit dem zweiten Preis die Kirchengemeinde Rieben (Potsdam-Mittelmark) und das Ingenieurbüro Götz und Ilsemann in Beelitz für ihr Konzept, die Dorfkirche als kirchliches, kommunales und soziales Zentrum auszubauen.

Mit dem dritten Preis wurden die Kirchengemeinde Malchow (Uckermark) sowie das Planungsbüro ALV in Angermünde ausgezeichnet. Sie erhalten Fördermittel von bis zu 10.000 Euro für ihr Vorhaben, die Dorfkirche als "offene Kirche im Labyrinthpark" in Malchow zu etablieren.

In der Kategorie "Ehrenpreis", die nicht dotiert ist, setzte sich die Gemeinde St. Marien in Waren an der Müritz durch. Sie hat die Dorfkirche Federow gemeinsam mit dem Planungsbüro Atelier Jens Franke in Potsdam vor dem Verfall bewahrt und zu einer "Hörspielkirche" umgebaut.

Um die Auszeichnung der Stiftung KiBa hatten sich in diesem Jahr mehr als 40 Gemeinden aus dem gesamten Bundesgebiet beworben.

 
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Unsere Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen

Damit unser Werk auch in Zukunft noch reiche Früchte trägt

Hierzulande kennt wohl jeder Fontanes Ballade vom Birnbaum mit dem weisen Schluss "So spendet Segen noch immer die Hand des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland". Bei den Vorarbeiten für unsere Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen hatte dieser Text motivierende Bedeutung: Lässt sich nicht wahrlich künftigen Generationen am besten damit dienen, dass wir heute die Bäume setzen, die in ferner Zukunft noch Früchte tragen sollen?

So haben wir 2008 unsere Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen aus der Taufe gehoben. Ihrer Ausstattung nach zählt sie zu den kleinen Stiftungen – noch! Aber sie legt zu. Seit 2008 haben viele kleinere und größere Zustiftungen den Kapitalstock von anfangs 58.800 Euro auf inzwischen 143.000 Euro erhöhen können – mit dem schönen Ergebnis, dass wir in diesem Jahr aus Zinserträgen der Stiftung bereits 4.350 Euro in den Haushaltsplan des Förderkreises Alte Kirchen einstellen konnten.

Damit bestätigte sich bereits unsere Erwartung an die Entwicklung der Stiftung. Das von Jahr zu Jahr schwankende, insofern kaum zu kalkulierende Aufkommen an Spenden wird zunehmend

Das setzt allerdings voraus, dass wir das Vermögen unserer Stiftung in den nächsten Jahren weiter so stetig steigern können. Das ist keineswegs sicher. Denn solche größeren Zustiftungen, wie sie uns überhaupt erst zur Gründung der Stiftung veranlasst hatten, werden sich schwerlich wiederholen.

Wir bitten daher ausdrücklich und herzlich darum, auch mit kleineren Beträgen die Stiftung zu stärken. Die Verwalterin unserer Stiftung – das ist die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (Stiftung KiBa) – bucht ebenso gern Zuwendungen über zehn Euro zugunsten der Stiftung wie solche über einige Hundert. Und sollten Sie über ein Testament nachdenken – die Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen wäre es wert, darin bedacht zu werden.

Unser nächstes großes Ziel ergänzt durch recht genau vorstellbare Erträge aus der Stiftung. In etwa zehn Jahren könnten diese bis zu zehn Prozent der Gelder ausmachen, die der Förderkreis in seine Projekte gibt. ist es, das Kapitalvermögen auf 250.000 Euro auszubauen. Denn mit dem Kapitalstock wachsen auch dessen Erträge.

Pfr. Arnulf Kraft und Dr. Hans Krag

Cornelia Behm, Mitglied des Deutschen Bundestages:

Für ein schöneres Brandenburg und lebenswerte Dörfer

 

Die Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen engagiert sich seit nunmehr drei Jahren an der Seite des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. und trägt mit ihrer Arbeit zum Erhalt lebenswerter ländlicher Regionen in der Mark bei. Zwar reicht eine intakte Kirche im Dorf allein nicht aus, um den Menschen Arbeit und Zukunftsperspektiven zu geben. Aber als "Ankerplatz" taugt sie allemal.

Mit Begeisterung sanieren in vielen Dörfern Alteingesessene gemeinsam mit Zugezogenen ihre Dorfkirche. Man lernt sich kennen und schafft einen Ort für Gemeinschaft, kulturelles Leben und geistige Auseinandersetzung. So werden Kirchen vom Zentrum zur Visitenkarte unserer Dörfer. Ihr Zustand zeugt vom Engagement der Bevölkerung, von Lebensfreude und Gemeinsinn.

Ich freue mich, dass die Stiftung dieses Engagement nun seit drei Jahren unterstützen kann, und danke allen bisherigen Kapitalgebern dafür, dass das Stiftungskapital in diesem Zeitraum von gut 50.000 Euro auf 143.000 Euro fast verdreifacht werden konnte. Nichtsdestotrotz bleibt noch eine Menge zu tun. Jeder, der schon einmal ein kleines Bauprojekt begonnen hat, weiß, mit welchen Kosten man es da schnell zu tun bekommt. Und Brandenburg ist reich an kirchlichen Kleinoden, die öffentlicher Hilfe bedürfen.

Ich möchte Sie, liebe Leserin und lieber Leser, deshalb aufrufen, dem Förderkreis und der Stiftung weiter unter die Arme zu greifen. Lassen Sie uns das Stiftungskapital noch einmal kräftig erhöhen. Für ein schöneres Brandenburg und lebenswerte Dörfer.
 

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Die Gewinner unseres Startkapitals 2011 stellen sich vor

Ein Turm soll wieder eine Kirche bekommen

Nachdem ein Vorgängerbau vermutlich im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden war, entstand 1678 in Brüsenhagen eine Fachwerkkirche. Fast 300 Jahre später, im Jahr 1972, wurde das Kirchenschiff wegen Baufälligkeit abgetragen. Seitdem wird für die regelmäßigen Gottesdienste ein kleiner Raum im Fuße des alten Kirchturms genutzt. Erfreulicherweise sind es seit einigen Jahren vermehrt jüngere Familien, die das Gemeindeleben prägen. Nach dem Verkauf des alten Gemeindehauses besitzt das Dorf keinen öffentlichen Raum mehr für kulturelle Veranstaltungen, Sitzungen oder Feiern.

Der Förderverein möchte als erstes die inzwischen ebenfalls marode Fachwerkkonstruktion des Kirchturms instand setzen, wofür bereits Arbeiten in Eigenleistung erfolgten. Nach der Dachreparatur soll der Turm seine historische Turmspitze zurück erhalten. Schließlich will man später auch das verlorene Kirchenschiff neu errichten. Dorffeste, Konzerte und Lesungen erbrachten erste Spenden. Ein ortsansässiger Betrieb hat die kostenlose Lieferung von Bauholz zugesagt. Förderanträge werden vorbereitet.

  Förderverein Kirche in Brüsenhagen e.V.
 
Landkreis Prignitz
 
Das Damokles-Schwert über der Orgel

 Der Verein in Gruhno gründete sich im Oktober 2010. Erstes Ziel sollte die Instandsetzung der 1833 durch den Sonnewalder Orgelbauer Johann Christoph Schröther geschaffenen Orgel sein. Dafür wurden auch bereits Kostenangebote eingeholt und Gutachten erstellt. Dann jedoch erfolgte in diesem Jahr eine Besichtigung des Kirchengebäudes durch Fachleute, die Erschreckendes zutage brachte: Im Anschlussbereich des Kirchenschiffes an den Turm – also direkt über der Orgel – ist die gesamte Dachkonstruktion akut gefährdet, Deckenbalken fehlen ganz oder sind vom Schwamm befallen. Für den Förderverein in dem Dorf mit 140 Einwohnern ist diese Erkenntnis erst einmal eine große Herausforderung, der man sich jedoch stellen will.

Die Gruhnoer Kirche aus Feldstein und Raseneisenstein stammt aus dem 13. Jahrhundert. Altar, Kanzel und Empore entstanden im Barock. Im Bewerbungsschreiben heißt es: "Mit der Kirche in unserem Ort haben wir ein Kleinod, das es gilt zu erhalten. Die Identität des Dorfes ist damit unmittelbar verbunden. … Unser großes Ziel ist es, Traditionen zu bewahren, und das heißt, die Kirche zu erhalten." Das Startkapital soll für dieses Ziel ein erster Anreiz sein.

  Förderverein Gruhno e.V.
 
Landkreis Elbe-Elster
 
Ideen und "Kirchengeist"

Mit ursprünglich nur etwa sieben mal zehn Metern gehörte die Lübzower Feldsteinkirche zu den kleinsten Kirchenbauten der Prignitz. Reparaturarbeiten in Backstein lassen auf eine zwischenzeitliche Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg schließen. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde ein dreiseitiger Chor angefügt und dem Schiff im Westen ein Fachwerkturm mit Ziegelausfachung und spitzem Helm aufgesetzt.

Besonders die Dachdeckung der Lübzower Kirche ist inzwischen dringend sanierungsbedürftig. Wegen undichter Stellen ist bereits die Lehmdecke des Kirchenschiffes in Mitleidenschaft gezogen. Der Förderverein hat in der erst kurzen Zeit seines Bestehens bereits viel auf die Beine gestellt: Ein Faltblatt wurde gedruckt und der Internetauftritt gestaltet, Konzerte und Arbeitseinsätze wurden organisiert sowie ein "Lübzower Kirchengeist", gebrannt aus einheimischen Trauben, zum Verkauf in Flaschen abgefüllt. Eine Orts- und Kirchenchronik ist in Arbeit. Eine Enttäuschung für den Verein war die Mitteilung eines Sachverständigen, dass sich eine Reparatur der Orgel von 1911 nicht lohnen würde. Hier überlegt man jetzt schon, wie man nach der Gebäudesanierung preiswert an ein Instrument kommt.

  Förderverein Dorfkirche Lübzow e. V.
 
Landkreis Prignitz
 
Einzigartig: Lauben unterm Kirchendach

In ihrer äußeren Gestalt ist die Pessiner Kirche ein für das Havelland einzigartiger Bau. Das ursprüngliche – mittelalterliche – Kirchenschiff aus Feldstein wurde 1739 nach Osten hin mit verputztem Backsteinmauerwerk erweitert. Da der neue Bauteil erheblich breiter war als das alte Kirchenschiff, entstanden unter einem hohen Satteldach auf der Nord- und Südseite ungewöhnliche laubenartige Vorbauten als Anschluss an den 1488 errichteten mächtigen Querturm.

Der Innenraum verdankt seine Ausstattung im Wesentlichen dem Barock. Emporen, zum Teil mit Wappentafeln der Patronatsherren und angeheirateter Adelsfamilien, finden sich an allen vier Wänden des Kirchenschiffes. Ein sehr schöner Kanzelaltar wurde 1700 von Tischlermeister Witte aus Brandenburg geschaffen.

Seit Beginn des Jahres 2010 engagiert sich der Förderverein Dorfkirche Pessin für das Denkmal. Seither konnten bei der notwendig gewordenen Schwammsanierung unter der Empore nicht nur Spendengelder zur Finanzierung des Vorhabens eingeworben werden. Zahlreiche Pessiner legten in regelmäßigen Arbeitseinsätzen selbst Hand an. Zugleich etablierte sich das "Pessiner Kirchenkulturjahr" mit überregional besuchten Veranstaltungen. Durch den Einbau eines Versorgungstraktes im derzeit ungenutzten Kirchturm sollen die Möglichkeiten einer erweiterten Nutzung des Kirchengebäudes weiter verbessert werden.

  Förderverein Dorfkirche Pessin e. V.
 
Landkreis Havelland
 
Ein Hort für gedeihliches Gemeindeleben

 Bereits seit 1998 engagiert sich der Heimatverein Steffenshagen e.V. für die "Erhaltung der dörflichen Kultur und die Landschafts- und Heimatpflege". Er erforscht die Geschichte des Ortes und organisiert kulturelle Veranstaltungen. 2010 hat die Initiative auch die Erhaltung und Instandsetzung der Steffenshagener Kirche in ihre Satzung mit aufgenommen.

Nach einem Brand im Jahr 1917 erfolgte von 1920 bis 1922 der Wiederaufbau unter der Leitung von Curt Steinberg, dem damaligen Leiter des Kirchlichen Bauamtes Brandenburg. Die Gestaltung des Innenraumes übernahm der damals bekannte Kirchenmaler Robert Sandfort, dessen Ausmalung weitgehend in gutem Zustand erhalten blieb. Allerdings zeigen die hölzernen Einbauten Schäden durch Holzwurmbefall und bedürfen einer baldigen Restaurierung. Auch die Schuke-Orgel, derzeit nicht spielbar, soll repariert werden.

Wie in den meisten Dörfern der Region ist die Zahl der Gemeindeglieder auch in Steffenshagen rückläufig. Der Heimatverein möchte durch "musikalische, künstlerische und literarische Darbietungen sowie heimatkundliche und künstlerische Ausstellungen" die Kirche zu einer Begegnungsstätte für alle Einwohner des Ortes machen, damit sie "im Gemeindeleben wieder eine sozial und gesellschaftlich wichtige Funktion" erhält.

  Heimatverein Steffenshagen e. V.
 
Landkreis Prignitz
 
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Notizen von der Mitgliederversammlung

Kluge Köpfe und zupackende Hände dringend gesucht

"Um des Hauses willen des Herrn, unseres Gottes, will ich dein Bestes suchen." – Dieses Psalmwort hatte Dr. Uwe Otzen seinen Ausführungen zum Bericht des Vorstandes vorangestellt. Und dass in den vergangenen Monaten wieder vieles zum Besten der Gotteshäuser im Lande getan werden konnte, ging aus den schriftlich vorliegenden Unterlagen hervor (siehe auch Seite 7). Da war großer Dank zu sagen all jenen, die sich für das Anliegen unseres Förderkreises engagieren.

Inzwischen aber sind mit der gewachsenen Bedeutung des Vereins auch die verwaltungstechnischen Anforderungen so gestiegen, dass sie in vorwiegend ehrenamtlicher Arbeit nicht mehr zu bewältigen sind. Eine gewaltige Datenfülle ist zu pflegen und zu verwalten. Die Finanzen sind mit Akribie zu führen – dass dies auch geschieht, wurde dem Vorstand durch die Kassenprüfung bescheinigt. Allein der Vertrieb der Jahresbroschüre "Offene Kirchen" verlangt ein Management, das etliche Mitarbeiter eines professionellen Unternehmens viele Tage lang beschäftigen würde.

Dazu kommt, dass bewährte und kompetente Mitglieder ihre Arbeit im Vorstand niederlegen mussten, da sie durch neue berufliche Aufgaben zu sehr in Anspruch genommen sind. Die Anwesenden verabschiedeten mit herzlichem Dank für die zuvor geleistete Arbeit Dr. Alexander Möbius und Klaus-Jürgen Schlott. Ute Handschuhmacher und Uwe Donath konnten in den Vorstand kooptiert werden und erhielten Beifall für ihre Bereitschaft zur Mitarbeit.

Auch ein "rettender Engel" war zu feiern: Mit Sigrid Riesberg hatte sich ein sachkundiges Mitglied gefunden, das die sehr verantwortungsvolle Aufgabe eines Schatzmeisters übernehmen würde. Sonderapplaus. Sigrid Riesberg wurde inzwischen vom Vorstand in diesem Amt bestätigt. Der bisherige Schatzmeister Dr. Hans Krag hatte nach jahrelanger erfolgreicher Arbeit dieses Amt niedergelegt, um sich intensiv anderen Aufgaben des FAK widmen zu können.

Deutlich wurde: Eine weitere erfolgreiche Arbeit setzt kompetente Hilfe in der Verwaltung, im Finanzwesen und im Vertrieb voraus. Sollte sie nicht aus dem Kreis der Mitglieder gefunden werden, muss auf externe Kräfte zurückgegriffen werden, was allerdings die Personal- und Verwaltungskosten ansteigen und die Förderleistungen sinken lassen würde.

Die Frage, wie es weitergehen kann, stand deshalb im Mittelpunkt der Aussprache. Anregungen wurden gegeben: Professionellen Rat einholen für Marketing und Spendenwerbung, Austausch von Ideen, Aufbau und Nutzung eines Intranets. Wortmeldung dazu aus der Praxis eines Vereins: Das schon bestehende, vom FAK installierte Netzwerk der Kirchenfördervereine wird leider kaum genutzt.

Fragen: Sind die Exkursionen für den Verein rentabel? Antwort der Geschäftsführung: Vor allem sind sie für die besuchten Dorfkirchen durch die Spenden der Exkursionsteilnehmer ein Gewinn. Und sie bieten die Möglichkeit, weitere Freunde für die Arbeit des FAK zu interessieren. Zwischenruf: Ich fand durch eine solche Exkursion zur Mitgliedschaft im FAK.

Sehr verantwortungsbewusst prüften die Tagungsteilnehmer den Vorschlag für eíne Satzungsänderung zur Anpassung an die aktuelle finanzpolitische Gesetzgebung. Danach ist es u. a. möglich, das Vermögen unserer Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen gegebenenfalls durch eigene Zustiftungen zu erhöhen. Der Vorschlag wurde mit Mehrheit bei vier Enthaltungen angenommen. (Neufassung).

Wie immer nutzte man nach allen Erörterungen der Vorteile elektronischer Kommunikationsmöglichkeiten die sympathische Chance des ganz persönlichen Gesprächs, fragte nach nachahmenswerten Erfahrungen anderer, scharte sich um das Fotoalbum des so erfolgreichen Gadower Förderkreises und hatte sich viel mitzuteilen. Schließlich ging es ja darum, "das Beste zu suchen um des Hauses des Herrn willen".

Eva Gonda

In den Vorstand kooptiert

 

Ute Handschuhmacher

hat ein großes Herz für kleine Dorfkirchen. Das begann schon in Woltersdorf (Oder-Spree), wo sie aufgewachsen ist und konfirmiert wurde. Nach der Übersiedlung nach Westberlin hielt sie weiterhin Kontakt zu ihrer alten Kirchengemeinde und entdeckte später ihr Herz für die brandenburgischen Kirchen. Bei einem ihrer vielen Besuche fand sie in einer Kirche das Faltblatt unseres Fördervereins und entschied sich schnell zur Mitgliedschaft. Denn die Erhaltung und würdevolle Nutzung der Dorfkirchen liegt ihr eben sehr am Herzen.

 

Uwe Donath

kommt aus der Wirtschaft. Geboren 1944, war der Diplomwirtschaftler zuletzt 15 Jahre für einen Wirtschaftsverband von Ingenieur- und Consultingunternehmen tätig. Seit vielen Jahren interessiert er sich für Kirchenbau und -ausstattung. Es ist ihm wichtiges Anliegen, dass die alten Kirchen für Gottesdienste und zu kulturellen Zwecken erhalten werden. Für die Menschen im Land sind sie identitätsstiftend. Nach einer Orientierungszeit im Vorstand möchte er den Förderkreis vor allem durch die regionale Betreuung von Kirchenfördervereinen unterstützen.

Fakten aus dem Bericht des Vorstandes

Willkommene Hilfe zur Selbsthilfe

Der Förderkreis Alte Kirchen hat sich in den einundzwanzig Jahren seines Bestehens als wichtige Institution der bürgerbeteiligten Denkmalpflege in Brandenburg etabliert.

Förderungen vor Ort

Der Förderkreis konnte im Jahr 2010 insgesamt 113.735 Euro für Projekte vor Ort zuweisen. Dies ist die höchste Jahressumme seit Gründung des Vereins. Von 36 regulären Anträgen wurden entsprechend den Kriterien 23 mit einem Fördervolumen von 55.800 Euro berücksichtigt.

Weitere 15.427 Euro konnten aus zweckgebundenen Spenden für spezielle Kirchenbauprojekte und 21.759 Euro als zweckgebundene Spenden für die Restaurierung von Taufengeln weitergeleitet werden.

Seit Gründung des Fördervereins wurden somit insgesamt ca. 800.000 Euro für fast 200 Projekte zur Verfügung gestellt. Im Jahr 2010 konnten die Gewinner unseres "Startkapitals" wieder mit insgesamt 12.500 Euro bedacht werden.

Unter anderem wurden im vergangenen Jahr folgende Maßnahmen unterstützt:

Der Lions Club aus Seeheim a. d. Bergstraße spendete für die Dorfkirche Märkisch-Wilmersdorf (Teltow-Fläming).

Rettung von Taufengeln

Seit Beginn der Aktion "Menschen helfen Engeln" im Advent 2009 konnten für die Restaurierung von Taufengeln bis Ende des vergangenen Jahres 21.759 Euro eingeworben werden. Damit wurden die Taufengel in den Kirchen von Wismar (Uckermark), Rohrbeck (Havelland), Löhme (Barnim) und Groß Breesen (Spree-Neiße) restauriert. Für die Restaurierung der Taufengel in den Kirchen von Freyenstein und Schilde (Prignitz), Kreblitz (Dahme-Spreewald), Kunow (Uckermark), Werbig (Potsdam-Mittelmark) und Niebendorf (Teltow-Fläming) sind umfangreiche Spenden weitergereicht worden. Da einige Spenden direkt an die Kirchengemeinden gingen, liegt der finanzielle Gesamterfolg noch höher als die oben genannte Spendensumme.

Öffnung für Kunst und Kultur

Das Projekt "Musikschulen öffnen Kirchen" verzeichnete über 4.500 Besucher bei insgesamt 35 Benefizkonzerten. Der Spendenerlös hat sich gegenüber dem Vorjahr auf fast 22.000 Euro verdoppelt.

Das Projekt "Theater in Kirchen" lud mit dem Stück "Liebelei" von Arthur Schnitzler in 15 Dorfkirchen ein.

Ein Benefizkonzert in der Dorfkirche von Kremmen (Havelland) erbrachte 1.500 Euro für die Sanierung von Taufengeln.

Erstmals produzierte der Förderkreis dank einer Zuwendung der Sparkasse Uckermark eine CD mit Musik auf der restaurierten Wagner-Orgel (1736) in Sternhagen.

Erträge der Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen

Das Vermögen betrug zum Ende vorigen Jahres 135.830,10 Euro. Aus den Erträgen wurden im Berichtsjahr für zwei Projekte Mittel überwiesen: 1.850 Euro für Planungsarbeiten zur Sicherung der Kirchenruine Hirschfelde (Barnim) und 2.500 Euro die Sanierung der Dorfkirche Selbelang (Havelland).

2011 soll aus Stiftungsgeldern die Gemeinde in Märkisch-Wilmersdorf (Teltow-Fläming) bei der Sanierung ihrer Kirche unterstützt werden.

 
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Kein Museum der Vergangenheit sondern lebendiges Gotteshaus

 
IN AKUTER NOT

Diesmal erbitten wir Ihre Spende für die

DORFKIRCHE KEHRBERG

(Landkreis Prignitz)
 

 
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Die erstmalige urkundliche Erwähnung des Dorfes Kehrberg fällt in das Jahr 1326. Um einige Jahrzehnte älter dürfte die mächtige Feldsteinkirche des Ortes mit ihrem westlichen Querturm sein.

Der Innenraum ist flachgedeckt. Ein einfacher, schöner Kanzelaltar zeigt in der Predella ein Gemälde des Abendmahls und am Kanzelaufgang Darstellungen der Verkündigung, der Anbetung der Hirten sowie eine Taufszene. Ein Patronatsstuhl von 1662 mit durchbrochenem Rankenwerk zeigt die Wappen der Familien von Hake und von Winterfeld. An Maria Dorothea von Alvensleben (1631-1697) erinnert ein großes Epitaph an der Ostwand. Eine Gedächtnistafel hinter dem Altar erinnert an den Kauf des Gutes durch die Familie von Winterfeld und die von ihr veranlasste Sanierung der Kirche im Jahr 1697. Die Orgel schuf 1902 der Neuruppiner Instrumentenbauer Albert Hollenbach. Wie durch ein Wunder blieb als ältestes Ausstattungsstück im Kirchturm eine Glocke des berühmten Glockengießers Gerhard de Wou aus dem Jahr 1497 erhalten.

Besonderen Wert legen die Kehrberger jedoch darauf, dass ihre Dorfkirche kein Museum einer vergangenen Zeit ist, sondern als lebendiges Gotteshaus immer in der Mitte des Dorfes verankert war. Da an der Kehrberger Kirche jahrzehntelang nur notdürftige Reparaturarbeiten durchgeführt werden konnten, wies sie um die Jahrtausendwende erhebliche Bauschäden auf. Seit der Gründung des Fördervereins der Kirche Kehrberg e.V. im November 2004 hat sich viel getan. So konnte zum Beispiel das marode Dach ausgebessert werden, nachdem eindringende Feuchtigkeit bereits lange Zeit die Ausstattung bedroht hatte. Im Jahr 2006 wurde der Verein mit einem Startkapital des Förderkreises Alte Kirchen ausgezeichnet. Die damit verbundenen 2.500 Euro wurden in die Erstellung eines Baugutachtens investiert.

In diesem Jahr nun ist es, dank Zuwendungen unter anderem der Landeskirche und des brandenburgischen Kulturministeriums, möglich geworden, mit der dringend notwendigen Instandsetzung des Kirchturms mit seinem 1829 entstandenen Fachwerkaufsatz zu beginnen. Schäden am Mauerwerk gefährden inzwischen die Sicherheit auf dem umgebenden Friedhof. Teile des Fachwerkes und des Glockenstuhles sind durch Nassfäule und Hausschwamm bereits stark geschädigt.

Um die genehmigten Fördermittel abrufen zu können, muss die Kirchengemeinde jedoch einen erheblichen Teil der benötigten Bausumme als Eigenanteil aufbringen. Dafür wirbt die Gemeinde gemeinsam mit dem rührigen Verein um Fördermittel und Spenden. Helfen soll auch der "Kehrberger Wunderknabe". Seit 2008 wird alljährlich – zuletzt am 19. Juni dieses Jahres – ein riesiges Historienspektakel über die Geschichte des Johann Ludwig Hohenstein auf einer eigens vor der Kehrberger Kirche errichteten Freilichtbühne aufgeführt. Darsteller sind ausschließlich Einwohner des Dorfes.

Nach Fertigstellung der Instandsetzungsarbeiten soll in einem Turmraum eine kleine Ausstellung an das berühmteste Kind des kleinen Prignitzdorfes erinnern.

Bernd Janowski, Foto: Volker Schulz

Weitere Informationen:
Förderverein der Kirche zu Kehrberg e.V.; Irina-Licia Wilhelm, Vethiner Str. 28; 16928 Kehrberg; Tel.: 033975-50383
E-Mail: fvkehrberg@tiscali.de

Spendenkonto:
Förderkreis Alte Kirchen; Kto.: 51 99 76 70 05; BLZ 100 900 00; Berliner Volksbank; Kennwort: Kehrberg

 

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Mit dem Förderkreis auf Entdeckungsreisen: "Zwischen Fläming und Lausitz"

Umsorgte und unbehütete Schatzkästlein

 
WERBIG – inzwischen thront der neue Turm wieder überm DachGroßbildansicht

Sonntag, 20. März 2011: Eine erwartungsvolle Menschenmenge bewegt sich um die Dorfkirche von Werbig. Heute soll der Grundstein für den Wiederaufbau des Turmes gelegt werden. Die Fläming-Königin mit Gefolge in der kleidsamen Fläming-Tracht, der Bürgermeister der Großgemeinde Niederer Fläming, in der Werbig nur ein Ort unter 24 ist, die Mitglieder des Fördervereins "Wiederaufbau des Kirchturms Werbig", Fotografen, Neugierige. Es ist sonnig, aber kalt.

1967 war der alte Turm wegen Baufälligkeit abgebrochen worden. Ursprünglich gab es im Westen einen Dachreiter. Nun ist der Raum darunter im Kircheninneren total geräumt; die alten abgesägten Stützpfeiler und neue Pfeiler sollen den künftigen Turm tragen.

Der Posaunenchor ersetzt die Orgel, die wohlverpackt mitten in der Kirche steht. Pfarrer Scholz hält seine Predigt zwischen Altar, Gerüst und Büfett-Tischen. Es ist so kalt, dass noch vor Beginn Kaffee zum Aufwärmen gereicht werden muss. Dann kommt der Festakt. In allen Reden wird die Hartnäckigkeit von Angela Schulze, der Leiterin des Fördervereins, gewürdigt. Nach vielen Jahren der Diskussionen mit Amtsträgern, Überzeugung der Zaghaften, Gewinnung der Gleichgültigen und des Geldsammelns – auch der FAK leistete einen Beitrag – ist es nun geschafft. Endlich kann sie zusammen mit Pfarrer Scholz den Kupferbehälter mit den vorbereiteten zeitgenössischen Dokumenten im Boden versenken...

Wenige Wochen später, am 16. April 2011: Siebzig Teilnehmer der FAK-Exkursion "Zwischen Fläming und Lausitz" besichtigen den Baufortschritt. Der fast fertige Fachwerkturm steht neben der Kirche. Zimmerleute sägen, hämmern und stehen den Fragenden Rede und Antwort. Der Turmaufsatz ist fertig, ein kastenförmiges hölzernes Zwischengeschoss mit Schall-Luken wird die Glocken aufnehmen und schließlich den eigentlichen Turm tragen. Im Juni soll alles fertig sein. Ein geglückter Wiederaufbau – ein schöner Beginn dieser Exkursion.

Nächste Station ist die kleine, turmlose Feldsteinkirche von Niebendorf. Mit reichen Schnitzereien und Ausmalungen im Innern gehört sie gemeinsam mit der Schwesterkirche Waltersdorf zu den schönsten der Region. Auch der FAK hat sich bei der Restaurierung der Ausstattung beteiligt. Es gibt keinen Förderverein, die Dorfgemeinde ist ohnehin so engagiert, dass sich alle gemeinsam um die Erhaltung dieses Schatzkästleins bemühen. Glockengeläut empfängt die Gäste. Aus den Informationen über Baugeschichte, jetzige Erhaltungsmaßnahmen und noch zu behebende Schäden wird klar: Hier wird man die Sanierung schaffen.

Gleich nebenan liegt Heinsdorf mit seiner Kirchenruine, in die langsam wieder Leben einzieht. Frauen in Flämingtracht begrüßen die Besucher mit Körben voller bunter Ostereier. Günter Schliebener, Vorsitzender des Fördervereins, stellt das geplante Wiederaufbauwerk vor, das einen Ausstellungs- und Gemeinschaftsbau vorsieht. Anerkennung gab es für die finanziellen Hilfen und die Beratung durch den FAK. Beides wird sicher noch weiter benötigt, denn der Verein verfolgt zielstrebig die Umsetzung seiner Pläne.

Dann aber in Waltersdorf erstes Erschrecken. Hatte man nicht zuvor von der (noch schöneren?) Dorfkirche, der "Schwester" von Niebendorf, gehört? Sie ist ebenfalls reich ausgestattet. Aber bis vor kurzem herrschte im Dorf Resignation; kaum Mitglieder in der Kirchengemeinde, kein Engagement für die Kirche, deren Dachbalken faulen, die Orgel unbespielbar, Wasserflecken an der wundervoll ausgemalten Holztonnendecke. Das kirchliche Baubüro gab diesem Barockkleinod die niedrigste Prioritätsstufe, an eine Sanierung sei nicht zu denken.

Nun hat sich gerade zwei Wochen vor dem Besuch ein Förderverein gegründet, der die Kirche und das ihr drohende Schicksal in die Öffentlichkeit bringen will. Dann sollten Amtskirche, Politik und Gesellschaft gemeinsam auch dieses Kulturgut retten können. Der FAK hat inzwischen 4.000 Euro für ein Anfangs-Eigenkapital des Vereins gesammelt. Die Besucher haben Gelegenheit, mit Pfarrer Scholz, mit der Vorsitzenden des Fördervereins, Frau v. Bergheim, mit Vertretern des FAK und mit der Vertreterin des kirchlichen Baubüros Süd, Frau Kapp, über das Thema der Erhaltung von Kirchengebäuden zu diskutieren. Dabei gebührt auch dem Baubüro Verständnis – wie immer fehlt das Geld...

Pfarrer Scholz begleitet den Bus dann nach Illmersdorf, stellt seine "Hauptkirche" vor und berichtet aus dem Leben seines Pfarrsprengels, wie sich zaghaft neues kirchliches Leben regt: mehr Hochzeiten, mehr Taufen, mehr Konfirmationen.... Den Schluss setzt ein Orgelkonzert in der Stadtkirche St. Marien zu Dahme, die ebenfalls einer Innensanierung bedarf.

Es war ein erfüllter Tag. Mancher Exkursionsteilnehmer wird sicher als Einzeltourist wiederkommen, denn der Niedere Fläming zeigte sich von seiner schönsten Seite.

Text und Foto: Dr. Hans Krag

 

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Mit dem Förderkreis auf Entdeckungsreisen: "Zwischen Historismus und Moderne"

Attraktive Hundertjährige hielten Hof

   
MARKENZEICHEN des Architekten Georg Büttner: das Holztonnengewölbe mit farbenprächtiger Ausmalung.
(beide Aufnahmen: Zeuthen)
Fotos: Gonda
Großbildansicht Neue Formen in bewusster Abkehr vom HistorismusGroßbildansicht

Diesmal war es ganz anders.

Bisher führten die FAK-Exkursionen vor allem zu den schlichten Kirchlein, deren Feldsteine oder Fachwerkhölzer Jahrhunderte tapfer überstanden hatten, heute aber Hilfe brauchen, um erhalten zu bleiben. Die eine oder andere Halbruine war meistens auch dabei.

Bei der Exkursion zu Kirchen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ging es vornehmlich um Bauten von Georg Büttner, einem wesentlichen Vertreter des "Heimatstils". Er hatte in jenen Umbruchzeiten den Historismus überwunden und neue architektonische Formen gefunden. Sein Markenzeichen waren das Holztonnengewölbe, ein runder Altarraum und eine reiche Ornamentik in klaren, leuchtenden Farben. In Brandenburg entwarf er mehr als 20 Kirchen, von denen die meisten bis heute gut erhalten geblieben sind.

Dass dies durchaus nicht selbstverständlich ist und in den vergangenen Jahrzehnten oft nur mit vielen Opfern der Gemeindeglieder möglich war, erfuhren die Besucher vor Ort.

In Zeuthen schilderte Christian Ritter, Vorsitzender des Freundeskreises Friedenskirche Wildau und profunder Kenner der Arbeiten Georg Büttners, die Geschichte der Kirche, für die 1913 der Grundstein gelegt worden war und deren Einweihung ein Jahr später der Architekt Büttner nicht mehr erlebte – er fiel schon in den ersten Tagen des Ersten Weltkrieges. Mehrfach wurde der Innenraum renoviert – nicht immer glücklich. 1959 verschwand die gesamte Ornamentik unter einer grauen Tünche, der entfernte Altaraufsatz ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Umso mühevoller war die Rekonstruktion in den Achtzigerjahren, für die nur kleine Teile der einstigen Bemalung als Vorbild dienen konnten. Für die Kosten hatten unter anderem die Gemeindeglieder nach bestem Vermögen gespendet. Heute ist die auch außen komplett sanierte Kirche wieder ein Schmuckstück des Ortes.

Abenteuerliches wusste Christian Ritter auch über die Restaurierung der Friedenskirche von Wildau zu berichten. Dort hatte Anfang der Achtziger der Kunstmaler Werner Kleindorf in zweijähriger Arbeit die gesamte Kirche – Ornament für Ornament – fast allein nach altem Vorbild neu ausgemalt. Einzigartig ist das 2001 restaurierte Portal. Das Ensemble aus Kirche und Pfarrhaus war 1911 fertiggestellt worden. Maßgeblich für den Bau war das starke Anwachsen der Einwohnerzahlen infolge der Umsiedlung der Berliner Schwartzkopff-Werke nach Wildau. Ein besonderes Detail in der Geschichte der Gemeinde: Hier wirkte nach 1977 für einige Jahre als Katechetin Gisela Schertling, eine enge Freundin von Sophie Scholl und Partnerin ihres Bruders. Im Zusammenhang mit den Aktionen der "Weißen Rose" war auch sie 1943 verhaftet worden.

Die Kirche von Groß Köris war als letzte von Georg Büttner geplant worden und wurde zwischen 1914 und 1916 von Architekt Hans Palm erbaut. Auch sie hatte in ihrer relativ kurzen Geschichte nicht immer Glück mit Renovierungen. GKR-Mitglied Jörg Stiehl schilderte, wie später unter sorgfältigster Beachtung des Denkmalschutzes statt der gelben Übermalung wieder die farbenfrohen Ornamente herbeigezaubert wurden.

Und dann gab es doch noch eine halbe Ruine, eine Kirche, die gar nicht gut aussieht und dringend Hilfe braucht: die Dankeskirche Halbe, ein Werk von Curt Steinberg (1913/14). Überm Eingang schützt ein Netz vor herabfallenden Ziegeln und Putzstücken, innen ist eine Restaurierung unabdingbar. Der 2008 gegründete Förderverein hat inzwischen viele Menschen im Ort für das Ziel sensibilisiert, diesem Gotteshaus seine Würde zurückzugeben. Aus dem Startkapital des FAK von 2.500 Euro sind inzwischen dank der Vereinsaktivitäten 18.000 Euro geworden, aber – so der Vorsitzende Eckart Köthe – gebraucht werden mindestens 400.000 Euro. Eine Zukunft hätte die Kirche vielleicht auch als Begegnungsstätte in der Nähe der größten Kriegsgräberstätte Deutschlands.

In der Kirche von Eichwalde ging es dann mal nicht um die Architektur des imposanten Backsteinbaus (Zaar und Vahl, 1908) – hier lauschte man der einzigartigen Parabrahm-Orgel, deren Vielseitigkeit Kirchenmusiker Burkhard Fritz demonstrierte mit Kompositionen großer Meister, aber auch mit vergnüglichen Imitationen von Tierstimmen. Mit Kuckucksrufen wurden die Gäste schließlich in den Sommerabend entlassen.

Eva Gonda

 

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Neu auf unserer Internetseite

Konzept und Aufgaben des FAK

   
GERETTET – die Dorfkirche Bagow (Potsdam-Mittelmark) war eines der ersten Förderobjekte des FAK

Jetzt finden die Besucher unserer Internetseite auch eine Handreichung, die das Konzept des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg und seine Ziele übersichtlich definiert. Es ist geeignet, an Interessenten weitergereicht zu werden und die Arbeit des FAK immer mehr in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Der Förderkreis stellt sich vor als ein Verein, der in den einundzwanzig Jahren seines Bestehens zu einer anerkannten Institution bürgerschaftlichen Engagements für die Denkmalpflege in Brandenburg geworden ist. Benannt werden Erfolge, aber auch weitere Ziele der Arbeit mit den Schwerpunkten: Stärkung des örtlichen bürgerschaftlichen Engagements, finanzielle und beratende Unterstützung bei denkmalpflegerischen Maßnahmen, Einwerbung und Bereitstellung von Fördermitteln für solche Maßnahmen und angemessene Nutzungserweiterung kirchlicher Gebäude durch Kunst– und Kulturveranstaltungen. Verwiesen wird auch auf die 2008 gegründete Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen, die zusätzlich die langfristige Sicherung von Fördermitteln garantiert.

Als erfolgreich erwies sich – so das abschließende Resümee – der vom Förderkreis Alte Kirchen konzipierte doppelte Förderansatz von Beratung und kurzfristiger finanzieller Unterstützung in Verbindung mit langfristig angelegter finanzieller Förderung.

 

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SACHSEN-ANHALT

Verband der Kirchbauvereine gegründet

In Halle/Saale gründete sich am 30. April ein "Verband der Kirchbauvereine Sachsen-Anhalt e. V.". Er soll Ansprechpartner für staatliche und private Institutionen im Hinblick auf die Einbindung lokaler Vereine in regionale Entwicklungen und Initiativen im ländlichen Raum sein.

In zahlreichen Fördervereinen und Initiativgruppen engagieren sich wie in Brandenburg auch im Land Sachen-Anhalt viele Menschen ehrenamtlich für Erhalt, Sanierung und Nutzung von Kirchengebäuden. Sie leisten in bürgerschaftlicher Selbstorganisation einen wesentlichen Beitrag zur Bewahrung des kulturellen Erbes, zur Gestaltung von Identifikationspunkten für den Heimatort und zur Stärkung zivilgesellschaftlicher Strukturen. Besonders in ländlichen Regionen gibt es vielfältige Bemühungen, das mitunter einzige Baudenkmal ihres Ortes, die Kirche, zu erhalten.

So wurde die Gründung eines gemeinnützigen Vereins angestrebt, der die Aktivitäten der kirchlichen und staatlichen Institutionen, die für den Erhalt und die Nutzung der Kirchengebäude Verantwortung tragen, bündelt und ergänzt.

Auf der Gründungsversammlung überbrachte der Vorsitzende des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, Dr. Uwe Otzen, im Namen des Vorstands sowie der Freunde und Förderer der rund 1.400 brandenburgischen alten Kirchen herzliche Grüße. Bei den Gründungsvorbereitungen hatte Günter Schöne, FAK-Vorstandsmitglied, Pate gestanden und in der Initiativgruppe mitgewirkt. – Einst war auch der Brandenburger FAK dankbar gewesen, dass ihm vor zwei Jahrzehnten der Förderkreis Marburg mit Jean Chanel und Angus Fowler bei der Gründung mit vielen Erfahrungen zur Seite gestanden hatte.

Günter Schöne

 

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Regionalbetreuer des Förderkreises berichten

Dem Dornröschenschlaf entrissen

Zehn Jahre Förderverein Dorfkirche Küstrinchen

 
GERETTET – mit der Sanierung der Kirche vollbrachte eine verschworene Dorfgemeinschaft ein wahres Wunder.

Angefangen hat alles mit einem kurzen Fernsehbeitrag des damaligen ORB im Frühjahr 2001. Für die Sendung "Himmel und Erde" hatte der Kameramann Lothar Keil einen Film über die marode Dorfkirche in Küstrinchen (Uckermark) gedreht. In Interviews glaubten weder der zuständige Gemeindepfarrer aus dem nahen Lychen noch der Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises so recht daran, dass die Kirche noch zu retten sei. Das Gebäude war zwischen Bäumen und Sträuchern völlig eingewachsen. Durch das kaputte Dach regnete es in den Innenraum, in dem eine abenteuerliche Stützkonstruktion die Decke notdürftig vor dem Einsturz bewahrte. Durch den Film war auch der Förderkreis Alte Kirchen auf die Kirche aufmerksam geworden. Am Tag des Offenen Denkmals im September 2001 suchten wir erstmals das Gespräch mit den Einwohnern, und dann ging alles sehr schnell.

Bereits im November wurde ein Förderverein gegründet. Im Frühjahr des nächsten Jahres begannen die Einwohner mit Äxten, Kettensägen und sogar Zugpferden den Wildwuchs um die Kirche zu beseitigen. Ein Gutachten wurde in Auftrag gegeben, Anträge geschrieben, Ausschreibungen veröffentlicht und ausgewertet, eine Arbeitsbeschaffungs-Maßnahme vorbereitet und vieles mehr. Bereits im Oktober 2002 war Richtfest für das neue Dach. Im Folgejahr wurde das barocke Gesims neu aufgemauert. Die Sanierung des Turms samt Aufbringung einer neuen Bekrönung mit Wetterfahne und Kugel erfolgte bis 2005. Auch die Fenster konnten inzwischen repariert werden.

Das alles klingt, als sei es quasi im Selbstlauf geschehen. Das Gegenteil war der Fall. Viele Hindernisse mussten überwunden werden. Der erste Bauabschnitt kostete über 30.000 Euro mehr als geplant, wodurch die Kirchengemeinde als Bauherr plötzlich auf einem Schuldenberg saß. Gegenseitige Schuldzuweisungen konnten jedoch ausgeräumt und durch gemeinsame Anstrengungen die Schulden getilgt werden. Eine Maßnahme zur Turmsanierung durch Lehrlinge des Überregionalen Ausbildungszentrums Wriezen wurde von der Kreishandwerkskammer mit der unsinnigen Begründung "Wettbewerbsverzerrung" untersagt. Hier halfen private Sponsoren aus. Überhaupt sind an dem "Wunder von Küstrinchen" viele Helfer, Spender und Sponsoren beteiligt. Unter ihnen sei hier die Berliner Stiftung "Maßwerk" genannt, die sich finanziell und mit guten Ratschlägen über die Jahre immer wieder einbrachte. Eine Kirchengemeinde aus dem Rheinland stiftete aus einem aufgegebenen Gemeindezentrum zwei Glocken und ein Orgelpositiv. Die Firma Beez & Jeske lieferte kostenfrei die Dachsteine für den Turm. Sänger der Wiener Staatsoper musizierten in der Kirche ein Benefizkonzert, während Schwalben durch die damals noch defekten Fenster aus und ein flogen. Das Ensemble unseres Partnervereins "Theater in der Kirche" gastierte mehrfach in der Kirche.

Der Förderkreis Alte Kirchen konnte viele dieser Helfer nach Küstrinchen vermitteln. Er begleitet den Verein in seiner Arbeit bis heute und steuerte fast 25.000 Euro zu den bisherigen Instandsetzungsarbeiten bei. Der Garant für die Erfolge der letzten Jahre waren jedoch die Menschen vor Ort, die über die Beschäftigung mit ihrer Kirche wieder zu einer echten Dorfgemeinschaft geworden sind, die bis heute mit anpacken, kleine Reparaturen in Eigenleistung ausführen, Veranstaltungen vorbereiten und auch gemeinsam feiern und sich der Erfolge freuen.

Küstrinchen hat weniger als fünfzig Einwohner. Da wurde von außen schon mal die Frage gestellt, ob es sich überhaupt lohnt, viel Geld in die Sanierung eines Kirchengebäudes in einem so kleinen Dorf zu investieren. Die Antwort lautet eindeutig: Ja! Zu den drei Gottesdiensten, die pro Jahr stattfinden – am Ostersonntag, zu Erntedank und am Heiligen Abend – kommen die Besucher inzwischen auch aus den Nachbarorten. Konzerte oder Theateraufführungen sind gut besuchte Höhepunkte im Leben des Dorfes. Am Sonntag, dem 14. August, zum Beispiel fand anlässlich des zehnten Jahrestages der Gründung des Fördervereins in der Dorfkirche ein wundervolles Konzert mit der Percussionistin Nora Thiele statt. Zuvor ließen in einer Feierstunde Vereinsmitglieder und Gäste die ereignisreichen zehn Jahre noch einmal Revue passieren. Doch auch in die Zukunft wurde geschaut: Im kommenden Jahr soll das Kirchengebäude einen neuen Außenputz erhalten. Durch Spenden und Einnahmen aus Veranstaltungen konnte bereits ein erheblicher Teil der dafür notwendigen Mittel angespart werden. Für den Rest der benötigten Summe hofft man auf Sponsoren und Fördermittel.

Für den Verfasser dieser Zeilen verbinden sich mit der Kirche von Küstrinchen zahlreiche spannende und bleibende Erinnerungen und Erlebnisse. Auch in der Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen gibt es Durststrecken und (vorläufige) Misserfolge. Die hier dargestellte Geschichte jedoch zeigt, dass eine verschworene Gemeinschaft manchmal Wunder vollbringen kann, und macht Mut für andere Projekte. Wir bieten auch in Zukunft unsere Hilfe an, freuen uns auf weitere freundschaftliche Begegnungen in Küstrinchen und gratulieren dem Verein zum bisher Erreichten.

Text und Foto: Bernd Janowski

 

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Verloren – aber nicht vergessen

Alt Tucheband: Nur Mauerreste erinnern an die einstige Kirche in der Ortsmitte

     
Postkarte um 1935
Ephoralarchiv Seelow
Mahnmal
Trebeß
Ruine um 1950
Ephoralarchiv Seelow

Einst prägte ein schlanker Kirchturm die Ortsmitte von Alt Tucheband (Märkisch Oderland). Heute erinnern ein paar Mauerreste an den ehemaligen neugotischen Backsteinbau (1862). Der Ort war im April 1945 bei den schweren Kämpfen vor den Seelower Höhen zu 95 Prozent zerstört worden. Von der Kirche blieben nur noch Teile der Umfassungsmauern. Bei Aufräumungsarbeiten sollen die Glocken gefunden und von der Roten Armee abtransportiert worden sein. Auch alle wertvollen Ausstattungsstücke gingen verloren. Die Ruine wurde abgetragen und der Platz verwilderte zusehends. Erst 1988 ist er endgültig beräumt worden. Die dabei gefundenen Kirchenbauteile wurden als Mahnmal gesichert.

Norbert Trebeß

 

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BÖLZKE (Prignitz)

"...den Stab nehmen" und Neues entdecken

Eine kleine Kirche ist gerüstet für viele willkommene Besucher

 

Vor wenigen Tagen wurde nach langer Bauzeit die Kirche in Bölzke wieder eröffnet. Mit seinem hellen Anstrich und neuem Dach lädt der schlichte Fachwerkbau von 1825 nun Menschen aus nah und fern zu Andacht, Stille und Meditation. Auch Pilger sind hier immer willkommen ..

Die Pilgerei ist in letzter Zeit wieder zu neuen Ehren gekommen. Durch Brandenburg führen inzwischen viele Wallfahrtswege. Mit dem wiederbelebten rund 130 Kilometer langen Weg von Berlin zur berühmten Bad Wilsnacker Wunderblutkirche konnte die Prignitz in den letzten Jahren erfolgreich an die Tradition des Mittelalters anknüpfen und sich wieder als Pilgerlandschaft in Norddeutschland etablieren. Im Frühjahr wurde der "Annenpfad" eröffnet. Er verbindet als neu angelegter Rundweg auf 22 Kilometern Länge das Klosterstift zum Heiligengrabe bei Wittstock, die ehemalige Wallfahrtskirche St. Anna in Alt Krüssow und die Bölzker Dorfkirche.

Dem Phänomen Pilgern ist deshalb auch eine Ausstellung "…den Stab nehmen. Pilger, Wallfahrt und geläuff" gewidmet, die schon vor der Bölzker Kirchenpforte Aufmerksamkeit erregt und sich im Innern fortsetzt. Da gruppieren sich im Umfeld des Fachwerkbaus sieben fast zwei Meter hohe Metallstelen, die sich harmonisch in das Dorfbild einfügen. Sie tragen Tafeln, auf denen Besucher eine Zusammenfassung der Ausstellung erhalten, auch wenn die Kirche nicht geöffnet ist.

Nicht nur auf die Ziele der Wallfahrten wird hier das Augenmerk gelegt, sondern vor allem das Unterwegssein mit all seinen Facetten beleuchtet. Die stete Suche des Menschen symbolisiert das große gepflasterte Labyrinth, das vor dem Westgiebel zu einer kleinen Meditation über Lebenswege, Entfernungen und Zielstrebigkeit einlädt.

Im Innern der Kirche vertiefen illustrierte Texttafeln die unterschiedlichen Aspekte des Wallfahrens. Warum und wie viele Menschen sind auf Pilgerfahrt gegangen, wie waren sie gekleidet, wie fanden sie ihren Weg durch fremde Länder, wo gewährte man ihnen Obdach? Diesen Fragen will die Ausstellung nachgehen und macht die Geschichte mit Exponaten aus Museen und aus anderen Kirchen anschaulich.

Für den Förderverein zum Erhalt der Kirche Bölzke fanden mit der Fertigstellung der Sanierung mehr als zehn Jahre steter Bemühungen einen krönenden Abschluss. Das große Engagement seiner Mitglieder veranlasste das Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft ebenso wie den Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, die anspruchsvollen Ziele des Vereins zu unterstützen. Viele große und kleine Spenden trugen zum Erfolg bei.

Die vollständige Restaurierung umfasste neben dem neuen Dach auch die Wiederherstellung der Turmbekrönung nach dem alten Vorbild. Für die Nachwelt hat der Förderverein hier eine Kupferrolle mit allerlei Informationen über unsere Zeit und seine Bemühungen um den Erhalt des Gotteshauses deponiert. Im ebenfalls sanierten Kircheninneren wurde eine Heizung installiert. Der kostbare Kanzelaltar des Meisters Grothe von 1783 konnte von seiner späteren Übermalung befreit und restauriert werden. Er strahlt in nun ganz ungewohnter Farbigkeit.

Seit langer Zeit können in Bölzke nun wieder Gottesdienste gefeiert werden. Ebenso aber öffnet die Kirche ihre Pforten auch als kleines Kulturzentrum für Begegnungen der Menschen vor Ort. Und da sind vorbeiziehende Pilger selbstverständlich immer willkommen.

Susanne Gloger, Foto: Jean Boué

 

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Wo ist unser Geld geblieben? – Wir fragten diesmal nach in Cöthen (Märkisch-Oderland)

Wie es zu einer Fata Morgana im Oderland kam...

   
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Manchmal braucht man einfach einen langen Atem. Und Mut. Und eine Vision. Die Vision, dass in der Cöthener Kirche jemals wieder Gottesdienste gefeiert werden könnten, schien allerdings lange Zeit geradezu vermessen.

Seit den Sechzigerjahren nicht mehr gottesdienstlich genutzt, war der 1830 im Typ der Schinkelschen Normalkirchen errichtete Bau dem Verfall preisgegeben. Zeitweilig diente er als Baustofflager; die Fenster wurden mit den Brettern der herausgerissenen Bänke vernagelt. Draußen wucherten indessen Sträucher und Bäume in den Himmel. Die Kirche war dahinter für Jahrzehnte verschwunden.

Wer heute erstmals wieder durch den Ort kommt, muss an eine Fata Morgana glauben. Eine trügerische Luftspiegelung mitten im Oderland! Da thront die Kirche auf ihrem Hügel wieder über den Dächern des Dorfes. Dass sie jedoch ganz real ist, davon zeugen die Gerüste, auf denen sich Bauarbeiter zu schaffen machen.

Das war geschehen: Als nach der Wende immer mehr Kirchen rundum saniert wurden, setzten sich auch engagierte Cöthener für die Rettung ihres desolaten Gotteshauses ein. Dazu gehörte Mut, dem sich auch Widerstand entgegenstellte. Wozu eine Kirche im kleinen Hundert-Seelen-Dorf mit noch kleinerer Kirchengemeinde? Besser verkaufen, verpachten oder abreißen! Der Förderkreis Alte Kirchen riet den Rettungswilligen damals zur Gründung eines Fördervereins; er half bei den ersten schwierigen Schritten, moderierte bei den weiter schwelenden Meinungsverschiedenheiten, konnte immer wieder Mut machen, auch als der 1998 gegründete Verein resigniert aufgeben wollte. Man machte dann doch weiter, und zwar mit einem guten Konzept.

Der Förderkreis Alte Kirchen gewährte im Frühjahr 2001 dem Cöthener Verein eine Anschubfinanzierung von 10.000 DM, eine für den FAK damals hohe Summe – Grundstock für die Eigenmittel, auf deren Basis weitere Fördermittel eingeworben werden konnten.

Zunächst war es um die Sicherung der Bausubstanz gegangen. Gleich nach Gründung des Vereins hatte man im Inneren eine Unterkonstruktion zur Abstützung der maroden Deckenbalken eingebaut, um die bautechnische Sperrung aufheben zu können. Private Spender besorgten Kirchenbänke und schon bald zog viel Leben in die alten Mauern ein: Neben Gottesdiensten lud man zu Konzerten und Vorlesungen, Filmvorführungen, Veranstaltungen für die Jüngsten... Viele kamen, und die Spendenkasse füllte sich.

Noch manche Krise hatte der Verein zu bestehen und manche Hürde zu nehmen, die Streichung des Dach-und-Fach-Förderprogramms gehörte u.. .a.. dazu. "Wir haben auch in dieser Situation einfach weitergemacht", sagt Marlies Sydow. Die Vereinsvorsitzende ist mit gutem Recht stolz auf die bisherigen Ergebnisse. Dach und Dachstuhl wurden erneuert, der Turm soweit saniert, dass die alte Glocke wieder ihren Platz hoch oben beziehen konnte. Längst ist der "Urwald" rund um die Kirche verschwunden; später soll die Grünfläche einladend gestaltet werden.

In diesem Jahr begannen mit der Förderung aus dem LEADER-Programm die komplette Instandsetzung der Kirche und ihr Ausbau zum Kultur– und Sozialzentrum. Außen nimmt die Fassade schon wieder ihre einstige schöne Gestalt an. Sie wird einmal in zartem Grün leuchten, so jedenfalls hat die Denkmalpflege die ursprüngliche Farbgebung identifiziert. Im noch sehr unwirtlichen Inneren muss man allerdings schon ein gerüttelt Maß an Phantasie mitbringen, um sich die künftige Gottesdienst– und Begegnungsstätte als ein würdevolles und zugleich einladendes Haus vorzustellen – es wird der einzige öffentliche Raum sein im Ort ohne Schule, Gasthof und Laden.

Die Kosten für die komplette Sanierung belaufen sich auf rund 300.000 Euro. Der Großteil dieser Summe wird durch das LEADER-Programm und schon vorhandene Eigenmittel abgedeckt. Etwa 50.000 Euro an Eigenanteil aber müssen noch aufgebracht werden. Schon im nächsten Jahr will man mit allem komplett fertig sein.

Die Cöthener, die einmal fast aufgegeben hatten, bleiben bei ihrem ehrgeizigen Vorhaben. Sie haben Mut und notfalls auch einen langen Atem. Wie sagte doch Marlies Sydow: "Wir machen einfach immer weiter."

Eva Gonda, Fotos: Wolf-Rainer Marx

 

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Abschied von Gerhard Köhne

Er schenkte seinem Dorf die wiedererbaute Kirche

Auch der eilige Autofahrer, der auf der L 20 von Potsdam in Richtung Oranienburg unterwegs ist, wird das schöne Bild genießen, das sich bietet, sobald sich der Wald am Nordrand der Döberitzer Heide öffnet: das Dorf Seeburg, von Feldern eingefasst, in seiner Mitte freundlich grüßend die Silhouette des Kirchturms.

Was heute scheint, als sei es so schon immer gewesen, ist maßgeblich das Verdienst des Architekten Gerhard Köhne. In Seeburg aufgewachsen, hat er 1945 miterleben müssen, wie bei den letzten Kämpfen um Berlin die mittelalterliche Kirche in Flammen aufging. Seitdem erinnerte nur noch eine Ruine an das einst das Ortsbild prägende Gotteshaus.

Erst der Fall der Mauer und die Wende ließen überhaupt an den Wiederaufbau der Seeburger Kirche denken. Gerhard Köhne hat dazu einen besonderen Beitrag geleistet: Zusammen mit seinem Sohn hat er die gesamte Planung und Leitung der Wiedererrichtung der Kirche unentgeltlich geleistet, als Geschenk und Dank an seinen Heimatort. 2002 konnte er das Bauwerk übergeben.

Am 19. April ist Gerhard Köhne nach schwerer Krankheit gestorben. Wenige Tage zuvor hatte er mit seiner großen Familie in "seiner" Seeburger Kirche noch die Goldene Hochzeit feiern können.

Die Seeburger Gemeinde und unser Land danken ihm die Wiedererstehung eines wunderbaren Ortes. Wer je durch Seeburg kommt, sollte anhalten, den die Kirche umgebenden Friedhof anschauen und vor allem die Kirche selbst. Sie ist täglich geöffnet.

Arnulf Kraft

 

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KURZ NOTIERT

Dorfkirchenrallye verschoben

Kurzfristig aufgetretene organisatorische/technische Schwierigkeiten, die bis zum ursprünglich vorgesehenen Rallyetermin 9./10. September wahrscheinlich nicht behoben werden können, haben uns bewogen, die Oldtimer-Rallye zu alten Dorfkirchen auf das nächste Frühjahr zu verschieben. Damit soll sichergestellt werden, dass unser erstes Projekt dieser Art auch wirklich professionell und reibungslos durchgeführt werden kann.

Der Förderkreis Alte Kirchen hat die angemeldeten Teilnehmer bereits informiert und ihnen sein Bedauern über diese Entscheidung mitgeteilt.

Die Entscheidung ist eine Enttäuschung für alle und fiel nicht leicht. Jedoch haben wir bei den Bürgermeistern der Städte Finsterwalde und Luckau sowie bei den beteiligten Pfarrern und Pfarrerinnen volles Verständnis gefunden. Alle wollen im nächsten Jahr wieder dabei sein, sodass die geplante Route nicht verändert zu werden braucht, was Organisationszeit und Kosten spart.

Bitte notieren Sie den neuen Termin: 18./19. Mai 2012 (Himmelfahrtswochenende).

WERBIG (Teltow-Fläming): Die "Zwiebelhaube" kehrte zurück

Die kleine Gemeinde Werbig hat ihr Wahrzeichen zurück: Hoch über die Dächern ragt nun wieder der Kirchturm, dessen barocker Turmaufsatz mit der charakteristischen "Zwiebelhaube" lange Zeit als "Markenzeichen" des Ortes weithin sichtbar war.

Der Kirchturm musste 1968 wegen Baufälligkeit abgetragen werden. An einen Wiederaufbau war seinerzeit nicht zu denken. Seit dem Jahr 2005 setzte sich der Förderverein Kirchturm Werbig e.V. für die originalgetreue Rekonstruktion ein. Jetzt konnten die Mitglieder und Förderer den Erfolg ihrer jahrelangen Bemühungen feiern.

Der Werbiger Förderverein gehörte 2007 zu den Preisträgern des vom FAK jährlich ausgelobten "Startkapitals für Kirchen-Fördervereine".

BRIESEN (Spree-Neiße): Einzigartige Fresken nun in "trockenen Tüchern"

Vor wenigen Wochen konnten die Arbeiten zur Trockenlegung des Mauerwerks der Dorfkirche Briesen (Dorfkirche des Monats Dezember 2010)abgeschlossen werden. Damit ist ein wichtiger Schritt zur Erhaltung der einzigartigen mittelalterlichen Wandmalereien getan, deren Festigung und Restaurierung dringend geboten sind. Die Fresken sind laut einer Inschrift vermutlich 1486 im Zuge der Kirchenweihe fertiggestellt worden. Nach einer späteren Übermalung wurden sie erst 1963 bis 1969 wieder freigelegt.

Zu einem früheren Bauabschnitt an der Briesener Kirche hatte der Förderkreis Alte Kirchen 2007 eine zweckgebundene Spende in Höhe von 10.000 Euro weiterreichen können.

330.000 Euro für Kirchensanierungen in der Uckermark

In der Uckermark werden zwei weitere evangelische Dorfkirchen für insgesamt 330.000 Euro saniert. Für die Arbeiten an den mittelalterlichen Kirchen in Dauer bei Prenzlau und in Stendell bei Schwedt stellt das brandenburgische Kulturministerium 115.000 Euro zur Verfügung. Für die 162.000 Euro teure Sanierung der Kirche von Dauer werden 60.000 Euro Landesmittel bereitgestellt. Für die mit Kosten von 168.000 Euro veranschlagte Sanierung der Kirche von Stendell fließen 55.000 Euro Landesmittel. Die weiteren Kosten werden von der evangelischen Kirche sowie mit Drittmitteln finanziert, an denen auch der Förderkreis Alte Kirchen beteiligt ist.

Jahresbericht der KiBa erschienen

Jetzt erschien der Jahresbericht 2010 der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (KiBa).

Danach konnte die Stiftung im vergangenen Jahr rund 1,1 Millionen Euro für den Erhalt von Kirchen bewilligen. In dem Bericht werden alle Projekte des vergangenen Jahres in Wort und Bild vorgestellt.

TIPP AUS DER PRAXIS: Gegen Feuchtigkeit im Mauerwerk

Viele Fördervereine berichten uns über Probleme mit aufsteigender Feuchtigkeit im Mauerwerk ihrer Kirche und über zu hohe Luftfeuchtigkeit im Kircheninnern. Das einfachste Mittel dagegen ist natürlich eine möglichst ständige Belüftung, am besten eine Querlüftung.

Eine verlässliche Aussage über den Grad der Luftfeuchtigkeit liefert ein einfaches Hygrometer. Eine relative Raumfeuchtigkeit von bis zu 60 Prozent gilt als normal. Liegt der Durchschnittswert wesentlich darüber, sollte den Ursachen dafür nachgegangen werden.

Gut brauchbare Hygrometer sind z. B. bei CONRAD schon ab 11,95 Euro erhältlich. Der Absicht, auf das Problem Feuchtigkeit in der Kirche mehr Aufmerksamkeit zu lenken, dienen sie vorzüglich.

 

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BÜCHERSEITE

Kirchen öffnen! Aber wie?

Kirchen sind seit jeher öffentliche Räume innerer und äußerer Freiheit gewesen, sagt Fulbert Steffensky – als solche aufgesucht von Menschen auf der Suche nach Höherem. Damit unsere Kirchen solche spirituellen Erfahrungen ermöglichen, müssen sie aber vor allem eines: offen sein! In der Badischen Landeskirche ist ein Werkheft erschienen, wie man es sich auch für die EKBO wünschen würde. Es gibt wertvolle praktische Tipps, organisatorisch und inhaltlich – von Versicherung bis Raumgestaltung.

Es geht hier aber nicht nur um die Öffnung unserer Kirchen. Verständlich und zugleich fachlich-theologisch fundiert wird darüber hinaus die Gestaltung sakraler Räume ästhetisch, liturgisch und baugeschichtlich beleuchtet: der Komplex "Kunst in Kirchen" ebenso wie liturgische Farben, Kerzen im Kirchenraum und vieles andere mehr. Zu der bei Umgestaltung einer Kirche oft gestellten Frage "Bänke oder Stühle?" wird mit flexiblen Kurzbänken erfreulicherweise eine dritte Option präsentiert.

Nicht abstrakt, sondern von der Wahrnehmung her wird dargestellt, dass Räume "verletzliche Subjekte" sind, wird zum bewussten Umgang mit ihnen sensibilisiert. Lehrreich ist hier der Hinweis, dass Wahrnehmung griechisch aisthesis heißt, woraus sich unser Begriff "Ästhetik" ableitet. Beispiele zeigen, dass "gut gemeint" keineswegs immer "gut gemacht" ist. Die Stichworte "Verwohnzimmerung" und "Verunklarung sakraler Räume" bringen es auf den Punkt. So bewirkt falsch verstandene "Niederschwelligkeit" das genaue Gegenteil. Der allzu sichtbare Bezug auf die eigene Gemeinde wirkt nicht ein-, sondern ausladend. Auch ist die Kirche kein Raum für überwinternde Topfpflanzen. Ein "mobiler Altar", um noch ein Beispiel zu geben, konterkariert das Wesen des Altars.

Exemplarisch wird das Werk Otto Bartnings genannt, des 1959 verstorbenen großen evangelischen Kirchenbaumeisters, um in seiner Tradition, die lange Zeit vergessen war, auf die "Wiederentdeckung des Heiligen in Liturgie und Kirchenbau" hinzuweisen. Die Teamarbeit einer Pfarrerin, einer Kunsthistorikerin, einer Architektin/Kirchenpädagogin und einer Paramentikerin macht sich wohltuend bemerkbar. Allen als Grundlagenlektüre zu empfehlen, die mit Kirchenräumen zu tun haben – seien sie (immer noch) abgeschlossen oder (schon) offen!

Immo Wittig

Tut mir auf die schöne Pforte. Werkheft offene Kirche. Karlsruhe, Ev. Landeskirche in Baden.
ISBN 978-3-00-033505-1, 74 Seiten, kostenlose Abgabe (Tel. 0721 9175727;
E-Mail: bestellservice@ekiba.de, Leseprobe: www.otto-bartning.de/werkheft.pdf

Kunst und Kirche – eine alte Beziehung

In unseren Kirchen finden sich vermutlich mehr Werke der bildenden Kunst als in allen Museen des Landes. Leider ist es in unserer weitgehend säkularisierten Welt vielfach in Vergessenheit geraten, dass Bilder und Skulpturen in den sakralen Räumen eine Funktion zu erfüllen hatten. Sie dienten – angefangen bei der Biblia pauperum des Mittelalters – zur Unterweisung und Inspiration der Gläubigen.

Anhand von Beispielen aus allen Epochen der Kunstgeschichte erklärt Timothy Verdon, Kunsthistoriker und Domherr der Kathedrale von Florenz, die Zeichensprache der Kunstwerke, die im Kontext der Räume zum "sichtbaren Wort" werden. Er analysiert den Prozess der visuellen Formgebung und gibt dem Leser Hilfsmittel an die Hand, wie er mit diesen umgehen kann. Das Buch erklärt die Gründe für die Aufeinanderfolge der Stile, indem einzelne emblematische Werke aus allen Epochen christlicher Kunst beleuchtet und in einen größeren Kontext eingeordnet werden. Entstanden ist eine kompetente und anschauliche, gut lesbare Einführung in die 2000-jährige gemeinsame Geschichte von Kunst und Kirche.

Timothy Verdon: Kunst im Leben der Kirche. Eine 2000-jährige Beziehung.
Verlag Schnell + Steiner, Regensburg 2011, 34,90 €, ISBN: 978-3-7954-2359-9

Auf den Spuren Theodor Fontanes

Neue Bücher über Kirchenbauten im Oderbruch und im Havelland

Zahlreiche Publikationen über die Kirchenbauten der Mark Brandenburg sind in letzter Zeit erschienen: Geschichtsbücher, Reiseführer, kunsthistorische Abhandlungen und Bildbände. Jetzt sind zwei sehr unterschiedliche, jedoch gleichermaßen interessante Bücher dazugekommen, die sich mit den Gotteshäusern einzelner Regionen beschäftigen und die für den ambitionierten "Kirchenentdecker" unbedingt zu empfehlen sind.

"Kirchen im Oderbruch" ist der Titel einer Veröffentlichung in der Buchreihe "Einst und jetzt", die der be.bra Verlag gemeinsam mit der Märkischen Oderzeitung herausgibt.

Als Theodor Fontane im Mai 1860 eine seiner Erkundungsfahrten für die "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" auf die Seelower Höhen unternahm, beeindruckte ihn "der ferne, halb ersterbende Klang von dreißig Kirchtürmen … als läute der Himmel selber die Pfingsten des nächsten Morgens ein". Nicht einmal ein Jahrhundert später war von all dieser Idylle wenig geblieben. In der letzten Schlacht des Zweiten Weltkrieges wurden viele Kirchen zerstört und Türme gesprengt; Ausstattungen verbrannten.

Das Buch stellt alte und neue Fotos nebeneinander. Es beklagt Verluste, zeigt aber auch, wie Christen sich während der Nachkriegszeit in den Ruinen Notkirchen errichteten, um Gottesdienste feiern zu können. Auch die Bemühungen der letzten zwanzig Jahre zur Sicherung der Kirchenruinen und zum Teil auch zu ihrem Wiederaufbau werden spannend erzählt. Reiz des Bandes ist es, dass immer auch die Menschen vorgestellt werden, die durch ihre Verbundenheit mit den Kirchengebäuden dazu beigetragen haben, dass diese steinernen Zeugen der Geschichte nicht in Vergessenheit gerieten. So wird deutlich, dass die Kirchen des Oderbruchs keinesfalls nur Museen einer vergangenen Zeit sind, sondern noch immer Orte lebendigen Gemeindelebens.

Auch einer anderen brandenburgischen Landschaft widmete Theodor Fontane einen eigenen Band seines großen Reise- und Geschichtswerkes. In einem Geleitwort zu Andreas Kitschkes Buch "Kirchen des Havellandes" wird denn auch Fontanes leidenschaftlicher Ausruf "Grüß Gott Dich, Heimat!" zitiert.

Weniger hymnisch, vielmehr fundiert wissenschaftlich, widmet sich Kitschke den Sakralbauten der Kirchenkreise Nauen-Rathenow und Falkensee, damit die Grenzen des historischen Havellandes bewusst erweiternd. Viele bisher nicht veröffentlichte Archivquellen wurden erschlossen und ausgewertet. Entstanden ist ein Buch, das man vielleicht nicht in einem Zug durchliest, das jedoch als ein auch für den interessierten Laien geeignetes, sehr gut lesbares Nachschlagewerk Maßstäbe für andere Regionen setzen könnte. Auch die Ausstattungen der havelländischen Kirchenräume wird ausführlich vorgestellt. Dazu schreibt der Autor in seiner Einleitung: "Ich selbst war überrascht, welche Schätze der bildenden Kunst sich in äußerlich unscheinbaren Gotteshäusern in der Region finden lassen." Ein besonderes Verdienst ist es, dass Andreas Kitschke, auch Orgelsachverständiger der Landeskirche, die in der kunstgeschichtlichen Literatur ansonsten eher am Rande behandelten Orgeln mit ihrer Entstehungs- und Umbaugeschichte ausführlich vorstellt. Er dokumentiert ebenso die Glocken – erhaltene wie den Kriegen des 20. Jahrhunderts zum Opfer gefallene – und zitiert Glockeninschriften als "Zeitdokumente eigener Art".

Beide Publikationen heben sich wohltuend aus der manchmal etwas oberflächlichen Menge der sonstigen Reise- und Denkmalführer heraus und zeigen, dass es bei der Beschäftigung mit den brandenburgischen Dorfkirchen noch immer viel Neues zu entdecken gibt.

Bernd Janowski

Mangelsdorf, Frank: Einst und jetzt. Kirchen im Oderbruch.
culturcon medien, Berlin 2011, 185 S., 16,95 €, ISBN 978-3-941092-45-7
Kitschke, Andreas: Kirchen des Havellandes.
be.bra wissenschaft Verlag, Berlin 2011, 269 S., 29,95 €, ISBN 978-3-937233-78-9

Ein Kalender wirbt für Engagement

Im Kirchenkreis Oderbruch sind, 66 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, immer noch Spuren von Vernichtung und Leid an den zerstörten Kirchen abzulesen. Nach wie vor sind nicht alle Kirchenruinen so weit gesichert, dass einem weiteren Verfall der Bauten Einhalt geboten werden kann.

In der Zusammenarbeit zwischen Kirchengemeinden und neu gegründeten Fördervereinen gelang es jedoch, einige Kirchen für Gottesdienste und als Begegnungsstätten wieder aufzubauen. Sie stehen als Zeichen der Hoffnung für nachfolgende Generationen, dass das überkommene Erbe nicht abgetragen und aus der Welt geräumt wird.

Im Rahmen des Masterstudiengangs "Schutz Europäischer Kulturgüter" der Europa-Universität Viadrina hat eine Studierendengruppe in Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg einen Wandkalender gestaltet, der exemplarisch das Schicksal von zwölf Kirchenbauten der Region erzählt. Gegenübergestellt werden alte und neue Fotos, versehen mit einem kurzen Text zur Geschichte

Mit dem Projekt wollen die Studenten auf das Schicksal der Kirchen aufmerksam machen und das Interesse für deren Erhalt wecken.

Kirchenruinen im Oderbruch. Wandkalender 2012. 30 x 42 cm, Farbdruck, 15 € incl. Porto und Verpackung
Bestellung über: Förderkreis Alte Kirchen; Tel. und Fax: 030 4493051; E-Mail: altekirchen@aol.com

 

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